... wenn man stattdessen Metal hört.
Wenn Hip Hop am besten klingt, wenn man stattdessen Metal hört, ist diese Frage berechtigt. Dass dieser Effekt eingetreten ist, bestätigt sich zweifellos. Schließlich bin ich auch ein ... ähm ... Black-Music-Hörer, der ein paar Ausgaben der Juice im Regal hat, und selbst ich als eingefleischter Nichtmetaller muss sagen: An der Aussage, die die gleichnamige sVZ-Gruppe trifft, ist was dran. Gehen wir mal die Juice-CD von Ausgabe 76 durch, die Mitte 2007 rauskam: Gleich der erste Titel ist mal so was von fürn Arsch, und der zweite ist schon etwas besser, aber auch nicht das, was man als Königsklasse bezeichnet, sondern klingt vielmehr wie ein Gehversuch eines Neulings. Und das Cover sieht nicht wie das eines Hip Hop-Samplers aus. Es würde gut zur Gorillaz-Single "Rock it" passen, zumindest, wenn man den Videoclip dazu kennt. Ich hab mir das ganze Teil nochmal angehört, und muss sagen: Der überwiegende Teil davon ist als Totalschaden gut bedient. Ich erinnere mich noch, dass ich früher den dritten Titel davon ziemlich gut fand, und inzwischen, ja, ich würde ihn noch in der Hip Hop-Sparte lassen, aber eben auch nicht als sonderlich bemerkenswert. Wobei man hier auch differenzieren sollte, da es sich nachweisbar um einen Titel eines Neulings handelt, wie das in einem Juice-Artikel erläutert wurde, den ich jetzt nur gerade nicht finde. Der 13. Titel hingegen hatte was. Das war mal wieder ein richtig schönes Teil. Den Beat würde ich Leuten wie Freundeskreis oder den frühen Fanta4 zutrauen (wenn man jetzt im alemannischen Raum bleibt). Das meiste vom Rest gehört meiner Ansicht nach nicht in die Sparte Hip Hop. Es eignet sich vielmehr ein anderes Subgenre dafür, dessen Begriff ich selber erfunden habe und das in seinem Namen alle wichtigen Eigenschaften vereint, nämlich: Elektro-Scheiss. Elektro, weil es stark nach elektronischen Instrumenten klingt, nein, das ist noch zu nett: Es besteht hörbar nur aus den Effekten, die sich lautmalerisch als "Faze 'n' Buzz" bezeichnen lassen. Und "Scheiss", weil es totaler Scheiss ist. Denn dieses Subgenre ist abzugrenzen vom Electro-Genre, welches wiederum gut ist; Elektro-Scheiss hat nichts von Größen wie Depeche Mode (in unserer Familie und deren Bekanntenkreis fällt oft der Begriff "Teppich-Mode", weil die Band im sächsischen Raum gerne "Däbbisch Mohde" ausgesprochen wird) oder Melotron. Bei denen merkt man, dass das wirklich Elektro ist und kein fauler Kompromiss von Igelf*ckern im Leerlauf.
Mit anderen Worten, Hip Hop klingt scheisse, weil er zu Elektro-Scheiss geworden ist. Sehen wir uns in den Tabellen (engl. chart, Subst., gewöhnl. im Plural verwendet) um, stellen wir fest, dass im Bereich der Black Charts überwiegend das befindet, was in Clubs (so sagt man, weil Discothèque so lang ist, dass sich der durchschnittliche Besucher dieses Wort nicht fehlerfrei merken kann) als Black bezeichnet wird und überwiegend aus angesprochenem "Faze 'n' Buzz" besteht und mit Hip Hop nicht das Geringste zu tun hat. Vielmehr stellt es die radikalisierte Form des Stils dar, welcher assoziiert wird mit Swimmingpools voller schlecht bekleideter Damen und Champagner und Hummer H2 mit 34-Zöllern. Selbige stehen auf der Auffahrt, nicht im Pool, obwohl die Watfähigkeit durchaus reichen würde. Wobei man am Beispiel Hummer bereits halbwegs erkennt, dass das Phänomen demzufolge auch auf andere Bereiche übergegriffen hat. Dazu später mehr.
Zwischennotiz: Ich habe gerade ein tolles Wort gehört, welches angeblich in der Wirtschaftsmathematik oder einem verwandten Thema verwendet wird, nämlich Ver-Lambda-hoch-t-fachung. Ein tolles Wort. Ich werde versuchen, es hier irgendwie mit einzubauen.
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