Freitag, 7. Oktober 2011

The Skizzenfestival Diaries 2011 - Teil 7

Stehe genau in dem Moment auf, in dem Ellis loswollen. Trifft sich ja wie Strumpf und Latsch. Sie sagen, sie blieben heute länger weg. Bevor ich gehe, mache ich noch eine Lade-Session. Die Handy-Batterie ist ziemlich weit runtergegangen. Und ich zieh mir bereits erwähntes B Mashina von Laibach drauf. Dadurch wird es später, als ich dachte, so dass ich den Startpunkt, der heute wieder der Alte Markt ist, erst viertel elf erreiche. Sehe zunächst – erwartungsgemäß – dennoch niemanden. Denke gerade, dass die schon los sind, da höre ich von links meinen Namen. Sie haben sich auf der Treppe einquartiert. Strange_Core ist auch dabei. Ansonsten aber eher dünnes Feld.

Also, das Pensum für heute: Die fehlenden Schnitte bei den Spielkartenbögen machen. Den Strichcode beenden. (Hab mir dazu so ein Pappding mit dem Code in den Rucksack gepackt.) Das Skizzenbuch vollkriegen. Das neue Skizzenbuch anfangen und eine scanwürdige Skizze zu Stande bringen. Da ich ja ein Skizzenbuch der aktuellen Baureihe scannen lassen will. Wird allerdings ein ziemlicher Haufen Arbeit. Es warten immerhin noch 38 Seiten, womit das Buch bereits zu knapp zwei Dritteln gefüllt ist. Dann fang ich mal an. Gelegen kommt die Variation der ACAB-Abkürzung. Die steht ja normalerweise für All Cops are Bastards (DASISEINBINGOOU!), hier hat aber jemand „All Colors are beautiful“ drunter geschrieben. Danach fällt mir auf, dass ich dieses Jahr noch keine Strange_Core-Skizze gemacht habe. Versuche mich mehrmals daran, erst die dritte ist gerade noch akzeptabel, bringt aber die Frisur gut zur Geltung. Das Manko dieses Jahr war, dass die Gesichter im Quasiprofil zu gerade waren, also dass Stirn, Mund und Kinn eine gerade Linie bildeten. Muss ich was gegen machen. Dann kommen die Anderen. Der Workshop heute beinhaltet Überlagerung. Dazu sollen Dinge skizziert werden, die sich vorder- und hintergründig überlagern, daraus werden Figuren entwickelt und diese zu einem Comic verarbeitet. Mache während der Workshopansage die gegenüberliegenden Häuser. Die ich mittlerweile ziemlich gut hinbekomme. Der erste Teil besteht aus dem Warm Up, in welchem es vorerst nur um die Überlagerungen geht. Es wird die Möglichkeit angekündigt, in die Frankenstraße zu gehen, aber ich verlasse mich auf meinen Instinkt. Nehme direkt den Wegweiser vor die Linse, der sich mit einem Regenschirm überlagert. Zwar mache ich noch andere Objekte weiter, aber eigentlich reicht das Material schon für eine Figur. Gehe daher zum Hafen. Treffe unterwegs noch Xaver, dem ich sage, wo die alle sind und wo sie hinwollen. Bin dann im Hafen und habe eine Idee. An genau der Stelle, an der ich zu diesem Zeitpunkt war, hat für mich vor fast exakt zwei Jahren das erste (also zweite) Festival angefangen. Und dort vertrieb ich die Zeit, indem ich anderthalb Stunden ein A4-Papier mit der sich bietenden Perspektive vollgekritzelt hab. Mit Bleistift. In einer einzigen Härte. Randvoll. Auch wenn die am darauffolgenden Abend folgende Kritik von KH (kam bei den letzten Diaries eventuell mal zur Sprache) mich ein bisschen angepisst hatte, so bin ich ihr doch heute dafür dankbar. Denn es sieht, nach meinen heutigen Maßstäben beurteilt, wirklich bescheuert aus.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich mache das gleiche Motiv mit Tintenschreiber innerhalb von Minuten einfach noch mal. Auch wenn es diesmal perspektivisch nicht so gut die Realität abbildet, sieht es nach meinem Dafürhalten doch wesentlich besser aus. Muss aber vor der Fertigstellung ein bisschen die Wasserstruktur ausprobieren. Klappt gut. Bin dann fertig und gehe. Ist auch nicht mehr viel Zeit, denn der Treffpunkt ist zehnvor zwölf vor dem Boot am Meeresmuseum. Sehe auf dem Weg noch die Öffnungszeiten der Essbar nach. Das hatte ich vorhin vergessen, auf die To-Do-Liste zu schreiben. Wird wohl auf den Mittagstisch hinauslaufen, da heute Abend keine Zeit sein wird.

Zehnvor zwölf. Bin exakt pünktlich. Stehen vorm Boot. Überlege, wie ich problemlos ins Museum reinkomme. Wir gehen aber nicht ins Museum, sondern in die nebenan gelegene ehemalige Turnhalle (hatte da in der dritten und vierten Klasse Sport), die jetzt vom Meeresmuseum mitgenutzt wird. War demzufolge seit zehn Jahren nicht mehr hier drin. Sah die Treppe auch damals so aus? Wir gehen rein. Der Inhalt dient als Inspiration für die Figur: Viele Meerestiere mit allerlei Zeugs beklebt, Perlen, Transistorplatten, Angelhaken, Schmuck, Metall. Damit werden die Meerestiere zu Zeppelinen. Es ist die Explorer-Ausstellung. Was ich davon halte? Ich habe den Eindruck, dass diese Ausstellung genau das ist, was ich für besides brauche. ||so ziemlich|| Bei einem der beiden Inlays wollte ich eine Zeichnung, und die Ausstellungsstücke bilden exakt die richtige Vorlage dafür. Allerdings mache ich die entsprechende Zeichnung jetzt nicht, dazu bräuchte ich viel mehr Zeit und vor allem größeres Papier. Ich werde den einen oder anderen Versuch machen müssen. Und auf jeden nochmal herkommen.

Erzähle zwischendrin Chris vom besides-Projekt. Er ermutigt mich, dabei mit anderen Leuten zusammenzuarbeiten. Da es inzwischen um eins ist, denke ich mir, es ist Zeit, Mittag zu essen. Denke mir, dass ich Chris was empfehlen kann, und er kommt mit zur Essbar. Heute gibt’s Nudeln, einmal mit Fleisch, einmal vegetarisch. Chris nimmt die mit Fleisch, ich nehme ausnahmsweise die Vegetariervariante. Und wie immer lecker. Das Dressing ist einfach der Hammer. Als ich mit Essen fertig bin, entwickele ich meine Figur an Hand des Touristenwegweisers mit Sonnenschirm. Allein diese Figur ist schon dermaßen bekloppt ... Also: Ein einäugiger Zyklop, aus Mexiko, mit einem birnenförmigen Schwammkopf, vier Arme und demzufolge ein vierärmeliges T-Shirt mit einem i drauf, und ein Ballerina-Röckchen. Und Netzstrümpfe. Mit einem makroskopischen, also sehr grobmaschigen Netz. Insgeheim nenne ich ihn Inhero, weil er das Gegenteil eines Helden ist und man das so schön von Heróin ableiten kann. Und er ist Choleriker. Zeichne die erste Comic-Seite: Er geht zu seinem Schneider und beklagt sich über das nicht passende T-Shirt. Allerdings ist die richtige Farbe gerade ausgegangen, so dass es nicht geändert werden kann. Gehe zurück zum Speicher, Chris geht nochmal zur Ausstellung. Es ist vor zwei, und der Strichcode wartet. Die Farben sollten zwar erst um

[aus Versehen eine Seite beim Schreiben überblättert]

halb sechs zur Verfügung stehen, aber um so besser. Mache mich dann also an die restliche Code-Arbeit. Höre dazu über eine Stunde B Mashina. Schätze, dass die Arbeit bis vier dauert. Ziehe die Schuhe aus. Der Code selbst dauert eine Ewigkeit, in der Zwischenzeit machen die Anderen auch an der Wand herum. Sylvain macht noch einen Mückenschwein-Schriftzug, Elena noch die Spielkartenfabrik fertig. Um am Ende die Zahlen zu machen, lege ich mich auf den Bauch vor den Code, weil ich sonst nicht vernünftig herankomme. Die Zahlen gehen verhältnismäßig schnell. Bin irgendwann zwischen halb und um vier fertig. Strichcode: done. Essbar: done. Workshop und Buch voll: fehlt noch. Also los. Weitere Panels.

Nachdem er also das T-Shirt nicht ändern lassen kann, setzt er durch, dass er es doch kann (wodurch das i entsteht), dann kauft er sich die „Netzstrümpfe“, kriegt einen Strafzettel und will sich dafür rächen. Er macht eine Shoppingtour durch den Waffenladen, bestellt sich Laservisiere (weil er mit einem Auge nicht durch vier Waffen zielen kann) und macht vor seinen Opfern die Scarface-Pose. So, da brech ich ab, bevor das aus dem Ruder läuft. Außerdem ist in dem Buch noch zuviel Platz. Nach und nach füllen sich die Seiten. Rundohr spielt wieder zusammen mit Strange_Core. Die Bar ist inzwischen längst aufgebaut und eröffnet. Es gibt Kaffee. Unterdessen schneiden Xaver und Sidekick an ihren Pappformen für den letzten Tag. Habe nach langem Zeichnen noch eine Seite frei, und die gehört Rundohr. Hab das Buch voll. Yeah. Fange aber das neue nicht sofort an, weil die Skizzenqualität auf den letzten Seiten doch arg nachgelassen hat. Muss meine Hand und meine Augen entlasten. Gehe bald darauf mal kurz rein, um noch was zu klären. Gehe nach mehreren Minuten wieder raus – und es ist dunkler geworden. Nicht nur so schummrig, sondern derart dunkel, dass ich bei der Beleuchtung nicht mehr zeichnen kann. Die Anderen können offenbar, aber ich nicht. Da nützt es auch nicht, dass wir heute keine Schnitte machen mussten. Drinnen ist keiner, der stillhält – die Sonnenmacher haben alle zu tun, insbesondere mit Scannen – und draußen siehst du nix. Gehe wieder rein. Nach oben zum Seminarraum. Muss mal kurz allein sein. Stehe im Dunkeln. Gehe die Metalltreppe hoch, die ich noch nie hochging. Bin lange da oben. Bin traurig. Gehe wieder runter. Da sehe ich Redhead auf der Treppe. Sie arbeitet am Sonnenmacher-Skizzenbuch. Ist deswegen hier drin, wo keiner ist. An einem hellen Ort. Und sie hält still. Das ist es. Die Zeichnung. Beginne mit dem Stirnband. Es ist wieder so ein Right-where-it-belongs-Moment, wie er vor einem Jahr auf dem Schiff stattfand, als ich Strange_Core gegenüber saß. Dennoch missglückt die Skizze. Wieder das Gesicht. Arbeite, nachdem sie fertig ist, am Sonnenmacherbuch weiter. Versuche es dann einem Anderen anzudrehen. Till hatte schon. Bin es aber los. Draußen sind die Lampen an. Es gibt also Licht. Klaus krieg ich hinimprovisiert und noch jemanden. (Merkwürdigerweise sieht die Skizze nach Strange_Core aus. Mit dem andere-Leute-zeichnen habe ich es dieses Mal irgendwie.) Bringe die Bücher mit den sechs Lesezeichen zum Scannen. Das war das Ziel. Ein aktuelles Buch zum Scan bringen. Habe das Tagespensum geschafft. Und 41 Skizzen erstellt, so viele wie in einem Jahr nicht. An der Wand wird weitergemalt, Sylvain hat seins fertig, aber ich will nach Hause. Gehe nach Hause.

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