(Spoilerwarnung)
Wo wir gerade von New York Taxis sprachen (ihr erinnert
euch, die heben sich wegen ihrer Farbe besonders gut vom Stadtbild ab), können
wir gleich bei etwas Anderem bleiben, was in New York beheimatet ist. Am
24.5.2012 ist Kinostart (gewesen) von der Fortsetzung einer Filmreihe, auf die
ich im Prinzip seit fünf Jahren wartete. Die Rede ist von
MEN IN BLACK 3
Jepp, das Agentenduo J und K ist wieder am Start. Zehn Jahre
sind vergangen seit dem letzten Auftritt, und es geht wieder um den Fortbestand
der menschlichen Zivilisation. Da es im Prinzip eine Comicverfilmung ist und
wir bereits zwei Filme tief verinnerlicht haben, müssen am Anfang die Running
Gags geklärt werden.
Zed: Tritt nicht auf. Im Film wird er für tot erklärt. Der
Schauspieler Rip Torn ist zwar mit seinen 81 Lenzen immer noch am Leben, kann
aber gerade nicht. Er sitzt derzeit im Knast. Der Hintergrund: Er ist besoffen
in eine Bank eingebrochen, weil er die Bank mit seinem Zuhause verwechselt hat.
Hausfriedensbruch, wohlgemerkt, und nicht Diebstahl, denn er wollte nichts
klauen und hat das auch nicht gemacht, denn man kann sich ja nicht selbst
beklauen.
Frank der Mops: Tritt ebenfalls nicht persönlich in
Erscheinung. Man sieht von ihm kurz ein Bild in der Wohnung von J (dazu später
noch mehr). Nun ja: Frank trat bereits im ersten Film auf, war zu dem Zeitpunkt
ein trainierter Filmhund, das ist jetzt fünfzehn Jahre her … Ihn gibt es wohl
auch nicht mehr.
Der Wagen: Im ersten Film fahren sie einen „alten
vergammelten Ford GTC 08/15“ (also einen Ford Ltd Crown Victoria), im zweiten
einen brandneuen Mercedes-Benz E 500, im dritten kehren sie zu Ford zurück. Ein
Ford Taurus macht den Job. Und ein Ford Galaxie 500, denn der Film spielt
größtenteils in der Vergangenheit.
Der. Rote. Knopf. In der Vergangenheit gibt es keine roten
Knöpfe. Die Einsatzautos sind nur marginal besser als die Serienwagen und
werden gar nicht mal so lange eingesetzt. Die Zukunftsautos sind zu selten zu
sehen als dass dieses Gimmick dort seinen Einsatz finden würde. Stattdessen wird auf überdimensionale Jetpacks zurückgegriffen.
Der Neuralisator: Die Rückseite der modernen Version scheint
durch ein Touchpad ersetzt worden zu sein. Die Vergangenheitsversion wird am
Gürtel geführt, weil dort die Batterie angeklemmt ist. Die gründliche
Hauptzentralenvariante ist ein archaisches Gerät, welches direkt aus Bioshock
stammen könnte.
Die Knarren: Evolution wie gehabt. Große, verchromte Wummen
mit türkisfarbenem Material innen drin. Die Faustfeuerwaffen scheinen
revolverbasiert zu sein. Dies ist durchaus sinnvoll, da J in der Vergangenheit
vom jungen K zunächst einen normalen Smith & Wesson-Revolver erhält.
Verstärkter Einsatz wird von Intermediate-Waffen gemacht, in etwa die Größe
einer Beretta CX-4.
Wie fand ich den Film? Sehr gemischt. Einiges war nicht so
besonders, anderes wiederum genial. Der Film braucht eine Weile um in Schwung
zu kommen. Das geht größtenteils auf das Konto der ersten Szene, in der der
Villain namens Boris die Klinge ähm, die Bestie vorgestellt wird und wie er aus
dem Knast ausbricht. Dass seine Komplizin von Nicole Scherzinger gespielt wird,
merkt man ihr nicht an. Sie sieht … trashig aus. Und der Villain an sich …
naja. Verlieren wir besser kein Wort darüber. Zumal es gang und gäbe ist, den
in dieser Art von Film nicht weiter auszupersonifizieren. Allerdings hatten die
ersten beiden Filme in dieser Hinsicht definitiv mehr zu bieten, insbesondere
was die Schabe im Edgarkostüm anbelangt. Eine gute Szene hatte er aber: Er
fährt mit dem Motorrad beim Riesenrad vor, neben ihm sitzen zwei Hippies (ich
hätte fast Zombies geschrieben, was nun wirklich nicht mit Hippies
zusammenhängt, obgleich das eine interessante Modifikation für das Genre wäre,
könnte aber knapp werden, denn es langte gerade für eine Folge bei South Park),
und sie sagen zu ihm „Make Love not War“ und er erwidert: „Ich bevorzuge
BEIDES.“ Die zwei lachen und er lacht seeeeehr aufgesetzt zurück. Brüller.
Nicht nur an diesem Beispiel merkt man, dass in der
Vergangenheit Fahrt aufgenommen wird. Knackige Oneliner hört man bereits vorher,
aber erst wenn Josh Brolin in der Rolle des jungen K auftaucht, hat man das
Gefühl, dass der Film Hand und Fuß hat. Brolin übernimmt die Rolle von Tommy
Lee Jones exzellent, so dass es sehr glaubhaft wirkt und man denkt: Ja, das ist
der junge K. Brolin sieht übrigens jünger aus als jemals zuvor. Die angegebenen
29 Jahre halte ich optisch zwar für leicht optimistisch, aber nur leicht.
Anfang, Mitte 30 hätte ich bei dem Aussehen gesagt (er ist mittlerweile 44). Am
allergeilsten aber war die Szene nach der Bowlingbahn, als sie in DIE Fabrik
fahren. Oben findet ein Happening unter der Leitung von Andy Warhol statt (der
natürlich ein getarnter Insider ist) und als K die Treppe hochgeht, erkannte
ich schon an den ersten paar Takten das Lied: Status Quo - Pictures of Matchstick
Men und kurz danach Cream - Strange Brew. EPISCH! Kurz darauf machen wir
Bekanntschaft mit dem Sidekick der zwei: Vom Aussehen wie Elijah Wood im
Pennerkostüm mit der Fähigkeit in die Zukunft zu sehen. Da die Zukunft von
mehreren Faktoren abhängt, die noch offen sind, sieht er jeweils mehrere
Versionen, die er auch ausführlich beschreibt und alle möglichen Szenarien
abdecken kann.
Apropos Elijah Wood: Er ist es nicht. Ein ähnlicher Fehler
unterlief mir bei der neuen Chefin der Men in Black. Da Z ja im Film gestorben
ist, tritt jemand seine Nachfolge an, und diese Person war auch in der
Vergangenheit bereits bei den Men in Black. Als Tippse. Ich dachte, dass das
Reese Witherspoon wäre, ist sie aber nicht. In dem Fall hätte Sigourney Weaver
die Rolle von O (so heißt sie) spielen müssen. Wäre gar nicht mal so abwegig,
denn wenn jemand Erfahrungen hat mit einem Alien (oder auch vier plus Paul),
dann Sigourney Weaver. Warum hätten es die beiden sein müssen? Weil sie sich
recht ähnlich sehen. Es fällt mir nicht schwer zu glauben, dass Reese
Witherspoon einst aussehen wird wie Sigourney Weaver jetzt. Aber zurück zum
Thema.
Man sieht erstmals die Wohnungen von J und K (in der realen
Zeit). Darüber erhielt man bislang keine Information. Der Sitz von K ist eine Wohnung
im Bücherregal-Kamin-Ledersessel-Whisky-Zigarren-Stil. Hinter dem Bücherregal
ein Arsenal wie man es aus dieser Szene aus MiB 2 kennt. J befindet sich in
einer moderner eingerichteten Wohnung (mit einem Bild von Frank über dem Bett)
und zockt an der Konsole. Den Credits zu Folge wahrscheinlich Mass Effect 3.
Beide wissen über den Aufenthaltsort des anderen Bescheid, denn J sieht am
Morgen nach ihrem Telefonat bei Ks Wohnung vorbei und findet dort eine normale
Familie mit jungen Kindern vor (da in der Nacht die Vergangenheit geändert
wurde und K dadurch bereits seit 40 Jahren tot ist, weshalb es überhaupt in die
Vergangenheit geht). Das war ulkig, denn J hat durch dieses Paradoxon den
plötzlichen Bedarf nach Schokomilch und trinkt kurzerhand die des kleinen
Kindes an der Tür aus (Mama, der Präsident trinkt meine Schokomilch).
Eine subjektive Sache möchte ich noch erwähnen, und zwar mal
wieder einen Traum. Der ist schon äußerst lange her und betraf ein Szenario,
welches ich mir in dem Traum für MiB 3 vorstellte. Und zwar bemerkt J dort in
einem Moment, dass er weit oben auf einem Wolkenkratzer steht, und der Zoom
geht raus, von J auf die Totale der obersten Etagen. Im Prinzip kam das auch im
Film vor. Die Unterschiede: Im Film war das tagsüber, es war nicht ganz die
absolute Spitze des Wolkenkratzers, von der J ohne Hilfe nicht mehr
herunterkam, und es war von J beabsichtigt, da hoch zu kommen. Gewissermaßen.
(Info: Er ist da oben, um runterzufallen.)
Zum Abschluss bleibt zu sagen, dass sich das Gute mit dem
nicht Guten im Film so die Waage hält. Man kann sich den Film um der guten
Momente willen gerne ansehen, aber würde er nicht den bekannten Namen tragen,
wäre er wohl dem allgemeinen Vergessen geweiht.
Erst mal den entsprechenden Artikel von Sir Donnerbold
lesen.
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