Am Sonntag ging es um elf los, die Zeit sagt mir, dass ich mir den Wecker stellte. Sonst wäre es zu spät losgegangen. Ab unter die Dusche. Um zwölf geht es weiter: Es steht das große Kochen auf dem Plan.
Die zwei Hauptgerichte des Tages, also das Cassoulet und die Daube et le Bœuf Bourguignon wollen zubereitet werden. Cassoulet ist ein Auflauf, der normalerweise aus (großen) Würstchen, Speckwürfeln, gepökeltem Schweinefleisch und weißen Bohnen gemacht wird. Der braucht eigentlich recht lange, weil da eine leichte Kruste entstehen soll und die immer wieder untergerührt wird. Das spar ich mir mal, das Zeug wird das Mittagessen. Die Daube et le Bœuf Bourguignon braucht eh noch den Rest des Tages.
Da hat sich der Plan dann bemerkbar gemacht, denn sonst verliert man da den Überblick. Für das Cassoulet hab ich das einmarinierte Fleisch genommen und erst einmal mit viel Öl, für die Rouille, angebraten. Nicht zu heiß, sonst schmeckt es nach nix. Statt Schwein hab ich Pute eingepackt. (Hab übrigens, als ich das Fleisch holte, unseren Geo-Lehrer gesehen.) Beim Anbraten gleich noch ordentlich Knoblauch und eine halbe Zwiebel in die Pfanne. Ich hab an dem Wochenende wahrscheinlich sechs Knoblauchzehen verbraucht. Der Lorbeer kommt erst später, nachdem das Fleisch entnommen und geschnitten wurde. Das mache ich immer erst bei bereits gebratenem Fleisch. Ich hab einmal rohes Fleisch geschnitten, muss so im November, Dezember vor wenigen Jahren gewesen sein, und das Gefühl beim Schneiden war … unheimlich. So als würde das Fleisch einen Widerstand gegen das Schneiden leisten. Bei Gebratenem hat man den Effekt nicht.
Gleichzeitig Bohnen kochen bzw. erhitzen, ich hab diese Heinz-Bohnen genommen. Das alles in eine Porzellanschale, vermischen (mit angebratenen Speckwürfeln), Lorbeer rein und eine Stunde bei 180 °C, dabei in der Mitte mal umwenden.
Parallel dazu wird die Daube et le Bœuf Bourguignon gemacht: Erst wird das Rindergulaschfleisch angebraten, und wenn es von außen schon größtenteils nicht mehr rot ist, wird es mit Weintraubensaft abgelöscht und die Flamme runtergedreht. Auf kleiner Flamme wird es geschmort, dann kommen noch die andere halbe Zwiebel und viel Knoblauch mit rein. Und Lorbeer, später Speckwürfel, Rosmarin und Schnittlauch. Das wird auf ganz kleiner Flamme ganz lange stehen gelassen, hin und wieder kommt noch ein Schluck Saft hinzu (ich hab einmal nachgegossen).
Zwei kleine Impressionen des Vorgangs:
Das Cassoulet, bevor es umgerührt wird und in den Ofen wandert.
Unten links blubbert die Daube et le Bœuf Bourguignon vor sich hin, unten rechts wurde das Fleisch vom Cassoulet angebrutzelt und oben sind noch die Schinkenwürfel für beide Gerichte.
Zehn nach eins ist das Cassoulet im Ofen. Und ich entdecke drei Miniaturspinnennester in den Weintrauben. Das trägt nicht zum Appetit bei, aber glücklicherweise sind die Nester längst leer. Die zur Befestigung dienenden Weintrauben gehen weg, der Rest wird gegessen. Im weiteren Verlauf. Bevor es mit Filmen weitergeht, kann man die Daube einem Geschmackstest unterziehen, und es schmeckt schon sehr gut. Wie wenn man Wein verwendet hätte. Fünf vor halb zwei geht es dann los: American Beauty. Aus dem Genre der Filme, die beim zweiten Mal ansehen besser sind. Beim ersten Mal erwartet man etwas völlig Anderes. Am besten ist immer noch die Szene am Wohnzimmertisch zum Abendessen, in der Kevin Spacey mal einen ungewohnten Ton anschlägt. Zehn nach zwei ist das Cassoulet fertig, es wird umgehend gegessen. Dabei fällt mir auf, dass ich den Lorbeer wohl besser nicht kleingebrochen hätte, der ist verflucht hart. Als würdest du Zweige mitessen. Daher den Lorbeer immer als Blatt reingeben, damit man ihn vorm Servieren leichter entfernen kann. Fazit: Es ist gut, aber es wäre auch mit einem geringeren zeitlichen Aufwand so gut gewesen. Und zum ersten Mal an diesem Wochenende bin ich richtiggehend satt. Vorher konnte ich zu mir nehmen, was ich wollte, Platz war in der kleinsten Hütte, aber so viel Fleisch und Bohnen hauen einen um.
Dreiviertel vier bin ich mit American Beauty fertig, eine Pause ist angesagt. 16.40 Uhr geht es mit der Küche weiter. Die Daube steht immer noch auf kleinster Flamme, aber ich habe noch keinen Aufstrich gemacht. Gehen wir also an die Rouille. Die überhaupt nichts geworden ist, weil ich zu viel roten Pfeffer drangemacht habe. Das schmeckte nur nach dem elenden Zeug. Aber die Rouille stand eh schon unter keinem guten Stern, als ich erfuhr, dass man dafür 200 ml Olivenöl braucht. Viel zu viel meiner Meinung nach. Ansonsten noch Weißbrotkrümel. Man glaubt es kaum, aber es stimmt. Hab zuerst eine Peperoni kleingemörsert, dann Öl und die Krümel rein. War auch ein Grund für das Baguette. Aber der rote Pfeffer hat es gekillt. Musste es dann später wegmachen, das kann man keinem andrehen.
Macht aber nicht so viel, denn zehn nach sechs wurde es langsam Zeit für den nächsten Listenpunkt. Ocean’s Twelve ist immer ein Highlight, und dazu braucht es Thé à la menthe. Geht schnell, schmeckt wie Pfefferminztee, nur besser. Viel besser. Von dreiviertel sieben bis um neun Ocean’s Twelve. Den Punkt handele ich im Text zwar schnell ab, aber es dauert immer angenehm lange.
Die Daube wird dann also das Abendessen. Hunger habe ich noch keinen bzw. ich kann mich zurückhalten, aber die Nudeln kann ich schon machen. Halb zehn fange ich diese zum Soundtrack von Good Bye Lenin an. Muss ihn aber eine Viertelstunde später wieder ausmachen, weil ich es nicht mehr aushalte. Keine Ahnung warum. Ist mir auch eine völlig neue Reaktion. Kann aber nicht am Soundtrack liegen, denn beim Radio kommt die gleiche Reaktion.
Zehn vor zehn geht es mit dem geplanten Double Tap weiter. The Da Vinci Code. Bis fünf vor eins. Unterm Strich mindestens 40 Minuten Pause zwischendrin. Ist normal. Dann gibt es Abendessen: La Daube et le Bœuf Bourguignon avec de la jus de vin. Dazu gibt es extra den Spezialpastateller. Nudeln, Rindfleisch, welches mittlerweile mehr als zwölf Stunden kocht. Viertel nach eins bin ich mit Essen fertig. Fazit: Ich habe nie zuvor so gutes Rindfleisch gemacht. Von jetzt an mache ich Rind nur noch so.
Aber das reicht noch nicht als Pause. Bevor es weitergeht, möchte ich noch den achtzehnten Titel von der Nummer eins hören. Le banquet. War auch Bestandteil von mcl. Also den Verstärker gemutet, auf Titel 18 geskippt, Pause, demute, und Play. Und ich tanzte. Wirklich, es war phänomenal. Und es unterstreicht, weshalb solche Tage nötig sind: Nur so kann ich sein, wer ich sein will. Der Tanz ging nach der 18 noch weiter: In der 18 selbst war es ein improvisierter Wiegentanz, in der 19 ein Wiener Walzer für Alleinstehende (davon tut einem der Rücken weh) und für die 20 ein improvisierter Tanz mit Hebungen und Schwingungen. Ballettfiguren. Ein Titel, zu dem man das Leben feiern kann. Danach war Ende. Und ich total knülle. Das ist ein Sport. Ich brauch n Schluck Wasser. Und eine Dusche. Ich tanzte bis halb zwei.
Nach der Dusche ging der Double Tap um zwei weiter: Illuminati. Beinhaltet wie immer die Standardpause, die auch im Kino vorgenommen wurde. Sie beginnt viertel nach drei und endet, diesmal auch vom Umfang an die Kinopause angepasst, halb vier. Dreiviertel fünf exit Illuminati.