Samstag, 16. März 2013

The Skizzenfestival Diaries 2012 - Teil 6



Tag 6. Das ist der 25.7.2012. Der Text entsteht am zweiten August, und somit wird es immer schwieriger, sich zu erinnern. Um es genau zu sagen, kann ich mich bereits am Folgetag nicht mehr erinnern, was in der Frühstückszeit passierte. Mehrmals waren wir dazu auf dem Balkon, und ich saß an der südlichsten Stelle, so dass ich der einwirkenden Sonnenstrahlung hin und wieder auswich. Ein anderes Mal waren Ellis nicht mehr da, sondern schon losgefahren, dadurch war ich allein. Keine Ahnung, wie die Zuordnung zu den einzelnen Tagen aussah. Könnte daher durchaus durcheinander geraten.

Der heutige Workshop wird von Salom und Sandra geführt (bei Sandra hab ich beim Speeddating facial gefailt). Er trägt den Namen „Fische im Weltall“. Wenn man sich Fische ansieht, dann befinden sie sich oft in einem Schwebezustand, wenn sie im Wasser herumschwimmen. Da es einen ähnlichen Zustand im Weltraum gibt, liegt eine Verbindung nahe. Die Aufgabe für heute ist es, Fische an das Leben im Weltraum mit technischen Mitteln anzupassen. Dafür werden in der ersten Phase Fische gesammelt, danach technische Zeichnungen (mehr oder weniger) und zum Schluss wird kombiniert, also eine Metamorphose durchgeführt. Die beiden ersten Phasen gehen dabei fließend ineinander über, die Reihenfolge ist auch nicht so wichtig. Die Metamorphose ist gegen 16:30 (glaube ich) am Alten Markt angesetzt.

Mein erster Satz zu der Beschreibung des Workshops: „Da hat sich jemand in die Explorer-Ausstellung vom letzten Jahr vertieft.“ Habe ich gedacht, nicht gesagt. Zur Erinnerung: Im letzten Jahr gastierte die Explorer-Ausstellung von Christian Wielka in unserer ehemaligen Turnhalle, die jetzt an das Meeresmuseum angeschlossen ist. Dort wurden selbstgefertigte Tiermodelle gezeigt, die den Charakter von Luftschiffen hatten. Wenn man das Konzept in noch größere Höhen verlagert, also noch weiter vom Erdboden entfernt, kommt man schon so ziemlich bei unserem heutigen Workshop heraus. Unterstützung bei dieser Verknüpfung lieferte mir ein kurzer Moment vor der Workshopbeschreibung, bei dem eines der im Durchgang hängenden Bilder vom letzten Jahr diskutiert wurde, auf welchem eines der Exponate vom Explorer zu sehen war. Einer der Teilnehmer fragte, ob man sich die noch ansehen könne. Ich erwähnte, gewissermaßen als Passant, dass diese Ausstellung bereits letzten Oktober weiterzog, und auf Nachfrage erklärte ich, dass das eine geschlossene Sammlung ist und somit kein Ausstellungsstück zurückblieb, Es erinnerte mich natürlich auch an die immer noch nicht beendete Zeichnung, die ich eh nicht mehr brauche, da das besides-Projekt mittlerweile eingestellt ist, aber das nur am Rande.

Fische findet man am ehesten in einem Meeresmuseum. Für die Technik konnte zum Speicher in die Werkstatt zurückgekehrt werden, wo allerlei Druckmaschinen herumstehen. Das Ozeaneum ist erste Anlaufstelle, und ich glaube, Torben war hier auch mit am Start. Wobei im Prinzip jeder für sich durchmarschiert. Dieses Mal war ich kurz auf dem inzwischen freigegebenen PInguindach, um jemanden zu suchen, ich fand ihn dort nicht. Auch bei diesem Ozeaneumsbesuch erhielt ich einen Anruf von Ellis, und ich glaube, es war auch fast dieselbe Stelle, nämlich bei der Nebenausstellung mit dem Kleinkino in der Mitte. Erwähnte ich schon, dass ich an diesem Tag meinen Grundsatz brach, dass ich nicht während des Laufens zeichne? Noch nicht allzu weit vom Speicher entfernt, lief vor mir Löwenmähne, und damit haben wir einen weiteren Kunstnamen, weil ich nicht weiß, wie sie hieß. Wegen ihrer Frisur hätte ich aus ihr beim Katzenfestival-Workshop einen Löwen gemacht. Einen Löwen und keine Löwin, denn die tragen keine Mähne. Die Skizze wurde jäh unterbrochen, als sie vor dem Meeresmuseum nach links zur Stadtmauer abbog. So musste ich die linke Seite zurechtimprovisieren.

Es kam der Aufgabe sehr gelegen, dass die Muscheln im Ozeaneum recht früh abgefrühstückt werden. Im Weltraum benötigt ein Lebewesen eine äußerst gute Panzerung gegen das Hochvakuum. Muscheln sind gepanzert, also haben wir hier das erste sichtbare biologische Merkmal. Blöderweise habe ich nicht so viele gemacht, im Grunde genommen nur zwei, und davon eine aus zwei Perspektiven. Man will ja auch weiterkommen durch die Ausstellung und sich nicht an einer Einzelfrage aufhalten. Im weiteren Verlauf ging es mir darum, möglichst viele Fisch- und Meeresbewohnerformen einzufangen, um aus dieser Zusammenstellung die am besten geeigneten Merkmale herauszunehmen. Darum waren meine Skizzen des Tages auch kaum schattiert.

Noch im gleichen Stockwerk fing die Formsammlung an. Ein recht großer Fisch war dabei, der auf einer Zeichnung wie ein Wal anmuten könnte, aber keiner sein kann, weil dieses Exemplar Kiemen hat und eine Walheckflosse immer waagerecht ist. Im Gegensatz dazu sind die bei Fischen senkrecht. So kann schnell unterschieden werden, ob man es mit einem Fisch oder mit einem Säugetier zu tun hat. Haie durften ebenso wenig fehlen wie Schwarmtiere, die im interstellaren Raum nützliche Kooperationen ausführen könnten und … ehrlich gesagt, ich hätte nicht gedacht, dass mich dieser Workshop so sehr fasziniert. Als Biochemiker kann ich etwas zu den Prozessen und Überlebensstrategien der Organismen sagen, und ein bisschen Technikaffinität kommt auch dazu. Daher ist das auch derjenige Workshop, den ich selbst nach Ende des Festivals noch verfolgen möchte. Der walförmig getarnte Fisch hatte mich noch an etwas Anderes erinnert: Man kennt aus Science Fiction-Werken sehr große Bergbauschiffe. In Atlantis hat man gigantische U-Boote zu Gesicht bekommen, was hier den Bogen zu den Fischen schlägt, und in Rock Raiders sah man die LMS Explorer als Raumschiff zum Abbau und Transport von kosmischem Material. Das war dasjenige Beispiel, welches ich am häufigsten sah, es gibt noch unzählige andere. Erwähnen mag ich aber nur noch die USG Ishimura aus Dead Space. Bedenkt man, dass das Museum eher tiefseemäßig beleuchtet ist, lässt einem das einen gehörigen Schauer über den Rücken fahren.

Einen Stock tiefer sind immer noch Exponate zu sehen, die schön still halten. Eine Flunder kommt ebenso an den Start wie eine Qualle. Ich finde, die Qualle ist gut gelungen. Mit ihren Nesselbündeln macht sie was her. Insgesamt gesehen ist hier und im sich anschließenden Ostseebecken die nötige Vielfalt an Formen vorhanden, die ich mir wünsche. Große Heckflossen, kleine Heckflossen, beides zu finden an langen, massigen und dennoch schmalen Körpern, Seenadeln, bauchige Stromlinien wie eine Comiczigarre, kleine Fische mit der Form einer Rundkopf-Magnumpatrone, an der Seite eingefurchte Fische, was man für die Panzerung verwenden könnte, Krebse in allen Größen (manches lasse ich aber auch aus, weil es schon vor zwei Tagen in Striche überführt wurde) und so weiter. In der Teilausstellung mit dem Kino kommen neben einem Mondfisch (passt, weil ein Mond im Weltraum ist) die ersten technischen Berührungspunkte. Es stehen mehrere Tiefseeschlitten zur optischen und chemischen Untersuchung parat, und das ist eine gute Ergänzung: Warum sollte ein technisch angepasster Fisch einen Planeten nicht mit einer Art Scout untersuchen? Bereits die halbe Ausstellung überlege ich am Konzept des Weltraumfisches im biologisch-astronomischen Sinne herum: Welche Körperform? Was für Sicherungsmechanismen? Und das Wichtigste: Wie sieht der Stoff- und Energiewechsel aus? Es ist klar, dass dafür Himmelskörper besucht werden müssen, und da gibt es eine Menge an Feinheiten abzuklären. Das soll nicht Teil dieses speziellen Postings werden, sondern gesondert aufgeführt sein. Kurz hinter der technischen Abteilung stehen Schiffsmodelle, und da die ja bei ihrem Rumpf durchaus fischähnlich sind, ab rein ins Skizzenbuch.

Weiter unten, beim Ozean in der Nähe, ein Becken mit einem versunkenen Schiff als Hintergrund. Ruft erneut den Dead Space-Impuls hervor und ist für die technische Seite natürlich ein gefundenes Fressen. Man kann das so abziehen, dass der Fisch tatsächlich wie ein lebendes Raumschiff aufzufassen ist, mit einer Bordbesatzung, die sich auf und im Fisch bewegen muss. Die Formen werden danach mit ungewohnten Perspektiven abgeschlossen. Ich treffe auf andere Leute mit Skizzenbüchern, manche halten sich unten beim Aufenthaltsraum für den Ozean auf und erklären Anwesenden Fragenden, was wir machen. Hin und wieder klinke ich mich ein. Oben noch andere Leute, die rückwärts durch die Ausstellung gehen, also gerade erst hineinkamen. In der Walhalle (ich denke bei Walhalle immer an Walhalla, auch bedingt durch Iron Sky vor kurzem) gibt es nicht zu viel zu vertellen, ich weiß noch, wie ich Torben darauf hinwies, dass die Beschreibung für den formaldehydrierten Kalmar weiter links steht. Ich weiß nicht mehr, wann ich beim Festival auf meine Tätigkeit im Seepferdchenclub einging und die Präparationsarbeiten zur Sprache kamen.

Es war inzwischen nach eins und draußen waren Torben und ich. Am Ufer war Maki, die noch vor uns durch die Ausstellung kam. Sie sprach über Japan und ihre Familie, ihr Vater baute Lauch an, obwohl er den nicht mochte, ich mag Lauch eigentlich ganz gerne. Es gab noch bei irgendwem die Möglichkeit, Comic-Zeichner zu werden. Irgendwer kennt so jemanden oder ist einer, jedenfalls gibt es da einen Comic in Kleinauflage, und so ein Comiczeichnerteam arbeitet quasi rund um die Uhr. Wir liegen so ein wenig da, ich decke mein Gesicht mit dem Hut ab. Diese Perspektive ist später in Makis Buch zu sehen. Da es aber irgendwann echt zu warm wird und ich meine Mittagspause gewissermaßen hatte, gehe ich in den Schatten und dann auch weiter in Richtung Innenstadt. Ich muss noch erwähnen, dass vorher noch jemand vom Festival vorbeigekommen war und ein Beispiel dafür gegeben hat, dass man die Reihenfolge beim Workshop auch umkehren kann, also erst die Technik, dann die Fische, um die er sich sogleich im Ozeaneum kümmern wollte.

In der Langenstraße finde ich kurz vor unserem alten Haus eine Bank, auf die ich mich setze um das Konzept zu vertiefen. Am Anfang stehen die Bedingungen und welche davon am wichtigsten sind, unter die sich alle Lösungen unterzuordnen haben. Da man sich im Weltraum nicht auf eine geregelte Glucose-Versorgung verlassen kann, müssen andere energiereiche Stoffe her. Dummerweise habe ich gerade keine Tabelle mit Standardbildungsenthalpien zur Hand, mit der ich mögliche Reaktionen energetisch bewerten könnte. Das ist aber eh unerheblich, da man die Vorratsstoffe in den Behältern sowieso nicht zu Gesicht bekommt, dennoch lässt es mich nicht los. Im Speicher arbeiten Sylvain und seine Bekannten/Familienmitglieder whatever an der Aufgabe, und ich glaube fast, dass es diese Stelle war, an der in meinem Kopf die Verbindung zwischen Lola (die Kleine) und dem Lied „Ich bin die fesche Lola“ entstand. Ich glaube, mich stark zu erinnern, dass irgendwer diese Worte in den Mund nahm, und ich fand das witzig. Beim Betrachten von Sylvains Arbeit überlege ich mir eine Art Bemessungsgrundlage für die Komplexität einer Sache, die an dieser Stelle zu lang wäre, es geht dabei darum, dass einige Sachen zwar technisch gut ausgeführt sind, diese beim Bildgegenstand aber alle in einer Fläche liegen, es ist schwer zu beschreiben. Ich komme immer noch nicht von diesen Reaktionsgleichungen los und ich will jetzt die Enthalpien nachsehen. Wisst ihr was? Das Büro ist ohnehin nur ein paar Meter entfernt, da kann ich das gleich im Internet nachsehen. Und ich muss nicht mal meinen Krempel zusammenpacken, ich bin gleich wieder da. Naja, ganz so kurz war es dann doch nicht, eher in der Region einer halben Stunde. Dafür hab ich für meine Gleichung alle Enthalpien gefunden. Dabei habe ich die von Schwefelsäure komplett falsch eingeschätzt, der Betrag bei der Bildung aus den Elementen ist weitaus negativer als bei Wasser oder Kohlendioxid. Ich hatte wahrscheinlich eine falsche Sättigungsanalogie angenommen; beispielsweise ist ein Wassermolekül mit Sauerstoff gesättigt, eins mit Wasserstoffperoxid ist übersättigt, weil der Sauerstoff an sich selbst binden muss. Oder so. Jedenfalls ist trotzdem aus der Reaktion noch genug Energie herausgekommen. Um das später vollständig oxidieren zu können, wird aber der entstehende Schwefelwasserstoff eingebunkert, denn wenn man den verbrennt, kommt da weitaus mehr Energie heraus. Man kann sich das wie eine Gärung vorstellen, die unter anaeroben Bedingungen läuft, da kommt auch fast nichts bei heraus.

Es war schon lange klar, dass ich die Ideen in zwei Konzepte aufsplitte. Ein riesiges Schiff von Weltraumwal und einen schnellen, haiartigen Jäger. Letzterer wurde gerade ein wenig vernachlässigt, also habe ich mich darum gekümmert. Keine unnötigen Details an dieser Stelle, denn die Zeit drängte langsam. Die Bemalung fing so gegen halb fünf an, und der Treffpunkt war am Alten Markt. Das Technikkapitel habe ich etwas arg vernachlässigt, und es kamen die ersten Zweifel an meiner Arbeitsweise auf. Auf dem Markt selbst sah ich zunächst kaum jemanden, bis ich ein paar Leute auf den Treppen und im Schatten gegenüber vom Rathaus sah. Erst danach bemerkte ich Salom und ein paar Andere, wie sie im Bereich einer nassen Stelle waren. Es könnte Regenwasser sein, aber später merkte ich, wie es immer noch da war, die Verdunstung dauerte also länger, als ich dafür dachte, es war also keins. Im Treppenbereich zog ich die Schuhe aus, denn es war warm. Was für eine Überraschung im Sommer. Salom selbst ging nach ein paar Minuten mit ihrem Fahrrad und ich glaub Ballonhose in die Gasse neben dem Rathaus, was wohl an dem speziellen Bemalplatz lag. Das schwarze Papier war auf dem Gepäckträger. Allzu viel zeichnete ich nicht im Schatten, mir fiel der „All Colors are beautiful/ACAB“-Schriftzug vom letztjährigen Marathontag zunächst gar nicht auf. Aber dann war die Zeit gekommen, zu der wir uns im Rathaus zwecks Bemalung versammelten. Schuhe aus (ich zog sie zwischenzeitlich wohl wieder an oder ging gleich barfuß hinüber) und los geht es. Die weißen Stifte lagen bereit, das Papier am Boden, und schon gingen die Platzprobleme los: Direkt neben mir wollte auch jemand sein Werk verwirklichen, und ich gab ein wenig Platz. Erst jetzt bemerkte ich vollends, dass das Konzept, welches ich mir überlegte, für diesen Workshop viel zu detailliert war. Das hier war eine Sache für einen Tag, und meine Gedanken wären eher für ein Projekt von einer Woche mit Blaupausen und technischen Zeichnungen gut gewesen. Hier bleibt bei dem hohen Abstrahierungsgrad im Prinzip nur ein Fisch mit Anhängseln übrig. (Anmerkung: Mein Jäger, der über dem fetten Schiff platziert war, sah bei der Präsentation gar nicht mal so übel aus.) Erschwerend kam hinzu, dass der Platz, den ich meinem Wal zugestand, nicht ausreichte, um den Anstieg seiner Bauchlinie Richtung Schwanzflosse hinter den Zusatztanks zur Geltung zu bringen. Ich machte sie so lang, dass sie den Bauch komplett überdeckten, wodurch er unnötig plump wirkte. Ich hab versucht, das zu retten, indem ich die Tanks durchsichtig gestaltete. Ging so halbwegs. Farbe wollte ich später auch keine mehr dranmachen, obwohl das optional möglich war. An die Möglichkeit des Farbauftrags hatte ich überhaupt nicht mehr gedacht.

Irgendwann später merkte ich dann, dass sich das hier ganz schön ziehen könnte. Wir begannen um halb fünf, und das Scannen war erst weit nach sechs. Bei der Präsentation im Palais wollte ich nicht mehr mit dabei sein, da ich das Ergebnis schon kannte und mich vor allem vor meinem Machwerk in Sicherheit bringen wollte. Für den Abend waren die Kulturschmiede und möglicherweise auch der Film geplant. Ach ja, der Film. Den hatte ich ja noch gar nicht erwähnt. Es gab eine Absprache mit dem Menschen von den Sundlichtspielen. Ich wusste gar nicht, dass dort noch Filmbetrieb stattfindet. Stattdessen dachte ich, dass nach der Vorführung der Rocky Horror Picture Show (mit explizit erwünschter Publikumsbeteiligung) Schicht im Schacht gewesen wäre. Offensichtlich nicht. Der Mensch bei den Sundlichtspielen hatte noch viele Filme, die er in privater Runde vorführen könnte. Privat, weil wegen „untersagt sind die öffentliche Vorführung auf Ölbohrinseln und so weiter, Raubkopierer sind Verbrecher und der mit dem Messer ist auf Bewährung rausgekommen“. Dazu wurde eine Liste erstellt und ausgehängt (im Hostel, glaube ich, dort sah ich sie am Sonntag, als ich die Behauptung von Steven prüfte). Am Mittwoch kam die Ansage, dass sich viele offenbar einen Spaß daraus machten und die meisten den NC-17-Kurzfilm (laut Beschreibung) ankreuzten. Dann wurde ein ernsthafter Aushang gestartet, und wenn bis um drei am Nachmittag (der Zeitpunkt, als ich im Büro meine Reaktionsenthalpien nachgesehen habe) keine ordentliche Einigung erzielt wurde, machen die Sonnenmacher einen für sich selbst, also sie suchen sich einen Film aus. Ich glaube fast, dass der Film dann am Donnerstag gezeigt werden sollte. Die Mittwochseinordnung für den Film war also wahrscheinlich nicht richtig. Noch ein paar Worte zur Liste selber: Ich habe einen bis zwei, vielleicht drei Titel von den zur Auswahl stehenden gesehen, manche kannte ich vom Namen her, aber der überwiegende Teil war mir gänzlich unbekannt.

Da es später am Abend noch woanders weitergehen sollte, ging ich zum Speicher, um zu schreiben. Das muss in den Diaries der dritte Tag gewesen sein, an dem ich da rumgeschraubt habe. Aber ich setzte mich nicht in den Innenhof, sondern in den Eingangsbereich der Werkstatt. Dort kann man viel mehr von der Musik und von den Sonnenmachern mitbekommen. Wahrscheinlich war es dieser Tag, als Wiebque erst vorbeikam und dann die Musik anmachte. Ich dachte zunächst, dass es entweder last.fm oder iTunes waren. Dies manifestierte sich in den Tagen danach ebenso, aber ich glaube inzwischen, dass es Titel vom Rechner waren. Also eigene MP3’s. Dafür sind in dem ganzen Raum irgendwo Lautsprecher untergebracht, und manche davon wurden im letzten Jahr genutzt, um die Audiospur des Wandbemal-Zeitraffers wiederzugeben. Es kann eine gute Lautstärke damit erreicht werden. Von den Titeln erkannte ich keinen wieder. Bei einem meinte ich, die Stimme des Sängers zu kennen. Muse? Nein, nicht ganz passig. Dann kam ich zum Entschluss, dass es Jack White sein muss. Die Instrumentierung war für die White Stripes zu üppig, dann eben The Raconteurs. Nach dem Festival stellte sich heraus, dass es die Dresden Dolls waren, und dass die entscheidende Stelle nicht Analog Anachronism, sondern Girl Anachronism lautete. Von den anderen Titeln kenne ich die Tags immer noch nicht, es war in jedem Fall eine tolle Playlist, und bei einem Lied lachte ich so Einiges. Es wurde ziemlich leierig vorgetragen, und der Text war witzig. „… denn ich hab viele Kochbücher, die ich nie brauche. Darin gibt es ganz bestimmt viele Rezepte mit Mais.“ Ein wunderbarer Vexierreim. Und an alle Jungen, alle Mädchen: Zieht eure T-Shirts aus (yeah yeah yeah).

Meine räumliche Position war an dem Tisch, der direkt rechterhand steht, wenn man den Eingang zur Werkstatt passiert, noch vor dem Jackenständer. An diesem Ort bekommt man viel mehr von dem Gedrehe der Sonnenmacher mit und was alles an Arbeit anfällt. Da manch ein Laptop nicht so recht funktionieren will, wie er soll, wird hin und wieder kurzerhand einer ausgeliehen. In solchen zwischengeschobenen Minuten werden die Blogtexte geschrieben, also nicht meine eigenen, die natürlich auch, aber bei mir mache ich das auf Papier, denn hätte ich einen Läppi, würde das Abschreiben mangels Vorhandensein nicht so lange dauern. Stattdessen stehen die Texte für den Sonnenmacherblog an. Dieses Mal wird jeden Tag ein Update gefahren.
Die gescannten Skizzenbücher werden körbeweise herausgetragen, wenn ein größerer Teil fertig ist. Da ich gerade nicht viel zu tun habe und die Participants eh gerade nicht da sind, ist das die perfekte Gelegenheit, in fremde Bücher hineinzuluschern. Dabei möchte ich das Buch von einer speziellen Person erwähnen:



Ich hielt es bereits vorher beim Workshop „Be my Zeichensklave“ in der Hand. Anhand der Linien und der Signatur dachte ich, es wäre das Buch von Salom, da sie ebenfalls solche dünnen Striche zu zeichnen vermag. Ist es aber nicht, es ist das Buch von Olga. Und beim Betrachten ihrer Skizzen komme ich zu einer Schlussfolgerung: Sie ist GOTT. Ich meine, ein derartiges zeichnerisches detailliertes Niveau kenne ich zwar bereits, aber ich hätte nie geglaubt, dass dies im Rahmen von Skizzen, also bei einem in wenigen Minuten gemessenen Erstellungszeitfenster, möglich wäre. Ich fand Olga schon vorher cool und alles und wusste nur um ihre Buntstifttechnik, aber seitdem ich ihre Skizzen in einem weiter reichenden Umfang gesehen habe, habe ich einen unermesslich großen Respekt vor ihr und ihren Fähigkeiten. In einer Zeitung, die ich wahrscheinlich am Bahnhof während des Strandtages las, stand drin, sie wäre 28. Was? Ich hätte sie eher auf 22 geschätzt.

Da es nachher erst später weitergehen sollte, ging ich wohl noch einmal los, um auch meinen Hunger zu beruhigen. Das mit dem Film war erledigt, aber in die Schmiede sollte es noch gehen. So begab ich mich nach Hause, um eine Kleinigkeit zu essen. Ellis meinten, ich könne noch duschen. Dies lehnte ich mit Verweis auf den Aufenthalt in der Schmiede ab, so dass sich das eh nicht lohnt, aber dann … naja. Mit einem halben Ohr nahm ich im Speicher eine Zeit auf, bei der es weiterginge, und als diese Zeit kam, machte ich mich mit dem Rennrad wieder auf den Weg. Ab zur Schmiede. Keiner in Sicht. Drinnen auch nicht. Also wartete ich draußen. Auf der gegenüberliegenden Seite, wo es halbwegs dunkel war, so dass man nicht sofort gesehen wird, sofern man sich nicht bewegt. In der Tat kamen nach einigen Minuten zwei Radfahrerinnen, die wie Anna und Anne aussahen. Das heißt, sie sahen so aus. Ob sie es tatsächlich waren, vermochte ich bei der Beleuchtungssituation nicht zu verifizieren. Zaghaft ging ich hinüber, und es sah nicht so aus, als wären sie es. Ging daher wieder auf Abstand, und als sie reingingen, platzierte ich mich erneut auf der Bank. Dann wurde mir das zu bunt und ich fragte die eben herauskommende Bedienerin, ob denn nicht gerade zwei Sonnenmacher hineinspazierten. Ich fragte sie bereits vorher, ob heute eine Skizzenveranstaltung auf dem Plan stand. Sie hätte davon nicht erfahren, und es seien zwei Mädchen gerade hineingegangen, aber sie wisse nicht, ob das Sonnenmacher waren. So musste ich es erneut visuell abfragen, und diesmal konnte ich durch einen Blick tatsächlich abklären, dass sie es nicht waren. Zudem hätte Anne dafür ihr Top wechseln müssen.

In Windeseile zurück zum Speicher. Es sind noch viele anwesend. Anna und Sophie sind im Hinterhof, der mittlerweile komplett dunkel ist, wodurch sich sämtliche Zweifel in Wohlgefallen auflösen. Anna geht dann ins Haus, Sophie legt sich auf die Bank und deckt sich zu. Es dauert etwa eine Viertelstunde, bis es losgeht, zurück zur Schmiede. Dieser Absatz müsste, wenn man die im Realen verstrichene Zeit zur Grundlage nimmt, viel länger sein.

Bei der Schmiede postieren wir uns draußen. Ein Weberknecht zieht im Gespräch unsere Aufmerksamkeit auf sich, aber es kommt nicht zu ästhetisch minderwertigen Überraschungen. Der Mensch vom Kino hatte einen saudämlichen Unfall, weshalb er im Krankenhaus liegt. Das wussten wir bereits seit dem Vormittag, jetzt kommen Details dazu. Was ich noch nicht wusste: Wiebque hatte mitten im Festival eine Prüfung, also fährt sie kurzerhand mit dem Zug zur Prüfung, legt diese ab, um dann wieder zurückzufahren. Wusste bisher noch nicht, wo das war, jetzt weiß ich es. Mein Getränk während des Abends bleibt ein klarer Apfelsaft, da ich meine Spenunzen ein wenig zusammennehmen muss, denn der finanzielle Vorsprung, den ich mir für den September aufbaue, fängt so langsam an, wegzuschmelzen. Der Aufenthalt hat den Charakter der Resignation, insbesondere da die Wandmalaktion jetzt auch nicht angesetzt ist, weil der zuständige Mensch erst am Freitag wiederkommt und es daher erst am Freitag besprechbar ist.
Da heute an der Wand nichts geschieht, gerät der Ausflug nicht ganz so lang, wie ich ursprünglich dachte. Anna und Lockheed gehen zu Lockheeds Karre, in der sich eine Matratze befindet. Diese wird fortan auf dem Kopf getragen. Wir verabschieden uns. Zuhause treffe ich tatsächlich noch auf Ellis. Es ist gegen nach elf.

Es war das erste Mal, dass ich ohne Wiebque in der Kulturschmiede war.

[Filmverschiebung, Annas Kleider]
[Torben Schmiede Anfahrt stimmt nicht, das war nach den Plakaten oder irgendwie so]
[andererseits bleibt für die Plakate fast kein anderer Tag mehr, Tag 7 war zu voll]

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