Donnerstag, 4. August 2011

The Skizzenfestival Diaries 2011 - Teil 1

Auch auf das Risiko hin, mich zu wiederholen - aber die Vorgeschichten sind immer wieder mindestens erwähnenswert. Zunächst einmal kann ich wegen der gleichen Klausur - Physikalische Chemie 3 - die ersten Tage verpassen. Am 22.7. ist für mich der Start. Erwache am Morgen recht früh, es ist eine ungewöhnliche Dämmerung. Und - Sintflut. Liege also noch schläfrig, hab die Augen zu, sehe den Blitz nicht, daher wusste ich nicht, wer das offenhörige Kanonengeschütz abgefeuert hat. Es gießt in Strömen. Der Parkplatz hinterm Haus gemahnt an stehende Gewässer, holt die Boote raus! Und das Blöde ist: Ich muss noch zu unserem Institut, weil es noch etwas zu tun gibt. Versuche, den Weg wie geplant zu Fuß anzugehen, aber durch diese Straßenseen ist einfach kein Durchkommen, auch der Regenschirm nützt nichts. Kehre daher nach kurzem Weg um und nehme das Fahrrad. Die ersten Straßen werden gesperrt, da man selbst als Fußgänger die Bereiche Straße und Fußweg nicht mehr auseinanderhalten kann, so hoch steht das Wasser.
Lande im Institut. Glücklicherweise kommt Max rechtzeitig, so dass es keine Verzögerungen gibt und ich den Zug nach Stralsund ohne Zeitprobleme erwische. Es gießt (wer hätte es gedacht) auch in Stralsund. Auf dem Weg zum Speicher sieht mich Rundohr (ach ja, ich nannte ihn ja Rundohr Guitar Guy, verdammte geistige Abwesenheit). Im Speicher fängt Manja eine Führung an, ich trag mich auf der Teilnehmerliste ein. Ein weiterer Participant, der heute erst teilnehmen kann, trifft ein. Und wo zum Teufel sind die alle? Sollte jetzt um diese Zeit hier nicht der Pirate-Workshop stattfinden? Nun ja, da der gewissermaßen ins Wasser fällt (weil keiner den Weg zum Speicher bei dem Wetter zurücklegen will), sind noch alle im Hostel. Rundohr, ich und der weitere Teilnehmer (aus Marokko) gehen hin. Entschuldigen uns mehrmals für das Wetter, denn um ehrlich zu sein, wüsste ich auch nicht, wann ich zuletzt zu dieser Jahreszeit einen derartigen Monsun erlebt hätte.
Sind dann irgendwann angekommen. Der Regen hat zwar nachgelassen, aber das bedeutet nichts. Erste Aktion nach der Ankunft: Jacke aus, Hemd aus, Zeug in die Ecke werfen und das Handtuch rausholen. Haare abtrocknen und Hose wechseln. Hab noch eine kürzere dabei, die für den Innenbereich locker ausreicht. Es dauert länger, als ich dachte. Die Jacke selbst hat dem Regen offenbar nicht standgehalten. Der Rucksacküberzug hingegen schon. Bald darauf trifft Strange_Core ein, immer noch mit Kurzhaarfrisur wie um Weihnachten herum.

Mir ist gerade nach L’Atelier - La Ville en Juin.

Bloß gut, dass ich P. nicht mit eingepackt habe. Denn ohne Aufgabe (da der Workshop ja ausfällt) in einem tendenziell zu engen Raum, der im Vergleich zur Außenwelt wieder übertemperiert wirkt, ist das irgendwie nicht das Gleiche; es vergeht einem viel zu schnell die Lust. Mario sehe ich auch nirgendwo. Till ist da, ebenso Maki, Sylvain, Annette und Anna (jetzige Vizechefin, wie ich später las; Strange_Core hat mittlerweile den Vorsitz inne). Der Rest kommt mir so unbekannt vor. So kommt es, dass der 22.7. einfach nicht mein Tag sein soll. (illute hab ich auch noch nicht gesehen bzw. wenn, dann hab ich sie nicht erkannt.) Ach egal, ich schreib jetzt an Interior Separates weiter.

Hajo, sie packen die Pinsel aus.

Zurückmeldung. Wir haben als Ersatz die verschiedenen Zimmerwände missbraucht. Mit Acrylfarbe. Das ist Teil des Langzeit-Hostel-Verschönerungsprojektes, an dem man als sonstwie-Participant teilhaben kann. Waren zunächst zu viert auf einem Zimmer, dann zu fünft, dann anders zu viert. Hab versucht, einen Klecks zu malen, hat nicht funktioniert. Sah eher wie eine Regenwolke aus. Hab mich noch nicht genügend auf den Zeichenstil eingefuchst, muss also erst warm werden. Was mit dekorativen Splitter-Elementen nicht hinhaut.
Seitdem wieder im Aufenthaltsraum. Paar Leute sind mit dabei, viel weniger als vorher. Das liegt daran, dass die Anderen noch an den Wänden schrauben. Wir warten darauf, dass es weitergeht. Das kann noch dauern, auch wenn es dreiviertel drei ist, mittlerweile. Notgedrungen mach ich einzelne Titel vom MP3-Player an, erst Chick Habit (Death Proof OST), dann Vuelo Rasante (Teil der magna cum laude-Playlist). Optionen? Dropkick Murphys, die gleichen Leute zeichnen, schreiben, am Film arbeiten oder bei den Comics von den Leuten weitermachen. Oder Cypress Hill. Hm.

Hatte ich schon erwähnt, dass der Tag ein Weirdo ist? Der nächste Workshop wurde dann angesetzt: Schwarze Bücher von Moleskine (Death Note), vorgefertigte Kästen mit Platz daneben und die Vorgabe, bebilderte How to’s zu erstellen. Je zwei Themen sind vorgegeben. Bei mir waren das How to dance like a Cat und How to not follow the bunny into the rabbit hole. Logisch, dass ich mit dem Zweiten anfange. Hab das auf einzelne Hinweise umgemünzt, die ab und zu Kontinuität hatten. Haufenweise popkulturelle Einflüsse. Die meisten, wie man sich denken kann, aus Alice im Wunderland. Und diversen anderen Themen, die das aufgreifen, wie zum Beispiel Matrix. Das andere How to endete so, wie es enden musste, was bei mir ein Ende im „Where the Hood at“-Stil bedeutet. Das ist eine Running-Gag-Pointe, ähnlich dem WRYYYYYYYYYYYYYYYYYYY.
Danach eigene Ideen. Ich: How to make Money (Stufe 1: mach was, Stufe 2: , Stufe 3: PROFIT!), How to deal with Uncomfortable Silence (Pulp Fiction) und How to Watt is en Dampfmaschin’. Ich nehme es noch mit, damit es nicht sinnlos rumliegt und vergessen wird. Mittlerweile hab ich wieder Bock, meine Mitmenschen zu zeichnen. Und ich vergesse immer wieder, dass an jedem Tag gescannt wird. Das bedeutet, dass abends um sechs der Scanner angeschmissen wird und dann sucht sich jeder drei Skizzen aus, versieht die mit einem Lesezeichen und dann werden diese markierten Seiten gescannt. Damit sie später ausgestellt werden können. Lasse meine auch scannen, trotz Vorjahresformat.
Da der Grill in … ach nee, ich hab was vergessen. Der Empfang hier ist eine Katastrophe. Versuche mehrmals im Laden und im Büro die Sachen zu klären, es gelingt nicht. Hab zwar einmal erfolgreich mit Babche telefonieren können, aber danach ging nix mehr.
Da der Grill näher rückt, gehe ich einkaufen. Mir hängt der Magen in der Kniekehle und Durst hab ich auch. Also losgezogen, hab dann nach einer Schleife den sky gefunden, hol mit Steak und eine Rittersport - und die Kassiererin ist Mara K.? (Deshalb ist der Tag ein Weirdo.) Bezahle daher bar statt mit Karte, wie ursprünglich geplant. Tja, dann muss der Teilnehmerbeitrag noch warten. Knuspere auf dem Rückweg die Rittersport weg. Versuche, noch mal anzurufen, klappt nicht. Bin wieder zurück, will von Rundohr wissen, ob es bereits eine Entscheidung gibt bezüglich der Abfahrtszeit. Gibt es nicht. Es dauert nicht sooo lang, bis der Grill eröffnet ist. Stell mich mit unter die zwei Regenschirme, weil ich meine Steaks im Blick haben will. Habe mittlerweile das auf einer Seite aufgerissene Regencape nicht mehr an, das mir Babche vorhin vorbeibrachte. Falls ich es noch nicht erwähnt habe: Den Hut ließ ich heute weg. Der hätte mich erstens nicht vor dem Regen geschützt, zweitens hätte der einiges von seiner strukturellen Integrität eingebüßt, mit anderen Worten, er wäre nicht so schön kartonstabil, sondern hätte die Konsistenz von textilenen Handyschutzhüllen.
Die Mädels sind am Grillen, allen voran Anna. Als Vegetarierin? Sie haben alles unter Kontrolle. Abgesehen, bisweilen, von den Regenschirmen, die durch den Wind reichlich flügge sind. Das hab ich zuerst gar nicht geglaubt, aber als er direkt neben mir auf einmal einen halben Meter nach oben schwebte, war ich überzeugt. Einerseits doch ja, war richtig, einerseits ist hier der Rauch vom Grill direkt in meinem Gesicht, andererseits ist hier kein Regen. Dennoch wechsele ich mehrmals die Seite. Und: Robert taucht auf. Da ich ihn letztes Jahr nicht beschrieb, berichtige ich diesen Umstand hiermit. Durch seine neuerdings kurzen Haare hat er durchaus Ähnlichkeit zu Peter Fox, andererseits erinnert mich seine Stimme an meinen letzten Geografielehrer.
Da auf dem Grill sowohl für Vegetarier gegrillt wird als auch für solche, die es nicht sind, gibt es getrennte Bereiche und auch getrennte Gabeln. Diese müssen berührungslos bleiben. Ich frage mich zunächst, was das soll und dass sich keiner so haben sollte, aber dann fällt mir ein, was ich sagen würde, wenn mir gegenüber jemand behauptet: „Der Alkohol ist verkocht.“ - „Das isn verfluchtes Gleichgewicht, der kann nicht bis auf den letzten Nanomol verkocht sein, du Pfeife!“ (Ein Nanomol ist ein Milliardstel Mol, also sechshundert Billionen Moleküle.) Besorg mir ein bios Coola (das einzige bios, das ich mag, weil es den Malzgeschmack hinreichend wegkompensiert) und versuche es mit dem Schlüssel zu öffnen. Mein Daumen schmerzt noch Tage danach. Jemand, der wie Mario aussieht, macht die Flasche mit seinem Feuerzeug auf. Rundohr spannt seinen Regenschirm auf, wir stehen zu dritt drunter. Und nach und nach werde ich immer nervöser, wann wir morgen fahren, weil ich wissen will, ob ich dann heute schon fahre. Überraschenderweise nehmen wir einen anderen Zug, als ich dachte, nämlich den 11.21 Uhr-UBB. Ich hätte eher auf 9.22 Uhr oder 10.13 Uhr getippt. Das heißt für mich: Heute. War kein Problem mit Ellis, hab den Anruf noch vor dem Grillen hingekriegt. Und zwar so, dass keiner ein Problem hat, egal wann ich fahre, ob heute schon, oder erst morgen.
Irgendwie hab ich das Gefühl, als ob ich bei dem Niedersch… ah ja, jetzt. Es gab noch ein Grillzangenduell. Beide Grillzangen gegeneinander, die für Vegetarier und die für Carnivoren. Das komische Element dabei war, dass Anna mit der Vegetarierzange kämpfte, dabei aber genau darauf bedacht war, keine Berührung mit der Wurstgabel herbeizuführen. So „Haaaaaaaaarrrrrrrrrrrrgh … ah, nicht!“ Wie die zweite bios aufging, weiß ich nicht mehr. Wie dem auch sei, so kurz nach viertel hab ich mein Zeug zusammengesucht, das Regencape übergestreift und bin losgegangen. Hab mich zuerst gewundert, ob Babche mich abholt, aber der Wagen war dann doch ein anderer. Ich kam mehr als rechtzeitig zum UBB. Eine (oder zwei) sächsische Familien waren im Zug. Der Dialekt gefällt mir, weshalb ich zunächst interessiert zuhörte, aber es schienen eher so … sooo Leute zu sein. Und Manja und Konsortinnen stiegen mit ein. Auf dem Rückweg noch eine Reisende aufgezeichnet.

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