Unsere Protagonisten halten sich ja in Vermont auf. Da es dort keine besonders nennenswerte Architektur zu bestaunen gibt, besetzen sie die hochpreisigen Immobilien kurzerhand im Bundesstaat New York, und dort insbesondere in Manhattan, New York City. Ja, ich weiß, kein Open Carry-State, aber das ist für diese Zwecke auch gar nicht nötig. Diese Ausrüstung können sie auch so bei sich haben, denn es ist ja nicht so, dass man andauernd eine Taschenkontrolle durchmachen muss. Um genau zu sein, außerhalb von eventuell sicherheitsgefährdeten Arealen eigentlich überhaupt nicht. Und in sicherheitsgefährdeten Arealen wollen sie nicht die Sicherheit gefährden. Daher New York. Um einen Eindruck von den Gegebenheiten der Unterkünfte an diesem Ort zu erhalten, wälzte ich vergangene Ausgaben der Architectural Digest (AD). Interessant daran war, dass in manchen Berichten der Verwendungszweck der Immobilie gut beschrieben wurde, in einem Artikel wurden gar recht präzise und mit einiger Sicherheit auswertbare Informationen bezüglich der Aufenthaltszeiten gegeben. Die genaue Adresse wurde allerdings nie genannt. Nun war mein folgender Gedankengang dieser: Die zwei wollen architektonisch hochwertige Wohnungen bewohnen. Solcherlei findet man in Fachpublikationen, eben auch in der AD. Also suchen sie dort danach. Das ist insbesondere deshalb reizvoll, da man anhand des Artikels den Einbruchszeitrahmen festlegen kann. Das einzige, was fehlt, ist die Adresse. Die Aufgabe für mich bestand nun darin, die jeweilige Adresse herauszufinden. Einerseits, weil ich die genaue Umgebung kennen will und nicht nur einfach eine Idee katalogmäßig abzeichnen will, andererseits weil ich wissen will, wie schnell und wie präzise das möglich ist, insbesondere auch für unsere zwei Protagonisten.
Die Strategie dabei ist nun folgende: Man betrachtet die Fotos, die von der Immobilie abgedruckt wurden, und untersucht sie auf auffällige Merkmale. Da diese in Manhattan geschossen wurden, sind die Wolkenkratzer die erste Orientierung, meistens das Empire State Building oder das Chrysler Building. Deren Position wird ermittelt. Dann wird der Sonnenstand ausgewertet, falls verfügbar. Sieht man die breite Schattenseite vom Empire State, dann muss die Wohnung nördlich davon liegen, da die Sonne von Süden kommt und das Empire State Building mit den breiten Seiten nach Norden/Süden zeigt. Es werden dann weitere Anhaltspunkte gesucht; wenn etwa das Rockefeller Center auf dem Foto zu sehen ist (bzw. dessen höchstes Bauwerk, das GE Building) und das noch recht nah, grenzt das den Spielraum sehr ein. Dann geht es an die Artikelinformationen: Wenn dort noch erwähnt wird, dass die Wohnung an der Fifth Avenue liegt, und zwar im 48. Stock und noch weitere Details auswertet, dann hat man nach insgesamt einer halben Stunde die genaue Position herausgefunden. Inklusive des strategischen Entwurfes zur Festlegung des Einbruchzeitpunktes. Und wenn ich das kann, dann können zwei Profis mit mehreren Jahren Erfahrung im Einbruch das auch. Ich habe zu dieser Recherche übrigens nur die Wikipedia und den Nachfolger von Map24 verwendet und keine weiteren Tools.
Eine weitere Nachricht möchte ich auch anbringen, die ich selbst zu dem Zeitpunkt, in dem ich darüber schreibe, keine sechzig Sekunden kenne: Im Zuge der Recherchen in der AD dachte ich auch über Domizile in New Mexico nach, der Staat, in den die zwei Protagonisten im weiteren Verlauf flüchten. Dazu entdeckte ich in der AD ein Haus, welches zu dem Zeitpunkt (Anfang 2005) von Sotheby’s für 3,2 Millionen Dollar zum Verkauf angeboten wurde. Es waren nur drei Fotos abgedruckt, aber diese drei Fotos ließen mich darauf schließen, dass diese Immobilie zu denjenigen zählt, die in New Mexico meiner Vorstellung eines Szenenbildes am ehesten entspricht. Dazu sollen im Verlauf dieses Artikels noch einige Wörter fallen. Diese Immobilie, die am Circle Drive Compound in Santa Fe liegt, wurde von einem gewissen Ricardo Legorreta entworfen und geplant. Mit diesem Namen habe ich also den Stil verbunden, den ich mir für dieses Kapitel gewünscht habe.
Ricardo Legorreta starb am 30. Dezember 2011, also vor zwei Tagen. Ein Artikel dazu befindet sich hier.
Man kann das durchaus als Signal auffassen. Denn die Architekturen, die man in New Mexico vorfindet, entsprechen so ziemlich nicht dem, was ich mir vorstellte. So sind die Inneneinrichtungen eher traditionell, um nicht zu sagen altmodisch. Also der rustikale Look. Besonders fällt das bei den Küchen auf. Dort herrschen keine klaren Linien, sondern unnötige Türverzierungen, die, ich weiß gar nicht, wie ich das beschreiben soll. Also stellt euch eine Schranktür vor. Und diese Schranktür hat jetzt in der Mitte so eine draufgeklebte Fläche, drum herum so ein Rand, und da drum herum … ach wisst ihr, ich häng das einfach als Bild dran.

Also so wie diese Tür waren auch die Schranktüren in der Küche geformt. Und das Werkzeug war griffbereit. So kommt aber nicht das rein, was ich „Ruhe für das Auge“ nennen würde. Es passt einfach nicht in den Filmstil hinein. Von der Adobe-Architektur will ich gar nicht reden. (Das hat weniger was mit dem gleichnamigen Software-Entwickler zu tun als vielmehr mit dem Lehmhüttenstil.) Das Kernproblem an der Sache wird sein, dass in New Mexico im Sommer sehr hohe Temperaturen herrschen werden und man sich gegen die Sonne schützen muss, man aber gleichzeitig auch eine Architektur entwickelt hat, die einen warmen Eindruck macht. Dazu passen keine großen Glasflächen und kühler Schwedenstahl. Fakt ist also: Das von mir gewünschte gibt es dort (ich hab gerade noch eins gefunden), aber bei weitem nicht in dem Ausmaß, welches zwei Leute brauchen, um einen einigermaßen gesicherten Nachschub dafür zu haben.
Mit anderen Worten, es wird Zeit, den New Mexico-Teil zu überdenken. Zählen wir mal auf, was für New Mexico sprach. Es gibt dort keine Todesstrafe, das ist ein … naja, Totschlagargument. Es ist ein Open-Carry-State, und diese Kombination war es, die den Bundesstaat für mich so interessant machte. Es ist ein warmer Bundesstaat, das heißt, es wird dort umfangreicher Weinbau betrieben werden, es ist also ein Weinland, also wird es auch mit einiger Wahrscheinlichkeit Weinnarren geben, die hochpreisigen Wein haben, den es sich unter den Nagel zu reißen gilt. Diese Einkommensquelle fiel mir irgendwann im November („… irgendwann im November …“) im Comix ein. Und es liegt in relativer Nähe zu Kalifornien, von wo ja der eine oder andere internationale Flug gehen soll. (Wenn die Kalifornier ihre Scheiss-Todesstrafe mal abschaffen würden, dann hätte ich die abschließende Handlung sofort dorthin verlegt, weil wegen Hollywood und Geld für die entsprechende Architektur und so. Ihr glaubt nicht, wie viele geeignete Häuser ich da gefunden habe, insbesondere am Mulholland Drive … oh, falsches Thema.) Dann sollten die letzten Szenen vor dem Höhepunkt ja einen Rot-Ton einschlagen, vom roten Wüstensand und dem Sonnenuntergang geprägt. Mal überlegen … die sehr lange Flucht quer durch die USA gehörte eigentlich schon lange zum Tenor, sogar noch länger als die meilentiefe Vermont-Verankerung. Das weiß ich, weil ich daran dachte, die Fahrtrichtung kurzerhand umzukehren, also von der Westküste an die Ostküste. Dann wollen wir mal die Gründe auseinanderpflücken: Die Kombination Open-Carry und keine Todesstrafe ist natürlich reizvoll, besonders angesichts der inzwischen erfolgten Konstruktion, dass die zwei in Vermont ihr Pensum schon zu neunzig Prozent geschafft haben (nicht in finanzieller Hinsicht, vielmehr in Bezug auf die Anzahl der Bundesstaaten). Open-Carry ist aber nicht dermaßen wichtig; es heißt ja nur, dass die Waffe in geladenem Zustand für jeden sichtbar am Leib geführt werden darf. Im Fahrzeug darf die Waffe in recht vielen Bundesstaaten aufbewahrt werden, und das genügt ja im Prinzip. Es kommt also eigentlich nur auf die Todesstrafe an, und da gibt es eine ganze Reihe an Staaten, aus denen sich auswählen lässt. Dann der Weinbau. Mittlerweile weiß ich, dass angeblich in allen 50 US-Bundesstaaten Weinbau betrieben wird, und die Ironie des Schicksals will es so, dass New York New Mexico den Rang abläuft, als drittgrößter Weinproduzent. Davon mal abgesehen muss ein Bundesstaat kein Weinland sein, damit man dort einen Weinsammler antrifft. Es genügt, dass er ein faltenloses, also gut gefülltes, Portemonnaie besitzt. Ansonsten … LAX, auch genannt LA International Airport, ist nicht der einzige ins Ausland führende Flughafen der Vereinigten Staaten. Die gibt es auch in Bundesstaaten ohne Todesstrafe. In diesen gibt es im Übrigen auch die gleichen blutroten Sonnenuntergänge, dafür braucht es keinen wüstenroten Wüstensand.
Ich habe gerade noch geschaut, ob es in New Mexico diese Beschränkung der Magazingröße auf zehn Kugeln gibt; sie gibt es nicht. Das würde die Open Carry-Regelung besonders wirkungslos machen. Dennoch kann man sagen, dass New Mexico kein unverzichtbarer Bestandteil der Handlung ist, zumindest auf deren jetzigem Stand.
Apropos Weinsammler: Unsere Protagonisten stehlen ja auch Autos. Das unterschlage ich nur zu leicht. Ich entschied mich, sie jeweils einen Vertreter der Big Three fahren zu lassen. Die Big Three sind die drei großen Autokonzerne der USA, also der Ford-Konzern, der Chrysler-Konzern und der General Motors-Konzern. Von Ford wird der Taurus verwendet, vom Chrysler-Konzern wird der Dodge Durango gewählt (für den ich mir eine recht interessante Variante der Kühlergrillverschleierung ausgedacht habe) und bei Cadillac nehme ich, dem Stil des Films entsprechend, einen hybridbetriebenen (also mit Allrad ausgestatteten) Cadillac XTS. Da dieser erst im Verlauf des Jahres 2012 erhältlich sein wird, ist das ein willkommener Grund, die Planung ein wenig zu strecken: Am Ende des Films sollen die Protagonisten ein wenig in Aufregung geraten, wegen der Weinflaschen, die sie erbeutet haben. Sie wollen diese zu einem hohen Preis verkaufen, können aber nicht warten, da für den Weinmarkt Preiseinbrüche prognostiziert werden bzw. bereits eintreten. Ein weiteres Warten, bis sich der Markt erholt hat, scheidet auch aus, weil sie in Vermont diese Entführung gemacht haben und sich die Polizei ein wenig aggressiver an ihre Fersen heftet. (Das ist noch nicht ausgereift, sie könnten ja einfach untertauchen.) Daher müssen sie das Zeug schnell loswerden.
Ein solcher Markteinbruch wurde bereits 2011 verzeichnet. Da gab es aber den Cadillac XTS noch nicht. Um den also verwenden zu können, müsste die Marktentwicklung von 2012 zunächst beobachtet werden, und an Spannungspunkten wird die Handlung dann zeitlich fixiert. Da 2012 gerade erst anfängt, kann noch kein Spannungspunkt eingetreten sein; ein solcher muss abgewartet werden.
Deshalb kümmere ich mich dann auch um den anderen Film. (Mein Gott, den gibt es ja auch noch …)
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