Dienstag, 7. Februar 2012

Alors on chante


Im letzten Eintrag wies ich darauf hin, dass ich etwas über das Tanzen sagen wollte, genauer gesagt, dass ich es überhaupt gar nicht mag. Von vornherein muss ich dabei zwischen zwei Varianten unterscheiden: Die erste wäre die klassische Variante. Man tanzt als Paar nach einer vorgegebenen Schrittfolge. Das sind dann die bekannten Tanzarten, wie Foxtrott, Walzer und so weiter. Die zweite Variante umschließt alles andere. Also Paartanz, bei dem es so eine vorab definierte Schrittfolge nicht gibt und man drauflos hoppelt und Einzeltanz, bei dem man eine sich im Kopf bildende Bewegung spontan umsetzt. Diese Unterscheidung spielt jetzt eine Rolle.
Bei der ersten Variante mit den definierten Schrittfolgen habe ich keine grundsätzliche Ablehnung. Diese würde ich betreiben, sofern ich die Schritte kenne. Was allerdings bis dato nur auf zwei Arten zutrifft, und bei einer davon habe ich es schon zur Hälfte wieder vergessen. Die zweite Variante lehne ich grundsätzlich ab. Denn bei dieser komme ich mir total bescheuert vor. Leider hat sich dieses Wissen in meinem Bekanntenkreis noch nicht vollständig durchgesetzt.
Woran liegt das jetzt? Ich würde mal sagen, dass ich absolut keinen Sinn für das Tanzen habe. Es ist eine Tätigkeit, die ich betrachten kann, bei der ich aber keinen tieferen Sinn sehe. Es erfreut mich nicht, und wenn ich es machen muss, dann mache ich es (unter den oben genannten Bedingungen), aber meinetwegen kann es auch gerne auf die Liste der unnötigen Programmpunkte verschoben werden. Mir werden da viele widersprechen, aber hier geht es um meine Meinung.

Beispiel: Uma Thurman und John Travolta. Die zwei tanzten ja in Pulp Fiction, nachdem Uma Thurman aka Mia Wallace John Travolta aka Vincent Vega darum gebeten hatte. Die Tanzszene habe ich mir betrachtet, und ja … ich weiß immer noch nicht, ob das, was sie dort ablieferten, nach objektiven Maßstäben gut war. Ich kann es nicht einordnen, aber instinktiv würde ich eher sagen, dass das Quatsch war. Diverse Dinge sagen mir, dass ich mit dieser Meinung eher allein sein dürfte. Bevor sie tanzen, ziehen sie sich die Schuhe aus, was auf einen geübten Tänzer hindeuten soll. Nach der Szene, als sie am Haus von Mia Wallace angekommen sind, machen sie ein paar Tanzschritte weiter. Dass sie den Pokal in der Hand halten, der mit dem Sieg bei dem Tanzturnier verbunden war, muss nichts heißen, denn in der englischen Version läuft ja bekanntermaßen über das Radio eine entsprechende Nachricht, dass den jemand hat mitgehen lassen.

Ganz anders in dem anderen Film, in dem Uma Thurman und John Travolta tanzten. Ist weitaus weniger bekannt und weitaus weniger beliebt, weil er die eine oder andere größere Macke hat, und nennt sich Be Cool. Ist die Fortsetzung von Schnappt Shorty, der ein Jahr nach Pulp Fiction rauskam. Diese Tanzszene gefällt mir viel besser. Dazu muss man erst mal die ganzen Nebeneffekte rausfiltern, die dieses Ergebnis beeinflussen. Da wäre zunächst mal die Mucke zu nennen. Ich bin nicht mit Chuck Berry aufgewachsen, sondern mit den Black Eyed Peas. Da ich mir gut vorstellen kann, dass das ein riskanter Satz war, gehe ich darauf näher ein: Das Risiko liegt zunächst einmal darin, die Black Eyed Peas mit Chuck Berry zu vergleichen. Darüber hinaus war der erste Titel von deren Album Monkey Business fast so was wie ein Remix der Eröffnungsmelodie von Pulp Fiction, und daran könnte sich auch der eine oder andere stoßen.

Meine Meinung dazu: Seit Fergie in Planet Terror mitgespielt hat, ein Film, an dem Tarantino auch mitgearbeitet hat (um genau zu sein, hat er unter anderem den Zombie gespielt, der Fergie überfallen hat), hat es zu diesem Thema keine Beiträge mehr zu geben. Das also zur Mucke. Hinzu kommt die Filmoptik. Den Unterschied zwischen den Filmoptiken der frühen 90er und der 2000er kann jeder selbst sehen. Travolta und Thurman sehen meiner Meinung nach in Be Cool auch besser aus. Beide haben Frisuren, die ihnen stehen. Gleiches für die Klamotten. Und auch wenn man all das ausklammert, bleibt am Ende noch übrig, dass der Tanz in Be Cool eher die Merkmale der ersten Variante erfüllt hat als der in Pulp Fiction. Und es ist eine ruhigere Nummer, die meinem Naturell eher entspricht. Daher sehe ich mir diese Szene weitaus lieber an.
Wohlgemerkt, ansehen. Nicht nachtanzen. Am Ende erfüllt es Merkmale der ersten Variante, IST aber die zweite.

Was lässt sich jetzt noch sagen? Ich komm mir beim Zweitvariantentanzen blöd vor und sehe die erste Variante bestenfalls als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck. Kommt mir daher nicht unbedingt damit und wenn, dann bei einem ruhigen Titel unter der Gewissheit, dass das mit den Schritten klappt.
Ah ja, jetzt wie ich, worauf ich noch eingehen wollte. Es gibt ja den Spruch, von wegen vertikaler Ausdruck eines Verlangens und so. Da dürfte dann durchaus was dran sein, dass sich eine Kombination von Ungelenkigkeit und Berührungsablehnung und mangelndem Drang, etwas auszuprobieren, auf mehr als nur eine Lebenslage auswirkt. Es stellt sich aber heraus, dass das eine Charakterfrage ist und es weniger auf das ankommt, was man, einem äußeren Einfluss folgend, tut. Denn dieser Überlegung zu Folge könnte man tanzen lernen (es lässt sich ja bekanntermaßen vieles lernen, und Zweitvariantentanzen rechne ich einfach mal dazu) und der Rest ist Kommunikation (ehm, genau). Das bringt einen aber nur einen halben Schritt weiter. Es würde so etwas wie der weiße Schwan aus Black Swan dabei herauskommen. Sie tanzt ja auch, aber das reicht eben nicht. Leroy hat es treffend formuliert: She’s not faking it. Nina kann tanzen, und sie kann auch den schwarzen Schwan erlernen (hat sie ja gemacht), aber am Ende zählt der Charakter. Und Tanzen verkommt demgegenüber zu einer Präsentationsform. Und man sollte beim Kennenlernen nicht gleich das präsentieren, was man gerade NICHT kann bzw. wofür einem das Talent fehlt.

Soviel dazu. Erinnert mich mal daran, dass es demnächst wieder ums Kino gehen soll.

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