Achtung! Heftige
Spoiler für Two Bitch Fuckers voraus!
Ich sehe es schon kommen: Dieser Text wird über sehr
seltsame Suchbegriffe gefunden werden. Ähnliches gab es bei meiner Rezension zu
Inglourious Basterds bereits zu bestaunen, als ich als Titel die wörtliche
Übersetzung einer Zeile aus der deutschen Synchro wählte. Und auch hier wird es
so laufen, selbst wenn ich mich bei der Überschrift zurückhalte. Das liegt in
diesem Fall nicht an mir, sondern an dem Film, um den es hier gehen soll.
Welcher Marketing-Stratege hat sich den Namen eigentlich
einfallen lassen? Jeder Blogger, der über Two Bitch Fuckers seien Report
schreibt, muss sich ziemliches FSK-Gezappel oder in diesem Fall wohl eher das
von der PEGI gefallen lassen. Aber das soll hier nicht stören. Schließlich soll
man Einiges zu lachen haben. Worum geht es denn überhaupt?
Two Bitch Fuckers macht glücklicherweise nicht den
grundsätzlichen Fehler, eine 08/15 Hollywood-Komödie zu werden, wie man sie von
beispielsweise Adam Sandler oder den anderen Vögeln unsäglich oft ertragen
musste. Dennoch trifft man auf diverse altbekannte Elemente: Schnell wird klar,
dass der komödiantische Anteil über die Dynamik des Darsteller-Duos Gerard
Butler und Karl Urban getragen wird. Gerard Butler kennt man als verdammt
geilsten Motherfucker wo gibt aus Zack Snyders 300, während Karl Urban eine
eher unbekannte Nummer ist, nichtsdestotrotz hat ihn schon jeder gesehen, und
zwar als Eomer in Herr der Ringe Teil 2 (er war derjenige, der relativ am
Anfang aus Rohan verjagt wurde mit seiner Reiterschaft, später aber zurückkehrt).
Butler und Urban ergeben eine Kombination, die ich in erster Linie von YouTube
kenne, nämlich einen bärtigen schwarzhaarigen Typen (Butlers Rolle lässt sich
im Film mit der Zeit einen Bart wachsen) und einen drahtigen Hellhaarigen (der
Charakter von Karl Urban bleibt zu lange in der Sonne). So ein Duo sind z.B.
Gronkh und Sarazar. Könnte auch auf meinen besten Kumpel und mich zutreffen.
Wie dem auch sei, die zwei werfen sich auf ihrer Arbeitsstelle immer wieder
bissige Kommentare zu. Ungewöhnlicherweise arbeiten sie bei einem
Kosmetik-Unternehmen in der Qualitätssicherung, wo sie stichprobenartig die
Grenzwerte der Produkte prüfen. Da der Job immer wieder recht eintönig wird,
weil man den ganzen Tag nur an irgendwelchen Hochleistungspipetten herumschraubt,
Luft aus isolierten Laboren atmet und wartet, dass die Farbe unter dem
tröpfelnden Wasserhahn mit Milliliter-Skala umschlägt, beschließen die zwei
Jungs, irgendwann mal Urlaub zu machen. An der Stelle, an der das Flugzeug
abhebt, kommt ein Cut. Und ein Sprung in der Story: Es geht an einem
signifikanten Punkt weiter, und das Ende wird erzählt. Die beiden Laboranten
kommen während ihres Urlaubes um. Nachdem der Schluss erzählt ist, geht es mit
dem Mittelteil weiter.
Ein taktisch kluger Zug. Da der Film eine Komödie ist, kann
man die letzten Frames nicht mit dem Tod der Protagonisten füllen. Da ist es
besser, den in den Mittelteil zu verfrachten und erst danach auf die
unbekümmerten Umstände einzugehen, die dafür verantwortlich sind, ohne dabei
resignativ zu werden.
Eigentlich wollten Butler und Urban in den Senegal fliegen,
weil es da kein spanisches Essen gibt, denn Urban hat sich bei einem Ausflug
nach Louisiana mit der lokalen Cajun-Küche den Magen nachhaltig verätzt und
sich sogar zu einem entsprechenden Gesichtsausdruck hinreißen lassen, man
glaubt es kaum. Weil sie aber beim Boarden zu viele Hummeln im Hintern haben
und sich die Rolle von Gerard Butler bei einem kürzlich erfolgten Test im
Qualitäts-Labor einen fiesen Augenausschlag eingefangen hat und er demzufolge
die Anzeigetafeln nicht richtig erkennen kann, landen sie nicht im Senegal,
sondern in Angola. Das deutsche Auge kennt diese Situation zur Genüge, und da
leistet sich Two Bitch Fuckers zunächst auch eine Schwäche. Dass an der Stelle
ein paar Gags mehr abgefeuert werden, entschädigt zumindest dafür etwas.
An der Stelle setzt der Cut ein, und zwar in Gestalt einer
Szene anstelle eines Blackframes, wie man das erwarten würde: In dieser Szene
sieht man einen namenlosen Charakter, gespielt von Sigourney Weaver. Sie
spricht allein in Kamerarichtung äölkjhgfds k cvu (ich hab gerade im
Hintergrund ein Video mit runtergepitchter Klavier-Musik zu laufen und musste
die Tastenbewegung nachvollziehen), also allein in Kamerarichtung und erläutert
jemandem, den wir nicht sehen (wahrscheinlich uns selber), dass die Zeit jetzt
springen würde. Damit wird die erzählerische Technik erläutert, die ich oben
erwähnte und die quasi direkt aus Pulp Fiction sein könnte.
Butler und Urban sind jetzt also schon seit einiger Zeit in
Angola und haben sich schon bis zur Küste durchgenagelt, sehen aber wegen ihres
Aufenthaltes bereits deutlich dunkler aus (also Öl und Zeug im Gesicht). In der
Zwischenzeit haben sie Bekanntschaft mit irgendwelchen Jeansfälschern gemacht
und machen nach wie vor das Beste aus ihrer Situation, während sie weiterhin
versuchen, sich zum Senegal durchzuschlagen. Wie das geschehen soll und was die
Abläufe davon sind, weiß man noch nicht, denn (Spoiler) das kommt in dem noch
offenen Mittelteil. Sind sie mal nicht
damit beschäftigt, zu überleben oder ihre Abreise zu organisieren, treiben
Urban und Butler allerlei kindischen Unfug, wie zum Beispiel dem Chef der
Jeansfälscher mit Indigoblau ein Gesichtstattoo zu fälschen, nachdem sie den
unter den Tisch getrunken haben. Der ist natürlich verwundert, warum ihn von
nun an jeder schräg ansieht, nachdem er aber herausgefunden hat, was Sache ist,
laufen Butler und Urban weg und kichern sich dabei einen.
Man stelle sich vor, es wäre Vanilleeis.
Kurz danach versuchen sie sich an ihrer neuen
Lieblingsbeschäftigung: Butler versucht ein kleines Tequila-Glas auf dem Kopf
zu balancieren, während ihm Karl Urban dauernd in total ernstem Ton Witze
erzählt und Butler dabei filmt, wie dieser versucht, dabei nicht zu lachen und
das Glas nicht von seinem Kopf fallen zu lassen. Dafür verwenden sie eine
Kassetten-Kamera, die sie neben dem Duty-Free-Shop von einer Faltencreme-Besitzerin
haben mitgehen lassen. Da Butler der Ausführende war, lässt er sich fortan
einen Vollbart wachsen. Ich schweife ab. Denn die Aktion sieht man erst im
letzten Drittel des Films, welches ja den Übergang zwischen den beiden anderen
Segmenten darstellt. Wie dem auch sei, die beiden holen sich, nachdem sie oben
ohne an der Küste übernachtet haben, eine ziemliche Erkältung in die Atemwege,
die weitaus schwerer als üblich ist. Zumindest denken sie das: Ein
Ortsansässiger meint am nächsten Tag, es könne eine Lungenentzündung sein. Ein
Arzt bringt nach einer Woche Aufklärung: In der Zeit, in der Butler und Urban
in Angola waren, haben sie sich zwei Frauen angelacht, mit denen sie im Schnitt
jede dritte Nacht verbracht haben. So haben sie sich mit HIV infiziert und eine
opportunistische Infektion ist gerade dabei, ihnen den Rest zu geben. An der
Stelle wirkt der Film wie eine Mischung aus Betty und ihre Schwestern und
Knockin‘ on Heaven’s Door: In erstgenanntem stirbt eine der Schwestern,
allerdings überraschend undramatisch, zumindest dafür, dass aus den vier
Schwestern drei werden. Und in letztgenanntem machen zwei unheilbar tödlich
erkrankte Typen in den letzten Tagen ihres Lebens ordentlich einen drauf. Genau
diese Strategie verfolgen Butler und Urban dann am Ende auch, da ihnen klar
wird, dass sie nicht mehr lebend aus dem Land herauskommen. Da die beiden
angelachten Damen ebenfalls HIV-positiv sind (sie sind schließlich die
Ansteckungsquelle gewesen), demzufolge in diese Richtung für beide Seiten kein
Ansteckungsrisiko mehr besteht, machen sie das Naheliegende ohne jede Hemmung,
todesmutig probieren sie das an allen möglichen und unmöglichen, die Nerven
kitzelnden, Orten. So tun die beiden noch alles, was sie schon immer machen
wollten, ohne dass der Film den Fehler macht, das allzu ausführlich zu
schildern, also nicht so, wie dieser Textabschnitt.
Huiuiui, erst mal eine
Verschnaufpause gönnen. Am besten mit einem Drink.
Ebendiesen genehmigen sich Butler und Urban in der nächsten
Szene, denn der letzte Abschnitt des Films (und damit der mittlere Teil der
Handlung) beginnt, und das nahtlos an den Flughafen vom ersten Teil anknüpfend.
Die Wandlung vom ersten geschockten Moment bis hin zu den Spaßvögeln, die sie
dann werden, wird rasch durchgenommen, damit gar nicht erst eine lethargische
Nachdenkpause entsteht. Dann kommt die erwähnte Szene mit der geklauten Kamera
und dem Tequila-Glas, ihr erinnert euch. An irgendeinem Punkt muss man aber mal
einsehen, dass das Geld alle ist, und so nehmen die beiden kurzerhand jeden
Kurzzeitjob an, der ihnen vor die Füße fällt. Hin und wieder wirkt das
ungewohnt grotesk, wenn zwei weiße Männer auf der Straße einem die Schuhe
putzen und dabei wieselflink umherwandern. Solcherlei sieht man gewiss nicht
alle Tage in Angola. Da sie bei der Tätigkeit ständig dem Sonnenlicht
ausgesetzt sind, bleichen die Haare von Karl Urban mit der Zeit aus, was ihm
das eingangs erwähnte Erscheinungsbild eines drahtigen Hellhaarigen verleiht. Nichtsdestotrotz
haben sie ihr Langzeitziel immer noch vor Augen, nämlich in den Senegal zu
kommen. Komplett abgebrannt, ist es unmöglich, ein Flugzeugticket zu kaufen.
Daher wollen sie es über den Seeweg versuchen, von dem sie sich versprechen,
dass er billiger ist. Der Plan sieht folgendermaßen aus: Zunächst schlagen sie
sich zur Küste durch, und dort hangeln sie sich dann als blinde Passagiere von
irgendwelchen Schiffen und Booten an der Küste entlang. So ungefähr müsste das
klappen.
Um für den Plan die Details auszuarbeiten, besorgen sie sich
eine Landkarte und wollen beim Essen den Weg vorzeichnen. Kurz bevor sie ein
Lokal betreten, bemerkt Karl Urban, dass dort scharfe Cajun-Küche serviert
wird, und seine Knie werden zuerst weich, weil er sich an seine Magenstrafe
erinnert, dann wieder hart vom Wegrennen. Das treibt Urban und Butler in die
Arme von Louise und Heather. Zwar sind sie eigentlich Prostituierte, aber vor
kurzer Zeit haben sie sich von ihrem Geschäft zurückgezogen (wurden gefeuert)
und freunden sich mit Urban und Butler an. Zusammen wollen sie bis zur Küste
vordringen, wo sich ihre Wege wahrscheinlich wieder trennen. Bis dahin wollen
sie das Beste aus der Situation rausholen (öhm, ja) und um überhaupt an die
Küste zu gelangen, schließt sich die Vierergruppe zunächst einem Busfahrer und
seiner Mannschaft an. Und so wird aus dieser Etappe des Films eine Art Roadmovie.
Wie es weitergeht, konnte man im Film schon im mittleren
Segment sehen; letztendlich erreichen Butler und Urban den Senegal doch nicht
mehr. Findige Analysten meinen, der Storyaufbau wäre von Pulp Fiction
abgekupfert, denn dort wird der letzte Teil der Handlung auch in der Mitte des
Films gezeigt, aber ich finde, hier ist die ganze Sache eher unauffällig und
nicht so offensichtlich an den Hit von Tarantino angelehnt. Es ist auch
interessant, die Charakterwandlung zu beobachten: Am Anfang meint man, man
hätte irgendwelche Charaktere, die das Wort „austauschbar“ auf ihren T-Shirts
umhertragen. Dazu passt auch die distanzierte Kamera, man sieht in erster Linie
die Gestik der Personen. Später jedoch sieht man die Gesichter bedeutend näher,
was auch an den Make-Up-Effekten liegen kann, da Butler und Urban immer mehr
Schmierzeug im Gesicht haben, wie zum Beispiel die Ölflecken, und die Frisur
von Urban bleicht halt auch noch aus. Entsprechend entwickeln sich die
Charaktere, man erhält immer neue Stücke auf dem Flickenteppich, analog zu
ihrem Äußeren.
Abschließend lässt sich wohl sagen, dass die beiden
Darsteller eine sehr gute Leistung abgegeben haben und auch wenn sich der Film
nicht an jeder Ecke um Genauigkeit schert, so sollte man definitiv einen Blick
darauf riskieren. Und etwas zu lachen hat man dabei gleich mit. Ich danke für
die Aufmerksamkeit.
neues review auf youtube im renomierten filmkritik magazin "die schwarze filmdose" !
AntwortenLöschenAn meinem Veröffentlichungsdatum kann man wiederum eeeeeiiiinnndeutig ablesen, dass sich Tom und Torben fehlerhafterweise auf das gleichnamige Remake beziehen (weil deren Review der meinen in wesentlichen Punkten widerspricht).
AntwortenLöschenDa dort im Video so viele nicht nach "two bitch fuckers", sondern nach "2 bitch fuckers" gegoogelt haben, hab ich direkt mal die Tags geändert.