Dieses wird erneut ein verlängertes Wochenende. Ellis wollen
nach Dresden. Diese Gegend habe ich vor wenigen Wochen besonders zu schätzen
gelernt. Ein Begriff war mir diese Stadt natürlich lange vorher und ich war
auch einige Male da und war begeistert vom mehr oder weniger angeschlossenen
Nachbarort Radebeul, aber seit dem letzten Aufenthalt bin ich von diesem Ort
voll und ganz überzeugt. Daher war die Entscheidung, nicht mitzukommen und ein
verlängertes Wochenende zu machen, nicht ganz so leicht wie sonst.
Nichtsdestotrotz war sie notwendig, denn mir fiel auf, dass die letzte große
Anti-ACTA-Demo an diesen Tagen stattfindet. Andere Gründe hineinberechnet, war
dieser Beschluss also absehbar.
Nun war ich bereits die ganze Woche recht müde. Anlass für
die künstliche Schlaflosigkeit war der Beginn von innerhäuslichen
Sanierungsmaßnahmen bei mir zu Hause, von denen ich erst erfuhr, als sie
frühmorgens begannen. Wutentbrannt wäre nicht ganz das treffende Wort, um meine
Reaktion zu beschreiben, aber einen Gegenlärm konnte ich meinen Handlungen dann
doch nicht ausreden. Der Aushang unten im Flur, der sich bis dato meiner
Aufmerksamkeit entzog, wies darauf hin, dass derartige Maßnahmen bis Donnerstag
stattfänden. Als ich wieder an meinen Rechner kam, brauchte ich etwas, um mich
zu beruhigen. Das Mittel der Wahl war längst bekannt, nämlich ein
weitreichendes Minecraft-Update.
Wie ich schon einmal erwähnte, wehrte ich mich lange, meiner
Beta-1.5-Version ein Update zu verpassen. Das lag an diversen ergänzten
Features in Minecraft, mit denen ich mich nicht anfreunden mochte, unter
anderem die Endermen und das hohe Gras, welches mir als Mod in Gronkhs LP
missfiel. Mittlerweile kann ich mich damit anfreunden, und die Option, dass im
nächsten Update Handel betrieben werden kann, wodurch man für wertlosen Schrott
das beste Material im ganzen Spiel bekommt, ließen meinen Mund wässrig werden.
Auch schielte ich auf das Hungersystem, denn in meiner Map stapelt sich das
Essen kistenweit ohne Aussicht auf Verbrauch. Deshalb spiele ich jetzt parallel
zwei Versionen von Minecraft: Einmal die Beta 1.5 und einmal die aktuelle
Version, derzeit Vollversion 1.2.5. Die Zweigleisigkeit erklärt sich durch den
nach wie vor vorhandenen massiven Wollbedarf in meiner Standardmap. Außerdem
habe ich mich an diese Version gewöhnt und will sie weiterspielen können, denn
manche Sachen sind eben immer noch besser. Deshalb erstellte ich mir für die
Vollversion eine neue Map und fing direkt an zu farmen, was das Zeug hält. Nach
wenigen Tagen die Bilanz: Unterschlupf aufgebaut, Erweiterung ist im Bau,
Weizenfeld mehrmals abgeerntet, Kürbisfarm angelegt, drei Karten
vollgeschrieben, unzählige Dschungel und Wüsten inklusive zweier NPC-Dörfer
entdeckt, einen Skelett-Dungeon in eine Monsterfalle transferiert, zweimal in
der unglaublich großen entdeckten Schlucht gewesen und festgestellt, dass
braunwollige Schafe ziemlich weit vom Unterschlupf weg sind.
Während des Gamings wurde mir bekannt, dass der Let’s Player
Sarazar drei Folgen zum Spiel von Germany’s Next Topmodel aufgenommen hat. Da
ich gerade das LP von Battlefield Bad Company 2 bis zum Ende sah und das erste
Drittel der Dead Space 2-Folgen kenne, war das eine absurd komische
Information, so dass ich diese drei Folgen seiner Aufnahmen einfach sehen musste.
Dies tat ich, als ich am Freitag hinüberreiste, um das Wochenende zu
verbringen. Ich wurde nicht enttäuscht. Dieses Let’s Play kriegt von mir den
Preis für den besten Einstieg in eine LP-Folge EVER. Und erst so langsam
beginne ich, die LPs von Sarazar für mich zu entdecken. Als nächstes ist Red
Dead Redemption dran. Zu dumm, dass es keine PC-Portierung gibt.
Die Nacht und der Morgen und der Vormittag waren eher
lästig. Ich konnte nicht gut schlafen und wachte vier-, fünfmal auf. Zweimal
wegen des noch nicht abgeschalteten Weckers (er hat zwei Weckzeiten
einprogrammiert bekommen) und dann noch einmal wegen etwas, was ich hoffentlich
schnell wieder vergesse. Also: An der Tür klingelte es lange. Es war nicht
unser Klingelzeichen, daher dachte ich, es wären unsere innerfamiliären
Nachbarn von unten. Tür auf, es stand keiner da. War also doch eine externe
Person. Hob daher den Hörer von der Gegensprechanlage ab. Es meldete sich
jemand von Fleurop. Er wollte einen Blumenstrauß liefern. Eh? Ich kam mir ein
wenig veräppelt vor, da das so wirkt wie diese Typen, die irgendwo mit einem
Blumenstrauß hingehen, um ihn in Teilen in Geld zu verwandeln. Wenn man sich
mit seiner weiblichen Begleitung nicht vorher geeinigt hat, wie man darauf
reagiert, hat man automatisch verloren. Da ich an Türen keinen Blumenstrauß
kaufe und hier im Moment eh grade keiner außer mir ist, legte ich ablehnend
auf. Dann überlegte ich nochmals rasch: „Hm, morgen steht Moms Geburtstag an.
Könnte es sein, dass …“ Mir kam das sehr merkwürdig vor, denn sie sind ja weg,
und daher ist die Frage nach einem Strauß für zu Hause obsolet. Es klingelte
erneut, und ich fragte nochmal ganz höflich nach, ob ich mich eventuell
getäuscht hätte und tatsächlich eine Bestellung für diese Adresse unter diesem
Namen vorlag. Er bejahte und ich meinte, dass ich runterkäme. Und tatsächlich
war für diese Adresse eine Bestellung auf unseren Namen eingegangen. Ich
brauchte nur den Empfang zu quittieren und entschuldigte mich für meine
unwirsche Reaktion, insbesondere da ich irre müde war. Wer zum Teufel hat die
bestellt? Ellis sind es nicht, denn sie waren ebenso überrascht wie ich, als
ich ihnen diese Nachricht später am Nachmittag mitteilte.
Ja, der Nachmittag. Was war geschehen? Meinem Zeitplan
folgend, hatte ich eineinhalb Stunden Zeit, um zu duschen und Sonntagseinkäufe
zu erledigen. Zwar begann ich das Prozedere, allerdings ließ sich absehen, dass
ich es nicht rechtzeitig schaffen würde. Davon abgesehen gab es folgende
Überlegung: Ich hatte mich auf Rostock als Demonstrationsort gegen Acta
festgelegt, da dieser als nächster auf der Karte eingetragen war. Darauf war
das Wochenende abgestimmt. Erst unmittelbar vorher erfuhr ich, dass in
Greifswald ebenfalls eine Demo über die Bühne geht. Nun wollte ich nicht
dieselbe Zugfahrt dreimal machen, ohne etwas hinzuzugewinnen, daher blieb ich
bei meinem Rostockplan. Allerdings gab es auch die Überlegung, dass die
Stralsunder Protestler sich den Greifswaldern anschließen wollten und
demzufolge keiner für ein Gruppenticket zu finden war. Und alleine wollte ich
da nicht hin, zumal die Besucherzahlen weitaus kleiner prognostiziert waren als
im Februar. Das ist einfach nicht die gleiche Action, und daher langweilig. Das
alles unter einen Hut gebracht, ergab sich, dass ich im Prinzip keine Lust
hatte, hinzugehen. Damit schlief ich wieder ein.
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