In der Früh. Ich werde geweckt. Viertel elf. Na toll, Vormittag im Arsch. Auch weil wir keine Erdbeeren mehr kriegen zwecks Erdbeertorte. Der erste Workshop fing um zehn an, den kann ich ja jetzt wohl vergessen. Den auch nicht. Keinen Bock auf Einkaufen, das Ginger Ale von gestern Abend hat wider Erwarten die Nacht überlebt. Hab die ganze Zeit Mind Heist von Zack Hemsey im Kopf, weil heute die Premiere von Inception ist. (Mind Heist war das Musikstück aus dem Trailer.) Gehe zu Fuß zum Speicher. Es pieselt ein wenig. Mind Heist. Als ich beim Speicher ankomme, ist fast keiner mehr da. Alle verstreut, am Arbeiten für den Vormittags-Workshop oder sonst wie unterwegs, irgendwo untergestellt und sich Kaffee bestellt. Verständlich und auch das einzig Angebrachte bei dem Wetter. Es erzeugt bei mir immer so eine Alle-sind-zerstreut-äh-verstreut-und-das-deprimiert-mich-ein-wenig-aber-irgendwie-hat-das-was-was-diesen-Moment-anhebt-keine-Ahnung-ob-das-wirklich-eine-Anhebung-ist-oder-einfach-nur-die-veränderte-Wahrnehmung-Stimmung. Ich schreibe an meinem Bericht, denn gestern hab ich mitten im Schreiben bei Hiddensee abgebrochen. Dieses Kapitel (für den Leser: alles vor dem Satz „So, wir sind jetzt in der Kulturschmiede“, also vor Teil 5) schließe ich ab. Der Regen ist zwar nicht allzu stark, da kenne ich stärkere Kapriolen, aber so schwach ist der auch nicht mehr, um genau zu sein, war der schon auf dem Weg hierher als richtiger Regen klassifizierbar, so dass sich normale Menschen (die man im Speicher stets vergeblich sucht) eine Regenjacke anziehen würden, also so ein Drüberwürgding, bestehend aus einer dünnen Plane. Auf Grund dessen bilden sich in der Plane im Hof, die als Teilüberdachung dient, Pfützen. Diese sollten nach Möglichkeit nicht zufällig dem Druck nachgeben und einen kurzen, aber heftigen Wasserfall induzieren, sondern von Zeit zu Zeit abgelassen werden. Dies ist auch genau das, was ich in den Schreibpausen mache. Lieber mehrere kleine Überraschungen als eine große. Den auch nicht. Gehe dann auch irgendwann mit den Anderen rein (also die Mitarbeiter und andere Participants), setze mich im zweiten Stock an den Tisch und löse Rätsel in einer Zeitung, die da so herumlag, während einige Participants Stempel aus Radiergummis schnitzen. Ich mach mein Sudoku (ich bin geradezu süchtig nach dem Scheiss, ja ich weiß, Mainstream und so, aber Kreuzworträtsel krieg ich oft nicht raus, ich bin nicht so der kreative Sprachtyp, ich bin ein Logiker). Strange_Core hat ihr Cajón dabei. Ich dachte zuerst, dass das Cachon geschrieben wird, ließ mich später eines Besseren belehren. Wasn das, dachte ich mir. Ein Akustikschlagzeug, wie sich im Gespräch herausstellte. Dies gab sie zur Bemalung frei, siehe dazu die Loreley von Guitar Guy. Ein Akustikschlagzeug? Als sie es dann aber mitbrachte, war mir alles klar. Genau so ein Ding hatten die Bummms Boys auch bei ihrem Konzert dabei. Ihr wisst schon, diese quaderförmigen Kisten, auf die man sich draufsetzt und mit den Händen drauf rumtrommelt. Ich hatte es am Sonntag schon gesehen, beim Kaffeeausschank hatte Strange_Core darauf gespielt.
Dann, kurz nach drei, fängt Tills Workshop an. Den kenne ich, könnte der neueste von The Cure sein. Ist gerade in den Charts. Nee, der ist nicht von The Cure. Mit Kreide Dinge auf der Straße ergänzen. Und dabei Werbung für die Vernissage vom Skizzenfestival zu machen. Robina und ich ab, die Ossenreyer versorgen. Aber erst an die Betonwände. Den auch nicht. Unser Logo dort hin. Gegenüber ein orangener Typ als Umriss an die Wand. Das Innenliegende vom Dreck befreit, damit das besser wirkt. Dann ein zerlaufenes Eis vor Janny’s, paar Schuhsohlen vor Deichmann, und dann der Hinweis, sich das Banner oben in der Straße mal anzusehen. Und dann … die Idee. Vor der Kreuzung, ähm, auf der Kreuzung vor dem Löwenschen Palais der ultimative Hinweis. Riesengroß unser Logo und der Zeitpunkt. Schön groß erst mal den Ring abstecken. Die Leute denken, wir markieren einen Gefahrenbereich und gehen drum herum. Der Kreis wird dann dicker gemacht. Dann der Strich durch. Den auch nicht. Ich sehe gerade diversen Menschen beim Billard-Spielen zu. Den auch nicht. Robina war noch beim Verbreitern, da hab ich mich so langsam an den Papierkorb gemacht. Zwischendurch fragten mehrere Passanten, was wir da machen. Wir erklärten. Und Robina verteilte Flyer. Als wir dann endlich mit dem Riesenteil fertig waren, fiel auf, dass die Scheiss-Pflastersteine stören. Das Bild wird unhomogen. Deshalb die wichtigsten Hinweise nochmal auf den Fußweg. Den auch nicht. Ich werde langsam müde, scheisse. Letztes Jahr um die Zeit war ich nicht mehr weit von der Abreise entfernt. Kommt mir bekannt vor. Klingt wie der vorletzte Titel von un dìa. Verdammt noch eins, das IST der vorletzte Titel von un dìa. Sabres of Paradise waren das, glaube ich. Ein Nachsehen genügt. (Anm.: un dìa ist ein Sampler, den ich mal in zwei Wochen zusammengetackert habe, und es waren nicht die Sabres of Paradise, es war Empire of the Sun - Country) Ja, das ist das, was ich jetzt brauche, um weiterschreiben zu können. Nach den paar Büchern vor Weiland haben wir dann ‘ne Fläche entdeckt zum Hinlegen, also Silhouettenzeichnungen. Wer zieht den Kürzeren? Wir nehmen jeder ein Stück gleiche Kreide, so dass wir zwei identische Stücke haben. Ich breche ein Ende ab, drehe die beim zweiten Versuch so, dass das abgebrochene Ende nicht oben herausschaut. Robina zieht den Kürzeren. Legt sich hin, zeigt zum Speicher, ich mache schnell. Sollen nicht allzu viele sehen, dass sich hier jemand hinlegt und einer kritzelt drum herum. Ja, wir wissen, dass das Sylvain ist, nicht so laut. Den auch nicht. Kurz darauf beim Alten Markt: So eine große Zeichenfläche, und dann ist das Miststück gepflastert. Wo gehen wir als nächstes hin? Theater oder Parkhaus? Ich würde mal sagen: Beides. In umgekehrter Reihenfolge. Beim Parkhaus kann man nicht so viel machen, deshalb gehen wir nach kurzem Aufenthalt weiter zum Theater. Es fällt auf, dass wir verdammt wenige Fotos gemacht haben. Beim Theater schreibt sie unseren Schriftzug drauf, während ich aus einem Mülleimer eine Getränkedose mache. Sprunk. Meine GTA-Sucht wurde nicht ausreichend entzogen. Den auch nicht. Wir begegnen noch zwei Participants. Wir bieten den gemeinsamen Rückweg über Ossenreyer an, sie lehnen ab. Kontrollgang. Ehm, was steht da für ein großer Wagen in der Nähe von unserem Logo? Ist das etwa die Straßenreinugung? Ey? Wollt ihr das etwa wegmachen? Aber dann war es doch nur ein normaler Transporter. Unser schönes großes Logo zerlatscht, und das Banner ist weg. Man erkennt das Logo zwar noch, aber wer bleibt da noch stehen, bei dem Verkehrsfluss? Aber eine geile Aktion war es trotzdem. Das kleine Logo weiter vorne unter dem jetzt nicht mehr vorhandenen Banner ziehen wir nach, ebenso die Deichmannschuhe. Wir begegnen den 3D-Menschen, ich schaue im Laden vorbei. Alles grün. Unsere Hände sind mittlerweile extrem schmutzig. Wir machen noch einen Spongebob vor die Apotheke. Wieso malen wir einen Spongebob vor die Apotheke? Auf dem Neuen Markt die spontane Idee zu unserem finalen Werk. Den auch nicht. Die Straße ist gut sichtbar, wird aber selbst nur schwach begangen, aber der Fußgängerweg daneben wird stark frequentiert. Machen wir da den Hinweis. Diesmal mit Lageplan. Und Kirche. Und den größten Buchstaben. Ich muss mich strecken, um die zu malen. Muss wie beim großen Logo korrigieren, nehme dazu das Wasser aus meinem Rucksack. In das Gebäude lassen sie uns, um das zu knipsen, nicht rein, also muss die Treppe reichen. Sie reicht. Wisst ihr, was mir gerade auffällt? Die haben die Bilder abgehangen. Ist auch besser so.
Denhattenwirschondenauchnicht. Hatte gerade ein interessantes Gespräch mit Maki. Hatte irgendwie etwas Beruhigendes. Ich weiß genau, welcher Titel dazu hätte laufen müssen, mir fällt jetzt nur der Name nicht ein. Aber De Phazz - Café Coca hätte auch gepasst. Damit gehört sie zu den wenigen Menschen, denen ich persönlich davon erzählt habe und die auch die genaue Funktion dieses Blogs kennen. Und von denen ich eine Visitenkarte habe. Btw: Die Musik ist aus.
Ein Lied spielen sie noch. Wieder das Peter Fox-Lied (Schüttel deinen Speck). Ich glaub, dann schmeißen die uns raus.
Wo war ich? Der Neue Markt war also auch versorgt. Zurück zum Speicher. Dreipacken minus zweipacken ist gleich ab nach Hause. So, nochmal Schüttel deinen Speck. Ich hab Hunger. Es gibt Grillzeug. Nein, ich kuck jetzt nicht Strange_Core und ihrer Freundin beim Tanzen zu. Ich muss fertig werden. Nach dem Essen hau ich mit Toralfs Fahrrad wieder ab. Stelle es ins Büro. Die Vernissage hat noch nicht begonnen, obwohl es neun ist. Da macht Robert die Ansprache. Strange_Core hat sich hübsch gemacht. Ausstellungseröffnung. Die Jungs haben eine Idee für einen Workshop nächstes Jahr. Man kann mit der „Zeichne-ein-Bild-zu-dem-Dialäggd-Wort“-Idee was anfangen, aber das langt nicht. Kurz nachdem ich mit Drüberschauen durch bin, rollen die Ellis an. Ich erkläre ihnen alles, wir fangen oben an. Das Greifswald-Panorama. Ich erkläre ihnen den „Sketch your Type“-Workshop, der hier oben begonnen hat. Einen Stock weiter unten, da, wo ich die CDs hab machen lassen, die Daumenkinovorführungen. Und das Herausfinden, dass wir tags zuvor auf Hiddensee waren. Ich hatte mir dafür für diesen Tag einen Modelldialog zurechtgelegt: Habt ihr heute das Flugzeug genommen? - Ja. - Wart ihr gerade über Hiddensee? - Ja. - Dann seid ihr gerade über mich drüber geflogen.
Mom will sich setzen.
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