Sonntag, 30. Mai 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 5

... in den USA wie auch in Deutschland

Was hat ein Plattenboss von einem toten Künstler? Die Verkäufe gehen danach schlagartig in die Höhe, wie wir bei Michael Jackson gesehen haben. Aber nicht allzu lange darauf schwindet das Interesse, und übrig bleiben nur Restpostenverkäufe, weil nichts Neues herauskommt. Nie wieder hat sich Hip Hop davon erholt. Aber wem erzähle ich das, jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß das alles schon längst. Das hier war nur eine kleine, dramatisch zugespitzte Zusammenfassung dessen, was man auch Hip Hop SuperGAU nennt.

Mit der Zeit verblasst der angebliche Glanz eines Streites. Dabei ist es egal, wie das geschieht. Ob nun die Protagonisten sterben, ob einer von ihnen das Mic wegwirft, ob andere Sachen wichtiger werden, andere Genres auftauchen oder der Konflikt einfach nur zu lange dauert, ist alles egal. Und das war dann auch das Problem in der weiteren Entwicklung um den Shootingstar von Aftermath Records, welcher gewissermaßen als Nachfolger von Death Row gelten kann. Nachdem Dr. Dre auf eigene Faust weitergemacht hat, hat er versucht, dem Genre wieder alten Glanz zu geben. Um ihn scharten sich neue Künstler, davon zwei besonders bekannte, nämlich Marshall Mathers und Curtis James Jackson III. Siehe dazu das Stichwort G-Unit. Wie ihr euch erinnern könnt, wurde daraus über Jahre hinweg eine dominante Stellung. Und mit The Game war irgendwann auch ein neuer Konfliktpartner gefunden. Ein weiteres Beispiel, wie aus Freunden Feinde werden. Diesmal ohne Todesopfer. Auch wenn wieder massives Dazwischenrangeln vorfindbar war, so nützte das am Ende doch nix; irgendwann wurde der Konflikt einfach uninteressant. Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, aber der Veröffentlichungstermin von Jacksons drittem Album namens "Curtis", der auf dem 11. September 2007 lag, spricht doch irgendwie Bände. Das belegen auch die Verkaufszahlen: Sie gingen deutlich zurück. Könnte an der nicht so tollen Qualität der Beats liegen, die auf dem Vorgänger noch recht okay war. Vielleicht lag es auch nur daran, dass es die dritte Veröffentlichung war, man sagt in Samplerzusammenstellerkreisen, dass man mit dem dritten Titel ein bisschen Intensität rausnehmen sollte, und ich denke, das Prinzip, was diesem zu Grunde liegt, kann auch bei "Curtis" Einfluss gehabt haben. Wichtiger aber, wie gesagt: Die Leute haben einfach keinen Bock mehr auf die Scheisse. Sie haben gemerkt, dass man mit seiner Freundin nicht besonders gut zum Klang von MPs tanzen kann. Der Konflikt ist einfach abgeflaut. Jackson (alias 50 Cent) wurde uninteressant, nicht nur wegen der eben genannten Gründe, sondern auch, weil er zu viele Leute aus seiner Crew herausgeschmissen hat. Jetzt steht er allein da, mit einer abgefackelten Millionen-Bude. Er hat sich einfach übernommen. Und wisst ihr was? Wenn man ein paar Namen und Zahlen ändert, lässt sich der zweite Konflikt beinahe eins zu eins auf Deutschland übertragen. Traurig, das.

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