Freitag, 11. November 2011

Was wäre wenn ... #2

… wenn There will be Blood von Martin Scorsese gedreht worden wäre?

Endlich habe ich ein passendes Thema, um diese Reihe weiterzuführen. In There will be Blood geht es um einen Ölmann namens Daniel Plainview, der am Anfang des 20. Jahrhunderts im (damals noch leerstehenden) Kalifornien sehr erfolgreich Ölquellen aufspürt und ausbeutet. Bei seiner nächsten Neuentdeckung muss er allerdings die Erfahrung machen, dass er auch Gegenleistungen für die ansässigen Ranchbewohner erbringen muss. Insbesondere der noch junge kirchliche Gemeindenvorsteher, nicht weniger charismatisch als Daniel Plainview, beäugt dessen Treiben kritisch.

Zunächst einmal hätte Scorsese wegen der zeitlichen Nähe auf The Departed verzichten müssen. Den hat er 2006 gedreht, Blood kam 2007 raus. Stilistisch hätte es also garantiert Überschneidungen gegeben. Die berühmte Geigenmusik, geschrieben von Brahms und Bestandteil seines Violin Concerto, Opus 77 in D-Dur, wäre dann eher nicht aufgetaucht. Als Hauptthema das Ding von den Dropkick Murphys ist dann aber auch zu viel erwartet. Passt nicht in die Zeit, und auch wenn Scorsese im Grundton auch oft komödiantisch würzt, so würde ich dies als eher unpassend empfinden. Im Sinne eines mit modernen Mitteln unterlegten Bühnenstücks. *hust*moulinrouge*/hust*Stattdessen hätte irgendein ähnlich froh gestimmtes Instrumentalstück von Gaetano Donizetti herhalten müssen. Aus dessen Oper Lucia di Lammermoor, was übrigens ein äußerst ungewöhnlicher Name für eine Schottin ist, tauchen zwei Stücke auf. Einmal ein Gesangsstück, welches Frank Costello in der Oper mit seinen beiden Begleiterinnen hört („Willst du Koks? Da ist es.“) und einmal stammt sein Klingelton daraus. Das Thema müsste nicht unbedingt aus dieser Oper sein. Deren Handlung klingt auch zu sehr nach Romeo und Julia light (mit einer Seitennote auf Hamlet). Der übrige Score wäre natürlich von Howard Shore geschrieben worden.

Zur Besetzung: Die Hauptrolle wäre die gleiche. Daniel Day-Lewis. Spielte in Scorseses Gangs of New York bereits einen sehr ähnlichen Charakter. William Cutting. Es ist als nächstes die Rolle für Leonardo DiCaprio zu finden. Wem es noch nicht auffiel: Seit 2002 ist DiCaprio in jedem Scorsese-Film dabei. Bis dahin hatte er ja eine gewisse Affinität zu Robert DeNiro, den er aber seit Casino nicht mehr gecastet hat. Wen könnte DiCaprio spielen? Die Rolle des erwachsenen HW ist viel zu klein. Dem Umfang seines üblichen Rollenprofils würden nur die Rollen von Paul Dano und Ciarán Hinds genügen. Die Rollen von Paul Dano sind dem Umfang zwar angemessener, allerdings würde es auf einen erneuten Kampf zwischen den Rollen von Daniel Day-Lewis und Leonardo DiCaprio hinauslaufen. Hatten wir schon in Gangs of New York, lenkt zu sehr von der Handlung ab. Dann doch eher die Rolle von Ciarán Hinds: Fletcher.
Wer würde Danos Rolle spielen? Casey Affleck würde wegen seiner ebenfalls in so einer Region und Zeit angelegten Rolle in diesem Jesse James-Film, der auch 2007 rauskam, ausscheiden. Wie wäre es denn mit Josh Hartnett? Zu smart. Mir sind gerade noch die zwei Jungs aus den beiden letzten Tarantinos eingefallen: Michael Bacall und Omar Doom. Bacall wäre wohl besser geeignet, da Omar Doom bis dato abgesehen von den zwei erwähnten Tarantinos nur in einem weiteren Film mitspielte. Das Ding ist auch, dass mir sonst kein Nebenrollenschauspieler einfällt, den Scorsese in den letzten zehn Jahren mehr als einmal gecastet hätte. Aber das macht nix, denn in einem imdb-Thread bin ich gerade über Giovanni Ribisi gestolpert. Der wäre gut geeignet. Ah ja, und Tobey Maguire.
Für die Konkurrenz von Standard Oil fällt mir gerade keiner ein, es sollte aber kein allzu bekannter sein. Jemand wie z.B. Gene Hackman wäre zu schneidig. Die Schauspieler für HW dürfen auch keine bekannten sein, daher werden sie hier auch nicht erwähnt. Im Prinzip lässt sich das auch auf den restlichen Cast anwenden.

Abgesehen von Henry.

Ich hätte jetzt beinahe Michael Jeter in die Runde geworfen. Er hat in Fear and Loathing in Las Vegas den Typen gespielt, der im zweiten Hotel den Vortrag vor der Drogenkommission hält. („Ein Abhängiger bezeichnet diesen Joint-Stummel als Roach.“) Das Blöde daran ist nur, dass der Mann seit 2003 das ist, was Matthias Hinze seit 2007 ist. Ansonsten sieht Dennis Boutsikaris so aus, als könnte er den Job übernehmen, mit seinen keine bösen Absichten beherbergenden Augen. Und geht das nur mir so, oder sieht Henry im Film wirklich ein bisschen so aus wie Friedrich Wilhelm Voigt, bekannt als Hauptmann von Köpenick? Würde in recht guter Korrelation zu seinem Vorhaben stehen, wenn auch nicht dermaßen detailliert bzw. geschickt.

Zum Schluss noch etwas zum Anfang. Bei There will be Blood hat es ja eine Viertelstunde gedauert, bis das erste Wort fiel. Unter Martin Scorsese hätte es dann wohl eher so lange gedauert, bis der Filmtitel eingeblendet wird (wie es bei The Departed der Fall war).

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