Wieder ein
Wochenende, welches einen Gemischtwarenladen darstellen könnte. Den Ablauf
schildere ich ausnahmsweise nicht. Es war so wie die erste Hälfte von
„Willkommen bei den Sch’tis“. Es war ein sich jährendes Treffen von ehemaligen
Piloten, und die meisten bringen ihre Familie mit. Einer hatte seine Tochter
dabei. Ich glaube, sie ist ein wenig jünger als ich, und leider habe ich ihren
genauen Stand vergessen. Das Abi könnte sie bereits haben oder auch nicht, denn
ich erinnere mich gerade, wie sie über das Ende der Schulferien Anfang August
gesprochen haben. (Ihr Name war Kathi.)
Ein wenig
später, es ist der letzte Tag, die meisten sind bereits weg. Wir mausern noch
kurz im Ort herum und begegnen einem Softeisstand mit einer jungen, süßen
Verkäuferin. Was ich dabei dachte, möchte ich berichten.
Wie der
eine oder andere Leser vielleicht weiß, bin ich ein Absoluter Beginner. Das bringt einen gewissen Zugzwang, diesen Zustand zu
beenden. In Kombination mit meiner Unfähigkeit, das auf eine Art und Weise
bewusst herbeizuführen, bei der eine Panik ausgeschlossen ist, ergeben sich
einige gedankliche Konstrukte. So wird meine erste Beziehung, sollte sie
eintreten, nicht die einzig wahre sein. Dafür fehlt mir das Gespür für das
nötige Verhalten und auch die Menschenkenntnis, um die Richtige (oder besser
gesagt eine Richtige, denn DIE richtige Person gibt es nicht, man ist das eine
unglaublich lange Klammer) zu finden. Diese Beziehung wird also nicht von Dauer
sein. Das heißt nicht, dass ich sie nur auf einen kurzen Zeitraum auslege und
abstimme, aber allzu große Illusionen über die zeitliche Dimension mache ich
mir keine. Daher wird das auch kaum besonders tiefschürfend sein.
Dann gibt
es noch den Punkt, wo anzufangen ist. Das kann natürlich jederzeit eintreten,
aber da wir hier in einer Universitätsstadt sind, wird es da gewisse
demografische saisonale Schübe geben. Das heißt, wenn hier das Wintersemester
anfängt, gibt es recht viele Erstsemesterstudenten und insbesondere viele
Erstsemesterstudentinnen. Kaum eine wird eine eventuelle Beziehung über weite
Distanzen weitertragen, und selbst wenn, ist das ein eher geringer Prozentsatz.
Damit besteht ein zeitlicher Rahmen, bis wann ich mich in Form bringen kann,
falls es bis dahin nicht geklappt hat (was wahrscheinlich ist, wenn auch nicht
sicher).
Unterm
Strich ergibt sich daraus eine mit dem Wort „liberal“ sehr wohlwollend
umschriebene Einstellung zu dem Thema. Eine erste Beziehung werde ich in erster
Linie dazu nutzen, zu lernen, wie man sich dabei überhaupt verhält. Dabei
besteht die Möglichkeit, dass mein Lernaufwand zu groß ist, als dass meine
bessere Hälfte bereit wäre, diesen zu schultern und daher nach mehreren Monaten
bereits Schluss ist. Angesichts meiner absoluten Unerfahrenheit und dem Drang,
diese zu beseitigen, nehme ich dieses Risiko bewusst in Kauf. So von wegen Spaß
haben und nach mir die Sintflut oder so. Nachdem ich die Softeisverkäuferin
gesehen habe, stellte ich mir das konkret vor. Was wäre, wenn das so jemand
wäre wie sie? Könnte ich es mir erlauben, so jemanden zu brechen? Bin ich in
der Lage, diese eben doch nicht ganz so kleine Verantwortung zu übernehmen und
eine nicht so schöne Situation vor mir selbst zu rechtfertigen, ohne mir nicht
mehr aus der Welt zu schaffende Vorwürfe zu machen? Es ist diese Frage, ob man
gut genug für andere ist. Normalerweise hört man(n) diesen Spruch überhaupt
nicht gerne, wenn die Freundin mit einem Schluss macht, weil sie ihrer Meinung
nach nicht gut genug für einen selbst ist (weil da in den meisten Fällen
andere, viel verletzendere Gründe dahinterstehen). Aber hier ist es das
Problem, ob man selbst gut genug für Andere ist. Die Anderen werden das
natürlich immer bejahen, weil sie Trost spenden wollen und die negativen
Eigenschaften, die jeder mit sich herumträgt, in dem Moment nicht sehen. Nur
man selbst kann sie mit einbeziehen und sich so ein Gesamtbild machen.
Und ich bin
mir im Moment wirklich nicht sicher, ob ich so ein unschuldiges Ding so
belasten könnte.
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