Sonntag, 29. April 2012

Die Elite


Du willst also aus dem Nichts heraus die große Nummer machen. Auf die klassische Tour: Das ist nicht so, als würdest du Fleisch kaufen. Wenn du es so versuchst, musst du das Vieh eigenhändig erlegen, auseinandernehmen und daraus die Wurst machen, ehe du sie kaufen kannst. Kannst du das? Nein. Das wird so nichts. Du musst im Hintergrund agieren. Versuche, dich bei ihnen einzuschleusen, oder besser gesagt, gib es vor. Bringe alles vor, was du hast, und bringe sie dazu, sich die Köpfe heißzureden, wie Woody Allens Schriftsteller am Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie dürfen dich nicht mehr auf dem Radar haben. Wenn sie nur noch mit sich selbst beschäftigt sind, kannst du inzwischen die Ballkönigin vögeln. Wenn sie damit einverstanden ist, das auch später gerne nochmal zu machen, nimm die mittlerweile total überhitzten Schnattergänse aus, bis ihnen schwarz vor Augen wird, aber nimm dich in Acht, dass du dabei nicht erwischt wirst! Und während sie immer noch auf dem sinkenden Schiff sitzen, nimmst du die fette Marie und die gutaussehende Marie mit nach Hause und kannst den ganzen Tag grillen, saufen, saufen und … saufen. Und irgendwo muss The Big Gundown von Ennio Morricone laufen. Das als Film wird einfach EPISCH!
Ach ja, und tritt weg vom Business, bevor dich die junge Generation überrollt. Das wird sie früher oder später tun, es ist eine Gewissheit. Deshalb startet diese Aktion bloß nicht in Frankreich oder so, denn ihr werdet weg müssen. Auch wenn ihr die Etage ausgeschaltet habt, Gewissheit ist nie gegeben. Habt eine gute Rente von dem, was euch der Plan einbrachte.


Making of.


Wer hätte es gedacht: Dieser Text basiert auf einem Traum, den ich in der letzten Nacht hatte. Möglicherweise knüpft er an an diesen anderen Traum, mit dem highfive am Ende. Woran ich mich erinnere: Es waren mehrere Boote in der Nähe einer Brücke festgemacht. Mitten im Wasser. Anker oder so was. Ein paar waren dabei zu kentern. Eines gehörte Opa. (Grundlage: Mein Großonkel hat ein Boot.) Es war irgendwie größer, als ich es mir vorstellte. Ein Motorboot, zweifellos, und auch nicht das, was ich unter einer Yacht verstehe, aber dennoch weitaus größer. Wir bewegen uns auf dem Wasser daran vorbei (es gleicht eher einer Kamerafahrt) und ich versuche Opchen von der Kentertatsache in Kenntnis zu setzen. Irgendwann glaubt er mir das auch und sieht herüber zum Boot. Aus irgendeinem Grund wiederholt sich das Kentern mehrmals, wie wenn man es aus verschiedenen Kamerawinkeln aufnimmt. Wir bewegen uns auf das Boot zu, wir sind auf dem Boot, welches ungekentert ist und völlig intakt (und abermals an Größe zunahm, so dass es mittlerweile Schiffsausmaße hat), und es sind viele Leute anwesend. Unter anderem eine sehr gut aussehende Frau. Aus einem Grund, den ich nicht mehr kenne (vielleicht gab es nie einen) ist sie splitterrauhfasernackt. Nun kann ich einen Teil meiner Aufmerksamkeit umlenken und so das Gespräch mit meinem Verkäufer (hab ich gerade wirklich Verkäufer geschrieben, ich meine natürlich Begleiter) weiterführen, aber irgendwann verabschiede ich mich unter einem Vorwand. Ich weiß noch, was das für ein Vorwand war: Ich mach mich mal auf die Suche nach der Bordbibliothek, Wohlwissend, dass es an Bord kein einziges Buch gibt und dass mein Begleiter das auch weiß, denn ihm gehört der Kahn ja. Daher weiß er genau, was ich eigentlich suche, und meint dann zu mir sinngemäß, dass es nicht so wäre, dass ich einfach in eine Fleischerei gehe und mir dort was kaufe. Ich müsste zusätzlich die Aufgaben vom Schlachter über den Metzger bis hin zum Fleischverkäufer übernehmen, und wir wissen beide, dass ich das nicht kann. Damit spielt er auf ein Defizit an, auf das ich nachher noch eingehen werde. Offenbar gibt es eine Elitteetage und sie ist ein Mitglied von dieser. Wenn es also an sie ein Herankommen geben soll, muss ich irgendwie in diese Elite hineinkommen. Dabei darf ich mich gleichzeitig nicht von ihrer Schönheit blenden lassen und alles aus den Augen verlieren. Im Prinzip will ich nicht getreten werden wie ein Hund.

Szenenwechsel. Das Schiff ist abermals größer, meiner Meinung nach Ausmaße der Olympic-Klasse. Da man mittlerweile weiß, was den Schiffen dieser Bauart zustieß, sind die Rettungsmöglichkeiten stark verbessert, wobei gleichzeitig die Trennung zwischen den ersten beiden Klassen und der dritten noch stärker manifestiert ist. Und selbst wenn man zweite Klasse ist, ist es immer noch verdammt schwer, sich in die erste reinzumogeln. Von der Elite will ich gar nicht reden.
Es gibt so ein Treppenhaus, welches offenbar einige Betriebsebenen verbindet. Die Küche und so was. Denn wir befinden uns in der Nähe der Speisesäle. Für die Drittklässler. Vielleicht kommt man ja in einem unbeobachteten Moment durch die Küche in die höheren Klassen, natürlich nicht ohne sich vorher ein wenig feinzumachen. Mit einem Mantel, den man gegebenenfalls abwerfen kann, so dass man auch bei den Dritten nicht schief angekuckt wird. Aber vergebens: Der Durchgang in die Küche ist nicht passierbar. Stattdessen erscheint auf der unteren Ebene eine Art geschlossener Schalterverkauf, durch den es nicht weitergeht. Es geht wohl um eine Ausstellung, vielleicht eine über Chaplin. Auf jeden Fall kenne ich das aus Hamburg. Es muss also wieder nach oben gehen, hier unten geht es nicht. (Ein paar werden aufgesammelt und gehen durch ein viel zu kleines Fenster. DA passt doch keiner durch! Wo geht es eigentlich dahinter hin?) Bin wieder oben. Mir fällt was ein: Ich passiere kurzerhand den vorher als unpassierbar geltenden und seltsam engen Speisesaal, der eher wie eine Kneipe mit vielen Winkeln wirkt. Schlussendlich bin ich bei der Elite angekommen, die sich als nicht ganz so glamourös herausstellt, wie ich das vermutete. Ich bin nun ein Teil von ihnen, aber jetzt greift das Fleischerargument: Ich hab nicht ausreichend drauf, als dass ich diesen Teil kurz gestalten könnte. Stattdessen muss ich mich durch ein unbeherrschbares Segment durchkämpfen (ihr wisst schon, die Aufgaben von Schlachter bis Verkäufer). Daher habe ich einen Plan: Ich bin aus den niederen Klassen sowieso raus. Ich komme also auf jeden Fall wieder in die erste zurück. Also mache ich irgendeinen Scheiss, der dazu führt, dass ich mich verpissen müsste und kreuze später in einem Glanz und einer Verkleidung auf, die die anderen nicht erkennen lässt, wer ich bin (der mit der Blamage) und alle anderen überragt. Während meiner Abwesenheit sorge ich dafür, dass aus der Elite keiner dem anderen über den Weg traut, sich in kleine Zirkel gespalten wird (also immer kleinere Tische mit jeweils zwei Mann, die Gedankenaustausch betreiben), bis es nur noch Einzeltische gibt, wo allgemeines Misstrauen herrscht oder wieder zu einem großen Tisch zusammengefunden wird, an dem die Hölle los ist. Dann komme ich wieder zurück und schnappe mir die Beute, also als erstes die Splitterfasermarie. Sie zu bekommen sollte mit dem nun neu hinzugewonnenen Selbstbewusstsein, der Verkleidung und dem Getobe, was in der Elite nun los ist, ein Leichtes sein. Und wenn wir zusammen sind, ich sie also von der Elite entkoppelt habe, übernehmen wir die Führung von der Elite, die mittlerweile völlig handlungsunfähig geworden ist und machen einen Abgang.

Und nun zu dem Fleischereifachverkäufer, den ich schilderte. Es kam ja dieser Vergleich auf, von wegen dass das Herankommen an diese Frau nicht so einfach ist, wie sich beim Fleischer was zu kaufen, sondern so einfach, wie das verdammte Fleisch vorher noch ausgehend vom Lebewesen selbst herzustellen. Ohne die erforderlichen Kenntnisse. Schaffe ich also nicht. Die Grundlage ist die, dass das in der Realität durchaus stimmt. Ich kann nicht einfach ein Gespräch starten und eine Stunde später ist der Kontakt geknüpft. Das klappt nie. Bei den meisten klappt das manchmal, bei mir nie. Wenn jemand sagt, ich solle mehr aus mir herauskommen, sollte ich fragen: Und was soll ich sagen? Gesprächsführung war nie mein Ding. Die Idee, das Ansprechen zu übernehmen und ein Gespräch anzurudern, ist nach aktuellem Stand zum Scheitern verurteilt. Einen anderen Beitrag lieferte eine Überlegung in Bezug auf meine Erwartungshaltung an eine Beziehung. Das Risiko liegt immer darin, dass diese zu überzogen ist, aber da steckt noch kein Wieso drin. In diesem Fall ist das Wieso dasjenige, dass ich bereits, sollte sich eine Beziehung anbahnen, sehr viel Energie in das Zustandekommen gesteckt habe. Im Prinzip das Produzieren von Fleisch aus dem Schwein heraus. Also dieser Weg, der vom Schlächter zum Verkäufer geht. Hat man den Weg hinter sich, ohne das entsprechende Werkzeug dazu, ist man nicht nur total knülle, sondern erwartet zugleich, dass sich der ganze Scheissaufwand auch gelohnt hat. Man erwartet also, dass das Fleisch, welches man produziert hat, außerordentlich gut schmeckt.

Wird es aber nicht.

Es ist ein normales Schwein, es wird bestenfalls komplett normal sein. Eher sogar leicht unterdurchschnittlich, da dieser Aufwand, den man betrieben hat, ohne die richtigen Werkzeuge durchgemacht wird, und diese sind nötig, um eine durchschnittliche Leistung hinzulegen.
Wenn einem also das widerfährt, was für andere normal ist, obwohl man sich dabei irre ins Zeug gelegt hat, wird das frustrierend. Als nächstes stünde die Frage an, ob man ausreichend Kraft hat, die Zähne zusammenzubeißen.


Mit Woody Allens Schriftstellern waren im Übrigen die verschiedenen historischen Persönlichkeiten gemeint, die in Midnight in Paris auftraten.

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