Am nächsten Tag steht Hiddensee auf dem Plan. Noch vorm Aufstehen höre ich deutlich den Regen wieder trommeln. Nachdem gestern also die Sonne schien, heute wieder Regen. Der Verlauf gestaltet sich ähnlich wie sonst. Treffpunkt ist eigentlich dreiviertel neun, ich bin um neun da. Abfahrt ist 9.20 Uhr. Keiner in Sicht. Kein Participant, kein Sonnenmacher, nicht mal Fahrkartenfälscher. Es kommt auch keiner. Ans Skizzophon geht auch zweimal keiner ran. Ich sehe zwei Leute, die so aussehen, als wären sie Teilnehmer. Frage sie auf Englisch, ob sie welche sind. Sind sie nicht. Und der Aussprache zu Folge sind sie Deutsche. Es ist wirklich keiner da. Abgesehen vom Schiff. Kurz bevor es ablegt, wird mir das zu merkwürdig und ich gehe südlich los. Wollte zuerst zum Speicher und dann zum Hostel, entscheide mich aber, die Auswahl umzukehren. Im Hostel sehe ich dann auch diverse Leute von unserer Truppe. In der Küche machen die Sonnenmacher den Abwasch. Sie bestätigen, dass die Fahrt wegen Regen ausfällt. Was nun? Skizzen will ich nach dem Marathon noch keine machen, aber schreiben kann ich. Da kündigt Rundohr eine Hafenrundfahrt an. Besser als nix, denke ich mir. Schreibe weiter. Ich bin müde, seit zwei, drei Tagen. Also heute so.
Zwanzig Minuten später höre ich von draußen Rundohrs Stimme mit der Bemerkung, es ginge los. Was, jetzt schon? Dann aber nix wie eingepackt und los. Da das relativ schnell geht, ich noch vorher die Abmarschrichtung sehe und mittlerweile auch ein bisschen gut zu Fuß bin, hole ich die Anderen schnell ein.
|| Nachtrag: So zwischen Hafen und Aufenthalt beim Hostel auf dünner tag von illute eingehen. ||
Es haben sich ziemlich weit voneinander entfernte Splittergruppen gebildet. Weiß mittlerweile nicht, was sie sagen. Auf Höhe der Hebedrehbühne beim Griechen spalten sich ein paar ab und gehen woanders weiter, Richtung Klappbrücke. Denke daran, hinterherzubrüllen: „Annette! Sylvain! Hier lang!“ Als aber immer mehr dort entlang gehen, weiß ich, dass sie schon hinfinden. Erreichen dann dieselbe Stelle, an der ich vorhin losgegangen bin. Hafenrundfahrt. Sind längst nicht alle da, also werden die Karten reichen. Steven hat geholfen, die Kisten zu tragen. Um an Bord des Dampfers zu kommen, muss man sich als Teilnehmer ausweisen. Zu diesem Zweck hat Rundohr einen vorhin zusammengeschnitzten Stempel dabei, mit denen er alle bestempelt, die kein Armband haben, sei es, weil sie es verloren, sei es, weil sie nie eins hatten. Die Zs sind falsch rum. Steigen fast alle auf das Dach. Auch ich mit meinem Hut, obwohl es windig ist, aber nicht so windig wie September 2010 auf dem Rügendamm. Hab den Hut auch fest drauf, kann also nix passieren. Annette hat ihren auch auf. Vor mir befindet sich Rundohrs Rucksack, der so kuckend aussieht. Skizziere dieses Creepergesicht, demnächst sichtbar auf gronkh.de, und da ich den Kopf im Skizzenbuch habe und die seitliche Beschleunigung doch sehr gering ist, merke ich gar nicht, dass wir ablegen. Wir sehen kurz darauf rechts die Gorch Fock und noch einen Dreimaster. Sitze da wie Graf Koks von der Gasanstalt, aber ich kann mir das gerade mal leisten. Wenig später offenbart Rundohr den Inhalt der Kiste: wie letztes Jahr zu der Zeit, Muffins. Schokomuffins. Richtig gute Muffins. Einfach geil.
Wir steuern auf den hinteren Teil des Damms zu. Zum Dänholm wurde von Kommentator das eine und auch andere Wort verloren. Sehen den Eingang zum Minihafen. Erinnere mich an den Kajakkurs Anfang der zwölften Klasse. War schon vorher in Zweier-Kajaks, war in diesen Dingern recht sicher unterwegs. Hab völlig unterschätzt, dass es im Einer-Kajak wegen der halben Masse zu massiven Stabilitätsproblemen kommt und bin daher direkt beim Einsteigen gekentert. Bin seitdem durch Einer-Kajaks traumatisiert. War demzufolge auch der Einzige des Kurses, der dieses Persenning-Teil, welches man über die Einstiegsöffnung und um einen herum anbringt, mit einer Hand festmachen konnte, weil ich mich mit der anderen Hand am Steg festgehalten hab. Einer-Kajak nur noch im Trimaran. (boah ist das mittlerweile schwer zu lesen, Anm. d. Verf.)
Auf der linken Seite Rügen. Die Stelle, an der ich letzten September essen wollte. Verspüre gerade (in der Endphase der Vernissage) eine altbekannte Sehnsucht. Halte mich nicht länger damit auf. Das mache ich morgen wieder. Zurück zum Dänholm. Rundohr erklärt den Inhalt der Kiste für frei verfügbar. Sie befindet sich eine Reihe hinter mir. Setze mich zur allgemeinen Belustigung direkt daneben. Als Guard. Nehme mir noch einen. Lecker. Dann gelangen wir zur Werft. Wusste nicht, dass die den stärksten Schiffshubkran der Welt hat. Können jetzt auch das Nautineum sehen. Bei der Führung durch das Unterwasserlabor, die vor über einer Dekade im Rahmen des Clubs für das Meeresmuseum stattfand, erinnere ich mich nur noch daran, dass wir in den Kajüten Spaghetti gegessen haben. Fahren unter der Ziegelgrabenbrücke hindurch. Es ergibt sich ein seltsamer Moment.
Denn in dem Moment fährt der Zug aus Sassnitz ein und direkt über uns drüber. Ach ja, der Sassnitz-Zug. Meine ehemalige Rettung.
Na klasse. Das hat mir gerade noch gefehlt. Die Patrone ist alle. Und ich hab keine mehr dabei. Ich verwende die noch weiter, solange es noch geht … na gut, es geht nicht mehr. Schreibe mit dem Fineliner weiter. (Finelinermodus on) Sind nun also vom Zug überrollt worden. Sitze immer nich da wie der Krösus. Laufen in den Hafen ein, sehen wieder die Gorch Fock. Die mal in russischem Besitz war und daher auch russisch benannt wurde. Man sieht tatsächlich noch Umrisse von den kyrillischen Buchstaben. Legen wenig später an. Nehme vorher (weit vorher) noch einen Muffin und bringe zwei nach vorne. Wir betrachten auf Höhe der Werft den Windeffekt, der sich besonders bei Dan und bei Ida bemerkbar machte. Erfahren, dass Klaus ein paar Monate vor dem Abi abbrach. Nee, du. Hat aber auch so geklappt. Legen dann an und gehen von Bord. Was kommt als nächstes? Ins Hostel will ich nicht. In den Speicher muss ich noch. Gehe also los. Stelle nach kurzer Zeit fest, dass Ida wenige Meter vor mir läuft. Schlage ihren Weg ein. Ida gehört neben Elena zu den Personen, die ich während des Festivals am häufigsten gezeichnet habe. Was, wie bereits erwähnt, daran liegt, dass ich Ida im Profil nur verflucht schwer hinbekomme. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Endphase der Vernissage, die meisten Besucher sind weg, aber wir sind noch im Speicher) habe ich noch keine zufriedenstellende Ida-Skizze fertiggebracht. Beim Meeresmuseum biegt sie ab. Ich geh zum Speicher. Denn ich will noch ein T-Shirt und vor allem meine Blog-Adresse loswerden, denn das habe ich noch immer nicht hingekriegt. Die T-Shirts wurden schon vor der Druckbar verkauft, allerdings da noch mit der Ankündigung, dass nur so viele T-Shirts gekommen seien, wie bestellt wurden. Das wird allerdings kurz darauf revidiert. Nur müssen erst die durch, die bestellt haben. Das dauert bis zum 28.siebten, so dass ich erst jetzt rankomme. Die größte Größe ist XXL, aber die gibt es nur einmal und die hat sich Rundohr bestellt. Es gibt also noch XL. Nehme das.
Sie spielen gerade diesen Track aus Grosse Pointe Blank. Hab zuerst gedacht, dass Rundohr seine Klampfe ausgepackt hat.
15 Euro. Das T-Shirt ist mein. Ich bin ein T-Shirt-Träger. (So heißen die, die ein T-Shirt vom Festival haben oder dazu berechtigt sind.) Yay! Und die Leute von der OZ haben über uns geschrieben. Den Artikel muss ich haben. Da die Atmo im Hof so gut ist (auch wenn es regnet), bleibe ich hier und schreibe. Es kommen noch Olga und Lockhead vorbei, die beraten, was sie tun. Wir machen auf Englisch ein Storming. Am Bahnhof wäre was. Letztendlich gehen sie zum Ozeaneum. Da ich als Free nicht reinkomme (was ich vorhin schon nach dem Anlegen feststellte, auch der Stempel bringt nix), bleibe ich. Nach einer Weile hab ich keinen Bock mehr und gehe nach Hause. Komme dort an, es ist um zwei. Auf dem Weg denke ich mir den Epilog aus. <Note an den Verfasser: technisch Realist, in der Theorie Dadaist>
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