Strange_Core und Freundin sind schon weitergegangen. Stehen lange an so einem Schräg-Aquarium. Lange. Sehr lange. Ich geh weiter. Wasn das? Ein halbvolles Becken? Das hatten wir auch noch nicht. Ein bisschen weiter dann getarnte Fische, Seepferdchen und … eine Gruppe von kleinen Kindern. Wer auch immer den Kommentar unter „Von Hand geschrieben …“ geschrieben hat, ich respektiere deine Ansicht, aber mein herauskristallisiertes Vorurteil hat sich bestätigt. Ich bin mir auch sicher, dass die das nicht mit Absicht machen, aber wieso zum Teufel sind Kinder manchmal so laut, dass es einem im Ohr wehtut? Merken die das nicht selber? Müsste denen das nicht selber wehtun? Die sind doch viel näher am Epizentrum. Das hat mir den Gang durch den Tunnel versaut. Ein toller Tunnel übrigens. Ich dachte, dass ich hier auf den Mondfisch treffe, den mir Mario beschrieben hat. Der ist hier nicht. Ich gehe weiter, nähere mich dem nächsten Becken von links … Oh. Wusch. OK, ich habe einen schlechten Einfluss. Ich geh mal’n Schritt zur Seite.
Das, was ihr eben nicht gesehen habt, war das Einstreuen einer Strandwelle. Die machen das mit Boxen und Angeln, gelegentlich Keschern, dann fahren die an eine Steilküste, wie z.B. Kap Arkona oder irgendwo in Schweden/Dänemark, und dann werfen die ihre Angel aus oder den Kescher und angeln sich die Wellen, die sie dann in das Gefäß befördern. Die Wellen bleiben danach noch 2 ½ Tage nutzbar. Man muss schnell machen, bevor sie sich durch innere Reibung einfach auflösen. Dann hat man nur ‘ne Pfütze Wasser. Es gibt Aquarien, da schütten die das Wasser einfach so rein und hoffen, die Tiere begnügen sich mit einer Wellenleiche. Und wundern sich dann, warum die Viecher ertrinken. Damit hängt das zusammen.
Also manchmal, nee Das kann ja heiter werden, wenn die Kiddies dann gleich antanzen. Setze mich in sichere Entfernung, weil ich das noch mal sehen will. Dann die Kiddies: WHOA! Alter! Und so. Das wird mir dann zu doof. Ich geh weiter. Weiter um die Ecke. Denk mir, Strange_Core kommt nicht nach, die standen immer noch an diesem schrägen Kasten. Also, ich finde wirklich, dass man so was filmisch umsetzen sollte. Das passt gerade so schön in die Welle von Filmen, wo auch die Architektur hübsch eingefangen wird. An vorderster Front natürlich das Genre „Filme, die in Italien spielen“. Müsste es eigentlich einen WP-Eintrag dazu geben. So wie im Humorarchiv „Dinge, die unter dem Sofa liegen“. Aber es gibt wieder mehr davon. Illuminati, Der talentierte Mr. Ripley, Ocean’s 12, Der Baader Meinhof Komplex, die beiden jüngsten Bond-Filme, um nur mal ein paar von den wichtigeren zu nennen. Prinzipiell kann man such Filme dazuzählen, die woanders spielen, wie Filme von der Côte d’Azur (Anm. d. Verf.: zwei, drei Wochen nach dem Festival hab ich ein gutes Beispiel gesehen, nämlich A Good Year mit Russell Crowe und Marion Cotillard, ein toller Film, von dem ich ein Bild kannte, von welchem ich Marion Cotillard abgezeichnet habe, es war verflucht schwer zu zeichnen) oder bereits erwähntes „Brügge sehen und sterben“. Und bitte kein WK2-Zeug mehr. Die 70er sind längst dran. Whoa. Das Becken ist groß. Also, groß. Ich geh runter zum Dingsraum, wo auch wieder so eine schräge Wand ist. Man sieht es aus einer anderen Perspektive. Der Ozean wird dargestellt. Ich bin nur kurz unten im Raum. r wird darüber hinaus videoüberwacht. Zwischen dem Beginn und dem Ende dieses Halbkreises gibt es einen schmalen Durchgang. Strange_Core ist nicht mehr da. Finde sie auch nicht. Möglicherweise schon weitergegangen. Der Halbrundgang endet mit einer gedrehten Treppe. Hier könnte man den Showdown machen, es gibt zwar keine Deckung, aber die Sicht ist gut und hier ist keiner und hier kann einen keiner sehen.
Bin mir dann nicht mehr ganz so sicher über den weiteren Verlauf. Auf jeden Fall kam danach rechts eine Kinderecke. Da konnte Strange_Core unmöglich sein. Bin dann nach links gegangen und irgendwie in diesem riesigen Raum mit den Walen gelandet, oder eher eine Halle. Da hingen mehrere Wale von der Decke. Es war, wie in allen Räumen, dunkel, nur so Blaulicht. Agiere wieder wie der Assassine in Illuminati beim Aufspüren, finde nichts. Überlege, mich an dem Waagen-Ding wiegen zu lassen und lasse es dann. Bleiben. Wo bleiben wir? Die Halle ist anscheinend der Gefahr Mensch gewidmet, die die Tiere haben. Sie haben ienen Zähler hingestellt, wo sie (wahrscheinlich mit voreingestellten Zeitintervallen) zählen, wie viele Meeressäuger seit Eröffnung des Ozeaneums durch Menschen ums Leben gekommen sind. Die Zahl liegt bei einer Million und ‘n paar Zerstückelten (Wahnsinns Doppeldeutigkeit). Im Irak und der ganzen Gegend hatten sie seit Kriegsbeginn 2003 1,4 Millionen tote Zivilisten. Circa. Kurze Überschlagsrechnung. Hey, zeitlich bereinigt haben de Wale gegenüber den irakischen Zivilisten ja tatsächlich die Arschkarte gezogen. Das sind tatsächlich mehr. Das müssten dann aber am Tag … so ungefähr … ich rechne das nur kurz aus … ha, sagen wir mal, ungefähr 1.500 Tiere am Tag sein. Plusminus. Ist ‘ne ganze Menge Holz. Da muss ein Einzelner ziemlich lange dran stricken. Also, die Atmosphäre da in der Halle haben sie gut hingekriegt, aber irgendwie klang das alles, auch der Vortrag, zu sehr nach „Gebt uns euer Geld und ihr seid frei von Sünde“. Ich sag dazu: Jeder muss sehen, wo er bleibt. Es mag ja sein, dass es nicht schön ist, dass so viele Viecher sinnlos sterben. Glaub ich ja auch. Ist auch gut, wenn sich jemand um das Problem kümmert. Aber tut bitte nicht so, als wären die Meeressäuger unser einziges Problem. Der Krieg im nahen Osten ist weitaus material- und sonstwie mordender als die Trawler dieser Welt. Nordkorea wird hermetisch abgeschottet. Dr. Merkel geht nicht zum Friseur. Herr Schäuble, sollten sie das hier lesen (jetzt reden sie sich nicht raus, ich weiß, dass sie mitlesen, sie haben gerade so komisch mit den Augen gezuckt), teilen sie ihr das bitte mit. Die Wale sind wirklich nicht unsere einzige Sorge.
Auf die Beschreibung der Libido-Veranschaulichung von Walen verzichte ich an dieser Stelle.
Die sphärisch-transzendentale Mucke, die hier läuft, gefällt mir mittlerweile ziemlich gut. Erinnert mich ein bisschen an Longplayer, nur eben nicht so creepy, sondern gechillt. (Hab jetzt gerade beim Schreiben Longplayer angemacht. Über Livestream.) Zumal die da unten auch Liegen zum Ankucken haben. Also zum sich Drauflegen und die Wale ankucken. Ich fühle mich an ein Planearium erinnert. (sic!) Und beim Ansetzen, die letzte Treppe runterzugehen, steht Strange_Core zwei Meter vor mir, selbst dabei, die Treppe runterzugehen. Ich brauch ‘ne ordentliche Peilsender-Ausrüstung. Die Beiden gehen Richtung Liegen. Ich schleiche mich unauffällig am Rand entlang. Hinter dem tierisch langen Kalmar. Echt ‘n Riesending. Etwas weiter steht ein Schaukasten mit einem Walherz. Da das Blut komplett raus ist, sieht es nicht so schön rot aus, wie man das von einem frischen Herz kennt, sondern eher so, als wäre es mit einer lehmigen Erdschicht überzogen. Zur Größe: Wäre es ein Stein, würde es locker die 50-kg-Marke durchbrechen. Ich kenne mich mit Molvolumen und Molmasse von Stein jetzt nicht so gut aus. Sagen wir, es ist so groß wie mein PC. Im Text daneben erfährt man, dass dieser Riesenklumbatsch nicht die Frequenz eines humanen Herzens hat, würde das Teil sonst in alle Einzelteile zerlegen. Vier bis acht Schläge die Minute im Vergleich zu den 60 bis 100 des menschlichen Herzens. Zum Größenvergleich liegt eins daneben. Ich fühle mich an diverse Audrey Tautou-Filme erinnert, konkret „Kleine schmutzige Tricks“ und natürlich „Wahnsinnig verliebt“.
Aus der Perspektive bekomme ich mit, dass die Ausstellung nach diesem Raum zu Ende ist. Suche beim Vortrag von der Offstimme den Raum akribisch nach den Beiden ab. Finde keinen. Nach dem Vortrag verlasse ich den Saal. Sind wohl schon draußen. Gehe raus um mir mein Abschiedspaket abzuholen. Sehe auch draußen kein bekanntes Gesicht. Überlege, ob man durch Zurückklappen der Schranken wieder reinkommt. Bevor ich in die Verlegenheit komme, das auszuprobieren, sehe ich Strange_Core. Weiß nicht mehr, ob soe schon draußen waren oder erst rauskamen. Gehe ähnlich unbeholfen neben ihr her wie zwei Stunden zuvor neben Marie. Wir gehen nach draußen, nein, erst sehe ich Robert und Guitar Guy. Verdammt, die hab ich bei all dem komplett übersehen. Bin dann draußen. Will Strange_Core zum Abschied umarmen. Sie spricht mit Konsorten. Erkläre nicht nur auf Grund dieser Situation die Idee Abschiedsumarmung temporär für blödsinnig und gehe. Fühlt sich gut an. Ich habe dem Umarmungsdrang widerstehen können. Ist wie eine positiv behaftete Loslösung. Sehe zwar noch mehrmals zurück, entferne mich aber festen Schrittes.
Auf der Brücke stelle ich fest, dass ich noch Plakate wollte. Ändere daher meinen Kurs und gehe in die Frankenstraße. Ob die Beiden auch hier langgehen? Ich weiß, dass das letzte Mal, als sie mich sachte des Verfolgungswahnes bezichtigte, bereits ungefähr sechs Jahre her ist. Weiß ungefähr, wo ich mir eins schnappe, nehme es dann aber doch woanders her, von einer Plakatwand. Einmal allgemein Skizzenfestival und Sonnenmacherparty. Unter Zuhilfenahme einer Schere und Sich-nicht-um-Beobachter-Scheren kriege ich die Dinger irgendwann ab. Sind sie zum Speicher gegangen? Ich schaue noch mal beim Speicher vorbei, fast keiner mehr da. Wider Erwarten aufgeschlossen. Zwei Flyer eingesackt und nicht noch mal rein. Das Festival ist zu Ende.
(Habe auf dem Heimweg noch eine interessante Begegnung, die mir Idee für neuen Text liefert. Für eine wichtige Betrachtung.)