WTF! Deja-vu? Der Freitagabend lässt sich fast genau so zusammenfassen, wie diverse Konzertlaunenverläufe meinerseits, wenn die Bummms Boys wieder auf der Bühne stehen. Erst eine hohe Phase, dann ein Downer, dann wieder ein Re-Up durch Kicker und diesmal als neues Element ein frühzeitiger Abbruch.
Es begann vor ein, zwei Wochen, als ich eine Einladung zur Geburtstagsnachfeier erhielt. Wir wollten dies im Geokeller tun. Nun war ich noch nie im Geokeller und wusste bis zum fünften Semester (also bis vor einem Jahr) gar nicht, wo der lag, obgleich ich zehn Meter daneben Vorlesungen hatte. Dann lernte ich den Standpunkt kennen. Dachte ich. Da es mich durchaus reizte, den Keller von innen zu sehen (das gehört sich als Student einfach so, auch wenn einen das Umfeld und die allgemeine Meinung über Studenten eher nicht interessieren), war diese Einladung ein willkommener Anlass, diesen Punkt abzuhaken. Auch wenn ich nicht wusste, was für Voraussetzungen gegeben waren.
Nun kam der Tag, und ich wollte mich gut vorbereiten. Inwiefern es dazu zählt, im Dauer-Loop The Devil‘s Tambourine Part 1 aus dem Soundtrack von Edna bricht aus laufen zu lassen, bleibt unergründet. Es passt aber zu der dunklen Schneelandschaft, die sich uns gerade bietet. Wir gingen dann also spätabends los und nach einem recht langen Intermezzo trafen wir beim Geokeller ein. Erste Erkenntnis: Er ist eben doch nicht dort, wo ich ihn vermutete. Ich dachte, es wäre gegenüber vom Hörsaal die Treppe runter. Stattdessen wird komplett durch den Innenhof durchgegangen und das Hauptgebäude betreten. Unten dann eine Tanzfläche und davor ein Gang mit Längsbar. Das ganze Gebilde mutete an Gronkhs Minecraft-Architekturalgorithmus an, denn er fängt ja erst mal irgendwas an und ergänzt dann an das Bestehende diverse Räume und dadurch ergeben sich absolut epische Gebäude. Sitzmöglichkeiten waren äußerst spärlich gestreut, so dass ich mein Zubehör ständig dabeihatte. Und es zeigte durchaus Wirkung: In der ersten Phase sind die Leute sehr an dem Typen interessiert, der nicht auf der Tanzfläche tanzt, sondern danebensteht, die Szenerie beobachtet, an seinem Kragen vier Stifte befestigt hat und im Schnelldurchlauf in sein Skizzenbuch hineinzeichnet. Und in dem Moment, in dem die zwei Studentinnen auf einen zugehen, sich das ansehen und fragen und danach direkt vor einem weitertanzen, dass man keine dreißig Zentimeter voneinander entfernt ist und auch keine direkten Anstalten machen möchte, aus ihrem unmittelbaren Tanzbereich hinauszugehen … dann habe ich das Gefühl, als wenn mein Comix-Plan tatsächlich funktionieren kann. Dieses Ergebnis, also durch Zeichnen andere Leute auf sich aufmerksam machen, hat hier wesentlich besser funktioniert als es das im Comix jemals getan hätte.
Das ist so die Brennphase. Die ersten fünfzehn bis dreißig Minuten eines solchen Aufenthaltes sind brauchbar. Danach weiß jeder, dass man zeichnet, und die Ansprachen lassen spürbar nach. Das ist ein Dämpfer, und der nächste Abschwung wird ein Downer. Hier in Gestalt eines später eintreffenden Compagnons, der schon angezwitschert ist. Ich weiß, wieso ich Betrunkene nicht ausstehen kann. Weil sie so sind, wie sie eben sind. Nicht mehr sie selbst. Mein Skizzenbuch hatte ich damit so gut wie weggepackt. Dann standen wir eine Weile an der Bar herum, um uns scharten sich die Leute, und nach einer Viertelstunde war daraus ein Ich-bin-auf-dem-Cover-von-Shaun-of-the-Dead-Moment geworden. Um einen herum Leute, man selbst kann sich keinen Zentimeter bewegen (und das meine ich auch so) und will nicht das Gesicht sehen, das man gerade macht. Nachdem es etwas freier wurde, ging ich wieder rein, hin zum Kickertisch, was mir genügend Abwechslung bot. Als sie fertig waren und neue Spieler an die Reihe kamen, durfte ich ran. Mitspielen. Genau wie beim diesjährigen (naja, eigentlich ja letztjährigen) Auftritt der Bummms Boys in der Kulturschmiede. Und wie beim Auftritt waren wir (keine Ahnung, wer das noch war) ein gutes Team. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir verloren und damit raus waren, und als es dann soweit war, sah ich unsere Leute ganz in der Nähe stehen. Sie wollte wieder nach Hause. Also der am Anfang erwähnte vorzeitige Abbruch. Dieser kam mir gelegen, denn nach dem Spiel wusste ich nicht, was ich sonst noch hätte tun sollen. Weiterskizzen wollte ich nicht mehr, da die Motive sich nicht änderten und man meint, die Gesichter inzwischen auswendig zu kennen, und das, weshalb man im Normalfall herkommt, nämlich tanzen, hatte ich von vornherein nicht vor. Denn ich mag Tanzen überhaupt gar nicht. Dazu werde ich demnächst was schreiben (hja, wieder ein neues Thema für einen Eintrag ^^). Mit anderen Worten, es gab hier für mich nichts mehr zu tun. Dann gehen wir eben.
Obgleich natürlich der große Hallo-Erfolg ausblieb (wer hätte es gedacht), so war dieser Abend doch als nützlich anzusehen. Der Geokeller-Aufenthalt war von meiner To-Do-Liste verschwunden, und ich hab meinen inzwischen entstandenen Skizzenrückstand ein bisschen aufgeholt. (Ich habe das selbstgesetzte Ziel, bis zum nächsten Festival die zwei Skizzenbücher vollzukriegen. Bei einer arithmetisch gemittelten Betrachtungsweise wäre ungefähr jetzt Halbzeit, also das erste Buch müsste voll sein. Ist es noch nicht, aber das Ende rückt in die Nähe.) Und ich habe neue, naja, Messdaten für diese Art von Veranstaltung. Dann habe ich es irgendwann raus, richtig damit umzugehen.
Der Morgen danach. Verständlicherweise wird es weniger ein Morgen, da es ja letzte Nacht etwas länger dauerte. Telefon klingelt, ich trete prompt in einem Miniaturglassplitter. Steche mir bei dessen Entfernung auch noch in den Finger. Finger blutet. Formulierung übernommen. Wahrscheinlich gut so. Egal, die Einstiche sind sehr klein, die Blutung daher schnell gestoppt. Und aus irgendeinem Grund gefällt mir eine bestimmte Pulp Fiction-Szene gerade sehr gut, so dass ich diesen Film doch noch in meine Beschaffungspläne einbaue. Von allen Tarantinos wäre der eh als nächstes dran. Man kann also von einem gewissen Aufstieg sprechen (wenngleich ich ihm noch nicht ganz traue, denn so einen hatte ich schon einmal und danach wirkte er nicht). Und um diesen Aufstieg zu zelebrieren, passt nichts besser, als seinen Hunger zu stillen, und zwar mit einem selbstgemachten Royale mit Käse.
Das Lied, welches im Geokeller lief, als der beste Moment des Abends stattfand, suche ich mittlerweile seit zwei Tagen. Ich vermutete ja, es könnte in den Charts sein, zumal es noch in den ersten 90 Minuten gespielt wurde und in den Tabellen gerade wieder Fallen Leaves von Billy Talent auftaucht (diese Band war im Geokeller mit Red Flag vertreten). Die letzte Charttabelle durchforste ich gerade, und ich wüsste nicht, wo ich danach weitersuchen sollte. Ich habe es vorher noch nicht gehört und die Erinnerung verblasset schon. Es hatte auf jeden Fall einen gegenläufigen Rhythmus.
Die Auswertung hat ihre Spuren hinterlassen. 41 Klicks an einem Tag. Dafür ein Dankeschön. Sollte ich häufiger machen.
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