Tagwechsel. Hab meinen Zug nur durch Jogging-Einlagen erreicht. Bin in Stralsund, hol mir erst mal was zu Beißen. Hatte wohl noch kein Frühstück. Bin beim Speicher, wie gesagt, Mike ist schon da (damit wisst ihr, wann ich die Gegenwarts-Einblendung in einem vorherigen Teil schrieb), Rundohr ist ebenfalls da, aber sonst keiner. Sind noch alle im Hostel, weil offenbar keiner auf den Plan gekuckt hat. Und weil sie von den letzten Tagen durch den Regen einen Hostelstart gewohnt sind. Rundohr geht die jetzt abholen. Ich zeige noch wem, wo der nächste Bäcker ist. Musste dabei erst überlegen, welcher der nächstgelegene ist, weil es in unmittelbarer Umgebung mehrere gibt. Entscheide mich, denjenigen mit dem einfachsten Weg in die Innenstadt zu zeigen. Wir unterhalten uns, und sie hat den Eindruck, als wäre Stralsund ein bisschen ruhig. Nicht so wie Berlin … Ja gut, gegen Berlin können wir nicht anstinken. Und wenn man selbst Berlin ein bisschen l4me findet, würde es mich wundern, wenn man in Stralsund zum Entdecker wird.
Wir gehen dabei in Richtung Laden von Mamutschka. Hätte dabei also auch gleich meine Tasche im Laden abstellen können. Erst als ich dazu nochmal losgehe und die inzwischen ankommenden Participants davon überzeugen muss, dass ich nicht in die falsche Richtung laufe und dann am Laden angekommen bin, merke ich, dass heute Sonntag ist. Ey? Muss die Tasche also wieder zurücktragen, die Anderen sind inzwischen alle da.
Diesmal Ansage im Speicherseminarraum, da wo letztes Jahr der Buchstaben-Workshop mit Judith und Elena war. Und zwar unter der Auflage: Ohne Schuhe. Ich weiß immer noch nicht, warum gerade schuhlos. Ansage für heute: Durchaus als Vorlage zum dritten Teil der Blut-und-Eiscreme-Trilogie von Simon Pegg, Edgar Wright und Nick Frost zu verstehen. Es geht um ein Wimmelbild. Viele Figuren, die im ausgehenden Mittelalter gegeneinander kämpfen. Dazu sollen diverse Vorlagen eingefangen werden. Da trifft es sich, dass heute der Wallenstein-Umzug über die Bühne geht.
Paar Leute gehen zusammen zum Markt. Schon dort kann man mit der Motivsammelei anfangen, denn es gibt einige Verkaufsstände, manche machen einen auf Schmied und haben ein paar Schwerter ausgestellt. Gleich rein ins Buch damit. Verliere die Anderen schnell aus den Augen. Von dort aus zum Hansa-Gymnasium, wo der Umzug startet. Gute Positionen, viele Skizzen. Die Leute bleiben ab und zu stehen, und mehr als die paar Striche brauche ich mittlerweile nicht mehr. Klappt sogar im Vorbeigehen. Elli und Tom gehen an mir vorbei. Hab die beiden auch lange nicht mehr gesehen.
Nachdem alles dende ist, gehen wir (Mike und ich) weiter zu den Ständen, die um das Gymnasium herumstehen, um dort was zu finden. Und wir fanden. Eine Kanone, ein Support-Zelt, eine Waffenbank und einen Schädel. Den ich, meiner Meinung nach, ziemlich gut hingekriegt habe. Da ich mit Mike vor dem Schill-Denkmal stand, verpasste ich ihm kurzerhand eine Pistole. Da ich den entsprechenden Tag letztes Jahr nicht niederschrieb, versteht mittlerweile keiner, was daran so toll sein soll. Und dabei sollten wir es belassen.
Als der Umzug wieder eintrifft, sehe ich dann Heike und Norman. Sie sind weit vorne im Zug. Und es wird langsam kalt. Mike meint, es sei zu kalt. Meine Reaktion: Wenigstens regnet es nicht. Hm. Wetten, dass es in fünf Minuten regnet? Was soll ich sagen, nach fünf Minuten kamen die ersten Tropfen. Mir wurde es auch zu kalt, bin deswegen zurück zum Speicher. Hab geplant, von dort nach Hause zu gehen, kriege dann aber den Anruf rein, dass meine Eltern sowieso gerade dabei sind, loszufahren. Daher bringen sie die Hose und nehmen die Sachen mit. Ich geh zum Backfactory, Hunger. Wenig später treffen die ersten ein, die ihren Beitrag zum Bild geben. Es ist fortgeschrittener, aber noch nicht ernsthaft im Bestehen gefährdeter Nachmittag.
Seitdem sitze ich hier. Das ist jetzt zweieinhalb Stunden her. Strange_Core hat den Läppi mitgebracht und Radio angemacht. Es klingt wie ein englischsprachiger Sender. Und ich hatte eine kurze Kooperation. Was die immer noch auf der To do-Liste stehenden Hot to’s angeht. Die Radiomucke im 50er-Stil inspiriert mich zu „How to describe Fallout“ und beziehe mich dabei auf die Computerspiel-Reihe, bei der Ron Perlman (Hellboy, Die Stadt der verlorenen Kinder) als Erzähler wirkt. Aber ansonsten schleppt es sich gerade. Im Raum sehe ich jetzt 26 Personen, die aber wegen ihrer Verstreutheit eher wie ein Dutzend aussehen. Ich überlege, ob ich schon gehe und erst in 3,5 Stunden wieder aufkreuze. Mache das dann auch, da ich im Gegensatz zu vielen Anderen zum Thema Mittelalter-Splatter irgendwie keinen Drive habe (ich mag allgemein kein Splatter, deshalb schaue ich auch keine Nachrichten). Aber wann ist eigentlich scannen?
Soo, wir haben jetzt gerade die Nachphase des Konzerts erreicht. Der Typ fängt mit Peter Fox - Alles neu an. Zusammenhang zu einem früheren Aktionismus-Abend? Mischung aus Vernissage und Bummms-Boys-Konzert letztes Jahr. Er macht weiter mit Alors on danse. Und es kommt, wenn man auf einer Art euphorischen Welle reitet, immer der Punkt, an dem sie abebbt - und dann umkippt. Aber der Reihe nach.
Scannen war um sechs, das war mir zu lang, die anderthalb Stunden zu warten. Schreiben hätte sich nicht gelohnt, da ich eh in der Gegenwart angelangt war, und die paar über die Zeit verschmierten Live-Kommentare hätten in drei bis vier Sätze gepasst. Bin also nach Hause. Und weiter macht der Plattenspieler (wir machen in der Kulturschmiede grundsätzlich Live-Kommentar, auch wenn die Vernissage noch nicht stattfand) mit We no speak americano. Pas pas americano. Det det det döt. Detdetdetdetdet-det. Det det det döt.
Auch wenn ich das nicht gerne schreibe: Ich stelle doch eine Entfremdung fest, ausgelöst durch die Veränderungen der letzten drei Jahre. Unter anderem der Umstand, dass ich den Umstand, keine Horror-Filme zu mögen, erfolgreich auf die Nachrichten angewendet habe. Was soll der Scheiss überhaupt? Wieso berichten diese verdammten Hunde nur über die zahlreichen Toten und den ganzen Laber? Wie wäre es mal mit interessanten Sachen, wie zum Beispiel die israelische Siedlungspolitik (ich bin mir sicher, dass, würde man eine Umfrage starten, ein signifikanter Bevölkerungsanteil nicht mal wüsste, dass Israel eigentlich ein jüdisches Land ist) oder Updates in Bezug auf die deutsche Sicherheitsgesetzgebung? Hä? Nö. Davon hörst du keine Silbe. Soll bloß keiner mitkriegen, wie uns kontrollgeile Rollstuhlgeneräle das Recht aus der Hosentasche ziehen. (Moment, das war vor ein paar Jahren aktuell. Jetzt will der Mann unser Taschengeld.) Und Unsinn verschreiben. Bachelor. Tagfahrleuchten. Personalausweise im Scheckkartenformat. Hat doch auch ohne super funktioniert, oder wie? Lieg ich da falsch? LIEG ICH DA VERDAMMT NOCH MAL FALSCH!? Na danke, Plattenspieler. Schickt der mir als Antwort Remmidemmi von Plastik-Deichkind. Ist ja nett, dass du bisher nur Sachen gespielt hast, die ich kenne (vorher einen, dessen Namen ich nicht kenne, wohl aber die Melodie), aber ich fühl mich für den Abend schon ausreichend an eine Zeit erinnert, die ich eigentlich vergessen möchte.
So, Entschuldigung. Bin abgeschwiffen. Das nur dazu. Wir sind hier, um zu berichten. Bin mit dem Fahrrad zur Schmiede gefahren. Wie letztes Jahr auch treten die Bummms Boys auf, nur diesmal nicht im Theater, sondern eben in der Kulturschmiede. Hab mir vorher noch Stuck in the Middle with you aufs Handy gezogen, für den Fall, dass diese Situation eintritt, die eh nie eintreten wird (nicht zuletzt, da ich gerade kein Geld hab). Und? Was spielt er jetzt? Was, wer hat Geburtstag? Einer von den Bummms Boys? Oh nein. Nicht als nächsten Titel Schwule Mädchen. Suche instinktiv nach Strange_Core. Sehe sie nicht. Denke mir meinen Teil. Also, Stuck in the Middle with you. Und dann bei der Schmiede angekommen, obwohl ich weiß, dass ich eine halbe Stunde zu früh bin. Rundohr macht die Kasse, bestell mir einen Ipanema. Wie immer. Ja, ich bin eine konservative Drecksau. Ich bin Nerd, ich darf das.
Oh, den Titel kenne ich nicht.
Bin also drin. Und es wird voller. Aber so gegen kurz nach neun (als das Konzert anfangen sollte) wundere ich mich doch schon, dass einige Leute von uns nicht da sind. Um genau zu sein, fehlen abgesehen von den Sonnenmachern und mir eigentlich alle. Weil das Essen im Hostel zu spät rangekarrt wurde, wie ich erfuhr. Daher befinden sich überwiegend Leute hier, die mit dem Festival jetzt nichts zu tun haben, aber dennoch zum Konzi wollen. Inzwischen fangen die Vorbands an. Eine Akustik-Band … jetzt spielt er das 70er/80er Happy Birthday-Lied. Eine Akustik Band. Sieben Titel. Seeed - Ding. Setz den Hut wieder auf. Und nach der Akustik-Band spielt Rundohr. Bis dahin hab ich meinen Standort gewechselt, hab vorher versucht, Anna zu zeichnen. Das Interessante dabei: Herausgekommen ist eine Skizze von Audrey Tautou. Auch wenn das also nicht das war, was ich beabsichtigte (was andere Betrachter verneinten), so lass ich es, wie es ist, und drehe da nicht einen Punkt dran. Ach ja, hatte ich schon erwähnt, dass das Motiv von Strange_Cores T-Shirt heute wie folgt aussah?
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