(Der Titel ist erneut aus dem Liedtext.)
Am Freitag reiste ich an. Meine Eltern waren noch da, also konnten in Ruhe die Vorbereitungen getroffen werden, ohne dabei wertvolle Zeit zu verschwenden. Die zu kochenden Gerichte waren bereits zusammengesammelt, und entsprechend auch der eine oder andere Film aus dem Genre „Filme, bei denen man Hunger kriegt“. Unter anderem ist mir das Wochenende lieber Anlass dazu, die neuen Top 50-Kandidaten noch einmal zu prüfen. Collateral und The Departed wurden schon geprüft, Kill Bill wollte ich nicht in die Playlist einarbeiten, der hätte nicht gepasst. (Der sich im Gepäck befindliche Sin City hingegen im Notfall schon.) Dann gab es noch vier, die eher Außenseiterchancen hatten, somit blieb nur München übrig. Dieser war auch als erster vorgesehen.
Der Plan sah vor, dass die Einkäufe am Samstag erledigt werden und dann am Nachmittag mit München losgelegt wird. Am Freitagabend war ich beschäftigt, den Einkaufszettel zusammenzustellen, und bereits dort war ersichtlich, dass es zwei Einkäufe werden würden, einfach wegen der schieren Menge. Ein Einkauf für Spezialitäten, einer für weltliches Zeug. Dann machten Ellis einen Vorschlag: An diesem Wochenende findet an meiner ehemaligen Schule anlässlich ihres sechzigjährigen Bestehens ein Ball statt, ähnlich dem Abiball, jedoch mit Kartenberechtigung für alle ehemaligen Jahrgänge. Von diesem Ball weiß ich bereits seit über einem halben Jahr, und ich habe mich recht früh definitiv dazu entschlossen, nicht hinzugehen. Sie versuchen, mich zu überreden, da ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Ja, das habe ich wohl … nur nicht immer in dem Sinne, in dem das gerne angewendet wird. Aber das Thema wurde hier ja schon im Januar für immer abgehakt. Und man möge mir den Moment der Schwäche verzeihen, denn dafür wurde dieser Blog ja auch eingerichtet.
Die Einkaufsliste kam dann recht flott zu Stande, da zu allen Rezepten die Zutaten im Netz standen. Die Punkte auf der Liste waren im Folgenden:
- Eier mit Zwiebeln (jüdischer Aufstrich)
- Cassoulet (eine Art Auflauf mit Bohnen und Fleisch)
- Rouille (Aufstrich aus Marseille)
- Flammkuchen
- Onglet à l’Échalote (Fleischgericht)
- Daube (Rindfleischgericht)
- Ratatouille
- Marinade (ich wollte mal besser mariniertes Fleisch)
- Knoblauchbutter
- dazu Thé à la menthe, Virgin Mojito und Weintraubensaft
Auf Nährwertangaben wird, wie immer bei so einer Veranstaltung, keine Rücksicht genommen. Im Verlauf der Planung ergaben sich da einige Änderungen: Das Ratatouille hab ich weggelassen, das Onglet à l’Échalote auch und die Daube habe ich mit Bœuf Bourguignon kombiniert, also ein Nudelgericht draus gemacht. Der Speiseplan sah vor, dass am Samstag das Abendbrot durch den Grill gestellt wurde (Cousin von meinem Vater hat an dem Abend gegrillt), für den Sonntag waren zuerst das Cassoulet und dann die Daube et le Bœuf Bourguignon eingeplant und am Montag sollte es abends den Flammkuchen (auch für Eltern) und tagsüber die Reste geben. Und die Aufstriche mit Brot.
Samstag halb zwei waren Ellis weg und der Zettel fertig. Damit war die Septemberwochenhauptveranstaltung eröffnet.
Halb drei war ich vom ersten Einkauf zurück. Der Markt ist nicht weit weg, und den meisten Platz haben die Getränke weggenommen. Zwei Flaschen Weintraubensaft, denn ich wollte das Zeug sowohl trinken als auch damit kochen. Dazu kernlose Weintrauben zum Nebenbeiwegfuttern. Danach brauchte ich erst mal eine Pause, bevor ich mir das Rad schnappte und Richtung CITTI fuhr. Dort standen die anderen, nicht ganz so alltäglichen Zutaten auf dem Programm, dazu ein paar DVDs und die Hörzu. Welche DVDs es sein sollten, weiß ich nicht mehr, jedenfalls hatten sie die nicht. Oder … doch, ich hab Driving Lessons mitgenommen. Nach der Hörzu hab ich ewig im Weiland gesucht, und nachdem sie dort unauffindbar blieb, fiel mir ein, dass es die im Zeitungsladen beim CITTI auch gibt.
Das Einsacken der Zutaten dauerte etwas, so dass ich erst nach fünf zu Hause ankam. Als Erstes war Duschen angesagt. Danach ging es schon mit der Zubereitung los: Bei den Küchenarbeiten liefen immer diverse Alben. Inoffizielles Ziel war, alle genau einmal durchzuhören. Den Anfang machte der Soundtrack zu The Big Lebowski. Also rührte ich die Marinade ein zu Captain Beefheart. Die bestand aus saurer Sahne, viel Piment, Knoblauchgranulat, Pfeffer, Lorbeer, dann noch eine Gewürzmischung, Schnittlauch und kein Salz. Ist wichtig, dass man das Salz weglässt. Dass die Marinade ganz am Anfang kommt, hat seinen Sinn, da der Mariniervorgang eine ganze Weile braucht. Letztes Jahr hatte das vier Stunden Zeit, und es hat lange nicht gereicht. Deshalb schon am Tag vorher einrühren. Dann kam die Knoblauchbutter, da waren wir schon bei Hotel California. Die geht einfach: Butter schmelzen, zwei Knoblauchzehen ausdrücken, umrühren, und dann erkalten lassen. Dabei nach Möglichkeit eine Weile weiterrühren, damit sich der Knoblauch nicht absetzt. Kann man nicht über die ganze Distanz durchziehen, weil das verflucht lange dauert, eh das Zeug wieder fest wird. Selbst mit Kühlschrank.
Als erstes war ja München eingeplant. Damit begann ich erst halb sieben. Eigentlich wollte ich da schon viel weiter sein, weil der Grill unten ja warm wird. Halb acht kam dann die dafür vorgesehene Pause. Sie waren am Film an der ersten Schlüsselstelle angelangt, es war auch eines der ersten Kapitel, das ich überhaupt kennengelernt habe. Denn das erste Mal sah ich München beim Aufnehmen im Fernsehen, und als ich reinschaute, lief gerade dieses Kapitel.
Ich kam also verspätet zum Grillen, das Meiste war schon fertig. Der Grill musste wegen Dunkelheit beleuchtet werden, dafür wurden die Autos laufen gelassen und die Lampen angemacht. Da das keine tolle Lösung war, hab ich im Keller noch nach einem Verteiler gesucht und nach einer Lampe, aber die Kabeltrommel war dann doch zu kurz. Bin also rein. Dann haben wir gegessen, dann ging ich. Zehn nach neun ging es dann weiter mit München. Den hab ich im Übrigen nicht nur aufgenommen, weil es ein Kandidat für die Top 50 ist, sondern auch, weil er Teil des Genres „Filme, bei denen man Hunger kriegt“ ist. Und das passt hier natürlich besonders gut. Dazu gab es Baguette mit Knoblauchbutter, Weintrauben und Weintraubensaft im Weinglas. Warum das Weinglas, obwohl da kein Wein drin ist? Nun ja, es ist ja Weintraubensaft, und außerdem wollte ich mal wissen, wie das ist, aus so etwas zu trinken. Und wegen des Zelebrierens. Eine kurze Pause im Film gab es an der Stelle, an der Avner mit dem Palästinenser spricht. Dort werden die gegenüberstehenden Positionen ausgetauscht, die Stelle, an der klar wird, dass keine Seite sich einfach so zurückdrängen lässt. Und dass beide Seiten damit einem fundamentalen Irrtum aufsitzen. (Diese Stelle hab ich für das besides-Projekt aufgenommen, aber sie wird nicht auf dem Sampler sein, da sie nur in der Phase vor dem 2.1. bedeutsam war.)
23.15 war dann München fertig. Es fiel auf, dass der Titel auf dem Soundtrack namens End Credits bei selbigen dreigeteilt war. Dieser Titel ist hingegen für besides fest eingeplant. In der Mitte der ersten CD. Also nicht als Finale. Womit geht es weiter? Die Entscheidung fällt zu Gunsten von Out of Sight. Ein Steven Soderbergh-Film, Musik von David Holmes (was man gut heraushören kann), in den Rollen schon George Clooney, J-Lo (da ist sie gut), Ving Rhames (kennt man aus Pulp Fiction), Dennis Farina (übe den stolpert man ab und zu), Luis Guzman (über den stolpert man andauernd) und Don Cheadle (war wie Clooney später in der Ocean’s-Reihe). Der Beginn verzögert sich um mehr als eine Stunde, weil ich noch eine Chill-Pause will, in der es auch einen Ipanema gibt (an Hand der Erwähnungen dieses Drinks in diesem Blog dürfte klar werden, dass das mein Lieblingsdrink ist). So geht es erst halb eins los, ich werde langsam ein wenig müde. Der Film lief reibungslos ab, wie immer gut, und halb drei war er fertig. Starke Müdigkeit, ich begebe mich zur Nachtruhe.
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