Mittwoch, 12. Oktober 2011

Team Tiny Tongue

Auf der imdb bin ich irgendwann mal drüber gestolpert. Später habe ich auf z0r einen Filmausschnitt gesehen, bei dem ich dachte, dass ich diesen Ort, den man dort sehen kann, auch für Interior Separates haben will. Nachdem ich erfuhr, dass dieser Ausschnitt aus dem Film war, über den ich stolperte, besorgte ich ihn mir.
Das alles ist jetzt eine Weile her. Nun habe ich die Gelegenheit bekommen, ihn zu sehen:

OLDBOY

Ein südkoreanischer Film von Park Chan-wook. Es geht um einen durchschnittlichen Mann, der von jetzt auf gleich 15 Jahre eingesperrt wird, ohne dafür eine Begründung zu hören oder zu wissen, wer dahinter steckt. Nach diesen 15 Jahren erwacht er in Freiheit und erfährt bald darauf, dass er fünf Tage Zeit hat, um herauszufinden, wie der Verantwortliche heißt und wieso er das gemacht hat.

Was lässt sich dazu sagen? Der Film wurde noch auf einem solchen aufgenommen, also nicht digital gedreht, was zusammen mit dem ostasiatischen Setting und den teilweise ellenlangen Kamerafahrten für mehrere Kill Bill-Momente sorgt. Eine Abkupferung kann man dem Film dabei keineswegs unterstellen, da er erstens in, zumindest aus seiner Sicht, heimischen Gefilden spielt (Master Q war als Amerikaner ja nur Gast in Japan) und zweitens beide Filme 2003 herauskamen, so dass für potenzielle Kopien gar keine Zeit bestanden hätte. Ab und zu fühlte ich mich auch an Malena erinnert, obwohl ich von Malena nur so zwei, drei Szenen kenne. Taucht aber nur zwischendrin auf, ab und zu. Der Bösewicht sieht aus wie eine höhergewachsene Version von Sung Kang, den die meisten als Han aus der Fast & Furious-Reihe kennen dürften (ein paar wenige vielleicht auch aus Better Luck Tomorrow, ein paar mehr aus Stirb Langsam 4.0). Dabei wird er nie ausfallend, und am Ende erscheint sein Maßnahmenpaket sogar gerechtfertigt (eventuell).

Achtung, Spoiler!

Was mich ein bisschen gestört hat, waren die altbekannten Handlungselemente: Der kleine Sidekick stirbt (sogar Transporter 3 hat das besser hingekriegt); in dem Moment, in welchem der Protagonist die Möglichkeit hat, Rache zu üben, lässt er es auf Grund seiner Neugier nach der Ursache dann doch bleiben und verursacht dadurch möglicherweise Leid, das vermeidbar gewesen wäre (weil er dem Treiben des Antagonisten keinen Einhalt gebietet); der Protagonist sucht sich ein viel zu offensichtliches Versteck für seine Schutzbedürftige; das F-Wort kommt drin vor (wobei man das im Zweifel dem Synchronstudio anlasten sollte); die entsprechende Umsetzung in der Realität fehlt ebenso wenig (die dann aber wiederum etwas von Master Q’s Erklärung zum Madonna-Song am Anfang seines ersten Films hat, was in erster Linie an dem weiblichen Hauptrollenprofil liegen dürfte). Ebenso merkwürdig fand ich das mit den Restaurants: die Dinger können die auch selbst zubereitet haben. Wäre aus meiner Entführersicht sogar logisch. Man kann nun argumentieren, dass es dem Entführer ja darum ging, gefunden zu werden. Dann hätte der Protagonist wiederum stutzig werden müssen, weshalb es ihm so relativ leicht gemacht wird.

Spoiler Ende.

Das sind aber eher Kleinigkeiten, die zum Teil auch notwendig für das Voranschreiten der Handlung sind. Zu klären ist auch, wie heftig der Film ist. Aus meiner Sicht heftiger als erwähnter Kill Bill. Also auch heftiger als der erste, obwohl der ab 18 ist und der Bodycount bedeutend dramatischer. Man muss aber eben auch festhalten, dass Kill Bill grafischer ist, also überspitzter. From Dusk till Dawn oder Planet Terror stellen auch keinen Vergleich dar, da dort nach einer Weile ein Gewöhnungseffekt eintritt. Vom Oh-mein-Gott-Faktor lässt es sich möglicherweise mit Black Swan vergleichen, vielleicht noch eine Spur schärfer. Man braucht hinterher, um seinen gesunden Appetit wiederzufinden, ungefähr eine halbe Stunde. Geht also recht schnell, aber er ist nun mal kurz weg.
Zur Erholung hat man hinterher Lust auf Lucky Number Slevin. Das hat gute Gründe.

Hervorheben möchte ich die Art und Weise, wie die Handlung an manchen Stellen in Szene gesetzt wurde. Besonders beim Onlinechat und beim ersten Restaurant (ich glaube, dass es das erste war). Meine Lieblingsszene (vom gleichen Typ wie die in Lost Highway) kam recht früh, er geht aus dem Gebäude raus, nachdem er im Fahrstuhl war, dann knallt es hinter ihm, er dreht sich nicht um und grinst so, wie es nur Asiaten können, ohne dass es unglaubwürdig aussieht.

Wenn man den Film kucken will, sollte man einiges an cineastischer Erfahrung haben, sonst funktioniert das nicht. Und vergesst nicht, euch vorher chinesische, Verzeihung, koreanische Nudeln zu machen (oder irgendwie asiatische). Ist egal, wie ausgefallen oder einfach das wird, Hauptsache asiatische Nudeln.

Den am Anfang erwähnten Filmausschnitt gibt es hier:
http://z0r.de/916
Die Musik im Hintergrund hat mit dem Film nix zu tun.

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