Kaum meint der Alte, er kann sich wieder an seine Träume
erinnern, meint er, uns damit zupflastern zu müssen. Falsch: Kaum meine ich,
den Magen-Darm-Trakt wieder eingenordet zu haben, halte ich es für nötig, ein
weiteres Mal einen Stand-Alone zu verfassen. Denn so wird ein Schuh draus, und
das Thema Träume ist auf dieser Seite für mich immer wieder ein willkommener
Anlass, um über mein Unterbewusstsein zu lästern, welches mich nachher dafür
auf Französisch beleidigen wird. Aber später zu den Träumen.
Nun vermuteten wir, dass es wegen des Problems mit dem
automatischen Heizungszähler (also das Gerät, welches an der Heizung
herumhängt) keine Rückmeldung mehr geben wird und wir sodann unseren Hausherrn
einschalten sollten, da kam auch schon ein Telefonanruf daher, mit dem ich
sogleich genau diese betreffende Arbeit am Ende der Woche in der Praxis klären
würde. Ich legte die Zeit auf den heutigen Freitag um, damit ich selbst genug
terminale Kapazitäten hätte, bis dorthin den erwähnten Infekt wegzuschlafen.
Der Mann kam, der Mann installierte, der Mann war fertig und ging seines Weges.
Nun ist es hinter der Waschmaschine im Bad wieder deutlich angenehmer, zu
atmen. Was ich aber nicht auf der Latte hatte, war, dass ich im ganzen Text mit
keiner Silbe bisher erwähnte, dass die betreffende Heizung mit dem defekten
Zähler im Bad direkt hinter der Waschmaschine montiert war und immer noch ist.
Die Nutzung derselben sowohl als Ablagefläche als auch als Klamottenschüttler
ergab ein zunehmendes Verschwinden des Ablageinhaltes, der nun beim Vorrücken
der Lokalturbine mit einem Mal zutage befördert wurde und damit an erste
Stelle. Nun bin ich bekanntermaßen der Schlausten einer, der ganze Scheissdreck
ist daher noch vor Eintreffen des Monteurs fachgemäß kraft meiner Hand entfernt
worden. Jetzt steht der Nachtkrachmacher mitten im Bad und weiß nicht so recht,
was er machen soll, und er steht da, damit auch mein später eintreffender
Mitbewohner einen Blick werfen kann auf diesen neuen, so schön geformten
Wärmezähler mit Disspleehh. Seht ihn euch NUR MAL AN! Ist das nicht ein
Wärmezähler, wie ihn sich schon Bismarck der Starke nicht hätte besser wünschen
können? Mit handgefertigtem Schweizer Messwerk, welches die Impulse zur Datenabfrage
präzise von dem speziell hinkonstruierten und wärmeunabhängigen
Mehrkernprozessor empfängt, um mit einer ungeahnten Ausdauer 300 Millionen Mal
pro Minute den Arbeitsspeicher neu zu beschreiben.
Ungeachtet dessen träumte ich dieses Mal erneut in der Nacht
zuvor. Es begab sich, dass ich bei Gronkh und Sarazar im LPT zu Gast war, aber
nicht beim MyVideo-Stream, sondern im Minecraft-LP. Dass irgendetwas hier nicht
stimmen konnte, hätte ich allein am Wohnungs-Layout bemerken sollen, denn es war
ein Ostblock-Plattenbau. Kennt man ja. Oder etwa doch nicht? Es gibt einerseits
nicht nur einen einzigen Grundriss für eine Seite der Treppe innerhalb eines
Stockwerkes, und andererseits gibt es genügend Deutschsprachige, die aus
geodemografischen Gründen nicht in der Gegend leben mussten und daher mit dieser
Architektur nicht hinreichend vertraut sind. Es könnten ja sogar Amische mitlesen.
So in ungefähr zweihundert Jahren, wenn dieser Text den Weg in ein Buch zurücklegte
oder das Internet eine solcherart veraltete Technik ist, dass sie in dem
Kulturkreis duldbar wird. Daher sei der Aufbau repetiert: Gewöhnlich gibt es
pro Treppenabsatz zwei Wohnungen, diese befand sich auf der linken Seite.
Passierte man das Eingangsportal, gelangte man in einen einige Meter langen
Flur, welcher zu seiner Linken zwei weitere Türen freigab, die erste führt zur
schlauchförmigen Küche, die zweite in das nicht ganz so schlauchförmige
Badezimmer. Rechterhand des Flurs hielt eine einzige Tür die Stellung, und wenn
man es fertigbrachte, die mühsame Klippe zu überwinden, die sich Türschwelle
nennt und eine tafelgebirgsartige Höhe von zwei Zentimetern erreicht, gelangte
man in das geheiligte Zimmer, welches neben allerlei elektronischem Zubehör die
Arbeitsstätte des Onkel Gregor beherbergte: der Let’s Play-Rechner und das
Mischpult mit Mikrofon, in ihrer kombinierten Leistungsfähigkeit dem
Flugzeugträger aus The Avengers nicht unähnlich und abseits des Erstellens von
neuen Folgen gern von der NASA gastbenutzt, um die aktuellste
Weltraumtechnologie mehrfach redundant in Echtzeit zu simulieren; ein Machtwort
des physikalisch Möglichen, vor dessen Fähigkeiten selbst eine Ausgabe von
Crysis 3 schlottert, wobei dem Schreibtisch-Schlachtschiff als Unterstützung
für die zentrale Recheneinheit mein Heizwärmezähler von der Waschmaschine zur
Verfügung steht, um noch die letzten reservierten Takte herauszubringen.
Wer nun tatsächlich den Rückweg über die Türschwellen-Alpen
antreten will, gelangt erneut in den Flur, der in einer letzten Tür endet.
Diese bietet dem Reisenden frohlockend das Wohnzimmer an, es ergießt sich
rechterseits in Richtung des großen Südfensters, welches über die ganze
Bandbreite des Zimmers verteilt wurde und so für strahlende Lichtdurchflutung
zu sorgen weiß. Nach links geht es in das Gäste- und auch sogenannte
Schlafzimmer. Für den Traum sind jedoch dieses sowie die Küche nicht weiter von
Bedeutung. Im Grunde genommen entspricht das Layout genau dem, wie ich es von
all meinen Großeltern kenne.
Wir sind also seit einer Weile am Aufnehmen, dann machen wir
eine Pause und Onkel Gregor ist nun im Bad unter der Dusche. Sarazar und ich
sind noch beim Rechner, und ich versuche, die Aufnahme weiterzuführen, komme
aber mit der Steuerung in Minecraft nicht so recht klar. Daher versuche ich die
unter Sarazars Zustimmung zu ändern, das Ganze klappt aber nicht wirklich.
Sarazar ist nun im Wohnzimmer, der Rechner ist aus, und ich komme mir gerade reichlich
dumm vor. Aus der Kategorie: „In dieser Situation hast du ein ausgesprochen
bemerkenswertes Maß an Ignoranz aus der Nacht an den Tag gelegt.“ Da mir so
einigermaßen klar wird, dass ich derselben entfliehen könnte, würde ich denn
aufwachen (Klartraum-Anriss), suche ich nach etwas. Wollen wir doch mal sehen:
Wo hat mein Unterbewusstsein denn hier eine SIG-Sauer versteckt? *DING DONG* Na
klar, draußen vor der Tür in den Händen eines Besuchers. Ich linse durch den
Türspion und erblicke zwei Personen, eine Frau in einem grauen Oberteil und
einen Typen in einem roten Oberteil. Die zwei sollen mich durch ihre Tätigkeit
nun also aufwecken. Nun gut. Ich öffne die Tür und lache mit einem freudigen „HALLO“
meinem Tod entgegen. Hätte ich gewusst, dass der Dreckspenner mir keine Pistole
an den Kopf hält, sondern ein Messer durch den Hals, dann hätte ich ihn wohl
nicht so froh begrüßt. Wie dem auch sei, schlagartig wachte ich auf (dachte ich
jedenfalls) und lag nun in meinem Bett. Es klingelte wieder an der Tür. Die ist
ganz in der Nähe, ich schlafe dort, wo in der kurz beschriebenen Maisonette der
Superhomies die Wand zwischen Küche und Bad wäre. So gehe ich zur Tür und sehe
wieder die beiden tödlichen Idioten. Da ich nun meinem Erachten nach wach bin,
sind die wohl harmlos. Mein Eindruck bestätigt sich in Referenz auf die
Harmlosigkeit. Wach bin ich noch lange nicht.
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