Dienstag, 25. Oktober 2011

Mond der Tagessterne Teil 2

Am Sonntag ging es um elf los, die Zeit sagt mir, dass ich mir den Wecker stellte. Sonst wäre es zu spät losgegangen. Ab unter die Dusche. Um zwölf geht es weiter: Es steht das große Kochen auf dem Plan.
Die zwei Hauptgerichte des Tages, also das Cassoulet und die Daube et le Bœuf Bourguignon wollen zubereitet werden. Cassoulet ist ein Auflauf, der normalerweise aus (großen) Würstchen, Speckwürfeln, gepökeltem Schweinefleisch und weißen Bohnen gemacht wird. Der braucht eigentlich recht lange, weil da eine leichte Kruste entstehen soll und die immer wieder untergerührt wird. Das spar ich mir mal, das Zeug wird das Mittagessen. Die Daube et le Bœuf Bourguignon braucht eh noch den Rest des Tages.
Da hat sich der Plan dann bemerkbar gemacht, denn sonst verliert man da den Überblick. Für das Cassoulet hab ich das einmarinierte Fleisch genommen und erst einmal mit viel Öl, für die Rouille, angebraten. Nicht zu heiß, sonst schmeckt es nach nix. Statt Schwein hab ich Pute eingepackt. (Hab übrigens, als ich das Fleisch holte, unseren Geo-Lehrer gesehen.) Beim Anbraten gleich noch ordentlich Knoblauch und eine halbe Zwiebel in die Pfanne. Ich hab an dem Wochenende wahrscheinlich sechs Knoblauchzehen verbraucht
. Der Lorbeer kommt erst später, nachdem das Fleisch entnommen und geschnitten wurde. Das mache ich immer erst bei bereits gebratenem Fleisch. Ich hab einmal rohes Fleisch geschnitten, muss so im November, Dezember vor wenigen Jahren gewesen sein, und das Gefühl beim Schneiden war … unheimlich. So als würde das Fleisch einen Widerstand gegen das Schneiden leisten. Bei Gebratenem hat man den Effekt nicht.
Gleichzeitig Bohnen kochen bzw. erhitzen, ich hab diese Heinz-Bohnen genommen. Das alles in eine Porzellanschale, vermischen (mit angebratenen Speckwürfeln), Lorbeer rein und eine Stunde bei 180 °C, dabei in der Mitte mal umwenden.

Parallel dazu wird die Daube et le Bœuf Bourguignon gemacht: Erst wird das Rindergulaschfleisch angebraten, und wenn es von außen schon größtenteils nicht mehr rot ist, wird es mit Weintraubensaft abgelöscht und die Flamme runtergedreht. Auf kleiner Flamme wird es geschmort, dann kommen noch die andere halbe Zwiebel und viel Knoblauch mit rein. Und Lorbeer, später Speckwürfel, Rosmarin und Schnittlauch. Das wird auf ganz kleiner Flamme ganz lange stehen gelassen, hin und wieder kommt noch ein Schluck Saft hinzu (ich hab einmal nachgegossen).
Zwei kleine Impressionen des Vorgangs:

Das Cassoulet, bevor es umgerührt wird und in den Ofen wandert.

Unten links blubbert die Daube et le Bœuf Bourguignon vor sich hin, unten rechts wurde das Fleisch vom Cassoulet angebrutzelt und oben sind noch die Schinkenwürfel für beide Gerichte.

Zehn nach eins ist das Cassoulet im Ofen. Und ich entdecke drei Miniaturspinnennester in den Weintrauben. Das trägt nicht zum Appetit bei, aber glücklicherweise sind die Nester längst leer. Die zur Befestigung dienenden Weintrauben gehen weg, der Rest wird gegessen. Im weiteren Verlauf. Bevor es mit Filmen weitergeht, kann man die Daube einem Geschmackstest unterziehen, und es schmeckt schon sehr gut. Wie wenn man Wein verwendet hätte. Fünf vor halb zwei geht es dann los: American Beauty. Aus dem Genre der Filme, die beim zweiten Mal ansehen besser sind. Beim ersten Mal erwartet man etwas völlig Anderes. Am besten ist immer noch die Szene am Wohnzimmertisch zum Abendessen, in der Kevin Spacey mal einen ungewohnten Ton anschlägt. Zehn nach zwei ist das Cassoulet fertig, es wird umgehend gegessen. Dabei fällt mir auf, dass ich den Lorbeer wohl besser nicht kleingebrochen hätte, der ist verflucht hart. Als würdest du Zweige mitessen. Daher den Lorbeer immer als Blatt reingeben, damit man ihn vorm Servieren leichter entfernen kann. Fazit: Es ist gut, aber es wäre auch mit einem geringeren zeitlichen Aufwand so gut gewesen. Und zum ersten Mal an diesem Wochenende bin ich richtiggehend satt. Vorher konnte ich zu mir nehmen, was ich wollte, Platz war in der kleinsten Hütte, aber so viel Fleisch und Bohnen hauen einen um.

Dreiviertel vier bin ich mit American Beauty fertig, eine Pause ist angesagt. 16.40 Uhr geht es mit der Küche weiter. Die Daube steht immer noch auf kleinster Flamme, aber ich habe noch keinen Aufstrich gemacht. Gehen wir also an die Rouille. Die überhaupt nichts geworden ist, weil ich zu viel roten Pfeffer drangemacht habe. Das schmeckte nur nach dem elenden Zeug. Aber die Rouille stand eh schon unter keinem guten Stern, als ich erfuhr, dass man dafür 200 ml Olivenöl braucht. Viel zu viel meiner Meinung nach. Ansonsten noch Weißbrotkrümel. Man glaubt es kaum, aber es stimmt. Hab zuerst eine Peperoni kleingemörsert, dann Öl und die Krümel rein. War auch ein Grund für das Baguette. Aber der rote Pfeffer hat es gekillt. Musste es dann später wegmachen, das kann man keinem andrehen.

Macht aber nicht so viel, denn zehn nach sechs wurde es langsam Zeit für den nächsten Listenpunkt. Ocean’s Twelve ist immer ein Highlight, und dazu braucht es Thé à la menthe. Geht schnell, schmeckt wie Pfefferminztee, nur besser. Viel besser. Von dreiviertel sieben bis um neun Ocean’s Twelve. Den Punkt handele ich im Text zwar schnell ab, aber es dauert immer angenehm lange.

Die Daube wird dann also das Abendessen. Hunger habe ich noch keinen bzw. ich kann mich zurückhalten, aber die Nudeln kann ich schon machen. Halb zehn fange ich diese zum Soundtrack von Good Bye Lenin an. Muss ihn aber eine Viertelstunde später wieder ausmachen, weil ich es nicht mehr aushalte. Keine Ahnung warum. Ist mir auch eine völlig neue Reaktion. Kann aber nicht am Soundtrack liegen, denn beim Radio kommt die gleiche Reaktion.

Zehn vor zehn geht es mit dem geplanten Double Tap weiter. The Da Vinci Code. Bis fünf vor eins. Unterm Strich mindestens 40 Minuten Pause zwischendrin. Ist normal. Dann gibt es Abendessen: La Daube et le Bœuf Bourguignon avec de la jus de vin. Dazu gibt es extra den Spezialpastateller. Nudeln, Rindfleisch, welches mittlerweile mehr als zwölf Stunden kocht. Viertel nach eins bin ich mit Essen fertig. Fazit: Ich habe nie zuvor so gutes Rindfleisch gemacht. Von jetzt an mache ich Rind nur noch so.

Aber das reicht noch nicht als Pause. Bevor es weitergeht, möchte ich noch den achtzehnten Titel von der Nummer eins hören. Le banquet. War auch Bestandteil von mcl. Also den Verstärker gemutet, auf Titel 18 geskippt, Pause, demute, und Play. Und ich tanzte. Wirklich, es war phänomenal. Und es unterstreicht, weshalb solche Tage nötig sind: Nur so kann ich sein, wer ich sein will. Der Tanz ging nach der 18 noch weiter: In der 18 selbst war es ein improvisierter Wiegentanz, in der 19 ein Wiener Walzer für Alleinstehende (davon tut einem der Rücken weh) und für die 20 ein improvisierter Tanz mit Hebungen und Schwingungen. Ballettfiguren. Ein Titel, zu dem man das Leben feiern kann. Danach war Ende. Und ich total knülle. Das ist ein Sport. Ich brauch n Schluck Wasser. Und eine Dusche. Ich tanzte bis halb zwei.

Nach der Dusche ging der Double Tap um zwei weiter: Illuminati. Beinhaltet wie immer die Standardpause, die auch im Kino vorgenommen wurde. Sie beginnt viertel nach drei und endet, diesmal auch vom Umfang an die Kinopause angepasst, halb vier. Dreiviertel fünf exit Illuminati.

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Mond der Tagessterne Teil 1

(Der Titel ist erneut aus dem Liedtext.)

Am Freitag reiste ich an. Meine Eltern waren noch da, also konnten in Ruhe die Vorbereitungen getroffen werden, ohne dabei wertvolle Zeit zu verschwenden. Die zu kochenden Gerichte waren bereits zusammengesammelt, und entsprechend auch der eine oder andere Film aus dem Genre „Filme, bei denen man Hunger kriegt“. Unter anderem ist mir das Wochenende lieber Anlass dazu, die neuen Top 50-Kandidaten noch einmal zu prüfen. Collateral und The Departed wurden schon geprüft, Kill Bill wollte ich nicht in die Playlist einarbeiten, der hätte nicht gepasst. (Der sich im Gepäck befindliche Sin City hingegen im Notfall schon.) Dann gab es noch vier, die eher Außenseiterchancen hatten, somit blieb nur München übrig. Dieser war auch als erster vorgesehen.

Der Plan sah vor, dass die Einkäufe am Samstag erledigt werden und dann am Nachmittag mit München losgelegt wird. Am Freitagabend war ich beschäftigt, den Einkaufszettel zusammenzustellen, und bereits dort war ersichtlich, dass es zwei Einkäufe werden würden, einfach wegen der schieren Menge. Ein Einkauf für Spezialitäten, einer für weltliches Zeug. Dann machten Ellis einen Vorschlag: An diesem Wochenende findet an meiner ehemaligen Schule anlässlich ihres sechzigjährigen Bestehens ein Ball statt, ähnlich dem Abiball, jedoch mit Kartenberechtigung für alle ehemaligen Jahrgänge. Von diesem Ball weiß ich bereits seit über einem halben Jahr, und ich habe mich recht früh definitiv dazu entschlossen, nicht hinzugehen. Sie versuchen, mich zu überreden, da ich einen bleibenden Eindruck hinterlassen hätte. Ja, das habe ich wohl … nur nicht immer in dem Sinne, in dem das gerne angewendet wird. Aber das Thema wurde hier ja schon im Januar für immer abgehakt. Und man möge mir den Moment der Schwäche verzeihen, denn dafür wurde dieser Blog ja auch eingerichtet.

Die Einkaufsliste kam dann recht flott zu Stande, da zu allen Rezepten die Zutaten im Netz standen. Die Punkte auf der Liste waren im Folgenden:

- Eier mit Zwiebeln (jüdischer Aufstrich)

- Cassoulet (eine Art Auflauf mit Bohnen und Fleisch)

- Rouille (Aufstrich aus Marseille)

- Flammkuchen

- Onglet à l’Échalote (Fleischgericht)

- Daube (Rindfleischgericht)

- Ratatouille

- Marinade (ich wollte mal besser mariniertes Fleisch)

- Knoblauchbutter

- dazu Thé à la menthe, Virgin Mojito und Weintraubensaft

Auf Nährwertangaben wird, wie immer bei so einer Veranstaltung, keine Rücksicht genommen. Im Verlauf der Planung ergaben sich da einige Änderungen: Das Ratatouille hab ich weggelassen, das Onglet à l’Échalote auch und die Daube habe ich mit Bœuf Bourguignon kombiniert, also ein Nudelgericht draus gemacht. Der Speiseplan sah vor, dass am Samstag das Abendbrot durch den Grill gestellt wurde (Cousin von meinem Vater hat an dem Abend gegrillt), für den Sonntag waren zuerst das Cassoulet und dann die Daube et le Bœuf Bourguignon eingeplant und am Montag sollte es abends den Flammkuchen (auch für Eltern) und tagsüber die Reste geben. Und die Aufstriche mit Brot.

Samstag halb zwei waren Ellis weg und der Zettel fertig. Damit war die Septemberwochenhauptveranstaltung eröffnet.

Halb drei war ich vom ersten Einkauf zurück. Der Markt ist nicht weit weg, und den meisten Platz haben die Getränke weggenommen. Zwei Flaschen Weintraubensaft, denn ich wollte das Zeug sowohl trinken als auch damit kochen. Dazu kernlose Weintrauben zum Nebenbeiwegfuttern. Danach brauchte ich erst mal eine Pause, bevor ich mir das Rad schnappte und Richtung CITTI fuhr. Dort standen die anderen, nicht ganz so alltäglichen Zutaten auf dem Programm, dazu ein paar DVDs und die Hörzu. Welche DVDs es sein sollten, weiß ich nicht mehr, jedenfalls hatten sie die nicht. Oder … doch, ich hab Driving Lessons mitgenommen. Nach der Hörzu hab ich ewig im Weiland gesucht, und nachdem sie dort unauffindbar blieb, fiel mir ein, dass es die im Zeitungsladen beim CITTI auch gibt.

Das Einsacken der Zutaten dauerte etwas, so dass ich erst nach fünf zu Hause ankam. Als Erstes war Duschen angesagt. Danach ging es schon mit der Zubereitung los: Bei den Küchenarbeiten liefen immer diverse Alben. Inoffizielles Ziel war, alle genau einmal durchzuhören. Den Anfang machte der Soundtrack zu The Big Lebowski. Also rührte ich die Marinade ein zu Captain Beefheart. Die bestand aus saurer Sahne, viel Piment, Knoblauchgranulat, Pfeffer, Lorbeer, dann noch eine Gewürzmischung, Schnittlauch und kein Salz. Ist wichtig, dass man das Salz weglässt. Dass die Marinade ganz am Anfang kommt, hat seinen Sinn, da der Mariniervorgang eine ganze Weile braucht. Letztes Jahr hatte das vier Stunden Zeit, und es hat lange nicht gereicht. Deshalb schon am Tag vorher einrühren. Dann kam die Knoblauchbutter, da waren wir schon bei Hotel California. Die geht einfach: Butter schmelzen, zwei Knoblauchzehen ausdrücken, umrühren, und dann erkalten lassen. Dabei nach Möglichkeit eine Weile weiterrühren, damit sich der Knoblauch nicht absetzt. Kann man nicht über die ganze Distanz durchziehen, weil das verflucht lange dauert, eh das Zeug wieder fest wird. Selbst mit Kühlschrank.

Als erstes war ja München eingeplant. Damit begann ich erst halb sieben. Eigentlich wollte ich da schon viel weiter sein, weil der Grill unten ja warm wird. Halb acht kam dann die dafür vorgesehene Pause. Sie waren am Film an der ersten Schlüsselstelle angelangt, es war auch eines der ersten Kapitel, das ich überhaupt kennengelernt habe. Denn das erste Mal sah ich München beim Aufnehmen im Fernsehen, und als ich reinschaute, lief gerade dieses Kapitel.

Ich kam also verspätet zum Grillen, das Meiste war schon fertig. Der Grill musste wegen Dunkelheit beleuchtet werden, dafür wurden die Autos laufen gelassen und die Lampen angemacht. Da das keine tolle Lösung war, hab ich im Keller noch nach einem Verteiler gesucht und nach einer Lampe, aber die Kabeltrommel war dann doch zu kurz. Bin also rein. Dann haben wir gegessen, dann ging ich. Zehn nach neun ging es dann weiter mit München. Den hab ich im Übrigen nicht nur aufgenommen, weil es ein Kandidat für die Top 50 ist, sondern auch, weil er Teil des Genres „Filme, bei denen man Hunger kriegt“ ist. Und das passt hier natürlich besonders gut. Dazu gab es Baguette mit Knoblauchbutter, Weintrauben und Weintraubensaft im Weinglas. Warum das Weinglas, obwohl da kein Wein drin ist? Nun ja, es ist ja Weintraubensaft, und außerdem wollte ich mal wissen, wie das ist, aus so etwas zu trinken. Und wegen des Zelebrierens. Eine kurze Pause im Film gab es an der Stelle, an der Avner mit dem Palästinenser spricht. Dort werden die gegenüberstehenden Positionen ausgetauscht, die Stelle, an der klar wird, dass keine Seite sich einfach so zurückdrängen lässt. Und dass beide Seiten damit einem fundamentalen Irrtum aufsitzen. (Diese Stelle hab ich für das besides-Projekt aufgenommen, aber sie wird nicht auf dem Sampler sein, da sie nur in der Phase vor dem 2.1. bedeutsam war.)

23.15 war dann München fertig. Es fiel auf, dass der Titel auf dem Soundtrack namens End Credits bei selbigen dreigeteilt war. Dieser Titel ist hingegen für besides fest eingeplant. In der Mitte der ersten CD. Also nicht als Finale. Womit geht es weiter? Die Entscheidung fällt zu Gunsten von Out of Sight. Ein Steven Soderbergh-Film, Musik von David Holmes (was man gut heraushören kann), in den Rollen schon George Clooney, J-Lo (da ist sie gut), Ving Rhames (kennt man aus Pulp Fiction), Dennis Farina (übe den stolpert man ab und zu), Luis Guzman (über den stolpert man andauernd) und Don Cheadle (war wie Clooney später in der Ocean’s-Reihe). Der Beginn verzögert sich um mehr als eine Stunde, weil ich noch eine Chill-Pause will, in der es auch einen Ipanema gibt (an Hand der Erwähnungen dieses Drinks in diesem Blog dürfte klar werden, dass das mein Lieblingsdrink ist). So geht es erst halb eins los, ich werde langsam ein wenig müde. Der Film lief reibungslos ab, wie immer gut, und halb drei war er fertig. Starke Müdigkeit, ich begebe mich zur Nachtruhe.