Montag, 3. Dezember 2012

Crackin' Monte Carlo Vault



Eigentlich wollte ich diesen Text nicht schreiben, weil er zu kurz geworden wäre. Aber ich hab gerade doch wieder den Bock gefunden und ich glaub, ich häng noch etwas hinten an. Worum soll es heute also gehen? Um Madagascar 3. Ist schon die eine oder andere Woche her, aber ich kann mich noch entsinnen. Das Fazit kann ich schon vorher geben: Der Film ist purer Fan-Service. Aber der Reihe nach.

Der Film lief schon eine ganze Weile in den Kinos, als ich mir bewusst machte, dass ich ihn doch eigentlich sehen will. Panikartig machte ich die Reservierung klar. Mir kam dann der folgende Gedanke: Ich fing vor kurzer Zeit mit dem Laufen an, und wenn ich dann noch zwei Stunden Fußweg obenauf packe, sollte ich diesen besser verkürzen. Das heißt, ich nehme den Zug in Anspruch, um den Hinweg zu halbieren. Das hätte auch funktioniert, wenn ich nicht volle zehn Minuten zu spät gekommen wäre. Es gibt hier zwei Zuglinien, die sich jede Stunde abwechseln, und mit dieser hier fahre ich sonst nie. Dass die Zeiten dermaßen verschieden sind, hätte ich nicht gedacht. Wie dem auch sei, für die reservierte Karte war der Zug abgefahren, höhöhö, aber es war dennoch immer noch im Bereich des Machbaren, den Kinosaal rechtzeitig vor Vorstellungsbeginn zu erreichen. Vielleicht war der Reservierungsverlust ja sogar noch besser, denn ich hatte mir eine Karte für die oberen Ränge bestellt, und das Kino dürfte nur spärlich befüllt sein, so dass man sich den Platz eh fast aussuchen kann. So marschierte ich dann los und erreichte mein Ziel mit gutem Vorsatz Vorsprung. Ich kaufte eine Karte für die unteren Plätze, der Saal war bereits offen, dennoch blieb ich vorerst außen vor. Als ich hineinging, war ich der Einzige. Und blieb es auch. Nicht ein einziger hatte für diese Vorstellung eine Karte gekauft. Ich fasse zusammen: Studentenrabatt, reduzierter Preis für die unteren Ränge und keine anwesende Seele, also freie Platzwahl. Vollkommen frei, ohne jegliche Einschränkung. Na, das ist doch etwas. Einer der seltenen Momente, in denen ich mein selbst festgelegtes absolutes Redeverbot im Kino selbst brechen darf, was bei einem solchen Partyfilm angemessen ist. Natürlich hab ich erst den Eismann abgewartet, bis ich mich nach oben verkroch. Breiten Sitz gesucht, Schuhe aus, hingefläzt und los kann es gehen.

Eine ähnliche Situation gab es bisher nur bei Herr der Ringe: Die zwei Türme. Mein Vater und ich besuchten den Film einst im Kino, und es war keiner da. Nun gut, der lief zu dem Zeitpunkt garantiert auch schon zwei Monate oder so, aber es ist Herr der Ringe. Der kann nie leer sein.

Nun ging das also los. Die vier Protagonisten sind immer noch in ihrem biologischen Heimatland gefangen. Die vier Pinguine haben sich direkt bei ihrem ersten Auftritt nach Monaco verpisst, ohne einen Gedanken an Rückkehr zu verschwenden. Alex der Löwe hat, nachdem ihm die anderen drei ein Modell von Manhattan gebastelt haben (was ihn sehr freut), die Schnauze gestrichen voll und beschließt, mit den drei anderen den Pinguinen in Monaco eine vor die Batterie zu klingeln. Deshalb begeben sie sich dorthin. Einfach so. Ich hätte gerne die niedergeschriebenen Gedanken der Entwickler zu der Szene gelesen. Sie müssten etwa so klingen: „Wir können es eh nicht plausibel erklären, wie die nach Europa gelangen, also versuchen wir es erst gar nicht. Wir brechen mit jeglicher Drehbuchvernunft in einem Ausmaß, dass die Zuschauer uns den Streich eh nicht glauben.“ Oder so ähnlich. In Monaco entwerfen die vier einen Plan à la Hier-Film-einfügen-bei-dem-Tom-Cruise-in-einen-sensorgeschützten-Raum-der-CIA-einbricht, aber King Julien tut so, als würde er den Plan nicht mal ansatzweise tanzbar finden und so geht es diagonal. Das ruft die monegassische Tierfangbehörde auf den Plan, deren Vorsitzende auf jeden Fall eine Parodie auf irgendwen ist, anders kann ich mir ihr Auftreten nicht erklären. Ziel: Jagen und Eliminieren. Auf der Flucht durch Monaco (erwartet keinen Formel 1-artigen Ablauf) schütteln sie sie ab, und eine hübsche Matrix-Reminiszenz findet ihren Platz. Wie ich schon sagte, der Film ist purer Fan-Service.

Sind die Helden dann erst einmal geflohen und hängen sich notgedrungen einem Zirkus an (weil der da gerade herumsteht), hat man durchaus das Gefühl, den Machern seien die fünfblättrigen Bananen ausgegangen. Das macht bei dem Film aber nicht wirklich etwas. Der Ringtrick von Vitaly entschädigt. Und unterstützt den Denkansatz, dass die Macher sich einen feuchten Kehricht um die Machbarkeit der einzelnen Elemente des Films scheren. Zur Erläuterung: Vitaly ist das Cheftier vom Zirkus und hatte früher mal eine spektakuläre Nummer drauf: Er konnte durch einen Ring springen. Den Ring machte er immer kleiner, bis er nur noch die Größe eines normalen Fingerringes hatte. Durch den Vitaly immer noch hindurch passte. Biologisch gesehen natürlich vollkommener Quatsch, würde höchstens mit einem Tintenfisch funktionieren. Dann geht das eine Weile so weiter, blablabla, Mumien Storyentwicklung, und am Ende landen die Protagonisten dann doch wieder im New Yorker Zoo. Der Moment hat wiederum fast schon etwas Nostalgisches; der Augenblick, in welchem sie wieder ihre ursprünglichen Gehege betreten und man daran ganz nebenbei noch den Fortschritt in der Animationstechnik sehen kann. Waren die Umgebungen im ersten Teil noch eindeutig als animiert zu erkennen, sind sie im dritten Teil quasi auf dem Niveau von Hugo Cabret. Und das war im Grunde ein Realfilm. Und dann … das Finale. Bei dem die Macher noch einmal alles aus ihren Mehrkernprozessoren herausgerendert haben, als ginge es darum, die Eröffnung der Olympischen Spiele zu übertreffen.

Wie ich schon sagte, schierer Fan-Service, der Film.


(jetzt die 22-20s mit Such a Fool oder sonstiges Zeug vom RockNRolla-Soundtrack)

Wie dem auch sei, ich habe derzeit vor, das Geschreibsel, welches ich nebenher betreibe, zu versilbern. Keine Sorge, ich werde diesen Blog nicht monetarisieren und die wenigen Besucher mit Werbung direkt verscheuchen. Stattdessen werde ich zusätzliche Texte verfassen. Es gibt eine amerikanische Website namens cracked.com und die Texte, die darauf veröffentlicht werden, stammen von Nutzern der Seite. Wird ein Text eines Nutzers gepostet, bekommt der Geld dafür. Den ersten Text habe ich bereits in Arbeit, für das entsprechende Programm habe ich mich angemeldet. Wann der Text fertig wird, weiß ich nicht, ich weiß insbesondere nicht, ob der es an die Öffentlichkeit schafft. Sollte er das tun, dann wird das wahrscheinlich im ersten Quartal 2013 der Fall sein. Wenn er es auf cracked.com nicht schafft, kommt er kurzerhand hier hinein.

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