Dienstag, 19. Juni 2012

Der verkaterte Stiefel


Wieder ein Wochenende, welches einen Gemischtwarenladen darstellen könnte. Den Ablauf schildere ich ausnahmsweise nicht. Es war so wie die erste Hälfte von „Willkommen bei den Sch’tis“. Es war ein sich jährendes Treffen von ehemaligen Piloten, und die meisten bringen ihre Familie mit. Einer hatte seine Tochter dabei. Ich glaube, sie ist ein wenig jünger als ich, und leider habe ich ihren genauen Stand vergessen. Das Abi könnte sie bereits haben oder auch nicht, denn ich erinnere mich gerade, wie sie über das Ende der Schulferien Anfang August gesprochen haben. (Ihr Name war Kathi.)
Ein wenig später, es ist der letzte Tag, die meisten sind bereits weg. Wir mausern noch kurz im Ort herum und begegnen einem Softeisstand mit einer jungen, süßen Verkäuferin. Was ich dabei dachte, möchte ich berichten.

Wie der eine oder andere Leser vielleicht weiß, bin ich ein Absoluter Beginner. Das bringt einen gewissen Zugzwang, diesen Zustand zu beenden. In Kombination mit meiner Unfähigkeit, das auf eine Art und Weise bewusst herbeizuführen, bei der eine Panik ausgeschlossen ist, ergeben sich einige gedankliche Konstrukte. So wird meine erste Beziehung, sollte sie eintreten, nicht die einzig wahre sein. Dafür fehlt mir das Gespür für das nötige Verhalten und auch die Menschenkenntnis, um die Richtige (oder besser gesagt eine Richtige, denn DIE richtige Person gibt es nicht, man ist das eine unglaublich lange Klammer) zu finden. Diese Beziehung wird also nicht von Dauer sein. Das heißt nicht, dass ich sie nur auf einen kurzen Zeitraum auslege und abstimme, aber allzu große Illusionen über die zeitliche Dimension mache ich mir keine. Daher wird das auch kaum besonders tiefschürfend sein.
Dann gibt es noch den Punkt, wo anzufangen ist. Das kann natürlich jederzeit eintreten, aber da wir hier in einer Universitätsstadt sind, wird es da gewisse demografische saisonale Schübe geben. Das heißt, wenn hier das Wintersemester anfängt, gibt es recht viele Erstsemesterstudenten und insbesondere viele Erstsemesterstudentinnen. Kaum eine wird eine eventuelle Beziehung über weite Distanzen weitertragen, und selbst wenn, ist das ein eher geringer Prozentsatz. Damit besteht ein zeitlicher Rahmen, bis wann ich mich in Form bringen kann, falls es bis dahin nicht geklappt hat (was wahrscheinlich ist, wenn auch nicht sicher).

Unterm Strich ergibt sich daraus eine mit dem Wort „liberal“ sehr wohlwollend umschriebene Einstellung zu dem Thema. Eine erste Beziehung werde ich in erster Linie dazu nutzen, zu lernen, wie man sich dabei überhaupt verhält. Dabei besteht die Möglichkeit, dass mein Lernaufwand zu groß ist, als dass meine bessere Hälfte bereit wäre, diesen zu schultern und daher nach mehreren Monaten bereits Schluss ist. Angesichts meiner absoluten Unerfahrenheit und dem Drang, diese zu beseitigen, nehme ich dieses Risiko bewusst in Kauf. So von wegen Spaß haben und nach mir die Sintflut oder so. Nachdem ich die Softeisverkäuferin gesehen habe, stellte ich mir das konkret vor. Was wäre, wenn das so jemand wäre wie sie? Könnte ich es mir erlauben, so jemanden zu brechen? Bin ich in der Lage, diese eben doch nicht ganz so kleine Verantwortung zu übernehmen und eine nicht so schöne Situation vor mir selbst zu rechtfertigen, ohne mir nicht mehr aus der Welt zu schaffende Vorwürfe zu machen? Es ist diese Frage, ob man gut genug für andere ist. Normalerweise hört man(n) diesen Spruch überhaupt nicht gerne, wenn die Freundin mit einem Schluss macht, weil sie ihrer Meinung nach nicht gut genug für einen selbst ist (weil da in den meisten Fällen andere, viel verletzendere Gründe dahinterstehen). Aber hier ist es das Problem, ob man selbst gut genug für Andere ist. Die Anderen werden das natürlich immer bejahen, weil sie Trost spenden wollen und die negativen Eigenschaften, die jeder mit sich herumträgt, in dem Moment nicht sehen. Nur man selbst kann sie mit einbeziehen und sich so ein Gesamtbild machen.

Und ich bin mir im Moment wirklich nicht sicher, ob ich so ein unschuldiges Ding so belasten könnte.

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