Der Zug ging lange in eine Richtung. Dort gibt es eigentlich keine berichtenswerten Vorkommnisse. Ich schlug mich bis an das vorderste Segment durch. Wir bogen nach rechts ab und erreichten den Markt. Dort fand die nächste Kundgebung statt. Ich fand Anna wieder, und Erik. Anna fand noch einen Bekannten wieder. Er befand sich am Anfang des Zuges, trug das Banner. Nachdem die Kundgebung vorbei war, gingen wir auf dieser Höhe gleich mit, so dass wir auch mittragen konnten. Wir gingen die lange Straße entlang, zurück zum Startpunkt. Dies fiel mir erst auf, als wir fast da waren. Die letzte Kundgebung wird vom Veranstalter selbst gemacht. Dabei fällt auch die Information, dass es 800 Anwesende sind. Danach war gewissermaßen Feierabend. Zehn vor fünf. Ursprünglich wollte Anna mit dem Fünf-Uhr-Zug fahren. Meine Bedenken ob der Veranstaltungszeit zerstreuten dies. Dass wir aber so früh fertig werden, hätte ich nicht gedacht. Dadurch hätte sie ja dann Recht behalten. Stattdessen gehen wir vier Richtung Saturn. Den hatten wir auf dem Zug noch vor der ersten Kurve passiert, ist also ein bekannter Weg. Anna braucht ein neues Telefon. Und irgend so ein Mixgerät. Interessant ist, dass so eine Art von Mixer, wie ich sie dort in der Abteilung sah, erst wenige Tage zuvor bei „Tom kocht“ verwendet wurde. Nachdem die Auswahl getroffen war, ging es wieder runter, die finale Kaufentscheidung fällen. Wir warteten derweil draußen. Ein Weilchen. Bannerträger Nummer eins macht eine Raucherpause unten am Eingang.
Als wir Anna rauskommen sehen, erfahren wir den Grund: Der Berater hatte sie offenbar am laufenden Meter zugetextet, um ihr irgendeinen Käse anzudrehen. Darauf werden wir gleich noch zurückkommen. Unten verabschieden wir Bannerträger Nummer eins. Wir gehen zu dritt weiter. Wir haben Hunger. Meine Streuselschnecke, die ich mir am Bahnhof Stralsund zwecks Kleinmachung eines Zwanzigers nebst Rückzahlung von zwei Euro an Anna gekauft hab, ist bis auf einen Rest auf dem Weg zum Saturn in mir verschwunden. Erik weiß, wo in der Nähe ein Pizza-Hut ist. Für die Unkundigen: Mit Hut ist in diesem Fall keine traditionelle Kopfbedeckung gemeint, es steht vielmehr für das englische Wort für Hütte und wird entsprechend ausgesprochen. Worüber wir auf dem Weg dorthin sprechen, weiß ich nicht mehr. Dies ist auch nicht entscheidend, denn der Weg ist kurz. Angekommen, bestellen Anna und ich uns was zu frayzn. Sie nimmt Margherita, ich nehm … öhm, was hab ich eigentlich genommen … *indenflyerschaut* Rodeo Lover’s, genau. Rote Zwiebeln, Salami und Schinken. Da wir am Tisch ausreichend Zeit haben, öffnet Anna ihre Telefonpackung. Beziehungsweise versucht es, denn die haben da so ein Flachband zweimal drumgewickelt, welches verflucht schwer kaputtzukriegen ist und nicht auf Zug reagiert. Messer hat keiner dabei, ich hatte überlegt, meins einzupacken, aber da es heute auf eine Demo ging, war das nicht sehr ratsam. Schlüssel klappt auch nicht, aber Erik rupft das Zeug kurzerhand von der Schachtel. Diese macht Anna auf, und findet darin - eine weitere Schachtel. Bedruckt. Hochglanzdruck. Wesentlich kleiner, das Ding. Und kein zusätzliches Material. Kein Zubehör, keine Puffereinlage, nix. Nur eine Schachtel in einer großen Schachtel. Wir haben uns sowas von weggeschmissen vor Lachen. Das Hauptproblem verblieb ungelöst, denn nach Einlegen der alten SIM-Karte zeigte das Gerät Netzsperre an. Ich sah auf mein Telefon und bemerkte den fehlenden Empfang. Hängt möglicherweise damit zusammen, ich kenne mich nicht so in Mobilfunktechnik aus.
Irgendwann waren die Dinger dann fertig. Eingepackt waren die Pizzakartons in interessante Tüten. So konnte man die bequem horizontal tragen.
Mittlerweile war die Zeit recht fortgeschritten, so dass wir uns überlegten, wie wir zum Bahnhof kommen sollten. Anna meint, dass das Ticket, das wir uns gekauft haben, auch für die S-Bahn gültig ist. In der inzwischen einsetzenden Dunkelheit und Kälte möchte man auch nicht unbedingt zu Fuß zum Bahnhof laufen, wo man es doch schneller, anstrengungslos und vor allem wärmer haben kann, und das noch ohne zusätzliche Kosten. Am Markt ist die nächste Haltestelle und tatsächlich können wir unser Ticket dafür verwenden. Erik braucht noch eins. Die Bahn kommt in zehn Minuten, der Hunger kommt jetzt schon. Bzw. ist seit einer halben Stunde anwesend. Deshalb wird jetzt genomst. Mir bleibt der halbe Belag am Rest der Pizza hängen, aber ich kriege den unter Einsatz meiner Finger abgefriemelt. Mh, lecker. Muss aber noch kurz die Hände saubermachen, denn die Bahn kommt gleich. Ist eine schnelle Fahrt.
Wir sind am Bahnhof. Der Zug kommt erst in einer Dreiviertelstunde. Ausreichend Zeit, um was zu Trinken zu besorgen. Im Laden oben gibt es diverses Zeug, unter Anderem angeschwärzte Bananen für zehn Cent das Stück. Wat nimmste? Nach einigem Hin und Her fällt die Entscheidung. Wir haben noch eine knappe halbe Stunde, als wir am Gleis aufschlagen. Da wir immer noch den Großteil unserer Pizzen mitschleppen, ist das wohl der richtige Zeitpunkt, sie zu verbrauchen. Ich weiß noch, Erik hatte mich irgendwas gefragt, aber ich weiß nicht mehr, was es war. Nachdem ich mit Essen fertig bin, wasche ich mir die Hände mit Schnee. Ja ich weiß, polares Wasser und unpolare Triacylglyceride, und dann noch ohne Seife, aber ein wenig hilft es eben. Besser als nix. Moment, im Vakuum würde das Zeug wegen des Dampfdruckes wohl dahinschwinden, so dass das Nichts dann doch besser ist als Wasser … argh, Physikalische Chemie. Ganz so sicher bin ich mir aber noch nicht, ob der Zug, der hier vor unserer Nase steht, der richtige ist. Das hier ist ein IC, und wir sollten mit einem RE fahren. Und ein wenig abweichend vom Zeitplan ist das auch. Ein Bahnmitarbeiter verschafft dann aber die nötige Klarheit, dass es der richtige Zug ist. Anna und Erik waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf ihren Plätzen. Zuvor drehten sie im Raucherbereich noch ihre Runden.
Im Zug waren noch nicht so viele Leute, also fast keiner. Ich dachte daran, mich zu Erik und Anna in die Vierergruppe zu setzen, aber das wäre ein bisschen eng und hier ist schließlich Platz genug, daher wurde es dann die direkt gegenüberliegende Vierergruppe für mich. Eine Fahrgästin stieß später dazu. Als wir dann kurz vor Stralsund waren, hab ich nochmal über meinen Plan nachgedacht. Ich wollte ja direkt mit dem Zug weiterfahren, aber da Anna das Ticket nicht mehr brauchte und ich es daher behalten konnte, konnte ich auch weitaus später fahren. Wir wollten ins Ben Gunn. War ich noch nie drin, wird Zeit. Zuerst geht es zu Anna. Sie zog zwischenzeitlich um, wohnt also nicht mehr an dem Ort, den ich in den Skizzenfestival Diaries so schön rausgeblackmailt hab. Ein bisschen weiter weg ist es. Kein Drama. In Annas Wohnung begegnet uns ihre Katze Toulouse. Wurde gewählt, weil es auch „to loose“ heißen kann. Aus Versehen stupse ich Toulouse mit dem Fuß an, obgleich ich gewarnt wurde. Tut mir leid. Ebenso wie die Sauerei, die wir auf dem Fußboden veranstalten, weil wir zu blöd sind, unsere Dreckbotten auszuziehen (gemeint sind die Schuhe, die seit mittlerweile knapp acht Stunden getragen werden). Wir fragen Anna, ob sie Papierrolle hat, damit wir das wegmachen können, aber sie hat ihre eigene Lösung: Einen bereitliegenden Wischmoblappen, der mit den Füßén bedient wird, also man rutscht darauf rum. Wenig später geht es los.
Das Ben Gunn ist ungefähr da, wo ich es vermutete. Und RocknRoll-Muthik. Kings of Leon - Sex on Fire, Rammstein - Mann gegen Mann (lange nicht gehört), Beatsteaks - Hand in Hand, irgendwas mit Peter Fox, aber keine Ahnung, wie der heißt, Oomph! - Augen auf, dann einer, der nach In Extremo klingt, und in der Tat war es In Extremo - Spielmannsfluch und dann noch Billy Talent - Red Flag. Zwischendrin haufenweise Zeug, das ich nicht kenne. Anna nimmt, was sie immer nimmt, ich frage instinktiv nach Ipanema, was eine ausgesprochen blöde Idee ist. Man kann doch sehen, dass das keine Cocktailbar ist. Nehme mir die Karte vom Nebentisch und stattdessen ein Ginger Ale. Da ich den ganzen Tag nichts trank, dauert es bis zum zweiten nicht lange. Als auch das leer ist, winkt der Barmann mit dem Glase, um zu fragen, ob es ein weiteres sein dürfe. „Noch nicht“, antworte ich, später kommt dann ein drittes und letztes hinzu. Es haben sich noch weitere Leute angekündigt, unter anderem Annas Schwester und Simon (den ich heute aber nicht mehr sehe). Erik und ich sprechen ein wenig über Gaming, was jeder so für Tower hat und über Skyrim. Ich selbst spiele es (noch) nicht, da mein Rechner nicht in der Lage sein wird, für eine dem Spiel angemessene Grafik zu sorgen. Und weil mir die RPG-Erfahrung fehlt. Wir kommen noch zu meinem Schreibbuch. Ich hab ja bekanntermaßen stets zwei Bücher bei mir, einmal mein Skizzenbuch und dann noch mein Schreibbuch, in welches ich allen möglichen Mist reinschreibe, in diesem Fall die Muthiktitel, die ich wiedererkannt habe. Ich blättere kurz durch, was da alles drin ist: Der erste Abschnitt dokumentiert den Zweck, für den es gekauft wurde, nämlich als Laborbuch. Die Notizen zu den Übungen in Anorganischer Analyse, also Salze und Metalle auseinanderschrauben und im weiteren Verlauf deren Konzentration bestimmen, sind noch halbwegs akkurat geschrieben. Es schließen sich Notizen für das Interior Separates-Projekt an, insbesondere über den Handlungsstrang und an welchen Orten das jeweils stattfindet, das ist bereits so unübersichtlich, wie man es von mir kennt. Aber auch Teilplaylists. Dann eine Art Bauplan für eine schwebende Insel, die ich in Minecraft synthetisiert habe (das heißt, ich habe sie komplett selbst gebaut, orientiert an bereits existenten Vorbildern aus der Himmelsdimension und aus meiner eigenen Map) und die Originalmitschriften der Skizzenfestival Diaries. Dabei ist auch gut der Grund zu sehen, warum es dieses Mal damit so lange dauert, denn der Schriebs ist total undeutlich. Weil ich recht schnell geschrieben habe, ohne groß nachzudenken, was der Tatsache geschuldet ist, dass ich diesmal näher am Geschehen geschrieben habe, also der Zeitabstand zwischen Ereignis und dessen schriftlicher Fixierung hier nie so groß war wie das vorherige Mal. Wenn ich da einen Teil von auf dem Rechner abgeschrieben habe, kucke ich das Buch danach eine Woche lang nicht mehr an. Direkt danach kommen Szenenzeiten des Films „The Town“ (auch für Interior Separates); das heißt zu den einzelnen Geschehnissen wird notiert, wann im Film die stattfanden. Dann eine Einkaufsliste für die Septemberwochen (also die tatsächlichen), dann das dazugehörige Protokoll und dann die Zugfahrzeiten des heutigen Tages. Und natürlich die erkannten Titel aus der Muthikbokth.
Annas Schwester erzählt einige interessante Stories, die mich zum Zuhören animieren. Leider schrieb ich nicht mit, aber ich muss auch nicht den Eindruck erwecken, als wäre ich Inoffizieller Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit. (Ich könnte es eigentlich Minisich nennen, in Anlehnung an Miniwahr, Minilieb und den ganzen Verbrecherverein.) Abgesehen davon gibt es nicht viel zu erzählen. Daher würde ich sagen, dass ich einfach mal nach Hause gehe, denn der Zug fährt irgendwann auch mal. Also, wir sehen uns spätestens beim Skizzenfestival.
Bilder zur Demo können unter anderem hier gefunden werden:
http://thiema.com/2012/02/12/demo-gegen-acta-in-rostock/
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