Mittwoch, 13. Juni 2012

Sara Tundra


Dieses wird erneut ein verlängertes Wochenende. Ellis wollen nach Dresden. Diese Gegend habe ich vor wenigen Wochen besonders zu schätzen gelernt. Ein Begriff war mir diese Stadt natürlich lange vorher und ich war auch einige Male da und war begeistert vom mehr oder weniger angeschlossenen Nachbarort Radebeul, aber seit dem letzten Aufenthalt bin ich von diesem Ort voll und ganz überzeugt. Daher war die Entscheidung, nicht mitzukommen und ein verlängertes Wochenende zu machen, nicht ganz so leicht wie sonst. Nichtsdestotrotz war sie notwendig, denn mir fiel auf, dass die letzte große Anti-ACTA-Demo an diesen Tagen stattfindet. Andere Gründe hineinberechnet, war dieser Beschluss also absehbar.

Nun war ich bereits die ganze Woche recht müde. Anlass für die künstliche Schlaflosigkeit war der Beginn von innerhäuslichen Sanierungsmaßnahmen bei mir zu Hause, von denen ich erst erfuhr, als sie frühmorgens begannen. Wutentbrannt wäre nicht ganz das treffende Wort, um meine Reaktion zu beschreiben, aber einen Gegenlärm konnte ich meinen Handlungen dann doch nicht ausreden. Der Aushang unten im Flur, der sich bis dato meiner Aufmerksamkeit entzog, wies darauf hin, dass derartige Maßnahmen bis Donnerstag stattfänden. Als ich wieder an meinen Rechner kam, brauchte ich etwas, um mich zu beruhigen. Das Mittel der Wahl war längst bekannt, nämlich ein weitreichendes Minecraft-Update.

Wie ich schon einmal erwähnte, wehrte ich mich lange, meiner Beta-1.5-Version ein Update zu verpassen. Das lag an diversen ergänzten Features in Minecraft, mit denen ich mich nicht anfreunden mochte, unter anderem die Endermen und das hohe Gras, welches mir als Mod in Gronkhs LP missfiel. Mittlerweile kann ich mich damit anfreunden, und die Option, dass im nächsten Update Handel betrieben werden kann, wodurch man für wertlosen Schrott das beste Material im ganzen Spiel bekommt, ließen meinen Mund wässrig werden. Auch schielte ich auf das Hungersystem, denn in meiner Map stapelt sich das Essen kistenweit ohne Aussicht auf Verbrauch. Deshalb spiele ich jetzt parallel zwei Versionen von Minecraft: Einmal die Beta 1.5 und einmal die aktuelle Version, derzeit Vollversion 1.2.5. Die Zweigleisigkeit erklärt sich durch den nach wie vor vorhandenen massiven Wollbedarf in meiner Standardmap. Außerdem habe ich mich an diese Version gewöhnt und will sie weiterspielen können, denn manche Sachen sind eben immer noch besser. Deshalb erstellte ich mir für die Vollversion eine neue Map und fing direkt an zu farmen, was das Zeug hält. Nach wenigen Tagen die Bilanz: Unterschlupf aufgebaut, Erweiterung ist im Bau, Weizenfeld mehrmals abgeerntet, Kürbisfarm angelegt, drei Karten vollgeschrieben, unzählige Dschungel und Wüsten inklusive zweier NPC-Dörfer entdeckt, einen Skelett-Dungeon in eine Monsterfalle transferiert, zweimal in der unglaublich großen entdeckten Schlucht gewesen und festgestellt, dass braunwollige Schafe ziemlich weit vom Unterschlupf weg sind.

Während des Gamings wurde mir bekannt, dass der Let’s Player Sarazar drei Folgen zum Spiel von Germany’s Next Topmodel aufgenommen hat. Da ich gerade das LP von Battlefield Bad Company 2 bis zum Ende sah und das erste Drittel der Dead Space 2-Folgen kenne, war das eine absurd komische Information, so dass ich diese drei Folgen seiner Aufnahmen einfach sehen musste. Dies tat ich, als ich am Freitag hinüberreiste, um das Wochenende zu verbringen. Ich wurde nicht enttäuscht. Dieses Let’s Play kriegt von mir den Preis für den besten Einstieg in eine LP-Folge EVER. Und erst so langsam beginne ich, die LPs von Sarazar für mich zu entdecken. Als nächstes ist Red Dead Redemption dran. Zu dumm, dass es keine PC-Portierung gibt.

Die Nacht und der Morgen und der Vormittag waren eher lästig. Ich konnte nicht gut schlafen und wachte vier-, fünfmal auf. Zweimal wegen des noch nicht abgeschalteten Weckers (er hat zwei Weckzeiten einprogrammiert bekommen) und dann noch einmal wegen etwas, was ich hoffentlich schnell wieder vergesse. Also: An der Tür klingelte es lange. Es war nicht unser Klingelzeichen, daher dachte ich, es wären unsere innerfamiliären Nachbarn von unten. Tür auf, es stand keiner da. War also doch eine externe Person. Hob daher den Hörer von der Gegensprechanlage ab. Es meldete sich jemand von Fleurop. Er wollte einen Blumenstrauß liefern. Eh? Ich kam mir ein wenig veräppelt vor, da das so wirkt wie diese Typen, die irgendwo mit einem Blumenstrauß hingehen, um ihn in Teilen in Geld zu verwandeln. Wenn man sich mit seiner weiblichen Begleitung nicht vorher geeinigt hat, wie man darauf reagiert, hat man automatisch verloren. Da ich an Türen keinen Blumenstrauß kaufe und hier im Moment eh grade keiner außer mir ist, legte ich ablehnend auf. Dann überlegte ich nochmals rasch: „Hm, morgen steht Moms Geburtstag an. Könnte es sein, dass …“ Mir kam das sehr merkwürdig vor, denn sie sind ja weg, und daher ist die Frage nach einem Strauß für zu Hause obsolet. Es klingelte erneut, und ich fragte nochmal ganz höflich nach, ob ich mich eventuell getäuscht hätte und tatsächlich eine Bestellung für diese Adresse unter diesem Namen vorlag. Er bejahte und ich meinte, dass ich runterkäme. Und tatsächlich war für diese Adresse eine Bestellung auf unseren Namen eingegangen. Ich brauchte nur den Empfang zu quittieren und entschuldigte mich für meine unwirsche Reaktion, insbesondere da ich irre müde war. Wer zum Teufel hat die bestellt? Ellis sind es nicht, denn sie waren ebenso überrascht wie ich, als ich ihnen diese Nachricht später am Nachmittag mitteilte.

Ja, der Nachmittag. Was war geschehen? Meinem Zeitplan folgend, hatte ich eineinhalb Stunden Zeit, um zu duschen und Sonntagseinkäufe zu erledigen. Zwar begann ich das Prozedere, allerdings ließ sich absehen, dass ich es nicht rechtzeitig schaffen würde. Davon abgesehen gab es folgende Überlegung: Ich hatte mich auf Rostock als Demonstrationsort gegen Acta festgelegt, da dieser als nächster auf der Karte eingetragen war. Darauf war das Wochenende abgestimmt. Erst unmittelbar vorher erfuhr ich, dass in Greifswald ebenfalls eine Demo über die Bühne geht. Nun wollte ich nicht dieselbe Zugfahrt dreimal machen, ohne etwas hinzuzugewinnen, daher blieb ich bei meinem Rostockplan. Allerdings gab es auch die Überlegung, dass die Stralsunder Protestler sich den Greifswaldern anschließen wollten und demzufolge keiner für ein Gruppenticket zu finden war. Und alleine wollte ich da nicht hin, zumal die Besucherzahlen weitaus kleiner prognostiziert waren als im Februar. Das ist einfach nicht die gleiche Action, und daher langweilig. Das alles unter einen Hut gebracht, ergab sich, dass ich im Prinzip keine Lust hatte, hinzugehen. Damit schlief ich wieder ein.

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