Freitag, 30. April 2010

Is dat Kunst oder kann dat wech?

Großeltern zu Besuch. Nach Jahren. Die kennen meine Bude noch nicht. Also ist Aufräumen angesagt. Als ich mit dem Balkon relativ fertig war, war zwar das Fensterbrett sauber, aber es lag noch so ein Abflussmuffenstück aus PPlastik da drauf. Ich überlegte, es herunterzunehmen und eventuell wegzuschmeißen, ließ es dann aber doch dort liegen. Falls dann jemand sagen würde, warum das da läge und im Begriff wäre, dieses Muffenstück aus Plastik zwecks weiterer Aufräumarbeiten zu entfernen, würde ich ihm entgegnen: „FINGER WEG! Das ist Kunst.“ Die Ausführung würde so aussehen:

Das Fensterbrett ist weiß. Es ist lang, gleichmäßig, aber dadurch schrecklich monoton. Die Farbe wird nur durch eine leicht dunklere Spur durchbrochen. Ansonsten tristes Weiß, welches mir Unschuld vorgaukeln will und dabei so sterbenslangweilig ist. Dagegen muss zwangsläufig ein Aufschrei gehen. Das Abflussmuffenstück hat nur den Zweck, diese Tristesse aufzubrechen und dagegen anzukämpfen. Es durchbricht den Farbton, lenkt die Aufmerksamkeit auf sich, nicht zuletzt durch seine Unförmigkeit, die im scharfen Kontrast zu der Glätte des Fensterbrettes steht. Und seht ihr noch etwas? Das Muffenstück ist grau. Wenn man schon mit einem Einheitsgrau, was als ultimatives Symbol der Tristesse gilt, gegen etwas protestieren kann, wie trist muss dieses Etwas dann noch sein? Dieses Etwas muss dringend beseitigt werden. Wir müssen aufrütteln.


Ich hab jetzt nicht wirklich meine Fensterbank interpretiert, oder? SCHEISSE!!! Wie trist muss es um die moderne Kunst stehen, wenn man eine Fensterbank interpretieren kann? Da muss was geändert werden.


Liebe Kunstwissenschaftler, es mag ja schön sein, wenn ihr die Idee der absoluten Abstrahierung fortführt und sagt: Alles ist Kunst. Oder: Alles müsse bewundert werden, wenn man es nur zur Bewunderung ausstellte. Ist euch dabei aber noch nie die Idee gekommen, dass das Ganze dadurch ins Lächerliche gezogen wird? Wenn alles Kunst ist? Sogar die breitgeschmierte Vogelscheisse am Fenster von dem Rechnerraum, in dem ich gerade sitze? Mathematische Begründung: „Alles“ heißt nach der Gauss-Verteilung viel Durchschnittliches, ein bisschen Beschissenes und nur ganz wenig Überragendes. Allein dadurch ist man gezwungen, keine Lust auf Kunstbeschäftigung zu haben. Ich erinnere mich noch, dass ich in der Schule mit der Motivation in die Kunststunden ging, etwas ästhetisch Ansprechendes zu schaffen. Naja, eigentlich kam die Motivation hauptsächlich durch den darauffolgenden Nachmittag, aber ihr wisst, was ich meine. Dass Kunst in erster Linie dazu da sein soll, etwas zu bewirken, etwas zu verändern, Gesellschaftsmodelle zu kritisieren, sie also, kurz gesagt, interpretierbar ist, auf diese Idee kam ich erst an einem Zeitpunkt, an dem dieses Wissen wahrscheinlich schon von einem erwartet wurde, also in der elften Klasse. Man kann das als Kulturschock bezeichnen. Bis dahin hätte ich nämlich meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass das Schaffen von Kunst einfach nur, weil sie gut aussieht, eher die Regel ist als die Ausnahme. Mittlerweile muss ich mit ansehen, wie ein 60-teiliges Besteckset von WMF für 99,95 Euro interpretierbar wird. Und das ist für mich ein wichtiger Grund, zu sagen: Wenn einer meiner Bilder interpretieren will, dann gibt es was auf’s Maul. Ausnahmen davon sind mit einem roten Filzstift gekennzeichnet, es klebt ein Zettel daneben, wo draufsteht: Hallo Leute, bitte interpretiert dieses Bild, ich habe es so angelegt, dass eine Interpretation möglich ist, aber auch nur eine, also seht zu, dass ihr das rauskriegt, mir ist nämlich gerade ein wenig mulmig zumute.

Also: Hört auf, über ein Bild zu diskutieren. Kuckt es euch lieber an. Und wenn jemand eine reinweiße Leinwand mit Lippenstift knutscht, dann ist das kein Kunstverbrechen, dann ist das nach deren Definition wieder ein neues Kunstwerk und allemal ein Protest gegen die weiße, unschuldige Tristesse.

Und jetzt mach ich noch einen El Camino.

Montag, 26. April 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 2

Wo sind die Dendemänner, wenn man sie mal braucht?

Ich erinnere mich gern an Old School Hip Hop. Im Stil von Cypress Hill oder dem, was Anfang der Neunziger in Deutschland los war. Da war das noch einfach: Eine hübsche Beatline, zwei, drei Instrumentenlinien drüber und ein guter Text. Mehr brauchte es nicht. Mit der Zeit ist davon fast nix mehr übrig geblieben. Prominentestes Beispiel des Umstieges: Die Fantastischen Vier. Sie haben ein Statement abgegeben, wonach Hip Hop tot sei, und es sich daher nicht mehr lohne, für ihn einzustehen. Deshalb sind sie auf Pop umgestiegen. Guten Pop, muss man ja auch mal sagen. Aber eben kein Hip Hop mehr. Woher kommt das? Waren sie ausgebrannt? Sind ihnen für das Genre die Themen ausgegangen? Oder haben sie am Ende doch nur schlicht und einfach Recht?
Das mit dem Elektro-Scheiss sagte ich bereits. Aber dass sich auf Grund der massenhaften Vermehrung dieser Spielart jetzt die wirklichen Protagonisten davon abwenden … Was wiederum zeigt, dass ich mit meiner Vermutung leider Recht habe. Denn Fanta4 sind nicht die einzigen, die das machen. Weiteres Beispiel: Deichkind. Wer Kabeljau Inferno nicht kennt, hat von deutschem Hip Hop keine Ahnung. Das ist ein Klassiker. Und dann tauschen die so mir nichts, dir nichts den Frontmann aus und gehen auf Party-Electro-Kurs. Dass die vorher Hip Hop gemacht haben, wissen wahrscheinlich nur die Wenigsten, die meisten haben die Jungs bei Stefan Raab kennen gelernt. Und dann ging das los.
Was Fettes Brot jetzt macht, wisst ihr selber gut genug, die haben so was ähnliches wie Deichkind in der Mache, zwar nicht so extrem, aber immer noch die Wir-packen-uns-in-Plastikfolie-ein-Story. Auch zu Electro geworden.
Eine der besten Größen im Geschäft in diesem Land ist ja wohl eindeutig Dendemann, da wird mir jeder Kenner zustimmen. Qualitative Texte, eine verkratzte Stimme und ein guter Beat. Dann kam Stumpf ist Trumpf 3.0. Eine Electro-Rock-Hommage. Panikangst? Nicht wirklich. Bei Dende kann man immer davon ausgehen, dass der sich dabei was gedacht hat. Und so auch hier: Der Titel ist mindestens eine Hymne an die EAV (und ihr Lied Stumpf ist Trumpf). Und da das nunmal eine Electro-Rock-Band ist (oder Teile davon trägt), macht sich ein Hip Hop-Beat nicht so gut dazu. Das Problem ist aber: Es bleibt nicht bei dem einen Lied. Dendes Aufmachung sieht komplett nach 80er-Jahre aus. Oh Gott oh Gott. Wenn es ein Jahrzehnt gab, in welchem wirklich beschissene Mucke herausgekommen ist, dann doch wohl eindeutig das Jahrzehnt der us-amerikanisch-japanischen Frontantriebs-Pappkartons, eingeleitet durch die Ölnichtzurverfügungstellung Mitte der 70er. Und das kommt jetzt wieder? Mit Dende? AAAHHHH!!!
Aber bevor wir uns rituell selbst verbrennen und dabei von der Kirche runterspringen, sollten wir uns den Text ansehen. Anzünden kann man sich danach immer noch, und wer weiß, vielleicht gibt es ja später viel bessere Gründe, sich selbst umzubringen.
Was ist die Essenz des Textes? Ich sag es euch: Dende kann noch so intelligent texten, noch so sehr pushen, aber letzten Endes siegt doch die seichte Unterhaltungsmittelindustrie mit flachen Witzen. (Was haben die Besucher von Neues aus der Anstalt beim Auftritt von Ingo Appelt nicht alles in Grund und Boden geklatscht.) Ist jetzt seine Neuerfindung wie eine Art Seitenwechsel zu sehen? So à la Saruman? Nein, dafür ist sich Dende zu schade. Wahrscheinlicher ist, dass er das System persifliert und so versucht, lächerlich zu machen. Und wenn das nicht klappt, kann er noch mal eine Systemwiederherstellung durchziehen. Warten wir einfach "Vom Vintage verweht" ab. Kann zwar sein, dass sich das dort fortsetzt (war bei Minutes to Midnight von Linkin Park eh nicht anders). Aber selbst wenn: Ich hab eben gerade nicht gegen eine Wand geredet. Und außerdem: Die Eröffnung von abersowasvonlive war auch Electro-Rock. Und außerdem kann das Ganze auch nur eine Erscheinung der Retro-Welle sein, die halt jetzt von den 80ern Besitz ergreift.
Ich will aber nicht entwarnen: Sollte Dendemann tatsächlich zu den Electronicern übergelaufen sein, steht es um Hip Hop - zumindest in Deutschland - beschissen. Und wen wir dann dafür zum Schafott stoßen können, erzähl ich euch nächstes Mal, auch wenn ihr es für die deutsche Szene sowieso schon wisst.

Bis dende

Donnerstag, 22. April 2010

Der Traum

Ich versuch mal, alles zusammenzukriegen und rolle das von hinten auf, erzähle also rückwärts.
Ich rannte raus auf den Parkplatz, um sie zu finden. Es war relativ früh am Morgen, dennoch hell erleuchtet. Ich sah sie nicht. Mir fiel jedoch auf, dass ein Wagen nicht richtig parkte: Es stand tatsächlich noch einer dahinter. Wer den letzten Eintrag gelesen hat, weiß, was für eines, für die anderen: Es war ein weißer BMW 1er. Ich bin da hin gerannt, aber noch auf dem Weg hab ich mich wieder eingekriegt und abgewinkt wie Gustav mit der Hupe: Es ist ein Viertürer. Also sie ist es nicht. Bin dann also lustlos zum Wagen getrottet, der offenbar einem Italiener gehörte. Ich saß auf der Rücksitzbank, die komischerweise über ein Targadach verfügte (ich erklär jetzt nicht, was das ist, es ist eine Zwischenform von geschlossenem und offenem Dach). Der Innenraum hatte eine Farbe, die dem beschriebenen Braunton nahe kommt. Dann fuhren wir weg. Und ich dachte mir, dass ich jetzt wirklich keinen Bock auf den Mist habe und bin, wir waren irgendwo in einer bergigen Gegend, vielleicht in den Voralpen, alles war hellgrün begrast, bei voller Fahrt ausgestiegen. Dazu ist es aufwachbedingt nicht mehr gekommen.
Was war davor? Ich hab sie, glaube ich, rausgehen sehen aus irgendeinem zweistöckigen, langen Gebäude, welches wahrscheinlich als eine Art alternative Lehranstalt ansehbar ist, so wie wenn man den Speicher Katharinenberg zu einem fragmentierten Seminarraum umfunktionieren würde, nur eben zweistöckig, viel länger und viel enger. Irgendwas war da gerade los. Ach verdammt noch mal, jetzt hab ich den Faden verloren. Ach scheisse, was soll’s. Der andere Traum, also der von letzter Nacht, weil der vorherige ist schon wieder von vorletzter Nacht, bedingt dadurch, dass wieder etwas Zeit verging, was einen neuen Tagesanbruch zur Folge hatte, jedenfalls, in dem kam sie auch vor.
Worum ging es da noch gleich? Hmm, machen wir mal eine Rekonstruktion. Also, so weit ich mich entsinnen kann, war das ein sogenannter alternativer Erfolg. Und beim Aufwachen hatte ich Lonely Day von System of a Down im Kopf. AH jetzt weiß ich wieder. Das war so: Ich war irgendwo Klamotten kaufen in einem Laden, der so ähnlich geartet ist wir Prolaps in GTA San Andreas. Ich war in der Umkleide bzw. in der Nähe davon. Ich wollte, glaub ich, ’ne Badehose und hatte noch ein T-Shirt an. Und wie ich mich umdrehe, sehe ich, wie sie mit einer Freundin rausgeht, sie haben Badeklamotten an. Sie sehen mich nicht, denn sie stehen mit dem Rücken zu mir. Ich überlege, ob ich hinterher gehe, mache es dann aber doch nicht. Dann wollte sie wahrscheinlich irgendwas an ihrem Outfit wechseln, macht dabei ihr Oberteil auf, ich drehe mich pietätvoll weg (trotz Rückenzuwendung). Dann gehen sie Richtung Strand, weil das Ganze hat sich in unmittelbarer Strandnähe abgespielt. Könnte Südkalifornien sein oder besser nicht, irgendwo an einer Ecke, wo weniger los ist.
Irgendwie ging es dann mit einer völlig abstrusen hinterhältigen Profikillergeschichte in einem Hotel weiter, die mit dem Vorherigen nicht das Geringste zu tun hat, die aber nahtlos in einen alternativen Skikurs übergeht, bei dem, keine Ahnung, irgend so ein Modellbau-Kurs stattfindet, der mit einfachsten Mitteln abgehalten wird und bei dem ich seltsamerweise tierisch zurückliege. Dann stehen alle vor dem Haus, dort befindet sich meterhoch Schnee, die Einen (z.B. sie) stehen oben, die Anderen (z.B. ich) stehen unten. Die Wand hat eine leichte Schräge, man kann also hochkriechen. Das hab ich dann auch gemacht. Ist wie Tiefschneekriechen gewesen, und ich glaub, mit den Metern hab ich es übertrieben, hat sich jedenfalls wie ganz normales Tiefschneekriechen angefühlt. Ich denk mal, das hat wieder was mit dem Skiurlaub zu tun, weil da kommen auch zwei Komponenten mit rein, also dauernd nur sie im Kopf haben und dann noch der Snow War an einem der letzten Tage, wo ich unter Schneeballbeschuss im Tiefschnee auf jemanden zugekrochen bin, um ihn besser treffen zu können. Mit taktischem Ausweichen und allem. Was aber wichtiger ist: ICH WILL SIE SO SEHR!!! Nicht in dem Sinne „wollen“, wie Bree Tanner Bella wollte. Eher, dass ich sie wenigstens umarmen darf, sie überhaupt wieder (an)sehen darf. Ich verhungere hier!!!

Mittwoch, 21. April 2010

Autos und Beziehungen

Man bezieht auf ein Auto auch Begegnungen und Erlebnisse. Mir geht das mit einer bestimmten Person so. Sie fährt einen zweitürigen BMW 1er in weiß. Im April oder Mai 2009 war das zum ersten Mal wichtig, als ich mit ihr sprechen wollte. Um sicherzugehen, dass sie noch im Ort war, fuhr ich an ihrer Arbeitsstelle vorbei und suchte zunächst nach einem viertürigen, silbernen Ford Focus 1, da ich diesen als ihren Wagen vermutete (der Abi-Aufkleber war eindeutig). Hingegen, ich fand den 1er vor, den ich schon zuvor gesehen hatte. Seitdem ist das so: Wenn ich so ein Auto sehe, ruft mir mein Gedächtnis ihr Gesicht wieder zurück. Und ihr glaubt gar nicht, wie viele zweitürige, weiße BMW 1er herumfahren. Bei uns in der Gegend wohnt einer, der einen hat. Bei VIERtürigen Ausgaben dieses Wagens ist es nicht ganz so schlimm. Auf der Startseite von BMW: Der 1er, zweitürig, weiß. Es gibt dieses Auto in vier verschiedenen Karosserieversionen und in elf verschiedenen Farben. Macht zusammen vierundvierzig Varianten. Gut, manche davon sind schlecht geeignet als Webseitentitelleistenfahrzeug. Beispielsweise der Viertürer in Marrakeschbraun metallic. Wobei ich den auch gerne mal sehen würde. Sieht interessant aus.
Auch wenn dieses Phänomen weiter beobachtbar bleibt, nimmt es doch ab. Könnte mit einer gewissen Abgebrühtheit zusammenhängen. Abnahme von was los ist? Keine Spur. Nur die Abstumpfung, die Mattia in „Die Einsamkeit der Primzahlen“ durch seine Klischee-Emozüge, sprich Selbstverletzungen, sich selbst antut. Viele Parallelen.
Es kann im Gegenteil gar von einer Ausweitung gesprochen werden. In den Hellsing-Mangas wurde die Belagerung von London ja auch immer schlimmer, obwohl die Meisten schon am Anfang starben. Man darf sich nicht auf das von außen Sichtbare konzentrieren und glauben, man hätte irgendein Problem gelöst, weil man es nicht mehr sieht. Der Flächenbrand im Untergrund kann weitaus höllischer schwelen, als man sich das von der Oberfläche erdenken kann. Es wird also nicht besser. Es weitet sich aus. Nun, ich schau zwar nicht mehr jedem 1er in weiß hinterher (letzte Nacht hatte ich wieder von ihr geträumt, die Details kommen im nächsten Eintrag), was zum einen daran liegt, dass mein Blick geschärft ist auf die Einzelheiten (M-Sportpaket, Felgen, Anzahl der Türen, Kennzeichen, Beklebung, …), zum anderen dem Umstand geschuldet ist, dass ich genau weiß, dass sie nicht mitten in der Woche mal eben 800 km zurücklegt und ausgerechnet hier her kommt, um zufällig von mir gesehen zu werden, zumal diese Vollidioten die Aero-Infrastruktur mal eben verboten haben, ohne zu wissen, dass es neben dem Ätna auch noch Flughäfen gibt. Allerdings gibt es da andere: Neulich, auf dem Weg zu einer Vorlesung, ich war nicht mal mehr 50 Meter vom Hörsaal entfernt, stand auf dem Parkplatz ein BMW X5 (kann auch ein X1 gewesen sein, ich lese schon lange nicht mehr die ams) in schwarz. Das wäre alles nichts Besonderes gewesen, hätte der Wagen keine Borbet-Felgen getragen. Er war schwarz und nicht weiß, er hatte ganz und gar nicht das Format des 1ers, und die Türenanzahl schon zweimal nicht. Aber es war ein BMW mit Borbets. Les Misérables - Javert’s Arrival. Welcher Vollidiot wäre so sadistisch, gerade jetzt dieses Lied zu spielen? Ich war ja gerade dankbar dafür, dass die von last.fm beim Abspielen von Jefferson Airplane - Somebody to love eine Live-Version genommen haben. Mit der richtigen Version hätten die das noch mehr aufgekratzt (siehe geschlossener last.fm-Blog). Und jetzt läuft My Favorite Things von den Lennon Sisters. Entweder die wollen einen Fear and Loathing in Las Vegas-Nachmittag machen (zumal auch Jumpin‘ Jack Flash aus der Rumpelkammer gesprungen ist und ich glaub sogar Mama told me not to come) oder die wollen mich ärgern. Aber ich lass mich nicht provozieren. Höchstens von dem BMW X5,1 mit Borbet-Felgen. Nach der Vorlesung musste ich mir den einfach nochmal ansehen. Den ganzen Weg nach Hause hab ich wohl nichts Anderes im Kopf gehabt als … sie. Der Skiurlaub, auch der blieb davon nicht verschont. Wie gern hätte ich ihr zum Geburtstag gratuliert, aber ich weiß ihre Nummer nicht, und ich hatte da unten kein Internet. Der Skiurlaub muss dennoch ausgewertet wer … och nö, nicht auch noch Fantaisie Impromptu, ist zwar geniale Driftmusik, aber ich drifte gerade nicht. Ihr macht es einem aber auch schwer. Jedenfalls muss der noch ausgewertet werden, weil das so schön zu diesem Thema passt. Also:
Wir fuhren einen schwarzen Toyota Avensis Kombi, nicht die neue, postmoderne Karrete, sondern die bekannteste Modellversion. Auf der Fahrt kam dann eine Diskussion auf, die dem Gespräch in diesem Pub in diesem Buch sehr geähnelt haben muss, ich hab vergessen, wie es heißt, es wurde von Malmsheimer bei „Was liest du“ vorgestellt, es war von Tony Hawk, aber nicht der Skater, es ging um einen Typ und einen Kühlschrank, mit dem er rund um Irland trampen soll, wobei ihn der Kühlschrank 130 Pfund kostete, was einer Ver-Lambda-hoch-t-fachung des Wetteinsatzes von 100 Pfund nahekommt. Dabei (in dem Pub um den Kühlschrank und bei der Fahrt in dem schwarzen Toyota Avensis Kombi) kam die Frage, wie man ihn denn nun nennen sollte. Ich schmiss den Namen Bonnie in die Runde, die Anspielung auf Bonnie und Clyde wurde ungefragt verstanden. Seitdem heißt dieser Toyota Kombi der Baureihe Avensis, lackiert in schwarz, Bonnie. Das ist insofern interessant, weil mir seitdem … ihr werdet es schon ahnen. Nach der gleichen Vorlesung fiel mir außer dem X5 ein weiteres Fahrzeug auf, eigentlich sehe ich oft einen schwarzen Vento mit nachgerüsteten Klarglasleuchten, in diesem Fall sah ich auch einen Toyota Avensis Kombi mit einer Farbe, die man als schwarz beschreiben könnte. Instinktiv suchte ich nach der Vignette an der Windschutzscheibe. Ich fand nur den Aufkleber, der die Euro-4-Norm bescheinigte. Mir fiel auf, dass der Wagen ein Facelifting trug, also neueren Baujahres war. Man erkennt das meistens an den Leuchten, wenn die nichts bringen, soll man auf die Schürzen schauen. In den meisten Fällen ist man damit sehr zuverlässig unterwegs. Seitdem sehe ich fast nur noch schwarze Toyota Avensis, auch Limousinen, nicht nur Kombis, wobei ich einfädeln muss, dass ich in jungen Jahren hinter einem Toyota Avensis Kombi einmal einen Opel Vectra Caravan vermutete, obwohl dieser zu der Zeit noch nicht auf dem Markt war und, wie sich später herausstellte, auch ein völlig anderes Heck hatte. Die Frontlampen sind ähnlicher, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Ah, jetzt spielen sie den namensgebenden Titel von The Perfume - The Story of a Murderer. Viel besser. Wenn sich mein Wunsch doch noch erfüllt, dann will ich, dass sich genau dieser Titel in meinem Kopf abspielt. Und am besten noch The Crowd Embrace danach.
Es ist nicht so, dass überproportional viele Avensis oder BMWs mit Borbet-Felgen in der Welt herumfahren. Es ist nur die selektive Wahrnehmung. Diese ist auch Ursache dafür, dass man irgendwo war oder irgendwas erlebt hat, und wenig später kommt im Fernsehen eine Reportage über diesen Ort, so als hätte sie nur darauf gewartet, dass man Urlaub macht, um dann in den Äther gesendet werden zu können. Das sagen meine Eltern nach fast jedem Urlaub (zumindest gefühlt). Das ist aber normal. Das kommt eben doch nicht so oft vor, dass es sonderlich nennenswert ist. Es kann auch sein, dass man einen Ausflug nach 10 km weiter weg macht und dann kommt eine Reportage über Indien. Oder man kommt zurück aus Indien und merkt wegen der Indien-Reportage nicht, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist oder über der schwedisch-finnische Grenze berichtet wird, die zeitweise eine schwedisch-russische Grenze war. Man sieht nur das, was man sehen will. LSD wird einem nicht die Doku mit der nordischen Grenze zeigen.
Wenn ich das Projekt abgeliefert habe, wird sie sich vielleicht wieder konventionell bemerkbar machen.
Und nachdem mir neulich ein silber-weißer Toyota Avensis Kombi der neuesten Generation über den Weg fuhr, dachte ich: „Jetzt führt irgendjemand das Ganze ins Absurde.“

Dienstag, 20. April 2010

DU MACHST DEN KAKAO!!!einself

Weil ich an meinem Hintergrundbild selbst herumbasteln will, aber noch keinen Hochladebutton dafür gefunden habe und auch sonst nicht weiß, auf welcher Website ich das hochladen soll (bei last.fm wäre es ein reichlich dämliches Künstler- bzw. Profilbild) und ich mich dafür nicht extra bei deviant anmelden will, zumal da Kunst veröffentlicht wird und keine halbgaren Hintergrundbilder, bau ich das hier in den Blog mit ein, der irgendwann sowieso von der Startseite verschwindet. Das ist eigentlich der einzige Zweck von diesem Eintrag.


Da ich aber nun schon mal einen Eintrag dafür aufwände, kann ich den gleich mit was füllen. Beispiel: Mich stört, dass die Misheard Lyrics von Sure von Pride Shall Fall momentan nur auf der Coldmirror-Wiki verfügbar sind und das auch noch fehlerhaft. So fehlt dort der Hinweis auf die Gesangspause und manche in den Untertiteln dargestellten Ausdrucksformen fehlen oder sind falsch. Das muss berichtigt werden. Und das mache ich im Folgenden auch.


Wollt ihr McDonalds-Brei!

Du da, ich will mein' Brei!

Jacke, Waffel, Bell-Ei:

Du machst den Kakao!

Ja deine kleinen Gurken ...

Bananen-Flower-Van!!!

Ja derbe verbeuelt ...

Du machst den Kakao!


Probier mal Bier und Moorhuhn!

Du machst den Kakao!

Probier mal Bier und Moorhuhn!

Du machst den Kakao!


Hier eine Beretta:

Hier backen auch deine Freunde

Eine Leber

*freu* *freu*

Hab isch Laptop!

Locher weinen

Ja ich bin mit Gröhlen dran!

Anne Frank

Doom

Du wow ich kann Milch leeren!

Ein Urin Ring


Wollt ihr McDonalds-Brei!

Du da, ich will mein' Brei!

Jacke, Waffel, Bell-Ei:

Du machst den Kakao!

Ja deine kleinen Gurken ...

Bananen-Flower-Van!!!

Ja derbe verbeuelt ...

Du machst den Kakao!


Na'vi Ente

Du feierst heiss!

wo's unser Hund?

Dope mit Eiern

Jaa Jaa

Brenn voll dein Fleisch!

Decke waschen!

Mudda es reicht.

Tu das Kuh raus!

Oah! The Flintstones

Der will 'ne Gabel wienern.

Ja Gabeln-Fahrrad-Dart!

Wir brauchen braune Wand

Whoa meine Gabeln aua!

Wir baun 'ne Höhle!


Huuuhn.


Lamm Gaaay davor.

Laaaaaaange Kuh.

Jaaaaaaa der's für dich!

Yoooo. Porno Schwein


Hm ... Joa ...

Hier ist jetzt 'ne ziemlich lange Gesangs-Pause ...

Ungefähr 'ne Minute lang ...

...

Hokay jetzt gehts weiter!


Brei

Love

Brei

ROFL das Auto weint!

Duuuu!

GRRRR

o rly?

Onkel Di


Love

Eis!

ROFL das Auto weint!

Duuuu!

GRRRR

Forelle?

Oah nett!


Muffin with open eyes

Yo Eier Alarm


Ja deine kleinen Gurken ...

Bananen-Flower-Van!!!

Ja derbe verbeuelt ...

Du machst den Kakao!


Tja junge Frau ... wuzza?!

Yo Eier Alarm

Tja junge Frau ... wuzza?!

Yo Eier Alarm


Note: Das mache ich natürlich nicht, damit ein paar Googler beim Suchen nach dem Text auf meine Seite gehen und ich so dank Kaddi eine höhere Popularität erlange, weil der Text im ganzen Netz nur zweimal verfügbar ist. Um das zu beweisen, nun zu einer anderen Frage: Was zur Hölle hat Helen Keller mit Rip van Winkle zu tun? Und wieso komme ich überhaupt auf so eine bescheuerte Frage? Letzteres lässt sich leicht beantworten: Es gibt eine Band namens „The Moldy Peaches“. Die haben mal ein Lied geschrieben namens The Ballad of Helen Keller and Rip van Winkle. Nun, was haben die beiden miteinander zu schaffen? Helen Keller war die taubblinde Lady, die sich die Buchstaben mit dem Finger in die Hand hat schreiben lassen und es tatsächlich geschafft hat, mit ihrer Umgebung zu kommunizieren, obwohl ihr die beiden wichtigsten Sinne fehlten. Rip van Winkle hingegen ist eine Figur aus den Hellsing-Mangas; sie kann verdammt gut schießen und ist ein Nazivampir. Was hat das miteinander zu tun? Wenn man bei Google nach den beiden sucht, findet man als erstes das Lied, also haben die beiden abgesehen vom Lied nix miteinander am Hut. Wie auch? Ich kann mir nicht vorstellen, dass Helen Keller so Neo-mäßig gegen Rip van Winkle kämpft oder, noch skurriler, dass Rip van Winkle Helen Keller auf ihren Flugzeugträger einlädt und ihr mit der Hand ein Kreuz mit Haken auf die Hand malt und auf die andere Hand „Millenium“ schreibt.


Zum Abschluss noch ein Lolcat-Picture, bei dem ich mich doch sehr wundern muss, dass ich es selbst habe machen müssen, weil es das noch nicht gibt. Wieso gibt es das noch nicht? Wieso ist noch keiner auf die Idee gekommen? Wieso laggt hier alles? WIESO SIND ALLE SO BESCHEUERT?


Dienstag, 13. April 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 1

... wenn man stattdessen Metal hört.

Wenn Hip Hop am besten klingt, wenn man stattdessen Metal hört, ist diese Frage berechtigt. Dass dieser Effekt eingetreten ist, bestätigt sich zweifellos. Schließlich bin ich auch ein ... ähm ... Black-Music-Hörer, der ein paar Ausgaben der Juice im Regal hat, und selbst ich als eingefleischter Nichtmetaller muss sagen: An der Aussage, die die gleichnamige sVZ-Gruppe trifft, ist was dran. Gehen wir mal die Juice-CD von Ausgabe 76 durch, die Mitte 2007 rauskam: Gleich der erste Titel ist mal so was von fürn Arsch, und der zweite ist schon etwas besser, aber auch nicht das, was man als Königsklasse bezeichnet, sondern klingt vielmehr wie ein Gehversuch eines Neulings. Und das Cover sieht nicht wie das eines Hip Hop-Samplers aus. Es würde gut zur Gorillaz-Single "Rock it" passen, zumindest, wenn man den Videoclip dazu kennt. Ich hab mir das ganze Teil nochmal angehört, und muss sagen: Der überwiegende Teil davon ist als Totalschaden gut bedient. Ich erinnere mich noch, dass ich früher den dritten Titel davon ziemlich gut fand, und inzwischen, ja, ich würde ihn noch in der Hip Hop-Sparte lassen, aber eben auch nicht als sonderlich bemerkenswert. Wobei man hier auch differenzieren sollte, da es sich nachweisbar um einen Titel eines Neulings handelt, wie das in einem Juice-Artikel erläutert wurde, den ich jetzt nur gerade nicht finde. Der 13. Titel hingegen hatte was. Das war mal wieder ein richtig schönes Teil. Den Beat würde ich Leuten wie Freundeskreis oder den frühen Fanta4 zutrauen (wenn man jetzt im alemannischen Raum bleibt). Das meiste vom Rest gehört meiner Ansicht nach nicht in die Sparte Hip Hop. Es eignet sich vielmehr ein anderes Subgenre dafür, dessen Begriff ich selber erfunden habe und das in seinem Namen alle wichtigen Eigenschaften vereint, nämlich: Elektro-Scheiss. Elektro, weil es stark nach elektronischen Instrumenten klingt, nein, das ist noch zu nett: Es besteht hörbar nur aus den Effekten, die sich lautmalerisch als "Faze 'n' Buzz" bezeichnen lassen. Und "Scheiss", weil es totaler Scheiss ist. Denn dieses Subgenre ist abzugrenzen vom Electro-Genre, welches wiederum gut ist; Elektro-Scheiss hat nichts von Größen wie Depeche Mode (in unserer Familie und deren Bekanntenkreis fällt oft der Begriff "Teppich-Mode", weil die Band im sächsischen Raum gerne "Däbbisch Mohde" ausgesprochen wird) oder Melotron. Bei denen merkt man, dass das wirklich Elektro ist und kein fauler Kompromiss von Igelf*ckern im Leerlauf.
Mit anderen Worten, Hip Hop klingt scheisse, weil er zu Elektro-Scheiss geworden ist. Sehen wir uns in den Tabellen (engl. chart, Subst., gewöhnl. im Plural verwendet) um, stellen wir fest, dass im Bereich der Black Charts überwiegend das befindet, was in Clubs (so sagt man, weil Discothèque so lang ist, dass sich der durchschnittliche Besucher dieses Wort nicht fehlerfrei merken kann) als Black bezeichnet wird und überwiegend aus angesprochenem "Faze 'n' Buzz" besteht und mit Hip Hop nicht das Geringste zu tun hat. Vielmehr stellt es die radikalisierte Form des Stils dar, welcher assoziiert wird mit Swimmingpools voller schlecht bekleideter Damen und Champagner und Hummer H2 mit 34-Zöllern. Selbige stehen auf der Auffahrt, nicht im Pool, obwohl die Watfähigkeit durchaus reichen würde. Wobei man am Beispiel Hummer bereits halbwegs erkennt, dass das Phänomen demzufolge auch auf andere Bereiche übergegriffen hat. Dazu später mehr.
Zwischennotiz: Ich habe gerade ein tolles Wort gehört, welches angeblich in der Wirtschaftsmathematik oder einem verwandten Thema verwendet wird, nämlich Ver-Lambda-hoch-t-fachung. Ein tolles Wort. Ich werde versuchen, es hier irgendwie mit einzubauen.

Montag, 12. April 2010

Prolog


Der komische Traum, an den ich erinnert werden wollte, war in der Tat komisch. Nicht nur, dass ich mich mal daran erinnert habe, das ist nicht so das Merkwürdige. Ich erinnere mich relativ oft an Träume. Dieser hier hatte etwas mit Fluch der Karibik, Spaniern, Schalldämpfern, einem mehrstöckigen berolltreppten Kaufhaus, Jeansbiolatschen, einem Schuhverkäufer, der von vorne fast so aussieht wie Johnny Depp, der aber im Profil gar nichts von dessen Physiognomie aufweist, einer halben Beziehung, dem Intro zu einem Robert Rodriguez-Film (genauer gesagt: Planet Terror) und Deospray zu tun. In der Reihenfolge.
Dies mag für einige Anlass zur Frage geben: Hat der Typ überhaupt ein Reallife? Nahrung gewinnen diese Skeptiker aus eben der Bloganmeldung.
Um es vorweg zu nehmen: Ja, ich hab eins, nur werden manche dieses als rudimentär bezeichnen. Ja, ich bin internetsüchtig, und gegenüber vielen alltäglichen Dingen besitze ich eine bemerkenswerte Gleichgültigkeit. Und dann werden die Unkenrufe laut: Der will hier was Anständiges posten? Der soll erst mal seinen Rechner im Griff haben bzw. sich eine Freundin suchen.
Nun: Eine gewisse Form der Ruhe kann auch gut sein, wenn man beispielsweise über was nachdenken will. Oder um es anders auszudrücken: Glaubt ihr wirklich, dass Sokrates auf den Satz „Ich weiß, dass ich nichts weiß“ gekommen wäre, wenn ihn nicht chronische Untervögelung dorthin gebracht hätte? Womit ich nichts gegen derlei zwischenmenschliche Ertüchtigung sagen will und auch niemanden von einem eventuellen Vorhaben, Coibitant zu werden, abbringen will. Was ich damit sagen will, ist: Wenn mir hier einer mit Pauschalisierung kommen will, dann geht’s gleich wieder nach Hause. Ähnlich beim Twilight-Hype: Ich bin ein Fan der Bücher und der Filme. Und dann gibt es die Leute, die kennen die nicht und sagen gleich: Ist doch eh nur Mist. Wenn man die fragt, woher die das denn wissen wollen, obwohl die die Serie nicht kennen, müssten die eigentlich, wenn sie ehrlich sind, sagen: Uns stört einfach der Medienrummel. Im Sinne von: Das Signal, was allgemein davon ausgeht, stört uns. Mit dem gleichen Recht kann ich von der Kirche verlangen, dass sie ihr dämliches Gebimmel am Sonntagmorgen gefälligst zu lassen hat. Wenn ich am Sonntag leicht vor mich hin döse, und noch nicht aufstehen will … DINGDONG DINGDONG wer steht da vor der Tür, es sind die Nachbarn, besoffen, mit einer Kiste Bier. Welcher Punk wirklich im Kirchenschiff abkocht, weiß ich dadurch noch lange nicht.
Vor solchen Vorurteilen und Pauschalisierungen ist natürlich niemand gefeit. Jeder macht das. Auch ich. Aber bitte: Tragt das nicht so offen vor euch her. Wenn ihr auf das Thema angesprochen werdet, dann tickt nicht aus, was für einen Vogel der Fragestellende denn nur gegessen habe, sondern haltet euch an den Satz: Wenn du nichts Gutes über jemanden sagen kannst, dann sag nichts.
Und so verhält sich das mit dem RL-Zeug: Nur weil jemand kein so ausgefülltes Leben hat, heißt das nicht automatisch, dass dieser Jemand hinter dem Mond vergessen wurde. Das kann es heißen, muss aber nicht. Wäre toll, wenn nicht gleich so vorschnell entschieden werden würde. Danke.

Woran richten sich die Inhalte? Geschichten, die mir einfach so einfallen, Kritik an gewissen Dingen, die mir nicht gefallen, Erwähnung von Dingen, die mir gefallen, und all so ein Zeug. Dabei wird es keine feste Form geben; es kann schon sein, dass sich gewisse Inhalte besonders herauskristallisieren und dass gewisse kurzfristige Inhalte eine Rolle spielen, aber von vornherein gibt es da keine Fixierung. Ein paar Sachen sind schon in der Mache. Ich weiß nicht, wie lange ich das hier betreiben werde, es kann auch sein, dass mir der Esprit mit der Zeit verloren geht. Das war bisher bei vielen Langzeitprojekten so.
Ich versuche, eine eigene Handschrift zu finden. Dazu gehören auch ein paar Vorbilder, ich werde mich wahrscheinlich oft an Kwink orientieren und auch an Jochen Malmsheimer und anderen Kabarettisten. Ein halbstündiges Kabarettprogramm verließ meine Feder bereits letztes Jahr. Erwartet aber keinen Polit-Blog, es kann sein, dass ich gelegentlich einen schreibe, aber das wird nicht die Regel sein. Was ihr aber finden werdet, sind Anspielungen und nicht explizit gekennzeichnete Zitate. Bis jetzt sind ein Zitat aus RocknRolla, zwei german-bash-Zitate, ein Wort von Olaf Schubert, ein halber Satz aus Stenkelfeld und der Teil von irgendeinem Refrain von der EAV mit eingebaut worden. Und ich denke, dass nur die Wenigsten alle auf Anhieb erkannt haben werden. Wenn sich irgendjemand daran stört, dass ich den Fluss im Text nicht mit Quellenangaben zupflastern will, dann kann mir dieser Jemand schreiben, und ich werde seine Nachricht beflissen ignorieren.
Und etwas, was auch sofort sichtbar ist: Ich bin kein ausgebildeter Journalist und rechne mich auch nicht zur Schreiberelite. Wer qualitative Schriftstücke sucht, ist an anderer Stelle wahrscheinlich besser bedient. Aber: Ich bin nicht der einzige Schreiber-n00B, der irgendwelchen wild wuchernden Kram postet. Es gibt noch zigtausend andere von dieser Sorte. Manche haben wirklich was zu sagen, können sich nur nicht so gut ausdrücken. Und manche können sich einfach nur nicht ausdrücken. Da gibt es einen Unterschied. Nun gut, es stört zwar, haufenweise Seiten von Leuten zu lesen, die alle das Gleiche schreiben. Und es erschwert auch das Aufspüren von Juwelen, richtig guten Blogs, die, die dafür leben. Aber: Man muss nicht alle Blogs kennen, um zu wissen, welche denn nun gut sind. Wenn man sich eine Weile mit einem normalen Blog beschäftigt, kann man auch Sachen rausfinden, die man auf den ersten Blick nicht gesehen hat. Essenz: Nicht alles so schnelllebig machen. Nicht die Flüchtigkeit propagieren. Nicht erwarten, dass ein Blog auf einen Blick aufzeigt, was wirklich wichtig ist. Wenn das so wäre, bräuchten wir nur einen einzigen, vielleicht einen zweiten, der dem ersten Dampf im Kessel macht. Und wem das nicht passt, für den gibt es immer noch Printmedien.
Ich will nur für einen bestimmten Personenkreis schreiben. Wenn damit jemandem geholfen ist, dann ist das gut. Und sei es nur, um mir Luft zu verschaffen. Vielen Dank.

Donnerstag, 8. April 2010

Erinnert mich das nächste Mal an meinen komischen Traum

Der Rechner muckt weiter rum. Es scheint doch mehr als nur der Kühler zu sein. Möglicherweise rächt sich jetzt auch die Positionierung der Grafikkarte in einem anderen Slot, als der erste nicht mehr funktionierte. Jedenfalls ist das Betriebssystem jetzt komplett im Teich. Wenn ich es wieder zum Laufen kriegen will, muss ich es neu installieren. Wollte ich auch machen, nur: Der Backupordner ist clevererweise */ironie* im Kontenordner. Und bei einer Neuinstallation wird der gelöscht. Die Frage ist: Ist es mir das wert? Antwort: Nun ja, dann wäre die Mucke weg, ebenso alle Texte, alle Bilder, alle Savegames, alle Notizen, der ganze Unikram, um es präzise zu sagen: Ich wäre meine letzten zehn Jahre los. Jetzt könnte man den Ordner natürlich kopieren, um dieses Dilemma zu umgehen. Das könnte man, wenn man es könnte. Sämtlicher Zugriff wurde verweigert. Öffnen geht schonmal nicht. Zugriff verweigert. Ausschneiden oder gar kopieren: Zugriff verweigert. Nicht mal in der Eingabeaufforderung klappt das. Und den abgesicherten Modus von meiner Installation kann ich auch in die Tonne kloppen. Mit anderen Worten: Ich komme momentan an den Ordner nicht ran. Und so lange ich da nicht rankomme, kann ich mir die Neuinstallation klemmen. Ich besorg mir jetzt Damn Small Linux, und dann versuch ich so da ranzukommen.
Das nur so zu meinem Rechner. Spätestens jetzt sollte ein Wort zur Vorstellung und zum Zweck fallen. Wofür dieser Blog? Er stellt gewissermaßen eine Fortsetzung von dem dar, was ich auf last.fm angefangen habe. Die Blogs dort entstanden größtenteils unter der Maßgabe, eine bestimmte CD in Kleinstauflage zu erklären. Da das bereits jetzt unübersichtlich genug ist, lag eine Expansion nahe, auch in Hinblick auf eine eventuelle Fortsetzung dieser CD-Reihe. Damit wäre auch der Hauptzweck geklärt. Allerdings wird das, wenn es so weit kommt, noch eine Weile dauern. Dieser Part wird nur eine untergeordnete Rolle einnehmen. Da sonst eine ziemlich große Leere entstehen würde, können andere Sachen hinzugezogen werden. Kleine Alltagsgeschichten, Nachdenkereien, die zu verstecken sich nicht lohnt. Ideen, all so ein Zeug. Das gab es schon vorher, aber eben nicht in dem Umfang. Oder in einer anderen Darstellungsform. Erwartet allerdings keine regelmäßigen Postings. Und schon gar keine täglichen. Darauf werde ich nochmal genauer eingehen, aber erst, wenn mein Rechner wieder läuft. Den nächsten gibt es erst frühestens nächste Woche. Bis dahin hab ich das Ding hoffentlich wieder fit gekriegt.
Und noch ein Wort zum Design: Das wird auch noch massiv geändert. Ich werde darauf hinarbeiten, mir eine eigene Vorlage zusammenzubasteln, allerdings wird das noch dauern. Bis dahin muss mit dem Einheitsdesign Vorlieb genommen werden.
Macht euch aber keine Sorgen, in den nächsten wei Postings geht es dann richtig los. Momentan ist dafür kein Platz, aber der wird geschaffen werden. Um die Wartezeit zu überbrücken, empfehle ich, auf Youtube nach "Was liest du" zu suchen. Für die, die es noch nicht kennen: Es ist eine Sendereihe auf dem WDR mit Jürgen von der Lippe und einem weiteren Gast. Halbstündig werden mehrere Bücher aus dem belletristischen oder lustigen/satirischen Bereich vorgestellt. Es wird als "Literarische Comedy" lanciert. Schaut einfach mal rein und fangt am besten bei Cordula Stratmann und Jochen Malmsheimer an (falls sich unter den Lesenden Fans oder Bekannte von Jochen Malmsheimer finden, wobei ich annehme, dass letztere den Beitrag bereits kennen).

Man sieht sich

Dienstag, 6. April 2010

Hardcore-Blogging back to the roots

Semesteranfang. Der Tag liest sich revue wie folgt: Wollte gestern Abend noch schön zocken, weil heute Vorlesungen anfangen. Hat mit einem BIOS-Update, einer Windows-Reparatur, damit einhergehend dem Verlust sämtlicher Systemwiederherstellungspunkte und letzten Endes einem möglichen Kühlerproblem geendet. Wegen Übermüdung erste Vorlesung verpasst. Verdammt, ich hatte mir doch vorgenommen, alle, also wirklich ALLE Vorlesungen zu besuchen. Wie ich Systeminstabilitäten hasse! Zuerst dieses bekloppte Audacity, dann sieht Flatout 2 so aus, als wäre im Hintergrund ein 50 km² großer Bildschirm, der das aktuelle Geschehen kommentiert, und jetzt so was.

Aber es wird wieder. Nach meinem heutigen Depressionsanfall, der mich dazu zwang, mich vormittags auf der Couch in meine Kuscheldecke einzumummeln, ein trauriges Buch zu lesen, traurig zu sein und ständig den Soundtrack von „Good bye, Lenin!“ im Kopf zu haben, ging es wieder nach oben. Fenster auf, PC lüften lassen, Vorlesung besuchen und in der Sonne ein bisschen Vitamin E produzieren. Und so schlimm war es doch gar nicht. War sogar ganz nett.

Macht aber irgendwie Bock, im abgesicherten Modus zu arbeiten. Der Rechner hat die Auflösung auf das Minimum reduziert, so dass man sich fühlt, als würde man mit Win95 arbeiten. Besonders wenn man dann was schreibt oder die Quotes auf gbo liest, ist das richtig nerdig. Back to the roots. Keine Schule ist wie die alte Schule, und ich bin der Schulleiter. Am besten wäre es, wenn man dazu die Hardcore-a-capella-Gruppe „U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern“ hören könnte. Wenn man im abgesicherten Modus Zugriff auf diese bescheuerte Soundkarte hätte. Kann die CPU das nicht emulieren? Emulation? Emule ... Muss auflegen, bevor mich das FBI ortet. - düt - düt - düt -

Das aber nur so als Eingangsvisitenkartendingszeug. Demnächst mehr dazu.