Sonntag, 17. März 2013

5000-Abonnenten-Special (in Sachen Formspring)



Viele Leute formulieren einen Abschied und legen dann doch irgendwann ein weiteres Mal nach. Jay-Z hat das gemacht, Sean Connery hat seine James Bond-Rolle erneut aufgegriffen, und auch eine Reihe von Profisportlern wollte es nochmal wissen. Ob man das ein Comeback nennen kann, hängt von dessen Dauer ab. In diesem Fall, um den es hier geht, ist das kein Comeback, sondern eine einzelne Sache. Der Anlass, der teilweise für einen Aprilscherz gehalten wird, ist das Ende von Formspring. Die Seite soll am 15.4.2013 vom Netz gehen. Da ich hier die eine oder andere Fragensammlung mit Antworten aufschrieb, nehme ich dies als (wirklich) allerletzten Streich Aufhänger, einige Informationen preiszugeben. Die alte Sammlung mit Fragen und Antworten lag hier noch herum, das Beste daraus wird nun präsentiert.



„Hallo, willkommen im Eiscafé Shrimpsss! Wie viele Kugeln und welche Sorten hätten Sie gerne? Mit oder ohne Sahne? Im Becher oder in der Waffel?“ (Shrimpsss)
Walnuss, Haselnuss, Zitrone, Erdbeer (aber nur, wenn die auch wirklich nach was schmeckt, nicht diese Syntheticscheisse), Schoko mit Stücken drin und Kokos. Ohne Sahne und ohne Kohlensäure. In einer schüsselartig ausgeformten Waffel.

Wenn du der letzte Mensch auf der Welt wärst - würdest Du Dich umbringen oder einfach nur sehr, sehr fett werden? (st4rbucks)
Ich würd mir ‘n Plasmalautsprecher bauen, der so dreißig, fünfzig Meter hoch ist, den (per Fernsteuerung) laut aufdrehen und in mehreren Kilometern Entfernung zuhören. Ich mein, HALLO? Ein Musik machendes Gewitter! Wie geil ist das denn? In erster Linie ist es schreiende Lärmbelästigung, aber da ist ja niemand mehr, der sich beschwert.

Lest ihr im Kopf auch immer mit der Stimme des Textautors, falls ihr sie denn kennt? (Bei Douglas Adams war ich total froh, das ich irgendwann ein Video von ihm gefunden habe und damit seine Stimme und sein Sprechtempo kenne) (bastinat0r)
Nein. Meistens habe ich keine Stimme im Kopf, und wenn doch, dann weicht sie von der des Autors ab. Beispiel Max Goldt: Ich lese seine Texte sehr gerne, aber ich höre ihm nicht gerne zu, denn er hat eine sehr gesetzte Art und Weise, Texte vorzutragen, was zusammen mit seinem als lang zu bezeichnenden Schreibstil eine Aussitzmentalität auf den Plan bringt. Da eher so die Richtung von Jürgen von der Lippe.

Suche einen Film zur Unterhaltung, nicht komplett plastikoberflächlich ist, aber auch nicht zu anstrengend. So ähnlich wie Juno, L’Auberge Espagnole, The Family Stone, sowas eben. Vorschläge? (BubuHose)
Sideways, Besser geht’s nicht und High Fidelity. Für eine tiefschürfende und distinguierte Auswahl wenden sie sich an Sir Donnerbold.

Möchtest du lieber ein Zombie oder eine Mumie sein? (anonym an MalinJoy)
Wenn die Zombieapokalypse ausbricht, möchte ich nicht auf der Seite der Angreifer stehen (auch wenn es mir dann sowieso egal wäre). Deshalb Mumie. Die hat standardmäßig +15 auf Magie und kann sich als Zombieinvalide tarnen, was Infiltrationsmissionen leichter macht (ist dann sinnvoll, wenn man nicht mehr genug Kugeln hat, dafür eine Bombe, die aber richtig positioniert werden muss).

Du bekommst einen Audi TTS Roadster geschenkt. Behälst, Verkaufst, Tauscht oder Spendest du ihn? (Pappklappe)
Diese Frage beantworte ich rein aus Protestgründen. Von zwanzig Leuten behalten ihn drei, der Rest entfernt ihn aus der eigenen Garage, zum Teil rabiat. Daher behalte ich ihn. Er steht zwar nicht auf meinem Wunschzettel, aber einem geschenkten Sturmhengst gibt man keinen Schubs, und er erfüllt eh meine technischen Kriterien. Dann würde ich aber das Doppelkupplungsgetriebe nehmen, da ich mich vom Kuppeln entwöhnt habe und Abwürgen daher ein Problem darstellen würde. Außerdem bin ich de facto noch Fahranfänger, und wenn ich meine Konzentration im Straßenverkehr kanalisieren kann, ist das ein nicht vernachlässigbarer Sicherheitsgewinn.

Glaubst du, dass Männer, wenn sie in einer Bar oder sonst wo, ein Frau ansprechen, gleich an Sex denken, oder eher an Familie und Kinder kriegen? (Pappklappe)
BWAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAAAAHHAHAHAHAHHAHHAHAHAHHAHAHAHAHHAHAhiihihihihohohohohahahahihahoaha. Das war eine sehr amüsante Frage. Ohne Scheiss, ich habe offen und ehrlich gelacht.

++! Achtung Harry Potter Frage !++ Welches Unterrichtsfach in Hogwarts wäre wohl dein liebstes gewesen? Welche(r) Lehrer(in) ist dein(e) liebste(r)? (FraeuleinGrau)
Wahrscheinlich Chemie bei Slughorn. Der Mann ist dermaßen sympathisch, dass ich zuerst gar nicht an seine Slytherin-Zugehörigkeit geglaubt habe, als ich davon erfuhr. Und mit dem Insiderwissen von Snape, welches ich nicht mühsam aus ihm herausquetschen muss, sondern es in offen lesbarer Form vorzuliegen habe, wird das Bestehen der praktischen Teile ein Kinderspiel.

Hast du einen bestimmten Traum der sich immer und immer wiederholt? (bertoldini)
Einen bestimmten Traum nicht, denn das würde mir auffallen, und ich wache bei Klarträumerei relativ schnell auf. Aber es wiederholt sich in verschiedenen Ausführungen das Thema, dass ich einen Wagen fahre, bei dem die Bremskraft bei weitem unzureichend ist. Meistens bleibt das Ding erst im letzten Moment stehen, selbst wenn ich zutrete wie ein Fperd. Ich weiß nicht, ob das ein Ausdruck dafür ist, dass ich mich nicht als guten Autofahrer ansehe (wegen mangelnder Praxis) oder ob das vielmehr den Bohei darstellt, den ich um Bremsen mache: Sobald ein Auto aus hundert Kilometern je Stunde mindestens vierzig Meter Bremsweg bei einer Vollbremsung benötigt, und sei es unter Fading-Bedingungen, dann steht ein Upgrade für mich außer Frage.
Und hin und wieder träume ich, dass ich in einer sehr geringen Höhe schweben könnte, so als ob die Gravitation herabgesetzt wäre.

Gibt es Filme, die die Mehrheit total toll findet, die du aber absolut nicht ausstehen kannst? Wenn ja, welche und warum? (terrorhase)
Und hier haben wir wieder eine Frage, die ich aus Protestgründen beantworte. Zunächst einmal ist das keine Sammelstelle für Filme, die man schlicht überbewertet findet. Und es ist keine Sammelstelle für Titanic- und Twilight-Bashing. Von beidem haben wir im Internet weitaus genügend zur Verfügung, da braucht es nicht noch ein Flooding bei einer Formspring-Frage. Also kommt mal klar und beantwortet die Frage gefälligst kreativ, ihr Loser. Daumen hoch an dieser Stelle an ahabicher für seine Toleranz.
Welchen Film würde ich nennen? Diejenigen Filme mit einer nur unbequem überschaubaren Fanbasis, denen ich nicht viel abgewinnen kann, habe ich entweder nicht gesehen, da sie mich nicht interessieren, weshalb ich mir ein Urteil nicht anmaße, oder aber ich weiß um die ebenso vorhandene Opposition.  Ein Indikator für diese Sicht ist der Umstand, dass es in der imdb-Top 250 keinen Film gibt, bei dem ich rausrennen würde. Ich würde höchstens bei Fargo und bei Big Fish sagen, dass ich ihnen eine zweite Chance geben sollte, aber es ist bei weitem nicht so, dass ich diese Filme nicht ausstehen könnte.
Und ich hätte echt geglaubt, dass Tree of Life auf dieser Liste auftaucht, aber offenbar habe ich dessen Bekanntheit überschätzt. Dort kann ich zumindest verstehen, warum viele den nicht mögen.

Was hast du letzte Nacht geträumt? (wikiB97)
Ich hab geträumt, dass coldmirror einen neuen Synchroteil hochlädt, der aber nicht dem Aufbau entspricht, den wir, der Handlung vom Feuerkelch folgend, erwarten würden: Mitten im Part springt die Handlung zu Dolores Umbridge, also in den fünften Harry Potter-Film, und von dem sieht man später noch das Ende. Somit sind der Rest von Feuerkelch und alles vom Orden des Phönix in einem Part abgefrühstückt, wahrscheinlich wegen des großen zeitlichen Delays (es waren mittlerweile drei Jahre).

eigentlich ist mir das viel zu peinlich, aber ich will was ändern; ich bin eigentlich oft am pc/laptop und beherrsche aber im gegensatz zu fast ALLEN anderen kein 10-fingerschreibsystem und schreib quasi mit 4/5 fingern an der tastatur. wie hast du es gelernt? wie kann ich es mir angewöhnen? weißt du irgendwelche programme oder internetseiten, hast du tipps für mich? dankeschön schonmal, leah <3 an="" anonym="" br="" terrorhase=""> Ähnlich wie Leah hatte ich eine Art Schreibmaschinenkurs, der  (TRIGGERWARNUNG) in der dritten oder vierten Klasse anfing. Zwar behandelten wir dort ebenso das Zehnfingersystem, aber davon nahm ich auch nichts mit. Die Finger sollten da an vordefinierten Punkten bleiben, und das ist absoluter Käse. Ich kann von mir sagen, dass ich einigermaßen schnell schreiben kann, und meine Hände fliegen gewissermaßen über die Tastatur. Hauptsächlich kommen meine Zeige- und Mittelfinger zum Einsatz, die Daumen benutze ich quasi nur für die Leertaste und den rechten kleinen Finger für Umschalt R. Das Schnellschreiben kommt von alleine, wenn man ein intuitives Gefühl für die Position der einzelnen Buchstaben bekommt. Dazu braucht man nicht auswendig zu lernen, wo was ist, das kommt automatisch, wenn man viel schreibt. Viele der häufig verwendeten Buchstaben befinden sich auf der linken Seite des Keyboards, also ist meine linke Hand etwas häufiger in Bewegung, und wenn ich einhändig schreiben muss, dann nehme ich dafür die linke Hand, obwohl ich Rechtshänder bin. (In diesem Fall haben dann meine Finger auf den Tasten andere Prioritäten, so dass der kleine Finger auch mal zum Einsatz kommt.) Um den eigenen Fortschritt bei der Tastenintuition zu prüfen, kann man mal versuchen, so zu tun, einzelne Wörter ohne Tastatur zu tippen, also man setzt sich an einen Tisch, hat die Finger auf dem Tisch wie bei einer Tastatur, und tippert auf dem Tisch herum. So kann man nach einer Weile streckenweise fast blind tippen und daraus eine gängige Praxis machen (denn wenn man doch einen falschen Buchstaben getippt hat, sieht man das ja auf dem Bildschirm). Also, ganz wichtig: Gefühl für die Buchstabenpositionen entwickeln, dann kommt es von alleine.

Hat jemand von euch „Midnight in Paris“ gesehen? Wenn ja, wolltest du danach direkt nach Paris reisen? Wenn nein, erzaehl mir ein wenig ueber deine bisherigen Haustiere, falls du welche hattest und wenn nicht, welche Tiere du magst und wieso. (LoveInvincible)
Und hier wieder an die Beantworter: Die Frage lautete nicht, etwas über eure Haustiere zu erzählen bzw. alternativ was über Midnight in Paris zu sagen, sondern eine Frage zu Midnight in Paris zu beantworten bzw. alternativ was über eure Haustiere zu sagen. Ich habe Midnight in Paris gesehen und könnte mir bis heute den Arsch abbeißen, dass ich ihn nicht im Kino angeschaut habe. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich Marion Cotillard beim Cast vollkommen übersehen habe. Ich fand ihn gut (eben ein typischer Woody Allen-Film), hatte aber nicht den Impuls loszureisen, weil ich bereits den einen oder anderen französischen Film gesehen habe (der Umstand, dass ich sofort weiß, wer Marion Cotillard ist, zeugt davon) und für den schnellen Impakt daher nicht mehr so anfällig bin. Hinzu kam die typische Woody Allen-Charakterisierung der Figuren, die dem eh entgegenstand. Und an alle, die zwischen Midnight in Paris und einem ähnlichnamigen Kurzfilm eine Parallele herstellen wollen: RAUS AUS DIESER SEITE IHR IGNORANTEN STÜMPER!

was hälst du von max goldt? (quadrati)
Ich finde seine schriftlichen Werke grandios. Sehr amüsante Texte. Aber ich höre ihm nicht gerne zu, wie ich in einer anderen Formspring-Frage sagte.

Angenommen du wärst Regisseur und kannst all deine Lieblingsschauspieler für deinen Film casten, wer wäre dabei und welche Rollen würden sie kriegen? (dieColleOlle)
Ben Affleck und Winona Ryder würden zwei Leute spielen, die alle paar Wochen in zeitweise unbewohnte Häuser einbrechen und dort ihre Bleibe haben. Jason Lee und Ryan Reynolds wären die beiden Bullen, von denen sie verfolgt werden, und Leighton Meester wäre bei einem Hotel angestellt, um die Autos der Gäste zu parken.



Zum Schluss möchte ich eine andere Antwort wiederholen, die XCerberusX zur letzten Frage gebracht hat. Also nochmal:
Angenommen du wärst Regisseur und kannst all deine Lieblingsschauspieler für deinen Film casten, wer wäre dabei und welche Rollen würden sie kriegen? (dieColleOlle)
Dabei wären Hugh Jackman, Bruce Willis, Jessica Alba und Michelle Rodriguez, ach und nicht zu vergessen Holly Marie Combs.
Hugh Jackman und Bruce Wilis wären vermutlich extrem harte Cops auf der Suche nach den drei Schwerkriminellen Frauen, die ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen, diverse Verbrechen begehen. In engem Leder und Michelle Rodriguez wäre die Anführerin und hätte vermutlich irgendwas mit einer der anderen.

Cerberus, hast du da gerade die Handlung von Sin City 2 ausgeplaudert?


Das war es mit den Formspring-Antworten. Zumindest, wenn die Ankündigung, die Seite offline zu nehmen, ernst gemeint ist. Und denkt immer daran: Wenn Aliens mitm Ufo direkt neben euch landen und aus dem Ding herauskommen und auf dem Rasen latschen, dann brüllt ihnen ganz laut ins Ohr: ÜBERTRETEN!

Samstag, 16. März 2013

The Skizzenfestival Diaries 2012 - Teil 9



Tag … öhm, 9

Ursprünglich …



Ursprünglich sollte heute ja Tills Schablonen-Workshop stattfinden, aber der fand schon anstelle des Experiment-Workshops statt. Die Verlegung kam zu Stande, weil die ukrainischen Behörden es gewagt haben, den Visumsantrag für die Göttin (also Olga) derart zu verzögern, dass sie nicht rechtzeitig erscheinen konnten. Aus diesem Grund findet der Workshop von ihr und Torben heute statt. Er nennt sich „Ein Experiment“ und ist so eine Art geschlossene Veranstaltung. Denken einige. Denn er beinhaltet eine bestimmte Grundmenge an Materialien, die nur für eine beschränkte Anzahl an Personen genügt. Die meisten Free Participants nehmen das zum Anlass, einen (weiteren) Tag Pause zu machen. Das ist auch eine Kritikumkehr, denn eigentlich fehlte mir ein bisschen die Vielfalt der Free Participants, aber das verwundert auch nicht, weil die oft einfach nicht erscheinen und stattdessen durch die Stadt tingeln und ihre Armbänder zum Anlass nehmen, kostenlos durch das Ozeaneum durchzurushen. Dann kann man wiederum die Frage stellen, woran das liegt, aber ich schweife ab. Ich ging auf jeden Fall zum Speicher, denn selbst wenn die Frees heute außen vor bleiben müssten, kann ich danach immer noch nach Hause fahren, wenn mir danach ist. Und außerdem gibt es im Speicher immer irgendwelche Ankündigungen, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Und so auch dieses Mal: Der Chef der Nikolaikirche kommt mit einem Anliegen. Er hat ein Buch geschrieben über religiöse Symbolik, und er braucht noch ein paar Zeichner, die die Illustrationen machen. Als Bedingung wird unter Anderem genannt, dass man hier in der Gegend unterwegs sein müsse, damit das relativ dicht über die Bühne gehen kann. Der Zeitraum ist für den Herbst angesetzt, und da bin ich eh drei Wochen da (Septemberwochen). Blöderweise werde ich später den Zettel mit der Mail-Adresse verlegen, so dass ich die Anfrage erst Ende August, also einen Monat nach Anfragenbeginn, rausschicken kann. Hoffentlich ist noch ein Platz frei.

Auf den Workshop trifft das in jedem Fall zu, ich kann mitschnitzen. Denn heute werden Stempel gefertigt, aus zu zerschneidenden Radiergummis, die besorgt wurden; das war der limitierende Faktor. Dafür sollen zunächst einmal Strukturen gesammelt werden, die repetitiv sind oder sein können. Aus diesen werden dann mit Cuttern (frisch gekauft, weil die ähem Zuverlässigkeit der Teilnehmer inzwischen bekannt ist) die Strukturen ausgeschnitten, so dass man sie stempeln kann. Nachher macht dann jeder ein Selbstporträt, wiederum im Rathaus auf einem großen Stück Papier. Um nachher nicht in Verlegenheit zu geraten, mache ich mir kurz selbst ein Selbstporträt, und dann geht es mit dem Sammeln  los. Im Speicher selbst ein Feuerlöschermotiv, dann natürlich eines meiner Markenzeichen, der Strichcode, und ein geschwungenes M, das man für tapetenartige Muster verwenden kann. Jeansstoff, Seile, Frisuren, Karos, kleine r’s und der OTTO-Schriftzug auf dem Mülleimer. Dann gehe ich los, und eines der Muster hab ich mir einfallen lassen, anstatt dass ich es suche. Es ist das Doppelkreuz, welches ich in Need for Speed ProStreet an einigen Wagenflanken anbringe und das auch ein Markenzeichen geworden ist. In welcher Reihenfolge ich was machte, ist angesichts des Skizzenbuchs kontraintuitiv, das heißt, ich dachte, ich hätte die einzelnen Punkte in entgegengesetzter Reihenfolge zu ihrem Auftauchen in meinem Skizzenbuch gemacht. Am Markt brachte ich das ijgd vom Speicher zu Papier, ebenso ein Geländer an einem Gebäude, welches dann aber eher wie ein Entlüftungssystem aussieht. Ein vermaschendrahtetes Kellerfenster an der Seite des Postgebäudes war zu gut, als dass ich daran hätte vorbeigehen können, so nahm ich es mit und es sieht recht gut aus. Aber ich wollte noch etwas nachholen, wozu ich während des restlichen Festivals nicht mehr die Zeit gehabt hätte. Ich war noch nicht bei Gumpfer. Los, während der Mittagspause abhaken. Die Korbstühle faszinieren mich. Sie geben eine weitere Sammelstruktur ab. Was mir aber immer mehr auffällt: Alleine bei Gumpfer ist irgendwie meh. Es fehlt einfach irgendetwas. Es müssen Leute anwesend sein, damit sich das richtig anfühlt und so ein Frühstück sich bis weit in den Nachmittag ziehen kann. Und man muss sich darüber im Klaren sein, dass man Leute mitnimmt, die eine solche Zeitspanne auch mitmachen würden (also jetzt nicht so extrem, aber im Stundenbereich sollte es getaktet sein) und dass diese Leute keine Anleitung brauchen. Man sollte nicht der Mittelpunkt sein und alle halten die Klappe und man ist irgendwie der Diskussionsleiter, oder so. Dementsprechend war ich schnell fertig, und weiter ging es. Die Schnitzereien wollten gemacht sein. Welche Vorlagen nehm ich denn? Ein Vorteil an den Ratzefummeln war derjenige, dass man aus einem Radierer mehrere Formen rausholen konnte. Zunächst musste der Strichcode an die Reihe. Aber ich bin ja nicht blöd und fummel mir einen ab, indem ich den komplett übertrage. Ich bin lernfähig (zwar beschränkt, aber immerhin) und in Gänze passt der eh nicht drauf. So war er dann relativ rasch gefertigt. Beim Schnitzen stand ich hinten in der Ecke, neben dem Treppenaufgang von der Außenseite der Stadtmauer, wo sonst irgendwelche Eimer herumstehen. Lola und L’Art de Passage (spontan ausgesuchter Codename für Sylvains Umfeld) waren ebenfalls dort. Das weiß ich, weil Lola als Kommentar auf die Schnitzung meinte: „Ich wird verrückt.“ Den Strichcode konnte ich beim späteren Selbstporträt für meinen Bart gut einsetzen. Ansonsten gab es noch das Doppelkreuz (kommt immer gut), ein Karo, das geschwungene M, der OTTO-Schriftzug und das kleine r. Letzteres wollte ich für rechte Winkel haben, den OTTO kann man zu Ketten modifizieren. So lassen sich Ränder machen, bei denen ich keine Lust auf den Strichcode hab. Für das geschwungene M hatte ich die Hutfläche auserkoren; diese sollte den erwähnten Tapetenlook erhalten. Um nachher nicht irreparabel auf die wörtliche Nase zu plumpsen, testete ich das Porträt mit bereitliegenden Stempelkissen. Diese wurden kurz vorher befüllt und ausgegeben.

Damit war ich ausnahmsweise mal zufriedenstellend rechtzeitig fertig mit meiner Aufgabe.  Allzu spektakulär ging es dann nicht weiter: Die Stempel mussten an den Seiten noch wegkorrigiert werden, damit an den Seiten der Bildflächen keine unschönen Drucküberreste bleiben, und dann ging es irgendwann zum Rathaus und dort haben wir dann gestempelt. Wie beim Fische im Weltraum-Workshop knöpften wir uns das Papier von beiden Seiten vor, da man das Blatt nicht nur einfach so aufhängen kann, wie es eben da liegt, sondern man kann es auch längs falten und dann entlang des Knicks über eine Leine drüberlegen. Oder irgendwie so hatten wir uns das gedacht. Manchen standen allerdings beim Stempeln die Säulen des Gebäudes im Weg, so dass für diese eine Pause angedacht werden musste. Die Stempelkissen lagen so herum, hin und wieder wurde eines herübergereicht, um eine neue Farbe nehmen zu können. Das vorab gemachte Selbstporträt leistete einen guten Dienst, so war ich nicht derartig aufgeschmissen. Problematisch waren dabei die Fugen der Unterlage. Wenn man dort drüberstempelte, riss das Papier dort ein und man musste den Druck reduzieren, was die Intensität runtersetzt.

Da ich mein Porträt relativ schnell zu einem brauchbaren Zwischenergebnis bringen konnte und ein Verschieben der Papierrolle wegen der Säulen anstand (die Anderen wollen schließlich auch noch), konnte ich die Stempel der anderen Teilnehmer betrachten. (Wie erwartet, hatten sie mehr Geschick an den Start gebracht.) Es gab Tribals, die als vollständige Augenbraue eingesetzt wurden, ebenso vollständige Tiere, wobei ich mich frage, inwiefern ein Tier eine repetitive Struktur darstellt. Nun ja, man könnte damit eine waagerechte Dekorlinie an einer Wand anbringen, ähnlich zu meiner OTTO-Kette. Mir fällt gerade ein, dass ich das Tapeten-Muster auf dem Hut noch nicht anbrachte. Chris ist bei der Betrachtung dabei. Nachher sind wir zusammen losgegangen (weil wir die nachherige Ausstellung nicht abzuwarten brauchen, denn das Ergebnis haben wir ja schon gesehen), es bleibt bis zum späteren Teil des Abends nicht mehr viel Zeit. Da ist jede Viertelstunde gut investiert. Außerdem hab ich Hunger, und ich bin kein Bioinsel-Bezahler. Apropos Bezahlen: Essen gehen kann ich hier nirgends, da mir jetzt wirklich das Geld ausgeht. Und nachher brauche ich ein Getränk. Daher gehen wir dann getrennte Wege, ich laufe nach Hause. Ich bemerke gerade, dass ich die Stempelaktion noch nicht ausreichend zu Ende führte. Also, wir stempelten weiterhin munter drauflos, inzwischen kam ich an mein Porträt wieder heran und machte da weiter. Eines der Porträts war weitaus realistischer, als alles Andere auf der Rolle, aber das hatte sich derjenige wohl vorher zurechtüberlegt, und davon abgesehen hat derjenige gecheatet: Er hatte sich einen Stempel mit zwei senkrechten Strichen geschnitzt, den er wie einen kurzen Strich einsetzte, also quasi als Bildpunkt, und laut Aufgabenstellung war explizit angedacht, dass wir mit den Stempeln zeichnen, ohne Striche zu machen. Das Bild läuft also gewissermaßen außer Wertung. Kurz vorm Losgehen suche ich noch ein wenig meine Socken und einen Stift, wie mir einfällt, und ich weiß gerade nicht, ob ich den wiedergefunden habe, geschweige denn was es für einer war. Die Back Factory hat auch zu, die wäre noch die billigste Anlaufstelle gewesen.

Zu Hause angekommen schiebe ich mir rasch etwas zwischen die Kiemen. Ellis sind da und meinten, ich könne unter die Dusche und sollte meine Klamotten wechseln. Ich meine dazu, dass wir nachher in die Kulturschmiede gehen und alle sowieso komplett verschwitzt und verraucht sein werden. Ob ich doch noch unter die kühlende Wasserspende hüpfte, weiß ich nicht mehr, ich tendiere dazu, es zu bejahen. So gering war mein zeitliches Winterpolster dann doch nicht. So ging es dann ab zur Kulturschmiede; ich glaube, ich hatte vorher sogar noch Zeit, am Rechner irgendein Twitter-Update mitzubekommen. Es gab einen Grund, weshalb es direkt zur Schmiede ging, ohne dass ich eine interne Sonnenmacherabsprache belauschen musste:

Sonnenmacherball

Jepp, das Konzert nebst Party in der Kulturschmiede mit den Bummms Boys als Gästen fand dieses Jahr recht spät am 28. August statt. So tauchte ich auf und am Eingang gab es direkt wieder die Stempel. Denn das Konzert selbst benötigte wohl eine Art Eintritt, und wir als Sonstwie-Participants kamen kostenlos rein. Also Stempel auf den Arm … und innen ist so ungefähr niemand von unseren Leuten. Wo sind sie alle? (Offensichtliche Frage for the win.) Wahrscheinlich im Hostel bei der Bioinsel. Tjoa, drinnen geht noch nichts, also bin ich draußen. Das Gebäude gegenüber fasziniert mich. Davon abgesehen steht außerhalb tatsächlich eine Gruppe von Leuten, aber sie gehören nicht zu uns. Sie reden über etwas, ich höre nur mit einem halben Ohr hin, und mittendrin bekomme ich doch tatsächlich einen Titel aus dem Soundtrack von Need for Speed ProStreet mit. Yeah, geile Wahl.

Nach diversen Muniten, nein, Minuten heißt das. Also ging ich nach diversen MINUTEN (so ist’s richtig) dann doch wieder rein, um mich zu den zwei Leuten am Eingang zu stellen. Erst in diesem Augenblick fällt es mir wie Schuppen von den Augen und ich fragte mich, wie zum Teufel es nur passieren konnte, dass ich Kira so was von übersehen und nicht wiedererkannt habe. (In einigen Texten hier taucht sie als KH auf.) Bereits ein wenig vorher kam mir die Post-Vernissage-Phase beim zweiten Festival in den Sinn. Zur Rekapitulation: Beim zweiten Festival ereignete sich meine erste Teilnahme bei einem einzelnen Workshop und bei der Vernissage. Am Tag derselben, nein, am Tag des Workshops, knöpfte ich mir die Hafenansicht an der Rückseite des Ozeaneums vor, die letztes Jahr ihre Wiederholung fand. Kira war bei der Post-Vernissage-Phase auch dabei, und daran erinnerte ich mich. Ebenso an meine Gedanken dazu, die in einem vorherigen Part zur Sprache kamen. Weshalb erkannte ich sie dieses Mal nicht? Bestimmt lag es an ihrer neuen Frisur. Diese kannte ich noch nicht. Natürlich musste ich mich zunächst einmal dafür entschuldigen, dass ich sie nicht erkannte. ESTUMMIRLEID. Ja, im weiteren Verlauf kam dann nochmal diese Hafenansicht von damals zur Sprache. Zu dem Zeitpunkt (zweites Skizzenfestival) hat sie eine eher kritische Meinung geäußert, was mir etwas sauer aufstieß, aber heute bin ich ihr dafür dankbar, dass sie das damals gesagt hat, denn einerseits hatte sie damit vollkommen Recht. Andererseits war das durchaus ein Entwicklungsschritt, weg vom gesamtflächigen Bleistift. Sie erinnerte sich ebenso an die damalige Begebenheit und das Gespräch, und ich sagte ihr auch all das, was ich mir so zusammendachte.

Nichtsdestotrotz war immer noch keiner da (könnte sein, dass inzwischen Wiebque eingetroffen war) und ich brauchte einen Platz. Die Bühne war bereits aufgebaut und der Auftrag, Bilder für die Band zu malen, ebenso bekannt. Dieses Mal hatte ich das besser verstanden als beim dritten Festival; die Boxen standen an einem festen Platz, in einer waren die leeren Papiere drinnen, in einer anderen würden die fertigen Werke abgelegt werden. So nahm ich Einiges an Papier heraus, könnte sein, dass ich Manches davon verteilte, und machte sogleich Bekanntschaft mit einem Jemand, der mir noch häufiger über den Weg laufen sollte. Ich erklärte ihm den Zweck der Schachteln und dass die auch für die beiden anderen Leute gedacht seien, die noch so hier auftauchen, also Wieland Möller und Jeanina Wendt. Ersterer wird eine improvisierte Drummer-Session ablegen und Jeanina Wendt wird dann tanzen. Wieland Möller war mir in Zusammenarbeit mit Lucas Acuña bereits bekannt und an ihn gingen dann die ersten zwei Skizzen. Machte sich leicht mit schnellen dicken Strichen. Aber vorher wollte ich noch meinen Platz haben, und nachdem ich die Bekanntschaft mit Jemand machte, tat ich dieses, wobei das nicht mein Arbeitsplatz war. Der befand sich an einem Stehtisch, an dem ich eine bessere Sicht auf die Bühne habe. Das Zeug lag an einem Tisch, der dieses Mal an der Wand stand, in der Nähe des Ortes, an dem sich der Billard-Tisch standardmäßig aufhält. Ungefähr auf Höhe dieses Zeitpunktes müsste es in der Schmiede voll geworden sein. Damit fängt dann auch der Auftritt von Wieland Möller an. Inwiefern die Zuschauerreaktionen ausfielen, öhm, keine Ahnung, ich war mit Zeichnen beschäftigt, und ich kenne es bereits. Das Blöde an der ganzen Zeichensache ist allerdings, dass wir die Teile nicht wiederkriegen, und wenn die gut gelungen sind, naja. So hab ich die jeweils noch einmal in meinem Skizzenbuch abgezeichnet. Es ergibt immerhin eine Idee vom Original. Möller hat nun alleine angefangen und später kam Jeanina Wendt auf die Freifläche und bot ihre Performance dar. Die Skizze hab ich ein wenig verhauen, deshalb hab ich an der Seite noch einen schwarzen Dekostrich eingefügt, der meinen Fehler verbirgt. Und dann fing auch der Auftritt der Bummms Boys irgendwann an. Von denen hab ich die Skizzen dann aber nicht mehr im Buch übernommen, es hätte zu lange gedauert. Wieder mal jeden einzeln, wie beim dritten Festival. Wenn ich das hier mit dem abgleiche, was ich damals hatte, ist das hier besser. Okay, ich hab einen besseren Stift und ein besseres Licht, aber auch so sind die jetzt besser. Die Silhouettengeschichte vom Wolken- und Wassertag (der einundzwanzigste war das, glaub ich) hab ich hier wieder angewendet, mit dem Hintergrund eincollagiert. Ich hab noch was anders gemacht als sonst, nämlich das Aufschreiben der ungefähren Playlist. Die Eröffnung (Everybody needs somebody) kennt man mittlerweile ganz gut, und genau wie ich es erwartet habe, kamen am Ende noch der Gartenzaun von Helge Schneider und der durch Max Raabe bekannt gewordene Rinderwahn. Neu war das Cover von We no speak americano. Zwischendrin kam der Jemand noch ein paar Mal zu mir, als ich nicht an dem Tisch stand, sondern auf meinem Platz saß. Er hatte offenbar eine Wette im Ofen, er müsse heute noch erfolgreich eine Frau ansprechen, sonst kassiert er eine Ohrfeige. Bei seinem Pegel erschien mir das ein eindeutig bestimmbares Ergebnis zu ergeben. So eindeutig war es zwischendrin dann aber doch nicht: Obgleich sie zunächst abwertend reagierte, ergab sich ein Gespräch zwischen ihm und seinem Ziel. In einer solchen Qualität habe ich das für ausgeschlossen gehalten. Zwar klappte es am Ende nicht, aber nichtsdestotrotz habe ich so etwas Neues gelernt. Zum Glück hatte er noch andere Bekannte im Haus, und einer von denen schob ihn dann zur Seite und rettete mich damit aus dem Gespräch, obwohl der Jemand ohne den Pegel definitiv umgänglich war. Und selbst mit Pegel ging er noch besser als der Typ vom ersten Abend. Aber nun war sein Kumpel dran. Der hatte zwar auch bereits den einen oder anderen Drink, aber er hatte sich zweifellos weit besser im Griff. Nur minimal redseliger als im Basiszustand. So ist es in Ordnung. Er war auch ein gutes Stück interessanter. Außen trug er einen Hoodie und in seiner Freizeit meistens eine Trainingshose. Vom Optischen würde ihn jeder als Hip-Hopper einsortieren. Ist er aber nicht, Lieblingsband: Schandmaul. Er ist tatsächlich Richtung Metal und Punk und Medieval orientiert und trägt die Klassenklamotten nur, weil sie bequem sind und gibt einen Igel auf die Meinung der eventuell Umgebenden, die ihn für einen Hopper halten. Genau so muss es ablaufen. Solche Einstellungen gefallen mir sehr gut. Kann sein, dass ich von ihm auch die Sache mit der Wette erfahren hab.

Die Bummms Boys waren dann vorher auch irgendwann fertig mit dem Konzert, beim Gespräch mit Hoodie waren sie wohl schon am Einpacken. Sie blieben noch eine ganze Weile, bevor sie endgültig abmarschierten. Wieland Möller war ebenfalls noch da, den skizzierte ich kurz auf der Tanzfläche. Irgendjemand, vielleicht Maki, meinte, ich hätte ihn gut getroffen, insbesondere die Frisur, dabei sah er für mich aus wie ein Punkrockbarbar mit Motorrad, wie insertdisk2 von Retroid sagen würde (gibt es leider nicht mehr).

The Skizzenfestival Diaries 2012 - Teil 8



Tag 8

STRANDTAG! Ich nahm an, es würde wie sonst auch nach Hiddensee gehen. Irrtum. Es geht nach Prora. Darum starten wir auch am Bahnhof und nicht an der Fähre. Am Abend zuvor fragte ich Torben, wie die Anwesenden das lösten, und sie fuhren in Fünfergruppen. Er wollte herumfragen, ob im Hostel noch welche ohne Sitzplatz sind und mir das am Morgen durchgeben. (Es kam keine Meldung, wonach ich darauf schließe, dass alle unter Dach und Fach waren bzw. vom anderen Bahnhof starteten.) So kam ich früh am Bahnhof an, in der Hoffnung, noch ein paar Leute abzugreifen. Es waren nicht besonders viele da, was die Vermutung bestätigt, dass die meisten den kürzeren Weg gegangen sind. Robert ist mit bei den fahrenden Leuten, aber alle haben schon ihre Gruppen festgelegt. Nein, eine nicht. Maki ist wie ich noch gruppenlos. Es keimt die Überlegung, eine Fünfergruppe zu verkleinern auf einen Vierer und dann noch eine Drei-Personen-Gruppe zu bilden. Gute Idee, wenn die Karten nicht bereits bezahlt worden wären. Damit werden wir auf den nächsten Zug angewiesen sein, aber Robert meint, dass an solch einem warmen Tag einige Leute Kurs Richtung Rügen nehmen würden und sich so eine Gruppe finden lassen würde. Dann stiegen sie in den Zug ein und wir gingen Richtung … Speicher. Ich glaube, ich komme hier mit dem zeitlichen Verlauf etwas durancheinder. Der nächste Zug würde in jedem Fall noch eine Stunde auf sich warten lassen, und zu dem Zeitpunkt hatten wir die Info, die ich Robert zuschrieb, noch gar nicht bekommen, sie kam also nicht von ihm. Sorry. Im Speicher war Manja, die wir, Maki und ich, prompt fragten, ob noch Leute frei wären, die später fahren würden. Sie sagte, dass dem nicht so wäre, und dass die Sonnenmacher erst nachmittags gegen zwei fahren. Von IHR bekamen wir dann die Info mit den Leuten, die wahrscheinlich Kurs gen Rügen nehmen würden. OK, dann also wieder zum Bahnhof und Ausschau halten nach Leuten. Dabei gab es ein Problem: Die Leute kamen irgendwie nicht so wirklich. Wir quatschten alle an, die sich an den Fahrkartenautomaten begaben, denn die zielstrebig vorgehenden mussten ja bereits eine Karte besitzen. Von allen Leuten wollte keiner nach Rügen. Nun wollten wir auch nicht nur zu zweit fahren, weil das ein paar Euro zu teuer geworden wäre. Unseren Warteplatz hatten wir bei den Sitzbänken eingerichtet, Maki hatte eine Zeitung gekauft, durch die wir blätterten. Dabei las ich zum ersten Mal etwas von der Pussy Riot-Geschichte. Sobald jemand am Automaten stand, sprang jemand von uns auf, manchmal auch wir beide, und quatschten die Leute an. Da sich aber niemand meldete, mussten wir auch den kommenden Zug davonfahren lassen. Ich weiß nicht, ob danach noch einer durchrauschte. Es kam bereits die Überlegung auf, dass, wenn sich keiner finden lasse, der auch in die Richtung fahren will, wir den Strandtag sausen lassen und in der Innenstadt bleiben. Maki telefonierte mit den bereits am Ziel angekommenen Leuten und fragte nach einer Lösung. Ich kann mich nicht mehr erinnern, wie diese aussah.

Maki leistet sich eine Träne. Bis dato sah ich sie nie weinen oder kurz schluchzen. Ich denke, das unterstreicht die Beschissenheit des Momentes. Vorher dachte ich wiederholt an den angepissten Morningtalk mit LeFloid, der in einem letzten Part zur Sprache kam. Diesmal passte die allgemeine Laune tatsächlich gut dazu.

Aber dann sollte es doch anders kommen. Es fanden sich tatsächlich zwei Leute, die nach Rügen fahren wollten, so dass wir ein Viererticket kaufen konnten. Zwar stiegen sie in Bergen aus, was für sie billiger gewesen wäre, weshalb sie nur bereit sind, den Bergen-Preis zu bezahlen, aber das genügt uns als Verbilligung. Ich dachte vor einer Stunde daran, dass man die Karte auf dem Rückweg noch anderen Leuten andrehen kann, um Geld herauszukriegen. Jetzt hatte ich das wieder vergessen, und am Abend sollte es Maki selbst noch einfallen. Ich hätte nicht mehr daran gedacht. So konnten wir dann endlich in den Zug hineingehen. Im Zug selbst praktiziere ich meine vor dem Palais begründete Collagen-Technik, bei der mehrere in der Umgebung befindliche Dinge auf eine Seite gebannt werden, auch wenn das maßstabs- und winkelmäßig überhaupt nicht hinkommt. So kann man einen Moment zusammenfassen. Zwei solcher Seiten kamen zusammen, eine mit dem dicken Stift und eine mit dem dünnen. Beim dünnen stehen die Gebäude im Vordergrund, an denen wir auf Rügen vorbeifahren. In erster Linie Gebäude, die an den Bahnhöfen stehen, weil die lange genug stillhalten. Ein kleines verwachsenes Bahnhofshäuschen steht in der Mitte. Uns gegenüber dann noch zwei Jungens, bei denen ich nicht mehr weiß, ob sie unsere Fahrkartenerlöser waren. Einer hat sein T-Shirt ausgezogen. Diese Praxis sollte ich im Verlauf des Sommers noch ein paar Mal sehen, zuletzt auf der gamescom am wärmsten Tag des Jahres. Erwähnen möchte ich an dieser Stelle den Kontrollör, von dem ich fast behaupten möchte, dass er auch derjenige war, der unseren Fahrkartenschaffner auf der Rückreise von der Sassnitztortur spielte. Ich erinnerte mich, dass der Typ von damals ziemlich schräg war, und das traf auch auf diesen zu. Ich meine, es ist im Prinzip die gleiche Strecke, nur in anderer Richtung. Die Schrägheit des Schaffners äußerte sich darin, dass er in sehr schneller Abfolge mehrmals den Wunsch, die Fahrkarten einzusehen, aussprach, jeweils mit verschiedenen Formulierungen. Gleichsam doubletime-artig ratterte er die Teilsätze fehlerfrei herunter. Das kam uns sehr strange vor.

Wo wir gerade von der Sassnitz-Geschichte sprachen: Ich erzählte Maki davon. Die Reaktion entsprach dem, was ich nach der Äußerung dieses Erlebnisses gewohnt bin, in Maki-Abwandlung. Nach dem Umsteigen dauerte es nicht mehr lange, bis wir am Zielbahnhof ankamen. Robert stand schon bereit, uns abzuholen. Wir gingen vor zum Strand. Die ewig langen KdF-Bauten hatte ich schon lange nicht mehr zu Gesicht bekommen, ich glaube, dass ich sie bei der Sassnitz-Tour auch übersah, weil ich nicht ganz so weit in Richtung Süden fuhr, sondern ein, zwei, vielleicht auch sieben Kilometer weiter nördlich kampierte. Und dann kamen wir an. Hach ja, schön, mal wieder an diesem Ort zu sein, mit nur sehr wenigen Stunden Verspätung und ohne heftigsten Gegenwind und vor allem nicht so leergelutscht. Die Gruppe hatte sich hundert Meter weiter links (also in diesem Fall nördlich) niedergelassen und den Skizzenfestival-Schriftzug in den Sand geschrieben.

Der Tag läuft so dahin. Da ich es eh nicht vorhatte (wie immer), hatte ich meine Badehose erst gar nicht mitgenommen. So machte ich mich denn erst einmal auf dem Handtuch breit und kritzelte drauf los. Zwei Seiten, mehr sollten es heute nicht werden, aber das genügt auch. Denn wir haben heute keinen Workshop, und ich glaube, dass der Strandtag beim dritten Festival da auch nur eine Ausnahme war. Letztes Jahr fand schließlich auch keiner statt. Die von meinen Füßen entfernten Schuhe halten diesmal schön still, die Perspektive Richtung Norden verhaue ich beim ersten Versuch, der zweite sieht gut aus, weil ich mal ausnahmsweise beim richtigen Startpunkt beginne, also beim Fluchtpunkt bzw. bei dem, was davor rumhängt. Aber eine Sache fehlt hier. Ware von Mikasa. Ja, ich hätte jetzt so richtig Bock auf Beach-Volleyball. Der Platz wäre jedenfalls da. Maki hat jetzt einen eingecremten Rücken. Ich habe noch nicht das mit dem Wechselgeld am Bahnhof erzählt: Um dieses beim Kartenkauf passend dabeizuhaben (ging nicht anders), kaufte sie kurzerhand noch einmal die gleiche Zeitung und ich eine Streuselschnecke. Diese wird nun ihrem Zweck zugeführt. Danach wird ein wenig geratzt, weil der Schlafmangel der letzten Tage langsam eklatant wurde. Da die Raum-Zeit-Struktur des Tages nicht so ausgefeilt war (d.h. wir hatten an diesem Tag keine Ortswechsel), geht es erst mit dem Eintreffen der Sonnenmacher gegen zwei weiter. Das macht aber nichts, da wir mit dem Zug ohnehin auf Höhe der Mittagszeit ankamen. Die Sonnenmacher hatten das Abendessen in Rohform dabei. Ich half ein wenig beim Tragen, hatte aber keine Lust, wegen der kurzen Strecke noch extra die Schuhe anzuziehen. Zwei- bis dreimal liefen wir. Die Kiste mit den Lebensmitteln stellten wir in ein Halb-Iglu, da wir keinen anderen Sonnenschutz hatten.

Erwähnte ich eigentlich schon, dass ich Franziska seit Tagen nicht mehr gesehen habe? Ich verwechselte sie am ersten Tag mit Salom; mein Fehler fiel mir auf, als Salom tatsächlich eintraf. Dann stand ich ihr beim Kennenlern-Workshop gegenüber, und später bemerkte ich, dass sie irgendwie nicht mehr da war. Hm.

Wir brauchen einen besseren Sonnenschutz. Daher bauen wir ein Tarp auf. Normalerweise hatte ich den Begriff als Verdrehung in Bezug auf den Satz „It’s a trap“ verwendet (Das ist eine Falle). Es ist im Prinzip eine Plane, die in zwei Metern Höhe mit Stangen fixiert wird. Dort drunter platziere ich die Wasserflaschen, denn die sollen auch gekühlt werden. Prompt wird der Schattenplatz von einigen Leuten bevölkert. Unter anderem Till. Es entsteht ein Gespräch, und es kann sein, dass ich an diesem Punkt von Tills Hochzeitszeichnertätigkeit erfahre. Er betätigt sich als Zeichner auf Hochzeiten, für Leute, die etwas Anderes als Fotos haben wollen. Und es wäre kein Strandtag, wenn Till nicht wenigstens so tun würde, als würde er versuchen, Maki ins Wasser zu schmeissen. Zumindest seiner Meinung nach. Er hebt dann aber doch nur kurz die Füße an, begleitet von einem markanten Neeeeeeeiiiiiiiiinn.

Zum Glück ist die Theke diesmal auch für Free Participants geöffnet, denn ich brauche dringend einen Schluck Wasser. Der Öffnungszustand gilt dann nachher ähnlich auch für das Essen; die Sonnenmacher schnippeln das Gemüse für die gegrillten Gemüsesachen (die allerdings abgezählt sind) und es sind mehrere Grills vorhanden. Vor dem Festival hatte ich mehrmals im Kopf, beim Befüllen des Grills mit Kohle den Kohle-Song von Rahmschnitzel und Gronkh zu trällern, aber dazu kam es nicht, weil die Füllungszuständigkeit schon stand und ich den Moment verpennt habe. Als der Grill belegt wird, ist es später geworden, ich möchte fast sagen, dass unser Eintreten in den Schattenbereich unfern ist. Mit anderen Worten, es wird demnächst kühl werden, ein krasser Gegensatz zum bisherigen Wetter. Die Teilnehmer suchen sich daher wärmere Kleidung. Und wärmeres Essbares, denn so gegen sieben wird der Grill freigegeben. Man kann sich etwas von den Grill-Menschen geben lassen, und es sind diesmal auch Tofu-Würstchen dabei. Die Brötchen liegen in einer Kiste aus. Eine Schlange bildet sich. Danach probiere ich zum ersten Mal überhaupt Tofu. Die Konsistenz ist weicher als die von Fleisch, aber kann man definitiv machen. Es bewährt sich, dass ich meinen Flaschenöffner am Start habe. Zwar sind auch hier die meisten Herren der Ansicht, dass eine geschlossene Flasche gut mit einer anderen geschlossenen Flasche geöffnet werden kann, aber bei der letzten bin ich dann doch im Vorteil. Ich selbst nehme keine. Mir fällt auf, dass ich den Flaschenöffner mal ein wenig säubern müsste. (Hab ich inzwischen gemacht, am Tag der gamescom). So manche der Anwesenden müssen sich dann doch in etwas Langärmeliges wickeln, ich nicht. Ätsch. Eine bemerkenswerte Sache ist der Zustand meiner Haut. Durch konsequentes Ausweichen und Herumdrehen habe ich keinen Sonnenbrand bekommen, obwohl ich keine Sonnencreme draufgepackt habe. Dass ich dies nicht tat, liegt daran, dass ich das noch nie mochte. Also das Gefühl von Creme auf der Haut. Luxusproblem willkommen. Die Zugabfahrzeiten kenne ich nicht, dafür aber die Sonnenmacher, die den Zug um neun angesagt haben, der in etwa einer Stunde abfährt, so dass wir das geordnete Aufräumen beginnen. Zunächst die Flaschen und das Tarp. Dieses lässt sich leicht demontieren, bin auch hier wieder dabei. Die Flaschen gibt so ziemlich jeder selbst zurück, manche liegen herum. Ein Regenschirm, der als Sonnenschirm gebraucht wurde, tut es ihnen gleich. Das animiert zu einem Foto für Owyanna, die bekanntermaßen Schirmleichen sammelt. Letztes Jahr wäre sie im Innenhof des Speichers fast ausgeflippt, wäre sie anwesend gewesen. Zwar gelingt die fotografische Verewigung, jedoch der Schirm ist in einem gar intakten Zustand, makellos möchte man sagen, selbst angesichts des in der Gestaltung beeinträchtigten Musters, welches auf einen gleichsam helmutkohlschen Zeitraum hinweisen mag. Damit ist es keine Schirmleiche und nicht zu gebrauchen. Den Schirm vom ersten Tag erwähnte ich schon, oder? Ich glaub schon. Die Flaschen, nun, sind gut zusammenräumbar, da der Kistenplatz immer noch da ist, und danach können die persönlichen Utensilien gepackt werden. Handtuch rein, Schuhe anleinen, und gut ist. Angeleint werden sie über die Schnürsenkel am Rucksack, der so einige Befestigungsmöglichkeiten offeriert. So macht sich der Pulk auf, den Bahnhof zu erreichen, was angesichts barer Füße zur stacheligen Geschichte verkommt. Mit gutem Zeitvorsprung erreichen wir die Bahnhaltestelle tröpfchenweise. Was genau Oscar gesagt hat, weiß ich nicht mehr, aber ich glaube, spätestens am folgenden Tag outet er sich als Minecraft-Fan. Sieht man dann später bei den Best-Of-Bildern, aber dazu übermorgen. Maki hat die gleiche Idee, die ich auch bereits hatte, die ich dann wieder vergaß, nämlich noch zwei andere Leute mitzunehmen und dafür zwei Euro verlangen. Sehr gut. Bin im Übrigen immer noch barfuß, als der Zug eintrifft, und gehe auch barfuß rein. Spätestens hier erzähle ich Maki von der Sassnitz-Geschichte … nein, sie kommt hier nur nochmal auf, denn am Strand zeigte ich schon ungefähr, wo ich damals kampierte. Gegenüber den anderen Beiden konnte ich es dann erneut erzählen. Der Zugabschnitt ist kurz, nach neun Minuten kommt der Umstieg. Anhand der Landschaft kann ich meine damalige Route nachkonstruieren. Hach ja, Nostalgie. (Das ist zwei Jahre her, also laber hier keinen von Nostalgie.) Die meisten von uns steigen dann auch tatsächlich am Rügenbahnhof aus. Ich selbst fahre weiter und winke jemandem von unseren Leuten, wahrscheinlich Maki, zum Abschied. Da nun alle den gleichen Weg gehen und demzufolge an meinem Fenster vorbeilaufen, beziehen sie alle das Winken auf sich und so winke ich nicht nur für Maki, sondern gleich für die ganze Belegschaft. Hajo. Beim Hauptbahnhof dann raus und immer noch barfuß weiter. Das Fahrrad muss zunächst vom Fahrradständer genommen werden, denn das habe ich vergessen zu erwähnen, dass ich mit dem Rad zum Bahnhof gefahren bin, heute früh. Da ich kein Licht am Start habe, schiebe ich die Karre kurzerhand.