Tag 7. Ich weiß bereits, dass dieser Tag schriftlich kürzer
ausfallen wird als das sechs-Seiten-Mammut-Manuskript, welches das Gestern
markierte. Denn ich nehme mir eine Auszeit. Heute steht der Magic Workshop von
Sylvain an. Wie es sich bereits herumgesprochen hat (und da ich im
Sonnenmacher-Gespräch die 3D-Brillen aufschnappte), geht es heute um das
dreidimensionale Zeichnen mit Rot-Cyan-Verschiebung. Da ich kein 3D-Fan bin und
auch sonst einen Tag zum Schreiben benötige, stand schon vorher die Überlegung,
Pause zu machen. Nicht zuletzt muss man manchmal auch einfach anerkennen, dass
eine Workshop-Aufgabe für einen selbst zu schwer ist und man muss dann die
entsprechende Konsequenz ziehen. Die Einleitung wollte ich aber in jedem Fall
sehen, und gestern war dazu noch eine Ansage. Zum einen wurde empfohlen, einen
roten und einen blauen Buntstift zu kaufen (es funktioniert mit Buntstiften
besser als mit Filzern), und die Sonnenmacher hatten zu diesem Zweck bereits
einige Pakete gekauft. Man kann die Buntstifte auch in Teile schneiden, denn so
viel benötigt man selbst nicht und dann reduziert das den Einsatz. Zum anderen
war der Startpunkt auf einen anderen Ort festgelegt, nämlich die Jugendkirche
in Grünhufe. Da ich die genaue Adresse nicht kannte und auch nicht mit dem Bus
fahren wollte, zumal ein vorzeitiges Abseilen wahrscheinlich war und demzufolge
Mobilität gefragt ist, besorgte ich mir eine Kartenansicht und notierte diese
im Skizzenbuch. Ich weiß nicht mehr, welches Fahrrad ich an diesem Tag nutzte,
ich glaube fast, es war immer noch das Rennrad. Ja, es war das Rennrad, ich
erinnere mich. Auf der Liste stand, es würde so gegen 10.45 Uhr in der Kirche
losgehen, und kurz nach zehn kam ich zum Zwischenstop beim Speicher an. Der
Pulk ging gerade los, und ich fragte ganz kurz nach, bevor ich mich auf den
weiteren Weg machte. Auf selbigem traf ich kurz vor dem Bahnhof noch Robär, er
ging Richtung Speicher. Oder wollte er direkt zur Bushaltestelle, neben der ich
da gerade war? Ich glaub schon. Könnte auch der Busbahnhof sein.
Der Weg war schnell gefahren, zumal ich ein flottes Tempo an
den Tag legte. Ich glaube, ich trug zum zweiten Mal mein Polysemia-T-Shirt, es
wurde in der Zwischenzeit gewaschen. Da ich nur den Straßennamen kannte, musste
ich ein wenig suchen, aber nur ein wenig. Der Ort war schnell gefunden.
Erwartungsgemäß noch niemand da. Beim prognostizierten Zeitpunkt, dreiviertel
elf, treffen alle ein. Wir gehen in die Kirche. Minimalistischer Altar. Ebenso
das restliche Design. Der Kirchenmensch hält eine kleine Ansprache, die in
einem späteren Zeitungsartikel offenbar falsch eingeordnet wurde. Sylvain gibt
dann seine Einführung in den Workshop und macht damit die 3D-Theorie offiziell.
Um sich an die Techniken zu gewöhnen, werden zunächst diverse Sachen getestet,
die man mit den beiden Buntstiften (sie werden nun verteilt) zeichnet. Die Hand
in meinem Buch hab ich ganz gut hingekriegt, die sieht wirklich dreidimensional
aus. Beim Vergleich der Zwischenergebnisse fiel mir das bei Anderen kaum auf,
aber was soll’s. Mein Entschluss, eine Pause einzulegen, steht bereits. Es
bleibt also bei der einen Übungsseite für mich. Annette spielt auf dem Piano.
Einige haben sich nach draußen begeben, um dort die Übungen fortzusetzen, mit
anderen Objekten. Das Fahrradschloss lässt sich von draußen besser öffnen, da
hier keine anderen Fahrräder im Weg stehen. Im Übrigen noch der Grund, weshalb
es heute in dieser Gegend anfing: Die Idee war, den 3D-Workshop größtenteils im
Tierpark abzuhalten, um dreidimensionale Tiere zu erhalten. Ich machte mich auf
den Weg, und zwar dorthin, wo wir, die Schwimmer, immer hingingen, wenn der
Schwimmkurs gerade nicht stattfand oder wir aus was für Gründen auch immer zu
viel Zeit übrig hatten: Auf zum Media Markt. Möglicherweise war in der DVD-Abteilung
gerade ein Titel günstig zu kriegen, der für den September brauchbar ist. Oder
was aus dem Gaming-Bereich. So kam es, dass ich an der PS3 festhing und
irgendwas zockte. Keine Ahnung, was das war. Dachte zunächst an Portal, aber
das stimmt nicht. Ich hing recht lange dort fest, und erst weit nach zwölf kam
ich aus dem Gebäude raus. Nun wollte ich ja Pause machen, um schreiben zu
können, aber ich werde ja wohl kaum den ganzen Tag nichts Anderes machen. Wann
genau meine Schreibsessions waren, weiß ich schon nicht mehr, aber da ich Zeit
hatte, konnte ich ein paar andere Dinge nebenbei machen. Wie zum Beispiel das
Bistro ausprobieren, welches auf der Rückseite des Rathauses gastiert. Die
Stühle sehen unglaublich aus, sie sind über Ketten im Boden und in der Decke
verankert, hängen also, und der Korpus ist ein Geflecht aus Metall zu den
Schalensesseln aus dem Rekrutenraum in Men in Black. Dieser Ort fiel mir im
Grunde seit dem ersten Tag auf, und das wäre doch ein guter Platz. Insgeheim
dachte ich daran, dass man hier einen Morningtalk mit LeFloid abhalten könnte,
von denen es immer noch nur zwei gibt.
Wie lautet das Fazit zu der Örtlichkeit? Man muss erwähnen,
dass die Erwartungshaltung mit der Zeit steigt, da man sich immer mehr Gedanken
darüber macht, was ideal wäre. Es ist zweifelsohne eine hübsche Idee, die
weiterhin verfolgt werden sollte. Es gibt noch Verbesserungsbedarf. So müsste
eine gründliche olfaktorische Reinigung des Bodens und der unteren Wandteile
erfolgen. Im Außenbereich, möchte ich dazu sagen, denn es gibt noch ein innen
liegendes Geschäft, und da ist alles im grünen Bereich. So besorgte ich mir
drinnen ein Stück Mandelkuchen. Inwiefern man es positiv oder negativ bewertet,
dass das Angebot so übersichtlich ist, bleibt Geschmackssache. Bei Olsen ist es
genauso, und dort hab ich abgesehen vom Kakao keinerlei Kritikpunkte
vorzubringen. Innen läuft der Soundtrack von Le Lieblingsfilm, dennoch
positioniere ich mich draußen. Dies, weil für Le Lieblingsfilm im September
Zeit ist und er nur zu speziellen Momenten passt. Und innen ist gerade niemand,
und verloren mag ich mich gerade nicht fühlen. Der spezielle Titel, der gerade
lief, müsste sich im Bereich von Titel 9 bis 13 befinden. Was bedeutet, dass er
sich definitiv in diesem Bereich aufhält. Ich kenne mich ein wenig mit der
Materie aus, und in diesem Bereich vermag ich die Einordnungen nicht sicher zu
treffen. Mit dem leicht kritischen Urteil über den Außenbereich scheine ich
nicht alleine zu sein, denn ich sehe so einige Menschen, die sich einen Platz
aussuchen und ihn eine Viertelstunde bis hinunter zu wenigen Minuten danach
wieder verlassen, ohne etwas bestellt zu haben. Die Frage ist nun: Wie könnte
man etwas verbessern? Ich würde an dieser Stelle einen Orientierungspunkt
geben: Gumpfer. Alles lässt sich nicht übernehmen, dafür sind die
Standortfaktoren zu verschieden. Aber wenn man Gumpfer im Hinterkopf behält,
wird beim Bistro Hühnergott, so heißt dieser Ort, aus einem „Ja, aber“ ein
„Ja“.
Nun hab ich nicht den ganzen Tag beim Bistro zugebracht. Ich
meinte, dass wir heute die Plakate in der Stadt angeklebt haben, die auf das
Konzert der Bummms Boys hinwiesen, aber dafür war der Abend zu vollgepackt. Es
würde tatsächlich eher bei Tag sechs, also zu den Fischen im Weltall passen,
auch wenn meine Intuition mir vorschreibt, es wäre später gewesen. Wir sind zu
fünft mit ein paar Plakaten losgegangen, da ich eh nichts mehr zu tun hatte,
also eigentlich waren wir zu zweit, Torben und ich, es schlossen sich noch drei
Gesellinnen an. Unter anderem Sandra, glaube ich. Wir hatten den Auftrag, uns
um den Bereich zu kümmern, der ein bisschen weiter von der Kulturschmiede weg
war, quasi die ehemalige Stadtmauer in südöstlicher Richtung. Dies taten wir,
in der Nähe vom Chinesen bei der Marienkirche fanden wir den ersten Ort. Es
müssten welche sein, die gut zu sehen sind. Ich betätigte mich als Scout. Wir
kamen später an meiner ehemaligen Schule vorbei, die Gerhart-Hauptmann-Schule,
die beim zweiten Festival als Endpunkt für den ersten Teil des Workshops vorgesehen
war. Es geht weiter zum Hafen, wo der Rummel endlich weg ist (er ging mir so
was von auf die Nerven) und eine der Damen sich zu der Bemerkung verleiten
lässt, dass sie den Eimer mit dem Kleber nicht mehr tragen könnte, weil er so
schwer ist. Daher nehme ich ihn und stelle fest, dass der überhaupt nicht
schwer ist. Um das zu unterstreichen, fange ich an, ihn anzuheben und wieder
sacken zu lassen, wie so eine Hantel. Das vorletzte Plakat klebe ich an, und
später stelle ich fest, dass irgendwelche Mittelalter-Heinis ihr eigenes über
unseres klebten, obwohl doch nun wirklich ausreichend Platz vorhanden ist. Nach
dem letzten Plakat bleiben die drei Damen mit einer Flasche Sekt zurück, Torben
und ich bringen das Zeug zum Speicher. Bei Janny’s holt Torben sich noch ein
Eis, ich nehme das Gekrempel. Wir liefern es ab (es sind immer noch nicht alle
da) und gehen Richtung Schmiede. Torben empfiehlt mir das Tanzende Einhorn in
Hamburg. Es ist eine Bar, von der er meinte, ich könnte sie kennen, weil dort
auch Leute unterwegs seien wie ich. Eben alternative Leute (nicht politisch
alternativ). Ich kann nicht mehr genau festmachen, wann wir nun die Plakate
gemacht haben, aber es kann unmöglich so spät geschehen sein, wie ich dachte,
denn Torben holt sich ja noch ein Eis, und das heißt, Janny’s muss noch offen
gewesen sein, was um neun garantiert nicht mehr der Fall ist.
Am Abend war ein Dokumentationsfilm angesetzt. Er trägt den
Titel „Unter reicher Erde“ und bezieht sich auf den Kupferbergbau in Ecuador.
Start war gegen acht. Ich wusste zunächst nicht so genau, ob ich anwesend sein
würde, aber dann … naja, ich kam eben. Manja und Andi, der ein halbes Jahr in
Ecuador zugebracht hat, halten zuvor eine kurze Ansprache. Der Start war für
mich ein fließender Übergang, da ich schon die ganze Zeit anwesend war (im
Speicher) und die Gäste nach und nach eintrafen. So nahm ich denn auch ein
anderes Sitzmöbel, denn vom Konzert mit Wieland Möller (von dem am übernächsten
Tag noch zu lesen sein wird) und Lukas Acuña wusste ich noch, dass Anderes für
eine längere Zeit angebracht war.
Ich muss sagen, ich war positiv überrascht vom Film. Es war wie eine Dokumentation auf arte aufgebaut, und Einseitigkeit ist auch nicht das, was ich ihm vorwerfen würde. Es weckt den ehrlichen Impuls, Unterstützung für die Leute vor Ort zu liefern. Till hat seine direkt zugesichert, nachher beim Videochat. Zu dem ich ebenfalls lobende Worte loswerden möchte: Alle Fragen formidabel beantwortet, nicht einseitig, und insbesondere ziemlich latenzfrei. Ich habe keine zeitliche Verzögerung feststellen können, es war tatsächlich so, als würde er direkt vor uns sitzen. Zur Erinnerung: Das Telefonat war zwischen Deutschland und Ecuador. Ich kenne Chats, die bereits innerhalb Deutschlands merkliche Wartezeiten verursachen.
Das Thema habe ich aber noch nicht ausreichend präzisiert. In einer ecuadorianischen Region namens Intag gibt es Kupfervorkommen, auf die so mancher ein Auge geworfen hat. Um diese auszuschöpfen, wurden Maßnahmen getroffen, gegen die heftig und mit Recht protestiert wurde. Nun ist es so, dass der (mögliche) Kupferbergbau vor Ort ein Spaltthema ist. Selbst innerhalb von Familien gebe es sich gegenüberstehende Fraktionen, die nicht miteinander sprechen. Wie groß die Fraktionen sind, darüber gibt es auseinandergehende Meinungen, aber im Allgemeinen scheint die Opposition zu überwiegen. Andi bestätigt das, er war vor Ort. Und diese Opposition ist hartnäckig und blieb das auch in den vergangenen Jahren, auch nach einem Wechsel der Leute, die an das Kupfer heranwollen.
Ich muss sagen, ich war positiv überrascht vom Film. Es war wie eine Dokumentation auf arte aufgebaut, und Einseitigkeit ist auch nicht das, was ich ihm vorwerfen würde. Es weckt den ehrlichen Impuls, Unterstützung für die Leute vor Ort zu liefern. Till hat seine direkt zugesichert, nachher beim Videochat. Zu dem ich ebenfalls lobende Worte loswerden möchte: Alle Fragen formidabel beantwortet, nicht einseitig, und insbesondere ziemlich latenzfrei. Ich habe keine zeitliche Verzögerung feststellen können, es war tatsächlich so, als würde er direkt vor uns sitzen. Zur Erinnerung: Das Telefonat war zwischen Deutschland und Ecuador. Ich kenne Chats, die bereits innerhalb Deutschlands merkliche Wartezeiten verursachen.
Das Thema habe ich aber noch nicht ausreichend präzisiert. In einer ecuadorianischen Region namens Intag gibt es Kupfervorkommen, auf die so mancher ein Auge geworfen hat. Um diese auszuschöpfen, wurden Maßnahmen getroffen, gegen die heftig und mit Recht protestiert wurde. Nun ist es so, dass der (mögliche) Kupferbergbau vor Ort ein Spaltthema ist. Selbst innerhalb von Familien gebe es sich gegenüberstehende Fraktionen, die nicht miteinander sprechen. Wie groß die Fraktionen sind, darüber gibt es auseinandergehende Meinungen, aber im Allgemeinen scheint die Opposition zu überwiegen. Andi bestätigt das, er war vor Ort. Und diese Opposition ist hartnäckig und blieb das auch in den vergangenen Jahren, auch nach einem Wechsel der Leute, die an das Kupfer heranwollen.
Nachdem die Sache über die Bühne gegangen ist, dampfen die
Leute nach und nach ab. Einige Sachen müssen noch hin- und hergerückt werden,
so dass ich bei einer der hinteren Abmarschgruppen dabei bin. Logisch, dass es
zur Schmiede geht. Dort sind wir alle zunächst draußen. Es wird aber eng am
Tisch, es bilden sich zwei oder stellenweise drei Reihen. So kommt man kaum
dazu, seinen Apfelsaft wohin zu platzieren. Mein Skizzenbuch ist wegen der
Tagespause noch recht leer, jetzt gibt es Gelegenheit, da was nachzuholen, mit
dem Comic-Jam. Das sah ich während des Festivals bereits ein paar Mal. Das
läuft so ab, dass einer in seinem Skizzenbuch eine Vorgabe macht, also den
Titel, und dann wird herumgereicht und jeder zeichnet ein Bild. Wenn man fertig
ist, wird weitergereicht und ein weiteres Comicbild gezeichnet. Meistens geht
das über eine Seite, und jeder unterwandert so ziemlich die Erwartungshaltung,
die entstanden ist. Dadurch entstehen so abstruse Dinge wie beim Daumenkino vom
dritten Festival oder beim Stralsunderlinge-Workshop vom vierten Festival. So
gab ich einen Titel vor, und mir fiel auch schnell ein unalltäglicher ein: Das
Loch in der Banane. So hat Klaus Weiland einen seiner Titel genannt, nachdem er
dafür einen nennen musste. Das Lied kam in der Minecraft-Playlist von Gronkh
vor, so dass ich es jetzt, nachdem sie auszugsweise auf dem Telefon war, beim
Namen kannte. Dem Titel entsprechend schräg fiel das Ergebnis aus. Dieses muss
zunächst warten, denn es geht zwischendrin rein. Wegen der Mitternachtsgrenze
bzw. den Anwohnern, wie bereits letztens, nehme ich an. Nun gingen die
Comicstrips also drinnen weiter, wobei wir uns erst einmal orientieren mussten,
wer was von wem beim Weitergeben bekommt. Der Apfelsaft war alle, und ich merke
gerade, dass ich den Sketch me if you can-Button gar nicht mithatte. Dafür trug
ich ihn später auf der gamescom, und dort ist die Werbewirksamkeit definitiv
größer als auf dem Festival selbst. Nachdem die Comicstrips fertig waren, ist
das ein passender Moment, um sich mit dem Stil der anderen Leute beim
Betrachten vertraut zu machen. Unter den anderen Strip-Zeichnern waren Dori und
Sandra, die ich vom Kennenlern-Workshop noch kannte. Allzu lange bleibe ich
dann aber auch nicht, weil ich mein Geld sparen will. Die finanziellen
Ressourcen schmelzen langsam dahin, was auch der Grund ist, dass ich in der
Schmiede dauernd nur Apfelsaft trinke, weil der so billig ist. Ganze fünfzig
Cent spare ich dadurch, man glaubt es kaum. D’uh. Wie dem auch sei, ich ging
dann los, vielleicht auch im Hinblick auf den kommenden Tag, an dem es
besonders stark auf Pünktlichkeit ankommt. Dieser Bericht ist tatsächlich, wie
vermutet, kürzer als der vorherige.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen