Dienstag, 8. Januar 2013

Die Zombies vereinsamen



Der Titel mag komisch klingen, aber der Ausdruck „Dieses Tag, also Zombies, ist von mir bisher als einziges nur einmal verwendet worden, und das sieht komisch aus“ war mir als Titel zu lang. In einem potenziellen Buch würde ich mich nicht scheuen, dies als Texttitel zu wählen, aber das hier ist kein Buch.
Worum soll es gehen? Ich hab einfach gerade das Bedürfnis, einige unrealistische Zombie-Apokalypsen-Betrachtungen durch das Zimmer über die Fensterbank gleiten zu lassen. Daher wird das auch ein Rohtext, der gleich nach meiner Reservoir Dogs-Review kommt.

Zunächst einmal: Es wäre ein ziemlicher Zufall, wenn eine Zombie-Apokalypse ausgerechnet zu unserer Zeit losbricht. Ein solches Ereignis kam bisher nicht vor, obgleich die biologischen Voraussetzungen auf die Zeitverteilung, die wir Weltgeschichte nennen, einen Pups geben dürfen. Davon abgesehen interessiert mich, wie aus einem Mensch ein Zombie wird. Was ist das Mutagen? Ist es ein einfacher chemischer Stoff wie zum Beispiel, öhm, irgendeine heutige Droge? Ist es ein Stoffgemisch? Ist es gar ein Makromolekül, und wenn ja, ist es peptidischer Natur (also ein Protein, wobei ich mir ein Enzym gut vorstellen kann) oder ist es eher eine Nukleinsäure? Handelt es sich bei dem Mutagen um ein Virus? Ist es ein Mikroorganismus? Und wie sieht die restliche Biologie aus?

Aus den Antworten auf diese Fragen könnte man die Art des Zombies ableiten, ob es nun langsam herumcreepende Mistviecher sind, wie man sie kennt, oder ob die rennen können. Nächster Punkt: Sekundäre Infektionen. Der erste Zombie wurde ganz offensichtlich nicht von einem Zombie gebissen, da es noch keine gab, also muss der erste Zombie auf einem anderen Infektionsweg entstanden sein. Der Weg wird aber nicht unpassierbar, nur weil auf der Welt die Hölle losbricht. Man kann also zum Zombie werden, ohne unmittelbaren Kontakt mit einem gehabt zu haben. Und dennoch wird das nirgendwo behandelt (höchstens wird die Erstinfektion mal angerissen). Man könnte sich zum Beispiel infizieren, indem einem eine Körperflüssigkeit eines Zombies in den Mund reinsplattert, zum Beispiel Blut. Wenn das Zeug auf den Klamotten landet, kann man es immer noch einatmen. Und ob sich das Mutagen mit herkömmlichen Waschmitteln entfernen lässt, bleibt anzuzweifeln.

Nächster Punkt: Demographie. In einer Zombie-Apokalypse überleben nur wenige. Das heißt: In so einem Szenario ist es, rein von der Ausgangslage betrachtet, sehr wahrscheinlich, dass die meisten von euch da draußen sterben werden. Dennoch sieht sich jeder in der Rolle des Überlebenden. Nachvollziehbar, denn wer will schon gerne draufgehen. Wenn aber die meisten abkratzen, dann kann nicht jeder überleben. Oder um es mal mit dem Worten von Volker Pispers zu sagen: Es kann schon jeder in der Rolle sein. Aber nicht alle.

Und der zentrale Punkt: die Ausrüstung und Bewaffnung. Oh, die Bewaffnung. Was habe ich nicht alles an Leuten getroffen, die gerne eine Waffe hätten und damit umherschießen würden, aber wegen der Waffengesetzgebung nicht dazu in der Lage sind. Ganze Filmgenres bauen darauf auf. Jetzt passt mal auf: Ebenso wie die meisten von euch bei einer Apokalypse draufgehen (deshalb ist es eine Apokalypse), haben die meisten von euch keine Ahnung von Waffen. Naja, ein Sechstel der Leute hat vielleicht Ahnung, weil die unmittelbar von der Wehrpflicht betroffen waren und demzufolge aus einem G3 die eine oder andere Patrone abgefeuert haben (oder aus dem G36). Ihr anderen fünf Sechstel würdet euren Ohrenschutz erst NACH der ersten abgefeuerten Kugel besorgen und nicht davor, und nach einer Woche wärt ihr taub. Von Sicherheitsregeln hättet ihr keine Ahnung und Unfälle beim Waffengebrauch sind an der Tagesordnung, so dass allein auf diesem Weg eine Spur von Leichen und Nahrung für Zombies entsteht. Und wisst ihr, was ihr vor allen anderen Dingen braucht, um mit einer Waffe gegen Zombies zu kämpfen? Eine Waffe. Wo wollt ihr die herkriegen? Die meisten Fan-Szenarien verlassen sich auf Schusswaffen, aber die gibt es hierzulande nur bei Sportschützen, Jägern und beim Militär. Und die wissen alle, wie man damit umgeht und sehen keinen Grund, euch auch nur eine davon zu überlassen.



Nur für den Fall, dass ihr in den USA wohnt und der nächste Assault Weapons Ban nicht durchkommt oder ihr aus sonst einem Grund an eine ausreichende Auswahl an Schusswaffen und Munition kommt und alle anderen taktischen Punkte beachtet, hier ein Ratgeber, wofür ihr euch entscheiden solltet bei eurer Bewaffnung.

Ihr braucht eine Primärwaffe. Mit dieser Waffe müsst ihr alle denkbaren Einsatzszenarien lösen können. Gleich mal vorweg: Alles, was stärker als ein Gewehr im Kaliber 7,62 x 51 mm NATO ist, könnt ihr komplett vergessen. Zumindest, wenn ihr ein durchschnittlicher Überlebenstyp seid und euch nicht eingebunden in einer organisierten bewaffneten Einheit wiederfindet. Eine halbautomatische Langwaffe (langes Gewehr, Karabiner, Langwaffe im Pistolenkaliber) bedient eure Bedürfnisse in gutem Umfang. Viele schreiben, dass sie ein Scharfschützengewehr nehmen würden, das ist, wenn ihr unterwegs seid, eine unbrauchbare Lösung. Im Nahkampf ist das zu unhandlich, damit darf ein bedeutendes Einsatzszenario nicht mehr auftreten. Unwahrscheinlich, dass das passiert. Und in den Distanzen, in denen ein Scharfschützengewehr sinnvoll ist (ab 300 Meter aufwärts), stellen Zombies keine Bedrohung dar. Stattdessen würdet ihr unnötig Aufmerksamkeit auf euch ziehen, und das führt über kurz oder lang in den Nahkampf. Ebenfalls nicht zur ersten Wahl als Einzelkämpfer zählend: die Schrotflinte. Lasst mich raten, die Schrotflinte ist so ziemlich die beliebteste Waffe in der Zombie-Apokalypse. Und ich weiß genau, wieso: Sie ist leicht zu bedienen, sie ist zuverlässig, man kann mit ihr auch mal zuschlagen, und in den Distanzen, auf die es ankommt, hat sie eine verheerende Wirkung auf den Gegner. Aber die Schrotflinte hat einen entscheidenden Nachteil: Die Magazine sind nicht besonders groß. Und bei handelsüblichen Schrotflinten muss man jeden Schuss einzeln nachladen. Unter Stress und gerade, wenn man wegläuft, kann das eine Weile dauern. Und es ist ja nicht so, als wären die Patronen klein. Man kann also auch nicht so viele Patronen mitführen, wie bei einem Gewehr. Um einen Wert anzugeben: Das, was man beim Wort „Schrotflinte“ üblicherweise vor dem geistigen Auge hat, geht über eine Magazinkapazität von acht Schuss nicht hinaus. Meistens habt ihr weniger; es können gar nur zwei Schuss sein, ehe ihr nachladen müsst. In einem polizeilichen Umfeld ist eine Schrotflinte sinnvoll, aber auch nur dann, wenn man noch andere Leute zur Unterstützung am Start hat und weil ein Festzunehmender nicht ohne Rücksicht auf Verluste blindlings auf jemanden zurennt, der gerade auf einen geschossen hat. Wenn ihr also alleine seid und bessere Alternativen finden könnt: Macht von der Alternative Gebrauch.

Ihr braucht eine Sekundärwaffe. Sie kommt zum Einsatz, wenn die Primärwaffe ausfällt. Auf die Sekundärwaffe kann man sich nicht immer verlassen, aber wenigstens gibt sie einem ein Mindestlevel an Schutz, bis man die Primärwaffe einsatzbereit machen kann. Typischerweise werden hier Pistolen verwendet. Von Revolvern ist abzuraten, da für sie im Grunde dasselbe gilt wie für Schrotflinten: Hohe Durchschlagskraft, aber zu geringe Kapazität, die einzeln erhöht werden muss. Und bitte, bitte lasst die Finger von der ach so bekannten Desert Eagle: Sie ist viel zu schwer, die Munition ist viel zu selten und unnötig stark, und das Magazin ist klein. Ist höchstens sinnvoll, wenn die ersten Zombieelefanten euer Wohnzimmer unsicher machen. Wenn ihr eine Pistole nehmt, stellt sicher, dass sie euch nicht zu schwer ist und der Munitionsnachschub sichergestellt ist. Und vor allem prüft vorher, ob ihr mit dem Ding überhaupt etwas treffen könnt. Ein Teil davon geht auf den Rückstoß zurück und damit auf die Größe des Kalibers. Wenn ihr mit einer aktuellen .45 ACP einen Kopfschuss nach dem anderen austeilen könnt, dann nehmt die, wenn das stärkste Kaliber, mit dem ihr umgehen könnt, aber nur eine popelige .22 lfB ist, dann nehmt eben eine popelige .22 lfB. Auch die ist zur Selbstverteidigung geeignet. Also, nehmt euch die Waffen, die ihr finden könnt, achtet darauf, dass das Zeug nicht zu schwer wird (was schnell passieren kann) und nehmt ein Kaliber, mit dem ihr trefft. 9 x 19 mm ist eine gute Wahl. Wenn das klar ist, dann ist alles klar.




Hach ja, ich hab die Schrott-Texte von früher ein bisschen vermisst.

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