Aber das Festival hört erst auf, wenn der 30.7. vorbei ist. Außerdem hab ich von Rundohr noch keine Gitarrenaufnahme. Ich will Wonderwall. Und ich schulde noch wem drei Euro für das Skizzenbuch. Gehe dann also bei leichtem Nieselregen los. Überlege, noch ein Ina Müller-Album mitzunehmen. Denn wenn ich nicht mehr auf Ida treffe, kann ich sie nicht mehr porträtieren, also zeichne ich dann Ina Müller und schreib Ida daneben. (lach) Das würde funktionieren, da die beiden (meiner Meinung nach) den einen oder anderen Gesichtszug teilen, und durch unabsichtliche Verfremdung, was ein Euphemismus für Falschzeichnen ist, würde dann ein Ida-Porträt dabei herauskommen. (Mir fällt gerade ein, dass mir das beste Ida-Porträt, so leid es mir tut, fast vollständig improvisiert gelang.) Bin also unterwegs, und überraschenderweise ist nicht nur gar keiner im Speicher, sondern das Haupttor ist verschlossen. Hm. Beim Hostel wäre der nächste Anlaufpunkt. Dauert wieder so eine Weile, eh ich da ankomme. Die Tür ist nicht auf. Jetzt kommt wieder meine Affinität ins Spiel: In Gebäude reinkommen, ohne dabei Werkzeug oder Klingel zu benutzen. Will die Gartentür durchqueren, rechne damit, dass sie zu ist, mache mich für eine Kletterpartie bereit. Hingegen, die Tür war nicht verschlossen. Praktisch.
Der Seiteneingang hängt direkt an der Rezeption, fällt also aus. Im Hinterhof stehen noch ein paar Zelte, es sind also noch nicht alle weg. Da ist eine Treppe. Die führt zum Keller. Die geh ich jetzt runter. Hier ist so eine Art Rundgang um das Haus herum. Als ich an der Vorderseite bin, kommen zwei Hostel-Mitarbeiter raus. Ich frage, ob noch ein paar Festival-Leute da sind. Antwort: Es sind so ziemlich alle bereits weg. Nur Salom und Baggage ist noch nicht abgereist (die Zelte), aber sie ist gerade nicht da. Rundohr ist vor ein paar Minuten gegangen. Die anderen Sonnenmacher sind verstreut und ruhen sich aus.
Was also tun? Hm. Die Aufnahme muss bis nächstes Jahr warten, denn für die beiden aktuellen Sampler sind die Konzepte und Playlists verplant, und an den beiden sitze ich noch eine Weile. Damit ist es kein Problem, wenn ich die Aufnahmen erst zum sechsten Sampler habe. (Anm. d. Verf.: Wie im Februar bereits zu sehen war, ist das Projekt mehr oder minder abgebrochen und beendet worden, für die Aufnahme an sich gibt es also keine unmittelbare Verwendung mehr.) Aber das Geld muss ich loswerden. Nur wo? Beim Rückweg versinke ich mit dem Fuß plötzlich im nassen Sand, so Schwupps! Wenig später finde ich eine Stockanordnung, die durchaus als Symbol durchgehen könnte. Vielleicht verwende ich es als Artwork. Der Speicher ist immer noch zu. Hm. Gehe daher zu Anna. Den Weg kenne ich ja mittlerweile. Bin also angekommen. Kurz nachdem der Regen anfing. Setze mich zunächst in die Durchfahrt und runter mit den Keksen, die ich mir einpackte. Anscheinend findet in dem Haus ein Umzug statt. Die Tür ist auf. Gehe in den Aufgang, stehe vor Annas Tür. Und wieder Klingelphobie. Klingel dann aber doch. Keine Reaktion. Nanü. Warte zwei Minuten, nichts. Gehe daher wieder raus und suche nach ihrem Fenster. Verschlossen. Dann eben die Briefkastennummer. Reiße aus meinem Buch einen Zettel heraus, schreibe drauf, dass von dem Fünfer drei Euro für das noch nicht vollständig bezahlte Skizzenbuch sind und deklariere den Rest als Spende (hatte es nicht passend und wollte nicht so einen Affentanz wegen zwei Euro machen). Job done. Gehe dann nach Hause, als der Regen etwas nachlässt. Fängt aber zwischenzeitlich wieder an, stelle mich also noch bei irgendeinem Hauseingang unter.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen