Bei der Frage nach der vorherrschenden Stilrichtung im Hip Hop braucht man nicht lange zu suchen: eindeutig der so genannte (und großteils auch wirklich nur so genannte) Gangsta Rap. Der ist so umfassend, dass im Mainstream andere Bereiche praktisch nicht auftauchen, höchstens Party-Rap, aber der ist, wie man sich denken kann, zu Elektro-Scheiss geworden. Was ist mit Conscious Rap, also quasi der Gegenentwurf? Der, der zu Nächstenliebe aufruft anstatt damit rumprahlt, wie viele Mütter man vergewaltigt hat (was im Übrigen nicht nur ekelhaft ist, sondern auch reichlich bescheuert, für so was kriegt man in Deutschland bei einem Einzelfall bis zu 15 Jahre Knast aufgebrummt, was in etwa der Strafe für Mord bei guter Führung entspricht). Oder Geschichtenerzähl-Rap, in etwa so wie Dendemann das macht(e)? Findet man viel zu selten, und wenn, dann in der Juice. Und da wird ihnen ungefähr der Platz eingeräumt, den sie in der öffentlichen Wahrnehmung auch haben. Nicht der sonnigste Platz zwar, aber immerhin nicht ungehört.
Man kann also davon ausgehen, dass der G-Rap die Hauptstromrichtung darstellt und die wichtigsten Richtlinien setzt. Man kann ihm damit auch unterstellen, maßgeblich für den Niedergang von Hip Hop verantwortlich zu sein. Sehen wir uns das mal genauer an:
In nichtenglischsprachigen Ländern wie zum Beispiel Deutschland wird selbstverständlich auch us-amerikanischer G-Rap konsumiert. Interessiert sich dabei irgendeiner für die Texte? Jetzt mal im Ernst: Selbst bei studiVZ gibt es in der Fangruppe von Limp Bizkit einen riesigen Haufen von Mitgliedern, die sich nicht ständig die Lyrics besorgen und die jeden Nachmittag in Kleinstarbeit mit Beibehaltung der jambischen Hebungen und des Reimschemas handschriftlich übersetzen. Und ich kann es ihnen nicht verdenken. Wüsste einer der Leser, was das Wort „Nookie“ bedeutet, welches der Titel eines bekannteren Liedes der Band ist, welches auf dem zweiten Album „significant other“ erschien? Kleiner Tipp: Zartere Naturen sollten es nicht nachschlagen, was, ehrlich gesagt mit dem Google-Übersetzer auch gar nicht funktioniert, und es hat nichts mit „Rookie“ zu tun. OK, Limp Bizkit stammt zwar aus einem anderen Genre, aber die Texte sind auch mit dem berühmten schwarzweißen Aufkleber versehen. Welchen non-native-speaker interessieren die Texte? Für sie ist die Stimme des Sängers nichts weiter als ein Instrument, welches man gekonnt einsetzen muss, sonst wirkt das Ganze falsch. Also, ein Wort an all die „Rapper“ da draußen: Nicht ihr seid diejenigen, die das Beste von einem Titel machen, sondern eure Beat-Produzenten beherrschen die Szene. Und wenn einer der Rapper das nicht weiß und seine Beats selbst produziert, dabei aber nur mit Schimpfwörtern so um sich schmeißt oder, um es mal langsam auf den Punkt zu bringen, sich einer gewissen Assi-Ästhetik bedient, dann kommt nur Blödsinn dabei raus. Weil die anderen in ihm den Federführer sehen und dem nacheifern, was sie sehen, und das ist definitiv nicht der Produzent.
Soviel zu den Leuten, die die Musik eigentlich machen. Aber ich hatte im letzten Eintrag der Reihe noch etwas von „Schafott“ gesagt. Das hebe ich mir für das nächste Mal auf. Das kommt dann aber auch schneller.
Tschüss Kinda!!
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