Die einzige Entschuldigung für diese lange Pause wäre ein absoluter Hangover. Fand aber nicht statt, deshalb unentschuldigtes Fehlen. Bin gerade auf Hiddensee. Wie ging es danach weiter?
Der Sonntag gehörte dem gepflegten Ausschlafen. Erst 15.00 der Beginn. Vorher Kaffeebar. Und unser Guitar Guy hat gar Wonderwall gespielt. Ich hätte mir eigentlich eine Live-Version von ihm ziehen müssen, für die CD. Der Workshop an sich war zwar von der Idee her ziemlich unspektakulär, ich hab aber gelacht wie schon lang nicht mehr, das Faustkino am 23.7. mal ausgenommen. Das war auch eine hübsche Kiste, das hab ich noch gar nicht erzählt. Also, ihr kennt das doch, wenn man sich Gesichter auf Daumen und Zeigefingeransatz malt und die dann bewegt und aus dem Off dazu spricht. Das hat u.a. Marie gemacht, Mario hat aus seiner Hand ein Krokodil gemacht. Marie und Sorryichhabvergessenwieduheißtichglaubewirwurdeneinandergarnichtvorgestellt, der Einfachheit halber Mademoiselle, also Marie und Mademoiselle jedenfalls haben den Sketch angefangen in einer Kreativpause, es war glaub ich zu Mittag. Man kann das eigentlich gar nicht beschreiben, ich hoffe bloß, dass Marie die Aufnahme davon noch hat. Wir haben gelegen vor Lachen.
Aber zurück zum Workshop. Wort des Tages: Fast gut. Hat Maki gesagt. Die Aufgaben waren im Prinzip „I draw what you see“, also erst mal Hintern an Hintern gestellt, vornüber gebeugt und das gezeichnet, was man gesehen hat, also quasi den Gegenüber. Jetzt zeichne aber mal in dieser Position. Das ist schwieriger als man denkt. Das Zweite war dann sich frontal gegenüber stellen, jeder winkelt sein rechtes Bein an, und die beiden Beine werden dann als Unterlage verwendet. Das Blöde ist nur, dass der Gegenüber praktisch nie stillhält, weil er, genauso wie man selbst, seinen Blick immer zwischen Papier und Objekt wechselt. Mario und ich haben bei der Aufgabe gecheatet, indem wir unsere Füße auf die Bank stellten. Dadurch hat man wenigstens einen stabilen Stand. Dennoch sah meine Skizze von Mario irgendwie wie eine Karikatur aus.
Die nächste Aufgabe war da schon etwas einfacher: Einer macht die Augen zu und hält einen Stift fest, der andere packt sich die Hand und führt die über das Papier und zeichnet so etwas. Als ich die Augen zugemacht hatte, kam ich mir vor wie Willy Astor, wenn der ein neues Lied singt und sich selber fast nicht einkriegt vor Lachen. Herausgekommen ist die kleine Französin mit Strohhut. Musste man zum Teil auch danebenschreiben, was das war. Man kann da mit etwas Fantasie auch den Schiefen Turm von Pisa drin sehen. Bei dem Nachfolgenden wurde es dann noch chaotischer: Einer malt mit dem Finger dem anderen was auf den Rücken und der muss dann auf das Papier die Bewegungen des Fingers draufmalen. Prinzipiell also wie so ein Graphic Tablett, nur ohne Vorkenntnisse und ohne Treiber. Man kann sich denken, dass dabei ziemlich verkrüppelte Sachen rausgekommen sind. Am besten war noch der Bleistift, der aussah wie ein verunglücktes Cocktailglas, ich hab gelegen. Ich wusste gar nicht, dass man mit so wenigen Anweisungen sich so derbe wegfeiern kann.
Ich sehe gerade Strange_Core und ihre Freundin, seeehr eng umschlungen, liegend. Ihr kriegt jetzt keine Skizze. Ich wollte nur mal eure Fantasie unnötig anregen. Ja, ich bin fies.
Am selben Abend ging es zurück nach Greifswald, für mich zumindest. Die anderen erst am folgenden Tag, der in Greifswald stattfand. Insgesamt finde ich das zwar eindrucksvoll, wo die für den Tag alles Genehmigungen herhaben, aber das Potenzial hätte man mehr ausschöpfen können. Andererseits muss man auch sagen, dass der Workshop von Damien und Christina letztes Jahr schon der Hammer war, weshalb es unfair wäre, das als Maßstab zu nehmen.
Es fing im botanischen Garten an. Jeder kriegt einen Stadtplan mit dem Zeitplan und den Orten für den Tag. Die dann zusammenrollen und als Fernrohr gebrauchen. Auf Entdeckungsreise gehen und das zeichnen, was ihr durch den Stadtplan seht. Bin ich der einzige, der sich gerade wie in einer der ersten Szenen in „Findet Nemo“ vorkommt? Ihr wisst schon, der Rochen, der von Arne Elsholtz gesprochen wird. Los, wir packen uns in den Schatten. Hab mir erst mal n paar Steine vorgenommen, weil das eine Komposition sein dürfte, die heraussticht. Etwas später stoßen auch Guitar Guy und Mario dazu. Guitar Guy spielt was, ich weiß nicht mehr was, und Mario packt seinen Tuschekasten aus. Mhm, das könnte länger dauern. Wenigstens halten jetzt mal endlich alle still. Das Ding sieht trotzdem immer noch ein wenig schief aus. Scheiss Proportionenlehre. Aber nur ein wenig. Sprechen mit Guitar Guy. Er war auf dem Jakobsweg. Ich mach weiter, schleich durch die Gegend und nehm noch ein paar hohe Hölzer mit. Am Froschteich Guitar Guy vorgeknöpft, diesmal mit Bleistift vorgezeichnet. Sieht ein bisschen besser aus, nur dass hier das Fehlen des Gesichtes etwas eher auffällt. Zum Schluss wollt ich noch die kleine Französin auf der Treppe machen, aber sie geht schon ziemlich schnell weg. Mach ich halt den Rest der Tür. Mario ist auch wieder dabei. Bei den abschließenden Strichen schicke ich den Radiergummi meines älteren Druckbleistiftes unbeabsichtigt in die ewigen Jagdgründe. Finde den nicht mehr wieder, ist mir auch egal. Der war sowieso schon lange nicht mehr zu gebrauchen.
Gehen in das Gewächshaus. Es ist wie immer schwül, ich hatte das gar nicht mehr so in Erinnerung. Passend zu einigen fünffingrigen Blättern in dem Raum müsste eigentlich Cypress Hill laufen. Habe dann drin im Verlauf den Namen einer nach Pfeffersalami riechenden Pflanze erfahren. Hoffentlich ist die nicht toxisch. Wäre der Burner in jedem Salat.
Was wir dann auf dem Markt gemacht haben … ach nee, wir waren erst mal auf dem Rubenowplatz, wo die Mittagspause anfing und die nächste Aufgabe erläutert wurde: was von hinten zeichnen. Wer Avancen findet, kann die behalten. Ab in die Mittagspause. Fischbrötchen. Sollte nicht so schwer sein, da einen Stand zu finden, auch wenn ich hier im Hafen noch nie welche gegessen hab, nur hinten in Wieck, die abgesehen davon, dass sie so tierisch heiß sind, sehr gut sind. Und wirklich, wir finden einen Stand, da wo ich suchte. Gegenüber von dem Parkplatz, den wir fürs Kino oft verwenden. Die fuck Wartezeit war dann aber tierisch lang. Und so voll war das Haus nun auch nicht. Mario schreibt in der Zwischenzeit an seinen One Word Postkarten, also jeden Tag eine Postkarte mit genau einem Wort und am Ende ergeben die einen Satz. Allerdings auch eine konventionelle Karte. „Macht euch noch ein paar schöne Tage, solange ihr noch ein paar …“ schöne Tage habt? Ehm, ja. Sauber verrissen. Mario trifft Bekannte. Und im Verlauf kreuzt der halbe Workshop bei uns auf, um zu essen. Haben die das Ziel falsch verstanden? Auch Marie ist … dabei (nicht von der Partie, ihr reimenden Flachbrettbohrer). Wollte mir erst den Skoda Superb in der Heckansicht vorknöpfen. Die besten Ideen waren: Ein Baum von hinten (das ist da, wo nicht das Astloch ist) und, sowieso am geilsten, eine Litfaßsäule von hinten. Da malt man eine Säule und schreibt auf eines der Plakate „hinten“. Die Fischbrötchen waren dann nicht so der Knaller, zu dünn, also nicht räumlich, sondern geschmacklich, zu wenig von dem Draufschmierzeug, auch Remoulade genannt.
15.00 auf dem Markt. Im Kreis hinsetzen mit Blick nach außen, Panorama erstellen. Also jeder den Teil, den er sieht. Bingo, das Haus hatte ich schon mal während der Feininger-Ausstellung. Die schwarzen Stifte haben sich gelohnt, obwohl ich da weit weniger lange dran saß, sieht es besser aus als der Bleistiftkrimskrams. Danach umdrehen, Blick nach innen, und dann wieder das zeichnen, was man sieht. Der Kopf von Chris ist viel zu klein geworden.
Wenn ich mal überlege … in dem Flugzeug da oben, das könnten glatt meine Eltern sein.
Dann das dritte, zehn Schritte im Uhrzeigersinn gehen und dann wieder Blick nach außen. Gut, die Kirche sieht bissl bleede aus. Dann, als das fertig war, wurden Karten ausgegeben. Darauf, das war die Aufgabe sollten die fette Marie, der lange Nicolaus und der kleine Jacob. Hä? Damit „bezahlen“ wir unser Essen am Abend. Relativ schnell wird klar, dass damit die Kirchen gemeint sind. Ich wusste das nicht, dass die so genannt werden, ich muss das nicht wissen, ich bin Atheist.
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