Mittwoch, 14. Dezember 2011

Ach, Weihnachten ...

Das Weihnachtsgefühl verlagert sich von Jahr zu Jahr weiter nach hinten. Ob es am fehlenden Schnee, am fehlenden Anreiz auf die freien Tage oder anderen Gründen liegt, sei dahingestellt. Möglicherweise bildet sich das aber auch im Gegenteil schon vorher als Abwehrreaktion aus. Ich meine, wenn Ende August die ersten Lebkuchen ausgepackt werden, dann kann man in Bezug auf dieses Fest doch von einer Streckung sprechen. Das wiederum bedeutet, dass innerhalb der gleichen Zeit eine geringere Weihnachtsdosis zur Verfügung steht, so dass im Dezember tatsächlich alles alle ist. Und das bisschen Wirkstoff wirkt nicht mehr, weil man ihn bereits zu einer Zeit erhielt, in der er nicht gebraucht wurde, ja überflüssig war und von überflüssig zu überdrüssig ist es nicht weit.

Wie dem auch sei, ich ziehe einen Besuch im Comix stets einer Runde über den Weihnachtsmarkt vor. Gibt ja schließlich dieses Projekt. Bin also letzte Woche zu diesem Zwecke in die Innenstadt gegangen. Und in der Einkaufspassage merkte ich, dass es für Dezember sehr ruhig war. Das erinnert mich weniger an Weihnachten, sondern eher an eine Virenapokalypse. So ruhig wie sonst erst halb zwölf.
Im Comix selbst war ich weiterhin mit dem Ausarbeiten meiner Strategie beschäftigt. Vom letzten Mal wusste ich noch, wo ich mich platzieren musste, so dass ich den ganzen Raum im Blick hatte. Ich lief um acht ein, ging wieder um neun. Für dieses Mal hab ich einen weiteren strategischen Punkt: Sei möglichst früh da. Nicht erst um acht. Dann ist es zu ruhig, fast keiner kommt mehr, weil die Happy Hour dann fast vorbei ist. Die Playlist war mal wieder gut. Fing allerdings dröge an. Dann kam Rehab von Amy Winehouse, dann fing es mit Reservoir Dogs an: Little Green Bag und Stuck in the Middle with you. Dann nach einer Weile Wonderwall und dann nach einer weiteren Weile Shy Boy. Den hatten sie hier schon mal.



Sonntag, 20. November 2011

The Skizzenfestival Diaries - Teil 8

Am nächsten Tag steht Hiddensee auf dem Plan. Noch vorm Aufstehen höre ich deutlich den Regen wieder trommeln. Nachdem gestern also die Sonne schien, heute wieder Regen. Der Verlauf gestaltet sich ähnlich wie sonst. Treffpunkt ist eigentlich dreiviertel neun, ich bin um neun da. Abfahrt ist 9.20 Uhr. Keiner in Sicht. Kein Participant, kein Sonnenmacher, nicht mal Fahrkartenfälscher. Es kommt auch keiner. Ans Skizzophon geht auch zweimal keiner ran. Ich sehe zwei Leute, die so aussehen, als wären sie Teilnehmer. Frage sie auf Englisch, ob sie welche sind. Sind sie nicht. Und der Aussprache zu Folge sind sie Deutsche. Es ist wirklich keiner da. Abgesehen vom Schiff. Kurz bevor es ablegt, wird mir das zu merkwürdig und ich gehe südlich los. Wollte zuerst zum Speicher und dann zum Hostel, entscheide mich aber, die Auswahl umzukehren. Im Hostel sehe ich dann auch diverse Leute von unserer Truppe. In der Küche machen die Sonnenmacher den Abwasch. Sie bestätigen, dass die Fahrt wegen Regen ausfällt. Was nun? Skizzen will ich nach dem Marathon noch keine machen, aber schreiben kann ich. Da kündigt Rundohr eine Hafenrundfahrt an. Besser als nix, denke ich mir. Schreibe weiter. Ich bin müde, seit zwei, drei Tagen. Also heute so.
Zwanzig Minuten später höre ich von draußen Rundohrs Stimme mit der Bemerkung, es ginge los. Was, jetzt schon? Dann aber nix wie eingepackt und los. Da das relativ schnell geht, ich noch vorher die Abmarschrichtung sehe und mittlerweile auch ein bisschen gut zu Fuß bin, hole ich die Anderen schnell ein.
|| Nachtrag: So zwischen Hafen und Aufenthalt beim Hostel auf dünner tag von illute eingehen. ||
Es haben sich ziemlich weit voneinander entfernte Splittergruppen gebildet. Weiß mittlerweile nicht, was sie sagen. Auf Höhe der Hebedrehbühne beim Griechen spalten sich ein paar ab und gehen woanders weiter, Richtung Klappbrücke. Denke daran, hinterherzubrüllen: „Annette! Sylvain! Hier lang!“ Als aber immer mehr dort entlang gehen, weiß ich, dass sie schon hinfinden. Erreichen dann dieselbe Stelle, an der ich vorhin losgegangen bin. Hafenrundfahrt. Sind längst nicht alle da, also werden die Karten reichen. Steven hat geholfen, die Kisten zu tragen. Um an Bord des Dampfers zu kommen, muss man sich als Teilnehmer ausweisen. Zu diesem Zweck hat Rundohr einen vorhin zusammengeschnitzten Stempel dabei, mit denen er alle bestempelt, die kein Armband haben, sei es, weil sie es verloren, sei es, weil sie nie eins hatten. Die Zs sind falsch rum. Steigen fast alle auf das Dach. Auch ich mit meinem Hut, obwohl es windig ist, aber nicht so windig wie September 2010 auf dem Rügendamm. Hab den Hut auch fest drauf, kann also nix passieren. Annette hat ihren auch auf. Vor mir befindet sich Rundohrs Rucksack, der so kuckend aussieht. Skizziere dieses Creepergesicht, demnächst sichtbar auf gronkh.de, und da ich den Kopf im Skizzenbuch habe und die seitliche Beschleunigung doch sehr gering ist, merke ich gar nicht, dass wir ablegen. Wir sehen kurz darauf rechts die Gorch Fock und noch einen Dreimaster. Sitze da wie Graf Koks von der Gasanstalt, aber ich kann mir das gerade mal leisten. Wenig später offenbart Rundohr den Inhalt der Kiste: wie letztes Jahr zu der Zeit, Muffins. Schokomuffins. Richtig gute Muffins. Einfach geil.
Wir steuern auf den hinteren Teil des Damms zu. Zum Dänholm wurde von Kommentator das eine und auch andere Wort verloren. Sehen den Eingang zum Minihafen. Erinnere mich an den Kajakkurs Anfang der zwölften Klasse. War schon vorher in Zweier-Kajaks, war in diesen Dingern recht sicher unterwegs. Hab völlig unterschätzt, dass es im Einer-Kajak wegen der halben Masse zu massiven Stabilitätsproblemen kommt und bin daher direkt beim Einsteigen gekentert. Bin seitdem durch Einer-Kajaks traumatisiert. War demzufolge auch der Einzige des Kurses, der dieses Persenning-Teil, welches man über die Einstiegsöffnung und um einen herum anbringt, mit einer Hand festmachen konnte, weil ich mich mit der anderen Hand am Steg festgehalten hab. Einer-Kajak nur noch im Trimaran. (boah ist das mittlerweile schwer zu lesen, Anm. d. Verf.)
Auf der linken Seite Rügen. Die Stelle, an der ich letzten September essen wollte. Verspüre gerade (in der Endphase der Vernissage) eine altbekannte Sehnsucht. Halte mich nicht länger damit auf. Das mache ich morgen wieder. Zurück zum Dänholm. Rundohr erklärt den Inhalt der Kiste für frei verfügbar. Sie befindet sich eine Reihe hinter mir. Setze mich zur allgemeinen Belustigung direkt daneben. Als Guard. Nehme mir noch einen. Lecker. Dann gelangen wir zur Werft. Wusste nicht, dass die den stärksten Schiffshubkran der Welt hat. Können jetzt auch das Nautineum sehen. Bei der Führung durch das Unterwasserlabor, die vor über einer Dekade im Rahmen des Clubs für das Meeresmuseum stattfand, erinnere ich mich nur noch daran, dass wir in den Kajüten Spaghetti gegessen haben. Fahren unter der Ziegelgrabenbrücke hindurch. Es ergibt sich ein seltsamer Moment.
Denn in dem Moment fährt der Zug aus Sassnitz ein und direkt über uns drüber. Ach ja, der Sassnitz-Zug. Meine ehemalige Rettung.
Na klasse. Das hat mir gerade noch gefehlt. Die Patrone ist alle. Und ich hab keine mehr dabei. Ich verwende die noch weiter, solange es noch geht … na gut, es geht nicht mehr. Schreibe mit dem Fineliner weiter. (Finelinermodus on) Sind nun also vom Zug überrollt worden. Sitze immer nich da wie der Krösus. Laufen in den Hafen ein, sehen wieder die Gorch Fock. Die mal in russischem Besitz war und daher auch russisch benannt wurde. Man sieht tatsächlich noch Umrisse von den kyrillischen Buchstaben. Legen wenig später an. Nehme vorher (weit vorher) noch einen Muffin und bringe zwei nach vorne. Wir betrachten auf Höhe der Werft den Windeffekt, der sich besonders bei Dan und bei Ida bemerkbar machte. Erfahren, dass Klaus ein paar Monate vor dem Abi abbrach. Nee, du. Hat aber auch so geklappt. Legen dann an und gehen von Bord. Was kommt als nächstes? Ins Hostel will ich nicht. In den Speicher muss ich noch. Gehe also los. Stelle nach kurzer Zeit fest, dass Ida wenige Meter vor mir läuft. Schlage ihren Weg ein. Ida gehört neben Elena zu den Personen, die ich während des Festivals am häufigsten gezeichnet habe. Was, wie bereits erwähnt, daran liegt, dass ich Ida im Profil nur verflucht schwer hinbekomme. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (Endphase der Vernissage, die meisten Besucher sind weg, aber wir sind noch im Speicher) habe ich noch keine zufriedenstellende Ida-Skizze fertiggebracht. Beim Meeresmuseum biegt sie ab. Ich geh zum Speicher. Denn ich will noch ein T-Shirt und vor allem meine Blog-Adresse loswerden, denn das habe ich noch immer nicht hingekriegt. Die T-Shirts wurden schon vor der Druckbar verkauft, allerdings da noch mit der Ankündigung, dass nur so viele T-Shirts gekommen seien, wie bestellt wurden. Das wird allerdings kurz darauf revidiert. Nur müssen erst die durch, die bestellt haben. Das dauert bis zum 28.siebten, so dass ich erst jetzt rankomme. Die größte Größe ist XXL, aber die gibt es nur einmal und die hat sich Rundohr bestellt. Es gibt also noch XL. Nehme das.
Sie spielen gerade diesen Track aus Grosse Pointe Blank. Hab zuerst gedacht, dass Rundohr seine Klampfe ausgepackt hat.
15 Euro. Das T-Shirt ist mein. Ich bin ein T-Shirt-Träger. (So heißen die, die ein T-Shirt vom Festival haben oder dazu berechtigt sind.) Yay! Und die Leute von der OZ haben über uns geschrieben. Den Artikel muss ich haben. Da die Atmo im Hof so gut ist (auch wenn es regnet), bleibe ich hier und schreibe. Es kommen noch Olga und Lockhead vorbei, die beraten, was sie tun. Wir machen auf Englisch ein Storming. Am Bahnhof wäre was. Letztendlich gehen sie zum Ozeaneum. Da ich als Free nicht reinkomme (was ich vorhin schon nach dem Anlegen feststellte, auch der Stempel bringt nix), bleibe ich. Nach einer Weile hab ich keinen Bock mehr und gehe nach Hause. Komme dort an, es ist um zwei. Auf dem Weg denke ich mir den Epilog aus. <Note an den Verfasser: technisch Realist, in der Theorie Dadaist>

Donnerstag, 17. November 2011

Über die Synchros

Der eine oder andere Filmkucker hat ja bereits bekundet, dass er Filme lieber in der Originalfassung schaut. Also einen US-amerikanischen oder englischen Film auf Englisch und einen französischen Film auf Französisch. Die Begründung lautet, dass in diesen Fassungen der Wortwitz besser ist und die Betonung auch näher am Original ist, eben weil es das Original ist.
Dieser Fraktion kann ich mich nicht anschließen. Bei mir ist die Spracheinstellung immer auf Deutsch. Begründung: Der bessere Wortwitz nützt mir gar nix, wenn ich ihn nicht verstehe. Und wer mir daher unterstellen mag, dass ich die englische Sprache nur mangelhaft beherrsche, den verweise ich an meine ehemalige Englischlehrerin. Mir fehlt nur die Gewöhnung in der gesprochenen Sprache. Bei einem englischen Film kommst du dann auch recht schnell nicht mehr mit, weil die so rumnuscheln. Und so viel besser ist der Wortwitz nun auch nicht. Ich mein, ok, wenn es an die Nostalgia Critic-Folgen geht, komm ich noch einigermaßen mit, aber er hat auch eine ziemlich klare Aussprache.
Beim Französischen kommt der Effekt noch stärker zum Tragen. Das liegt einerseits natürlich daran, dass ich es nicht so lange in der Schule hatte. Vier Jahre, verglichen mit den acht, nein, es waren sogar zehn, zwischen der dritten und zwölften Klasse. Das heißt, der Wortschatz, den ich mitbringe, ist schlichtweg zu klein. Dessen konkrete Anwendung ist auch zu lange her. Und selbst wenn ich meinen alten Hefter noch mal rauskramen würde und mir ein französisches Wörterbuch besorgte, wäre ich immer noch keinen Schritt weiter, denn: Die sprechen viel zu schnell! Ich komm nicht mit! Und dann ist es eine Sprache, bei der die Geschwindigkeitsgrenze sehr schnell übertreten wird. Weil mittlere Buchstaben- und Silbenkombinationen zum Teil Bedeutungen haben, die sich einem Ausländer nicht sofort erschließen.
In manchen Fällen wage ich gar die Behauptung, die deutsche Synchro sei besser als das Original. Beispiel Snatch: Die Stimmen von Bullet Tooth Tony und Brick Top wirken im Deutschen viel gefährlicher als im Original. Im Original sagt Brick Top: „In the holy words of the virgin Mary: Come again.“ In der deutschen Fassung sagt Brick Top: “In den sanften Worten der Jungfrau Maria: Was war das für’n Scheiss?” Nächstes Beispiel: Ein Käfig voller Helden. Das ist ein Beispiel dafür, wie mit einer neuen Tonspur der Charakter der Serie komplett verändert wird. Hat das Original noch ernste Untertöne, lacht man sich hier schon beim Anblick der Charaktere kaputt, in Erwartung von deren sprachlichen Eigenheiten, nichar. Und zu guter Letzt möchte ich anführen, dass man sich einfach nach einer Zeit an die Synchronstimmen von Tom Hanks und Will Smith und allen Anderen gewöhnt hat. Klingt im Original viel zu ungewohnt, und das lenkt tierisch ab.

Im Moment sind es hingegen andere Sachen, die beschäftigen: Mir scheint, es gibt ein Déja-vu. Die aktuelle Grafikkarte in meinem Rechner will nicht mehr so, wie sie soll. War ja schon beim Anfang dieses Blogs der Fall, nur dass ich diesmal eine Ersatzkarte im Reservoir habe. Es heißt also, mal wieder nach einer Neuen sich umzusehen. Auf zwei Favoriten hat sich meine Suche eingeschränkt: Entweder nehme ich die gleiche Karte nochmal, oder ich nehme von den Karten, in denen dieser spezielle Chip drinsteckt, die aktuellste. War so zwei Generationen später im Einsatz. Was Besseres brauche ich nicht, kann mein System nicht umsetzen. Bin also zum Media Markt gestiefelt, um mich über deren Angebot zu informieren. Aus der Vergangenheit wusste ich, dass es damit nicht allzu weit her war, sprich das Angebot ist sehr übersichtlich. Ein einziger Regalmeter. Jedoch, ich wurde ein wenig überrascht. Sie hatten ein paar Nvidia 8400 GS im Angebot, also die Low End-Karte aus der Generation, die ich üblicherweise in meinem Rechner habe. Allerdings scheint es eine wie auch immer neu gemachte Version zu sein, denn erstens stand auf dem Karton 2010 drauf und zweitens hatte das Ding einen Grafikspeicher von 512 MB. Mit so etwas sind in der Generation die Performance-Modelle aufgekreuzt. Aber wahrscheinlich haben sie das Ding einfach für die Post-XP-Versionen von Windows flottgemacht. Merkmal dafür ist der Umstand, dass mittlerweile alle Grafikkarten des aktuellen Nvidia-Portfolios die 1 GB-Grenze geknackt haben. Auch die Lowest-End-Karten.
Da ich nun Bescheid wusste und auch die Kill Bill-Box nirgendwo zu finden war, ging ich meiner Wege und lenkte die Schritte Richtung real. Ich wollte wissen, ob es dort noch die Mandel-Almondy gibt, die der rewe nicht mehr verkauft. Dieser hat stattdessen die Toblerone-Version in das Sortiment eingefügt. Auf dem Weg dorthin düdelte Saxophon-Musik durch die Hallenlautsprecher. Solche Momente kann ich in diesem Markt für gewöhnlich nicht ab. Erinnert mich zu sehr an Lynch. Naja, in diesem Fall fühlte es sich wenigstens so an, als würde er nicht auf Film, sondern digital drehen. Immerhin ein Anfang. Als nächstes sollte Badalamenti mehr auf Orchester setzen und die Finger vom Keyboard lassen. Vielleicht ist er damit großgeworden, aber … nein. Der Gang durch den real ging sehr schnell, da ich nur nach Cornflakes und der Almondy sehen wollte, und tatsächlich: Die Mandelversion war verfügbar. Ging dann raus, und der Markt hatte nicht die Gelegenheit, mich wuschig zu machen, da ich schon vorher draußen war.

Freitag, 11. November 2011

Was wäre wenn ... #2

… wenn There will be Blood von Martin Scorsese gedreht worden wäre?

Endlich habe ich ein passendes Thema, um diese Reihe weiterzuführen. In There will be Blood geht es um einen Ölmann namens Daniel Plainview, der am Anfang des 20. Jahrhunderts im (damals noch leerstehenden) Kalifornien sehr erfolgreich Ölquellen aufspürt und ausbeutet. Bei seiner nächsten Neuentdeckung muss er allerdings die Erfahrung machen, dass er auch Gegenleistungen für die ansässigen Ranchbewohner erbringen muss. Insbesondere der noch junge kirchliche Gemeindenvorsteher, nicht weniger charismatisch als Daniel Plainview, beäugt dessen Treiben kritisch.

Zunächst einmal hätte Scorsese wegen der zeitlichen Nähe auf The Departed verzichten müssen. Den hat er 2006 gedreht, Blood kam 2007 raus. Stilistisch hätte es also garantiert Überschneidungen gegeben. Die berühmte Geigenmusik, geschrieben von Brahms und Bestandteil seines Violin Concerto, Opus 77 in D-Dur, wäre dann eher nicht aufgetaucht. Als Hauptthema das Ding von den Dropkick Murphys ist dann aber auch zu viel erwartet. Passt nicht in die Zeit, und auch wenn Scorsese im Grundton auch oft komödiantisch würzt, so würde ich dies als eher unpassend empfinden. Im Sinne eines mit modernen Mitteln unterlegten Bühnenstücks. *hust*moulinrouge*/hust*Stattdessen hätte irgendein ähnlich froh gestimmtes Instrumentalstück von Gaetano Donizetti herhalten müssen. Aus dessen Oper Lucia di Lammermoor, was übrigens ein äußerst ungewöhnlicher Name für eine Schottin ist, tauchen zwei Stücke auf. Einmal ein Gesangsstück, welches Frank Costello in der Oper mit seinen beiden Begleiterinnen hört („Willst du Koks? Da ist es.“) und einmal stammt sein Klingelton daraus. Das Thema müsste nicht unbedingt aus dieser Oper sein. Deren Handlung klingt auch zu sehr nach Romeo und Julia light (mit einer Seitennote auf Hamlet). Der übrige Score wäre natürlich von Howard Shore geschrieben worden.

Zur Besetzung: Die Hauptrolle wäre die gleiche. Daniel Day-Lewis. Spielte in Scorseses Gangs of New York bereits einen sehr ähnlichen Charakter. William Cutting. Es ist als nächstes die Rolle für Leonardo DiCaprio zu finden. Wem es noch nicht auffiel: Seit 2002 ist DiCaprio in jedem Scorsese-Film dabei. Bis dahin hatte er ja eine gewisse Affinität zu Robert DeNiro, den er aber seit Casino nicht mehr gecastet hat. Wen könnte DiCaprio spielen? Die Rolle des erwachsenen HW ist viel zu klein. Dem Umfang seines üblichen Rollenprofils würden nur die Rollen von Paul Dano und Ciarán Hinds genügen. Die Rollen von Paul Dano sind dem Umfang zwar angemessener, allerdings würde es auf einen erneuten Kampf zwischen den Rollen von Daniel Day-Lewis und Leonardo DiCaprio hinauslaufen. Hatten wir schon in Gangs of New York, lenkt zu sehr von der Handlung ab. Dann doch eher die Rolle von Ciarán Hinds: Fletcher.
Wer würde Danos Rolle spielen? Casey Affleck würde wegen seiner ebenfalls in so einer Region und Zeit angelegten Rolle in diesem Jesse James-Film, der auch 2007 rauskam, ausscheiden. Wie wäre es denn mit Josh Hartnett? Zu smart. Mir sind gerade noch die zwei Jungs aus den beiden letzten Tarantinos eingefallen: Michael Bacall und Omar Doom. Bacall wäre wohl besser geeignet, da Omar Doom bis dato abgesehen von den zwei erwähnten Tarantinos nur in einem weiteren Film mitspielte. Das Ding ist auch, dass mir sonst kein Nebenrollenschauspieler einfällt, den Scorsese in den letzten zehn Jahren mehr als einmal gecastet hätte. Aber das macht nix, denn in einem imdb-Thread bin ich gerade über Giovanni Ribisi gestolpert. Der wäre gut geeignet. Ah ja, und Tobey Maguire.
Für die Konkurrenz von Standard Oil fällt mir gerade keiner ein, es sollte aber kein allzu bekannter sein. Jemand wie z.B. Gene Hackman wäre zu schneidig. Die Schauspieler für HW dürfen auch keine bekannten sein, daher werden sie hier auch nicht erwähnt. Im Prinzip lässt sich das auch auf den restlichen Cast anwenden.

Abgesehen von Henry.

Ich hätte jetzt beinahe Michael Jeter in die Runde geworfen. Er hat in Fear and Loathing in Las Vegas den Typen gespielt, der im zweiten Hotel den Vortrag vor der Drogenkommission hält. („Ein Abhängiger bezeichnet diesen Joint-Stummel als Roach.“) Das Blöde daran ist nur, dass der Mann seit 2003 das ist, was Matthias Hinze seit 2007 ist. Ansonsten sieht Dennis Boutsikaris so aus, als könnte er den Job übernehmen, mit seinen keine bösen Absichten beherbergenden Augen. Und geht das nur mir so, oder sieht Henry im Film wirklich ein bisschen so aus wie Friedrich Wilhelm Voigt, bekannt als Hauptmann von Köpenick? Würde in recht guter Korrelation zu seinem Vorhaben stehen, wenn auch nicht dermaßen detailliert bzw. geschickt.

Zum Schluss noch etwas zum Anfang. Bei There will be Blood hat es ja eine Viertelstunde gedauert, bis das erste Wort fiel. Unter Martin Scorsese hätte es dann wohl eher so lange gedauert, bis der Filmtitel eingeblendet wird (wie es bei The Departed der Fall war).

Freitag, 4. November 2011

Mond der Tagessterne Teil 3

Der Montag war als Ausstieg gedacht. Am Abend kommen Ellis heim, das heißt zunächst erst mal, dass eine Aufräumaktion auf dem Plan steht. Halb eins fängt das an, dazu gibt es Mucke von Amy Winehouse. Ihr erstes Album namens Frank. Der Rotwein ist längst alle (also der Saft).
Da ich Aufräumen überhaupt nicht mag, dauert der Käse bis halb fünf. Das ist nicht so toll für einen Ausstieg, und deshalb kommt die Überlegung auf, ob nicht doch ein weiterer Tag angehängt werden soll, da Ellis morgen arbeiten. Dahinter steht noch ein weiterer Gedanke: Das Tempo heute war ein ganz anderes; es ging nicht wie sonst darum, am Tag zwei bis drei Filme zu schaffen und nebenbei zu kochen, sondern die Zeit war einfach mal für sich selbst da. Das verschafft eine Stimmung, die sogar für eine Nummer eins ausreichen würde. Und selbst wenn am nächsten Tag der Launenvorrat nicht reichen sollte, macht das nix, weil ich noch die erste Staffel von Bullrun dabei habe. Zehn vor fünf steht der Entschluss der Verlängerung also fest.

Dann war irgendwann Mahlzeit. Es standen Flammkuchen auf dem Plan. Hatte ich schon mal ausprobiert, als mein Kumpel und ich den letzten Fast & Furious-Marathon veranstalteten. Diesmal belege ich den Teig, wenn er schon auf dem Blech liegt. Andernfalls wird das ein tierisches Gewackel, den in den Ofen zu hieven. Gegen acht geht der Ofen an, zehn Minuten später bin ich nicht mehr allein. Sie stimmten zu, dass das gut schmeckt. Und von der Daube haben sie gekostet. Der Unterschied mit dem Weintraubensaft war wohl schmeckbar. Aber gut.

Am Dienstag reichte es nicht für Nummer eins. Es gab also Bullrun.

Kurz vorher kaufte ich noch irgendwas ein. Auf dem Marktparkplatz stand ein Oldsmobile Cutlass von Anfang der 70er.

Eine kleinere Veranstaltung hat seitdem stattgefunden. Ich wollte sie zunächst nicht ins Programm einbauen, aber dann ließ ich mich doch dazu hinreißen. Inoffiziell war die Verbindung von Anfang an klar. Es gab The Big Lebowski. Aber diesmal richtig zelebriert. Mit Bademantel und Penneraufmachung. Und Virgin White Russian. Virgin, weil kein Kaffee und kein Alkohol. Im Prinzip ist es nur ein Kakao in einem Whiskyglas. Aber das kommt dem optisch recht nahe. An Rezepten war es diesmal nicht so ausgefeilt, nur was aus meinem Studentenkochbuch. Mit Thunfisch. Hatte mich aber bei der Mengenüberlegung komplett verhauen, die Vorräte hielten noch eine Woche. Im Gepäck waren noch Driving Lessons (ist im Begleitprogramm für das nächste Mal), Der Pate Teil 1, Fight Club und der dann zum Einsatz gekommene There will be Blood. Gehört nun definitiv zum Genre der Filme, die beim zweiten Mal besser sind. Und die Milkshake-Szene ist im englischen Original Pflicht.

Das Ganze ließ sich durchaus als Testlauf verstehen. Mit dem langsamen Tempo in Kombination zu Nigel Kennedy and the Kroke Band zum Kochen (die ich diesmal das erste Mal hörte) kam wieder ein Nummer eins-ready zu Stande. Das merke ich mir für das nächste Jahr, wenn drei Wochen Zeit sind.

Kurz zuvor bin ich über 3Dsupply gestolpert. Die haben ein Dude-Shirt auf ihrer Seite, welches hier auf keinen Fall fehlen durfte. Von dort kommt auch das I love Pixel-Shirt, welches Strange_Core hier getragen hat (an dieser Stelle herzliche Grüße ^^).

Dienstag, 25. Oktober 2011

Mond der Tagessterne Teil 2

Am Sonntag ging es um elf los, die Zeit sagt mir, dass ich mir den Wecker stellte. Sonst wäre es zu spät losgegangen. Ab unter die Dusche. Um zwölf geht es weiter: Es steht das große Kochen auf dem Plan.
Die zwei Hauptgerichte des Tages, also das Cassoulet und die Daube et le Bœuf Bourguignon wollen zubereitet werden. Cassoulet ist ein Auflauf, der normalerweise aus (großen) Würstchen, Speckwürfeln, gepökeltem Schweinefleisch und weißen Bohnen gemacht wird. Der braucht eigentlich recht lange, weil da eine leichte Kruste entstehen soll und die immer wieder untergerührt wird. Das spar ich mir mal, das Zeug wird das Mittagessen. Die Daube et le Bœuf Bourguignon braucht eh noch den Rest des Tages.
Da hat sich der Plan dann bemerkbar gemacht, denn sonst verliert man da den Überblick. Für das Cassoulet hab ich das einmarinierte Fleisch genommen und erst einmal mit viel Öl, für die Rouille, angebraten. Nicht zu heiß, sonst schmeckt es nach nix. Statt Schwein hab ich Pute eingepackt. (Hab übrigens, als ich das Fleisch holte, unseren Geo-Lehrer gesehen.) Beim Anbraten gleich noch ordentlich Knoblauch und eine halbe Zwiebel in die Pfanne. Ich hab an dem Wochenende wahrscheinlich sechs Knoblauchzehen verbraucht
. Der Lorbeer kommt erst später, nachdem das Fleisch entnommen und geschnitten wurde. Das mache ich immer erst bei bereits gebratenem Fleisch. Ich hab einmal rohes Fleisch geschnitten, muss so im November, Dezember vor wenigen Jahren gewesen sein, und das Gefühl beim Schneiden war … unheimlich. So als würde das Fleisch einen Widerstand gegen das Schneiden leisten. Bei Gebratenem hat man den Effekt nicht.
Gleichzeitig Bohnen kochen bzw. erhitzen, ich hab diese Heinz-Bohnen genommen. Das alles in eine Porzellanschale, vermischen (mit angebratenen Speckwürfeln), Lorbeer rein und eine Stunde bei 180 °C, dabei in der Mitte mal umwenden.

Parallel dazu wird die Daube et le Bœuf Bourguignon gemacht: Erst wird das Rindergulaschfleisch angebraten, und wenn es von außen schon größtenteils nicht mehr rot ist, wird es mit Weintraubensaft abgelöscht und die Flamme runtergedreht. Auf kleiner Flamme wird es geschmort, dann kommen noch die andere halbe Zwiebel und viel Knoblauch mit rein. Und Lorbeer, später Speckwürfel, Rosmarin und Schnittlauch. Das wird auf ganz kleiner Flamme ganz lange stehen gelassen, hin und wieder kommt noch ein Schluck Saft hinzu (ich hab einmal nachgegossen).
Zwei kleine Impressionen des Vorgangs:

Das Cassoulet, bevor es umgerührt wird und in den Ofen wandert.

Unten links blubbert die Daube et le Bœuf Bourguignon vor sich hin, unten rechts wurde das Fleisch vom Cassoulet angebrutzelt und oben sind noch die Schinkenwürfel für beide Gerichte.

Zehn nach eins ist das Cassoulet im Ofen. Und ich entdecke drei Miniaturspinnennester in den Weintrauben. Das trägt nicht zum Appetit bei, aber glücklicherweise sind die Nester längst leer. Die zur Befestigung dienenden Weintrauben gehen weg, der Rest wird gegessen. Im weiteren Verlauf. Bevor es mit Filmen weitergeht, kann man die Daube einem Geschmackstest unterziehen, und es schmeckt schon sehr gut. Wie wenn man Wein verwendet hätte. Fünf vor halb zwei geht es dann los: American Beauty. Aus dem Genre der Filme, die beim zweiten Mal ansehen besser sind. Beim ersten Mal erwartet man etwas völlig Anderes. Am besten ist immer noch die Szene am Wohnzimmertisch zum Abendessen, in der Kevin Spacey mal einen ungewohnten Ton anschlägt. Zehn nach zwei ist das Cassoulet fertig, es wird umgehend gegessen. Dabei fällt mir auf, dass ich den Lorbeer wohl besser nicht kleingebrochen hätte, der ist verflucht hart. Als würdest du Zweige mitessen. Daher den Lorbeer immer als Blatt reingeben, damit man ihn vorm Servieren leichter entfernen kann. Fazit: Es ist gut, aber es wäre auch mit einem geringeren zeitlichen Aufwand so gut gewesen. Und zum ersten Mal an diesem Wochenende bin ich richtiggehend satt. Vorher konnte ich zu mir nehmen, was ich wollte, Platz war in der kleinsten Hütte, aber so viel Fleisch und Bohnen hauen einen um.

Dreiviertel vier bin ich mit American Beauty fertig, eine Pause ist angesagt. 16.40 Uhr geht es mit der Küche weiter. Die Daube steht immer noch auf kleinster Flamme, aber ich habe noch keinen Aufstrich gemacht. Gehen wir also an die Rouille. Die überhaupt nichts geworden ist, weil ich zu viel roten Pfeffer drangemacht habe. Das schmeckte nur nach dem elenden Zeug. Aber die Rouille stand eh schon unter keinem guten Stern, als ich erfuhr, dass man dafür 200 ml Olivenöl braucht. Viel zu viel meiner Meinung nach. Ansonsten noch Weißbrotkrümel. Man glaubt es kaum, aber es stimmt. Hab zuerst eine Peperoni kleingemörsert, dann Öl und die Krümel rein. War auch ein Grund für das Baguette. Aber der rote Pfeffer hat es gekillt. Musste es dann später wegmachen, das kann man keinem andrehen.

Macht aber nicht so viel, denn zehn nach sechs wurde es langsam Zeit für den nächsten Listenpunkt. Ocean’s Twelve ist immer ein Highlight, und dazu braucht es Thé à la menthe. Geht schnell, schmeckt wie Pfefferminztee, nur besser. Viel besser. Von dreiviertel sieben bis um neun Ocean’s Twelve. Den Punkt handele ich im Text zwar schnell ab, aber es dauert immer angenehm lange.

Die Daube wird dann also das Abendessen. Hunger habe ich noch keinen bzw. ich kann mich zurückhalten, aber die Nudeln kann ich schon machen. Halb zehn fange ich diese zum Soundtrack von Good Bye Lenin an. Muss ihn aber eine Viertelstunde später wieder ausmachen, weil ich es nicht mehr aushalte. Keine Ahnung warum. Ist mir auch eine völlig neue Reaktion. Kann aber nicht am Soundtrack liegen, denn beim Radio kommt die gleiche Reaktion.

Zehn vor zehn geht es mit dem geplanten Double Tap weiter. The Da Vinci Code. Bis fünf vor eins. Unterm Strich mindestens 40 Minuten Pause zwischendrin. Ist normal. Dann gibt es Abendessen: La Daube et le Bœuf Bourguignon avec de la jus de vin. Dazu gibt es extra den Spezialpastateller. Nudeln, Rindfleisch, welches mittlerweile mehr als zwölf Stunden kocht. Viertel nach eins bin ich mit Essen fertig. Fazit: Ich habe nie zuvor so gutes Rindfleisch gemacht. Von jetzt an mache ich Rind nur noch so.

Aber das reicht noch nicht als Pause. Bevor es weitergeht, möchte ich noch den achtzehnten Titel von der Nummer eins hören. Le banquet. War auch Bestandteil von mcl. Also den Verstärker gemutet, auf Titel 18 geskippt, Pause, demute, und Play. Und ich tanzte. Wirklich, es war phänomenal. Und es unterstreicht, weshalb solche Tage nötig sind: Nur so kann ich sein, wer ich sein will. Der Tanz ging nach der 18 noch weiter: In der 18 selbst war es ein improvisierter Wiegentanz, in der 19 ein Wiener Walzer für Alleinstehende (davon tut einem der Rücken weh) und für die 20 ein improvisierter Tanz mit Hebungen und Schwingungen. Ballettfiguren. Ein Titel, zu dem man das Leben feiern kann. Danach war Ende. Und ich total knülle. Das ist ein Sport. Ich brauch n Schluck Wasser. Und eine Dusche. Ich tanzte bis halb zwei.

Nach der Dusche ging der Double Tap um zwei weiter: Illuminati. Beinhaltet wie immer die Standardpause, die auch im Kino vorgenommen wurde. Sie beginnt viertel nach drei und endet, diesmal auch vom Umfang an die Kinopause angepasst, halb vier. Dreiviertel fünf exit Illuminati.