Donnerstag, 13. Mai 2010

R.I.P. van Winkle part 2

Yes, meine Passage ist mir wieder eingefallen! Also aufgepasst:
Es beginnt mit einer imaginären Unterhaltung, bei der das Wort "Skizze" fällt und gleich kommt ein Einwand: Nein, das ist eine Zeichnung. Und dann kucke ich wütend und sage: Ihr wisst genau was ich meine! Ein Stück Papier, auf dem mit einem Stift rumgekratzt wurde, mit Strichen, die eine mehr oder weniger geringe Entropie aufweisen! Wobei die in der letzten Zeit eher eine weniger geringe Entropie aufweisen. (Anmerkung: Entropie=Unordnung. Liebe Physiker, ich weiß, dass es ein bisschen komplizierter ist, aber hierfür reicht es.)
Damit kann man auch die Entwicklung der abstrakten/surrealen/was auch immer Kunst beweisen (also alles außer halbwegs Realismus): Man muss nur den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik bemühen, der da lautet: Die Entropie nimmt zu. Also die Unordnung nimmt zu, zeitlich betrachtet. Und je mehr Zeit vergeht, umso größer wird die Unordnung auf den Leinwänden, umso weniger realistisch wird das Kunstgeschehen. Und am Ende weiß man gar nicht, wie rum man die Leinwände aufhängen soll. Aber ich muss noch einen Hinweis zum Impressionismus loswerden.
Der Impressionismus sollte ja gewissermaßen das Gegenstück zum Realismus sein, also gerade NICHT realistisch sein. Und damit hab ich mich nie anfreunden können. Die Kunstwerke des Impressionismus sehen weitaus realistischer aus als das, was manche Wahrheitspächter als einzige realistische Weltbetrachtung ansehen. Gut, vielleicht ein bisschen verschwommen. Aber ich finde, so muss das aussehen. Früher hab ich, nachdem wir mit dem Thema in Kunst durch waren, über diese Stilrichtung geflucht, weil das Bild, das wir dazu malen sollten, in meinen Augen nicht nur mit der Stilrichtung nichts zu tun hatte, sondern auch generell scheisse aussah. Ich habe es daher auch nicht signiert und mich somit davon distanziert. Und etwas muss schon richtig beschissen aussehen, damit es von mir keine Unterschrift kriegt. Ich hab auch gegen die Notenverlesung gestimmt, ich weiß die bis heute nicht und will sie besser auch nicht erfahren. Allerdings liegt das, wie ich heute sagen kann, nicht an der Stilrichtung, sondern an mir: an meiner Technik. Ich neige zu obszessiver Überdetaillierung, ein Hinweis, den ich indirekt nach dem letzten Skizzenfestival von einer Bekannten erhalten habe. Und das ist für Impressionismus und das ganze Spontanzeugs tödlich. Bei mir dauert das immer ziemlich lange, bis was Brauchbares entstanden ist. Also lautet das Ziel: Impressionismus in Pinsel und Bleistift. Vorerst nur Bleistift, dann Pinsel mit schwarzer Farbe und schwarzer Filzstift und überhaupt alle Farbmedien, die irgendwie tiefschwarz sind und nicht wieder weggehen.
Das soll aber nur eine Spielart sein, die ich mir aneignen will. Mein Hauptfeld bleibt nach wie vor das, was ich bisher mache. Und jetzt, nach dieser für einen Eintrag relativ langen Kunstbetrachtung, die Fortsetzung der Rip van Winkle-Story.

Hier sieht man ein paar ergänzte Details; der Kopf wird etwas eingerahmt. Eigentlich wollte ich den ganz zum Schluss machen, aber dann ... naja. Auch hier gilt, erst die Flächen abzugrenzen, auch wenn es weiße Flächen sind.



Der Kopf ist fast vollständig umrahmt. Größere Aufmerksamkeit kam hier dem Haupthaar zu Gute, da hier eine weiße Reflexion auffindbar war, so wie das links von Kopf der Fall war. Das Wichtigste: Die schwarze Fläche erst mal unterdimensionieren, man kann das immer noch kleiner machen. Am besten die einzelnen Strähnen zuerst reinsetzen, dann mit einem Strich quer durch verbinden und danach die schwarzen Flächen machen.



Im direkten Vergleich sieht man die verkleinerte Reflexionszone. Beim Gesicht empfiehlt es sich, oben anzufangen, da kann man sich besser orientieren. Man kennt das: Wenn man von jemandem nur eine Gesichtshälfte sieht, erkennt man den Gegenüber eher, wenn man die obere Hälfte sieht. In diesem Fall war erst der Nasenrücken dran und dann die Strähnen.



Wenn das Gesicht fertig ist, sieht man ziemlich gut, ob man es gut hingekriegt oder verkackt hat. Man sollte es aber nicht überbewerten, es fehlen noch ein paar Details. Aber die Visitenkarte ist damit schon mal fertig.



Dann geht es an die nächste größere schwarze Fläche. Hier sind die Kanten abgesetzt. Auch für die Details an der Waffe, die gar nicht mal so kompliziert sind, wie man anfangs denkt. Auf eventuelle Einschlüsse achten! (Knöpfe)



Dann kann man wieder wie besessen mit dem Filzer rumfuchteln. Nach der großen Fläche war der Teil um die Krawatte herum an der Reihe. Die Kette (die weiße Linie ist keine Abtrennung zwischen Sakko und darunter liegenden Kleidungsstücken) ist dabei etwas dicker, an der kann man später mit dem Stift ganz eng entlangfahren, so dass einige Flächenüberschneidungen entstehen, und dadurch erhält man eine unglaublich dünne Linie. An den Händen wurden ein paar Details ergänzt, der Weg für die Waffe ist frei.



Hier wurden zum ersten Mal störende Teile der Vorzeichnung entfernt. Dabei ging es um Details an den Handschuhen und um die Faltenwerfung des weißen Hemdes. Die Waffe hat eine Maserung erhalten, die Details um den Abzug herum sind auch gemacht, die Gegend ist nur ein bisschen zu hell. Das kommt später. Die obere Hälfte ist damit weitgehend fertig.



Der Rest ist ein Spaziergang: Zunächst mal wird wieder die große schwarze Fläche umrandet. In diesem Teil ist nur auf die Knöpfe und die vielen heraussprießenden Haare Acht zu geben; um sich in Ruhe um Letztere kümmern zu können, wird die Schwarzfärberei erst mal nur bis zum Haaransatz gemacht.



Links "Work in Progress", also zuerst direkt um die Knöpfe herum, damit die nicht aus Versehen untergebuttert werden, rechts dann das Ergebnis. Danach noch die Haare ergänzt (dabei macht es sich gut, zunächst die Hauptsträhnen zu machen und dann die einzelnen Haare zu adaptieren, aber wem erzähle ich das; das muss auch nicht hundertprozentig stimmen, nur ein Erbsenspalter wird die nachzählen), ein paar fehlende Details nachgemacht, und denn ist gut.



Das Ergebnis hab ich mal nicht fotografiert, sondern eingescannt und im 16-Farb-Modus gespeichert. Auf diese Art und Weise kriegt man zwar immer noch die Einzelheiten wie herausstechende Bleistiftstriche mit, aber ein wichtiger, unerwünschter Effekt bleibt aus: Wenn man sich die Zeichnung beim richtigen Licht ansieht, sieht man genau, wie man die schwarzen Flächen ausgemalt hat. Und da treten dann die Überschneidungsregionen hervor, die sozusagen doppelt bemalt wurden, so dass das Bild fleckig wirkt. Bei dem Scan hat man ein schönes einheitliches Schwarz.

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