Dienstag, 14. Dezember 2010

Soundtrackverkostung

Gelegentlich hab ich so Phasen, bei denen ich überlege: „Was wäre ein mögliches Vorgehen, wenn …?“ Beispiel: Was wäre ein mögliches Vorgehen, wenn du per Zeitreise auf der Titanic landen würdest und du genau weißt, was ihr bevorsteht? Mit entsprechender Ausrüstung entsteht so ein Handlungsverlauf, wie man das Ersäufnis umgehen kann. Was weiß ich, Spezialgeschosse, die im Wasser absinken würden, auf einem Eisberg aber Halt finden und dann das große Leuchten anfangen, Ultra-Über-Scheinwerfer, mit denen das Meer abgescannt wird, zu Wasser gelassene Minikapseln, die über Rotoren aus der Fahrtströmung Strom produzieren und den an die elektrische Ausrüstung weitergeben, generelle Evakuierung der vordersten vier Abteile und das Abschließen dieser, falls man mal einen Eisberg frontal rammen muss und sich durch das Verbiegen die Abteile nicht mehr schließen lassen. Nur um am nächsten Morgen zu entdecken, dass man bis zum Horizont von Eisbergen umgeben ist. Sich bei voller Fahrt am Bug abseilen, um ein Gerüst zu bauen, mit dem ein provisorischer Rammsporn angebracht werden kann. Nach der Ankunft in den Staaten das Abklären eventueller Auszahlungsansprüche, weil der Bug wegen zwischenzeitlichen Rammens total demoliert ist. Zeuch.
Was wäre eine passende Playlist für das Wochenende? Am Freitagabend in Greifswald Emigrate - In my Tears. Dann später Chevelle - The Red. Und Die Prinzen - Nichts. Für diejenigen unter euch, die es so mit Soundtracks haben, möchte ich hier noch etwas anfügen, was ich gefunden habe, und zwar ist das ein Lied aus dem Film „Die Stadt der verlorenen Kinder“. Wer den nicht kennt: Die Atmosphäre kann man sich in etwa so vorstellen, wie das beim coldmirror-Gamecheck für „Machinarium“ rüberkommt. Nur eben durch einen Farbfilter gejagt. Da gibt es ein Stück, das nennt sich L’Execution. Zu einer solchen wird es auch gespielt, genauer gesagt wird es auf einer Orgel gespielt, damit ein paar Flöhe mit Violen an den Köpfen wissen, dass sie auf ihr Opfer springen sollen und dem diese Miniaturviole in die Adern impfen sollen. Dabei handelt es sich um ein äußerst bemerkenswertes Gift: Es verwandelt das Opfer in ein zombieartiges Wesen, welches jeden um sich herum erwürgt oder sonstwie mit bloßen Händen über den Jordan schickt. Damit eliminiert man mehrere Personen auf einmal. Auf youtube gibt es dieses Lied zweimal. Die etwas ältere Version von The9Lab hier:
http://www.youtube.com/watch?v=p-9-x_41qoU
Und die jüngere Version von FuckThemPigeons her:
http://www.youtube.com/watch?v=Eh01z1O_aZs
Ich würde mir als Erstes die Version von FuckThemPigeons anhören. Der Unterschied zwischen beiden ist die Klangqualität: Die von FuckThemPigeons hat definitiv die bessere Qualität. Interessant ist aber nun, dass das nicht unbedingt besser ist. Seht euch am besten beide an, dann wisst ihr, wo der Unterschied liegt. Ich würde sagen, dass die Version von The9Lab die kranke Abgefahrenheit noch besser rüberbringt. Maßlos übersteuert, wirkt das schon nicht mehr wie ein Stück aus den 90ern, sondern eher wie aus einer dunkelschwarzen, bitterbösen Version von „Der große Diktator“, bei der Adenoid Hynkel höchstpersönlich den Dirigentenstab schwingt und sich Apocalyptica mit dem Orchester von Dimmu Borgir zusammengetan hat, um ihre Instrumente mal richtig zum Schreien zu bringen. Und das passt wesentlich besser zu diesem Titel, es drückt eine ganz andere Dimension des Wahnsinns aus. In meinen Augen besser als das zwar originale, jedoch zu glatte Arrangement. Btw erinnert mich ein Segment aus dem Ende dieses Titels an ein Segment aus dem Ende von Apocalyptica - Hyperventilation.
Was dahinter gut passt: Immolation vom Soundtrack von Illuminati. Für die, die ihn gesehen haben: Das war der Titel, in dem der Main-Villain dem dritten Element ausgesetzt wird, ihr wisst, was ich meine. Und den am Anfang in einer gut hörbaren Lautstärke reinhauen und dann mit dem Orchester hochdrehen. Kurz nach dem ersten Abfall wieder etwas runterdrehen, dann wieder voll Stoff.
Noch was: Für besides hab ich erst mal einen Produktionsstopp angeordnet, weil momentan die Notwendigkeit in der Schwebe hängt und selbst wenn ich mich dazu entschließe weiterzumachen, ich mir nicht sicher bin, in welche Richtung sich das zu entwickeln hat.
Das Glück ist selten und kommt aus anderen Welten, Liebe auf Distanz ist kein Freudentanz.
Am Anfang der letzten Strophe keimt der Gedanke auf, dass die ganze Aufzählung des Zustandes möglicherweise nur einem Ausspannversuch diente, unterstützt wird diese Vermutung durch den Verweis, dass das lyrische Ich jetzt besser heimginge. Die letzte Zeile kehrt den Dreher der letzten Strophe jedoch möglicherweise noch einmal um: Das lyrische Ich ist bereits vergeben und will das nicht ändern. Es hat das alles nur gesagt, weil es gesagt werden muss. Wenn das stimmt, hinterlässt das Lied einen Eindruck, der mehr als nur nachdenklich werden lässt. Depressiv. Verstört. Disturbed. Decadence.

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