Eigentlich wollte ich diesen Text nicht schreiben, weil er
zu kurz geworden wäre. Aber ich hab gerade doch wieder den Bock gefunden und
ich glaub, ich häng noch etwas hinten an. Worum soll es heute also gehen? Um
Madagascar 3. Ist schon die eine oder andere Woche her, aber ich kann mich noch
entsinnen. Das Fazit kann ich schon vorher geben: Der Film ist purer
Fan-Service. Aber der Reihe nach.
Der Film lief schon eine ganze Weile in den Kinos, als ich
mir bewusst machte, dass ich ihn doch eigentlich sehen will. Panikartig machte
ich die Reservierung klar. Mir kam dann der folgende Gedanke: Ich fing vor
kurzer Zeit mit dem Laufen an, und wenn ich dann noch zwei Stunden Fußweg
obenauf packe, sollte ich diesen besser verkürzen. Das heißt, ich nehme den Zug
in Anspruch, um den Hinweg zu halbieren. Das hätte auch funktioniert, wenn ich
nicht volle zehn Minuten zu spät gekommen wäre. Es gibt hier zwei Zuglinien,
die sich jede Stunde abwechseln, und mit dieser hier fahre ich sonst nie. Dass
die Zeiten dermaßen verschieden sind, hätte ich nicht gedacht. Wie dem auch
sei, für die reservierte Karte war der Zug abgefahren, höhöhö, aber es war
dennoch immer noch im Bereich des Machbaren, den Kinosaal rechtzeitig vor
Vorstellungsbeginn zu erreichen. Vielleicht war der Reservierungsverlust ja
sogar noch besser, denn ich hatte mir eine Karte für die oberen Ränge bestellt,
und das Kino dürfte nur spärlich befüllt sein, so dass man sich den Platz eh
fast aussuchen kann. So marschierte ich dann los und erreichte mein Ziel mit
gutem Vorsatz Vorsprung. Ich kaufte eine Karte für die unteren Plätze,
der Saal war bereits offen, dennoch blieb ich vorerst außen vor. Als ich
hineinging, war ich der Einzige. Und blieb es auch. Nicht ein einziger hatte
für diese Vorstellung eine Karte gekauft. Ich fasse zusammen: Studentenrabatt,
reduzierter Preis für die unteren Ränge und keine anwesende Seele, also freie
Platzwahl. Vollkommen frei, ohne jegliche Einschränkung. Na, das ist doch
etwas. Einer der seltenen Momente, in denen ich mein selbst festgelegtes
absolutes Redeverbot im Kino selbst brechen darf, was bei einem solchen
Partyfilm angemessen ist. Natürlich hab ich erst den Eismann abgewartet, bis
ich mich nach oben verkroch. Breiten Sitz gesucht, Schuhe aus, hingefläzt und
los kann es gehen.
Eine ähnliche Situation gab es bisher nur bei Herr der
Ringe: Die zwei Türme. Mein Vater und ich besuchten den Film einst im Kino, und
es war keiner da. Nun gut, der lief zu dem Zeitpunkt garantiert auch schon zwei
Monate oder so, aber es ist Herr der Ringe. Der kann nie leer sein.
Nun ging das also los. Die vier Protagonisten sind immer
noch in ihrem biologischen Heimatland gefangen. Die vier Pinguine haben sich
direkt bei ihrem ersten Auftritt nach Monaco verpisst, ohne einen Gedanken an
Rückkehr zu verschwenden. Alex der Löwe hat, nachdem ihm die anderen drei ein
Modell von Manhattan gebastelt haben (was ihn sehr freut), die Schnauze
gestrichen voll und beschließt, mit den drei anderen den Pinguinen in Monaco
eine vor die Batterie zu klingeln. Deshalb begeben sie sich dorthin. Einfach
so. Ich hätte gerne die niedergeschriebenen Gedanken der Entwickler zu der
Szene gelesen. Sie müssten etwa so klingen: „Wir können es eh nicht plausibel
erklären, wie die nach Europa gelangen, also versuchen wir es erst gar nicht.
Wir brechen mit jeglicher Drehbuchvernunft in einem Ausmaß, dass die Zuschauer
uns den Streich eh nicht glauben.“ Oder so ähnlich. In Monaco entwerfen die
vier einen Plan à la Hier-Film-einfügen-bei-dem-Tom-Cruise-in-einen-sensorgeschützten-Raum-der-CIA-einbricht,
aber King Julien tut so, als würde er den Plan nicht mal ansatzweise tanzbar
finden und so geht es diagonal. Das ruft die monegassische Tierfangbehörde auf
den Plan, deren Vorsitzende auf jeden Fall eine Parodie auf irgendwen ist,
anders kann ich mir ihr Auftreten nicht erklären. Ziel: Jagen und Eliminieren.
Auf der Flucht durch Monaco (erwartet keinen Formel 1-artigen Ablauf) schütteln
sie sie ab, und eine hübsche Matrix-Reminiszenz findet ihren Platz. Wie ich
schon sagte, der Film ist purer Fan-Service.
Sind die Helden dann erst einmal geflohen und hängen sich
notgedrungen einem Zirkus an (weil der da gerade herumsteht), hat man durchaus
das Gefühl, den Machern seien die fünfblättrigen Bananen ausgegangen. Das macht
bei dem Film aber nicht wirklich etwas. Der Ringtrick von Vitaly entschädigt.
Und unterstützt den Denkansatz, dass die Macher sich einen feuchten Kehricht um
die Machbarkeit der einzelnen Elemente des Films scheren. Zur Erläuterung:
Vitaly ist das Cheftier vom Zirkus und hatte früher mal eine spektakuläre
Nummer drauf: Er konnte durch einen Ring springen. Den Ring machte er immer
kleiner, bis er nur noch die Größe eines normalen Fingerringes hatte. Durch den
Vitaly immer noch hindurch passte. Biologisch gesehen natürlich vollkommener
Quatsch, würde höchstens mit einem Tintenfisch funktionieren. Dann geht das
eine Weile so weiter, blablabla, Mumien Storyentwicklung, und am Ende
landen die Protagonisten dann doch wieder im New Yorker Zoo. Der Moment hat
wiederum fast schon etwas Nostalgisches; der Augenblick, in welchem sie wieder
ihre ursprünglichen Gehege betreten und man daran ganz nebenbei noch den
Fortschritt in der Animationstechnik sehen kann. Waren die Umgebungen im ersten
Teil noch eindeutig als animiert zu erkennen, sind sie im dritten Teil quasi
auf dem Niveau von Hugo Cabret. Und das war im Grunde ein Realfilm. Und dann …
das Finale. Bei dem die Macher noch einmal alles aus ihren Mehrkernprozessoren
herausgerendert haben, als ginge es darum, die Eröffnung der Olympischen Spiele
zu übertreffen.
Wie ich schon sagte, schierer Fan-Service, der Film.
(jetzt die 22-20s mit
Such a Fool oder sonstiges Zeug vom RockNRolla-Soundtrack)
Wie dem auch sei, ich habe derzeit vor, das Geschreibsel,
welches ich nebenher betreibe, zu versilbern. Keine Sorge, ich werde diesen
Blog nicht monetarisieren und die wenigen Besucher mit Werbung direkt
verscheuchen. Stattdessen werde ich zusätzliche Texte verfassen. Es gibt eine
amerikanische Website namens cracked.com und die Texte, die darauf
veröffentlicht werden, stammen von Nutzern der Seite. Wird ein Text eines
Nutzers gepostet, bekommt der Geld dafür. Den ersten Text habe ich bereits in
Arbeit, für das entsprechende Programm habe ich mich angemeldet. Wann der Text fertig
wird, weiß ich nicht, ich weiß insbesondere nicht, ob der es an die
Öffentlichkeit schafft. Sollte er das tun, dann wird das wahrscheinlich im
ersten Quartal 2013 der Fall sein. Wenn er es auf cracked.com nicht schafft,
kommt er kurzerhand hier hinein.
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