Freitag, 1. März 2013

Nehmt eine Klingel mit



Kaum meint der Alte, er kann sich wieder an seine Träume erinnern, meint er, uns damit zupflastern zu müssen. Falsch: Kaum meine ich, den Magen-Darm-Trakt wieder eingenordet zu haben, halte ich es für nötig, ein weiteres Mal einen Stand-Alone zu verfassen. Denn so wird ein Schuh draus, und das Thema Träume ist auf dieser Seite für mich immer wieder ein willkommener Anlass, um über mein Unterbewusstsein zu lästern, welches mich nachher dafür auf Französisch beleidigen wird. Aber später zu den Träumen.

Nun vermuteten wir, dass es wegen des Problems mit dem automatischen Heizungszähler (also das Gerät, welches an der Heizung herumhängt) keine Rückmeldung mehr geben wird und wir sodann unseren Hausherrn einschalten sollten, da kam auch schon ein Telefonanruf daher, mit dem ich sogleich genau diese betreffende Arbeit am Ende der Woche in der Praxis klären würde. Ich legte die Zeit auf den heutigen Freitag um, damit ich selbst genug terminale Kapazitäten hätte, bis dorthin den erwähnten Infekt wegzuschlafen. Der Mann kam, der Mann installierte, der Mann war fertig und ging seines Weges. Nun ist es hinter der Waschmaschine im Bad wieder deutlich angenehmer, zu atmen. Was ich aber nicht auf der Latte hatte, war, dass ich im ganzen Text mit keiner Silbe bisher erwähnte, dass die betreffende Heizung mit dem defekten Zähler im Bad direkt hinter der Waschmaschine montiert war und immer noch ist. Die Nutzung derselben sowohl als Ablagefläche als auch als Klamottenschüttler ergab ein zunehmendes Verschwinden des Ablageinhaltes, der nun beim Vorrücken der Lokalturbine mit einem Mal zutage befördert wurde und damit an erste Stelle. Nun bin ich bekanntermaßen der Schlausten einer, der ganze Scheissdreck ist daher noch vor Eintreffen des Monteurs fachgemäß kraft meiner Hand entfernt worden. Jetzt steht der Nachtkrachmacher mitten im Bad und weiß nicht so recht, was er machen soll, und er steht da, damit auch mein später eintreffender Mitbewohner einen Blick werfen kann auf diesen neuen, so schön geformten Wärmezähler mit Disspleehh. Seht ihn euch NUR MAL AN! Ist das nicht ein Wärmezähler, wie ihn sich schon Bismarck der Starke nicht hätte besser wünschen können? Mit handgefertigtem Schweizer Messwerk, welches die Impulse zur Datenabfrage präzise von dem speziell hinkonstruierten und wärmeunabhängigen Mehrkernprozessor empfängt, um mit einer ungeahnten Ausdauer 300 Millionen Mal pro Minute den Arbeitsspeicher neu zu beschreiben.


Ungeachtet dessen träumte ich dieses Mal erneut in der Nacht zuvor. Es begab sich, dass ich bei Gronkh und Sarazar im LPT zu Gast war, aber nicht beim MyVideo-Stream, sondern im Minecraft-LP. Dass irgendetwas hier nicht stimmen konnte, hätte ich allein am Wohnungs-Layout bemerken sollen, denn es war ein Ostblock-Plattenbau. Kennt man ja. Oder etwa doch nicht? Es gibt einerseits nicht nur einen einzigen Grundriss für eine Seite der Treppe innerhalb eines Stockwerkes, und andererseits gibt es genügend Deutschsprachige, die aus geodemografischen Gründen nicht in der Gegend leben mussten und daher mit dieser Architektur nicht hinreichend vertraut sind. Es könnten ja sogar Amische mitlesen. So in ungefähr zweihundert Jahren, wenn dieser Text den Weg in ein Buch zurücklegte oder das Internet eine solcherart veraltete Technik ist, dass sie in dem Kulturkreis duldbar wird. Daher sei der Aufbau repetiert: Gewöhnlich gibt es pro Treppenabsatz zwei Wohnungen, diese befand sich auf der linken Seite. Passierte man das Eingangsportal, gelangte man in einen einige Meter langen Flur, welcher zu seiner Linken zwei weitere Türen freigab, die erste führt zur schlauchförmigen Küche, die zweite in das nicht ganz so schlauchförmige Badezimmer. Rechterhand des Flurs hielt eine einzige Tür die Stellung, und wenn man es fertigbrachte, die mühsame Klippe zu überwinden, die sich Türschwelle nennt und eine tafelgebirgsartige Höhe von zwei Zentimetern erreicht, gelangte man in das geheiligte Zimmer, welches neben allerlei elektronischem Zubehör die Arbeitsstätte des Onkel Gregor beherbergte: der Let’s Play-Rechner und das Mischpult mit Mikrofon, in ihrer kombinierten Leistungsfähigkeit dem Flugzeugträger aus The Avengers nicht unähnlich und abseits des Erstellens von neuen Folgen gern von der NASA gastbenutzt, um die aktuellste Weltraumtechnologie mehrfach redundant in Echtzeit zu simulieren; ein Machtwort des physikalisch Möglichen, vor dessen Fähigkeiten selbst eine Ausgabe von Crysis 3 schlottert, wobei dem Schreibtisch-Schlachtschiff als Unterstützung für die zentrale Recheneinheit mein Heizwärmezähler von der Waschmaschine zur Verfügung steht, um noch die letzten reservierten Takte herauszubringen.

Wer nun tatsächlich den Rückweg über die Türschwellen-Alpen antreten will, gelangt erneut in den Flur, der in einer letzten Tür endet. Diese bietet dem Reisenden frohlockend das Wohnzimmer an, es ergießt sich rechterseits in Richtung des großen Südfensters, welches über die ganze Bandbreite des Zimmers verteilt wurde und so für strahlende Lichtdurchflutung zu sorgen weiß. Nach links geht es in das Gäste- und auch sogenannte Schlafzimmer. Für den Traum sind jedoch dieses sowie die Küche nicht weiter von Bedeutung. Im Grunde genommen entspricht das Layout genau dem, wie ich es von all meinen Großeltern kenne.


Wir sind also seit einer Weile am Aufnehmen, dann machen wir eine Pause und Onkel Gregor ist nun im Bad unter der Dusche. Sarazar und ich sind noch beim Rechner, und ich versuche, die Aufnahme weiterzuführen, komme aber mit der Steuerung in Minecraft nicht so recht klar. Daher versuche ich die unter Sarazars Zustimmung zu ändern, das Ganze klappt aber nicht wirklich. Sarazar ist nun im Wohnzimmer, der Rechner ist aus, und ich komme mir gerade reichlich dumm vor. Aus der Kategorie: „In dieser Situation hast du ein ausgesprochen bemerkenswertes Maß an Ignoranz aus der Nacht an den Tag gelegt.“ Da mir so einigermaßen klar wird, dass ich derselben entfliehen könnte, würde ich denn aufwachen (Klartraum-Anriss), suche ich nach etwas. Wollen wir doch mal sehen: Wo hat mein Unterbewusstsein denn hier eine SIG-Sauer versteckt? *DING DONG* Na klar, draußen vor der Tür in den Händen eines Besuchers. Ich linse durch den Türspion und erblicke zwei Personen, eine Frau in einem grauen Oberteil und einen Typen in einem roten Oberteil. Die zwei sollen mich durch ihre Tätigkeit nun also aufwecken. Nun gut. Ich öffne die Tür und lache mit einem freudigen „HALLO“ meinem Tod entgegen. Hätte ich gewusst, dass der Dreckspenner mir keine Pistole an den Kopf hält, sondern ein Messer durch den Hals, dann hätte ich ihn wohl nicht so froh begrüßt. Wie dem auch sei, schlagartig wachte ich auf (dachte ich jedenfalls) und lag nun in meinem Bett. Es klingelte wieder an der Tür. Die ist ganz in der Nähe, ich schlafe dort, wo in der kurz beschriebenen Maisonette der Superhomies die Wand zwischen Küche und Bad wäre. So gehe ich zur Tür und sehe wieder die beiden tödlichen Idioten. Da ich nun meinem Erachten nach wach bin, sind die wohl harmlos. Mein Eindruck bestätigt sich in Referenz auf die Harmlosigkeit. Wach bin ich noch lange nicht.

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