Sonntag, 30. Mai 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 4

Osten trifft Westen ...

1984. Die drei Supermächte bekriegen sich, wenn auch nur zum Schein, um weiterexistieren zu können. Dies ist zwar nicht deren einziges Kontrollelement, um ihre Leute unter der Fuchtel zu halten, aber ein nicht von der Hand zu weisendes. Seit wann werden Kriege geführt, um irgend etwas zu verteidigen? Keiner der beiden Weltkriege wurde zu Verteidigungszwecken geführt, sondern wegen Geld. Und Einfluss. Das Grundprinzip lässt sich beliebig erweitern, auf die verschiedensten Ebenen herunterbrechen, in den verschiedensten Bereichen einsetzen. Auch in Bereichen der Musik.
Der G-Rap, der Hip Hop letzten Endes so bekannt gemacht hat, war es dann auch, der maßgeblich für seinen Niedergang verantwortlich war. Als N.W.A. den Aufruf "Fuck tha Police" startete, bescherte ihnen das, trotz Radiospieleinschränkungen, eine massive Umsatzsteigerung. Und als nicht allzu lange danach Death Row Records gegründet wurde, hatte die Dominanz dieses Subgenres faktisch bereits eingesetzt. Was wäre richtig gewesen? An dieser Stelle hätte man auch andere Künstler unter Vertrag nehmen sollen, die aus einfacheren Verhältnissen kommen, die aber nicht das Gangleben in Compton glorifizieren, sondern auf der Conscious-Schiene herumfahren. Oder halt die normalen Alltags-Story-Erzähler, mit denen man sich hätte identifizieren können. Das alles ist nicht geschehen. Es blieb nur G-Rap. Und da der bekanntermaßen von seiner Aggressivität lebt, waren Konflikte vorprogrammiert. Ob es sich dabei um echte Konflikte handelte oder ob die wegen einer Lappalie vom Zaun gebrochen wurden oder ob sich die Konfliktparteien sogar dazu abgesprochen haben, bleibt unbekannt. Jedenfalls fingen bald Leute an, ihr Label zu verlassen oder sich wegen Äußerungen zu streiten. Einige zeigten sich mit den einen solidarisch, die Anderen eben nicht. Und dann haben die Manager irgendwann gemerkt, dass ihre Künstler durch diese Reibereien bekannter wurden und so mehr CDs verkauften. Und da mehr Geld nun mal mehr Geld ist, werden die Manager einen Scheiss dagegen tun. So schraubt es sich höher: Ein Wort ergibt das andere, aus Freunden werden Raufer, aus Raufern werden Feinde, aus Feinden werden erbitterte Feinde. Und die Manager kassieren und lassen ihre Protagonisten auflaufen. Was sie dabei übersehen: Irgendwann kommt der Punkt, an dem es hässlich wird.
7. September, 1996. Las Vegas. Lesane Parish Crooks und Marion Knight Jr. verlassen das MGM Grand Hotel nach einem Boxkampf. Crooks ist einer der Hauptprotagonisten in einem nicht gerade kleinen Streit unter Rappern, nachdem er zwei Jahre zuvor Christopher Wallace und Sean Combs eines Attentates auf ihn beschuldigt hatte. Knight ist sein Plattenboss. Beide steigen in einen schwarzen BMW. Wenig später werden sie angeschossen, und sechs Tage später ist Crooks, auch bekannt als Tupac Shakur alias 2Pac, tot.
9. März, 1997. Los Angeles. Besagter Christopher Wallace besucht die Soul Train Music Awards und steigt danach in seinen Chevrolet Suburban. Wenig später wird er an einer roten Ampel angeschossen und ist noch am selben Tag tot. Bekannt war er unter dem Namen The Notorious B.I.G.

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