Samstag, 7. August 2010

The Skizzenfestival Diaries - Teil 2

Zweiter Tag. Der erste wurde erwartungsgemäß toll. Der zweite ist fast wieder zu Ende, weil er einfach so voll war. Daher jetzt der Bericht.

Anfang: 10:00. War … interessant. Also, wir sind hoch in den Speicher gegangen, in den Seminarraum. Da hatten wir alle ein Leporello, und vorne haben zwei Leute abwechselnd Buchstaben dargestellt. Die sollten in einer Minute auf das Leporello skizziert werden. Wie ich im Nachhinein feststellte, eine prima Übung für Quicksketch und insbesondere Anatomie. Find ich toll. Ich hab Defizite auf beiden Gebieten, und beide will ich, muss ich ausbauen.

Dabei musste danach immer weitergegeben werden. Im Gegensatz zu gestern haben wir uns dann auch wirklich dran gehalten, also nicht nur unsere eigene Suppe gekocht und die Umrührzeitpunkte selbst gesetzt. Am Ende wurden dann alle Leporellos so zusammengelegt, dass die Zeichnungen von jedem Einzelnen direkt untereinander lagen. Waren tolle Sachen dabei, jetzt von der Umsetzung her und vom Stil, ok, einige waren auch vergleichsweise einfach. Die Atmosphäre bei dieser Aufgabe: Es war warm. Und leicht stickig. Was mich ein wenig genervt hat, war, dass einige sich wohl einen Naked-Cheat gewünscht haben; den Anmerkungen konnte man entnehmen, dass ein, zwei auch gerne Akt-Zeichnung gemacht hätten. STFU, Kunststoffanzugfetischisten. Beide Super Participantinnen trugen schwarze Klamotten, eine trug weite Kleidung, die der anderen erinnerte mich an eine Art Schwimmanzug. Relativ enganliegend.

Da die einzelnen Buchstaben am Ende ein Wort ergeben sollten, konnte man sich eigentlich schon relativ früh überlegen, was als Nächstes kommen würde. Beim ersten Buchstaben dachte ich an ein R, das zweite war dann ein U, das dritte war der angekündigte Zwielaut, bei dem ich überhaupt nicht wusste, was das für einer sein sollte, aber Mario brachte mich darauf, dass das ein CH sein könnte. Ja, dachte ich, klingt logisch. Aber RUCH? Oder, hm, das Bein war so abgewinkelt, das kann auch ein B sein. Also fängt das Wort mit BUCH an. Ja, das macht Sinn. Das nächste war dann ein S, dann kam ein T. Wie wollen die dann jetzt das A darstellen? Wir waren alle gespannt, was jetzt kommt. OK, die Beine sind dann die äußeren Schenkel, brauchen wir nur noch eine Art Querstrich. Aber die Umsetzung war sehr kreativ und wahnsinnig gut umgesetzt, es gab Applaus. Am Ende kam das Wort BUCHSTABIEREN heraus. Besonders beim E haben einige gute Voraussicht gehabt und mal eben nicht nur die Hände betont, sondern auch den Fuß etwas übermäßig dargestellt, also den untersten Querstrich.

Es ging weiter, jeder kriegte unten noch zwei Lepos und diesmal ging es darum, tatsächliche Buchstaben zu machen. Auf jedes Lepo einen, mit einer vorgegebenen Anordnung und vorgegebenen Buchstabentypen (also Typ im Sinne von Art, nicht das mir hier wieder einer von einer unnötigen Dopplung spricht).

Also Rausgehen und gleich mal den Detailblick aufsetzen. Man weiß ja, wo man so seine Vorlagen ungefähr finden kann. Auch ein derselben Straße für alles ‘n Kandidaten gefunden. Ein Klingelschild, ein Citroën C4-C, ein Plakat im Dönerladen, eine Schrift am Friseur/Bar, ein altes G und ein in den Hof führendes Schild. Hat länger gedauert, als ich dachte, das alles zu suchen und zu zeichnen. Blieb aber noch Zeit für’s Mittag. Fleisch, Tomaten und matschige Kroketten. Perfekt. Um dreiviertel 2 Re-Entry.

Zu jedem Buchstaben ein Bild. Was zum Charakter des Buchstaben passt Natürlich Remix. Aber: Erst ‘ne Führung. Weil 3,5 Stunden für sechs Bilder, da hat man Zeit für so’n Scheiss. Und die Führung war ja mal ultra. Also, BÄM. Ehemaliger Drogen-Umschlagspunkt, Hausbesetzung, kleine Kinder und ihr postuliertes erstes Mal, also eine drastische Führung à la „Das hatte ihr auch noch keiner gesagt“.

Inzwischen ist es halb neun, der Abendteil steht kurz bevor. Nach der Führung erst mal losgefahren zum Hafen, um dort den Plymouth aus der Zeitung zu Papier zu bringen. Ich hatte auf den neuen Lepos einen martialischen dicken Buchstaben abgekriegt, und ich dachte mir, da muss was Martialisches dazu passen, wie zum Beispiel der knapp 1000 Pferde starke Plymouth Road Runner aus der Motor Maniacs. Ich hatte eigentlich aufgehört, Autos aus Zeitungen zu zeichnen, aber das war mir gerade mal egal. Blöd war nur, dass die n00bs den Hafen belagert haben und laut Mucke anmachen, so dass da einfach nicht das richtige Feeling aufkommt und ich mir das Abspielen von „Paranoia Prima“, wie es zu dieser Sorte Wagen passt, auch klemmen kann. Also wieder zurück. Denn was nämlich auch bescheuert ist: Das Haus, was ich für den „Alt“-Buchstaben haben wollte, ist verdeckt. (Kleine Trivia: Genau dieses Haus hatte ich schon letztes Jahr beim Skizzenfestival in der Mache, Sleeping Souls, 28.7.2009.) Ach verdammt, ich mach jetzt den Feuerlöscher für den letzten Buchstaben. Das war so ein Joker, der kam wahrscheinlich von einem Warnschild. Das Ergebnis sah ziemlich gut aus. Dann doch noch mal das Haus in Angriff genommen, von allen Seiten inspiziert, mir ist das scheissegal, ob mir jetzt ‘n Transporter die Idealsicht versperrt, dann setz ich mich auf die Treppe und mach das so. Natürlich mit „Paranoia Prima“. Na bitte. Schön die Passanten ignorieren, ich kenn die eh nicht und seh die sowieso nicht noch mal. Was kommt jetzt? Weiter Richtung Fußgängerzone. Ich hab wieder mal vergessen, wo man hier gute heiße Schokolade herbekommt. Jetzt weiß ich wieder, in dieser einen Seitenstraße. Gleich mal rein da, weil es da hübsch windgeschützt ist. Dann bestellt und den Plymouth ausgepackt. (Edit: Vorher bewertete ich die Wahrscheinlichkeit, hier in Stralsund einen Plymouth zu finden, als gering. Jetzt ratet mal, was ich im Hafen sah.) Apfelstrudel und heiße Schokolade, lecker. Dazu haben die offenbar, passend zu den Wallensteintagen, ‘ne Platte von In Extremo eingelegt. Auch nicht schlecht. Lecker. Die Stühle und das alles passen gut zum geschriebenen a, so Bossa-Nova-artig. Und wie ich am Chillen bin, seh ich doch draußen einen Typen mit genau so einer Brille, wie ich sie für das dünne e wollte. So eine typische Lesebrille mit Vollrand. In Hangover hat Stu’s Partnerin auch so eine Brille getragen. Das war das einzig Sympathische an diesem Charakter. (Ach nee, fuck, sie hatte doch eine Andere, wie ich durch eine Überprüfung gerade feststellte, damit bleibt nichts von Wert an dieser Person. Aber Eva Mendes müsste in Hitch - Der Datedoktor in der Szene, in der sie Hitch kennenlernt, so eine Brille getragen haben. Jap, Treffer, ungefähr so eine Brille.) OK, nicht bewegen. Ja, so ist gut. Alles klar, nach wenigen Minuten fertig. Oh mir fällt gerade auf, dass ich nur noch ein Bild brauche. Na bingo. Also auf zurück. Auf dem Weg zum Fahrrad kann ich gerade noch unterdrücken, mich bei dem Typen für das Stillhalten zu bedanken und ihm paar Münzen auf den Tisch zu legen. Blöderweise hat es dann doch länger gedauert, für den Buchstaben was zu finden, der sieht aber auch irgendwie doof aus, es war der 3D-Buchstabe. Das war so ein großes R, orange eingerahmt, beim Schrägstrich fehlte auch die Schattierung, sah nicht besonders toll aus, und am Ende hab ich dann einfach so zack den Tintenfisch an der Wand in einem Zug draufgepinselt. Soll ja schließlich zum Charakter des Buchstaben passen. Dann später haben wir die Ergebnisse in eine Reihe gelegt. Waren wie immer einige interessante Dinge dabei. Manche haben den Buchstaben in ihre Skizze quasi mit einbezogen. OK, bei dem, was bei meinen Buchstaben rauskam, war ich doch erschrocken. Lauter komische Gesichter.

Ah, sie spielen im Intro gerade Minor Swing, fast sofort erkannt (Reminder: bin inzwischen in der Eisengießerei).

Dann Lesezeichen: Weil ja jeder nur eine Hälfte seiner Arbeit kriegt, je ein Lesezeichen pro Kopie möglich. Kurz darauf war dann Abmarsch für alle, die essen, also die teureren Participants. Auf dem Rückweg ist mir vom Fahrrad ein Plasteteil weggeflogen, aber kurz nach dem Anfahren nach dem Einsammeln sofort wieder gestoppt: Mitsubishi Lancer EVO IX. Die Zeichnung war dann aber Mist, daher zerknüllt. Der Abwärtstrend ging diesbezüglich später weiter (dazwischen außer dem Auffinden der Eisengießerei nichts Nennenswertes), und zwar beim Einlass. Ich bin auch so ein typischer Am-Einlass-Irgendwas-Falsch-Macher. Nicht der Eintritt, da war alles klar, aber es gab Trouble mit meinem bios. Die hatte ich mitgenommen, was wohl so nicht hundeplazentig in Ordnung war, aber wie mir dann später dämmerte, wurde ich wohl verdächtigt, die aus dem Backstage-Bereich zu haben. Nein, habe ich nicht. Falls das zu einem gerichtlichen Beweisstück wird: Ich schwöre, dass ich diese Flasche nicht geklaut habe.

Und weil ich jetzt keinen Bock habe, mich darüber aufzuregen, oder nachzudenken, ob die mich nur verarscht haben, und weil mir die Beine vom Sitzen wehtun, hör ich jetzt mal kurz auf und mach die der Band versprochenen Zeichnungen.

Ich nehme mal an, dass durch Strange_Cores Kopfnicken dieser Minizwist für beendet erklärt werden kann. Es geht vorwärts, es geht vorwärts.

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