Donnerstag, 7. Oktober 2010

Ich find dich nett

(Vorwort.) Falls irgendjemand darüber stolpert: Ich wollte einfach mal das Wort Sepsis einbauen. Es klingt so schön professionell. (Vorwort Ende.)

Hab vor kurzem mal wieder n neues Lied von Bodo Wartke gehört. Naja, was heißt neu, es ist nicht direkt neu, ich kannte es nur noch nicht. Das Lied heißt „Warum nich‘“. Solltet ihr euch unbedingt anhören, bevor ihr weiterlest, es wäre aber auch nicht die verkehrteste Idee, davor noch mal „Logik“ zu hören. Ist im Prinzip das Gleiche, nur eben mit einem Protagonisten aus dem offensiveren Lager.

Dieser Titel veranlasste mich dazu, einen Kommentar zu schreiben zum Thema „Männerfreunde“, also wenn Frauen einen guten männlichen Freund haben, der aber eben nur ein Kumpelfreund ist und kein Zusammenseifreund. Eins vorneweg, liebe Damen: Männer sind immer, und ich meine wirklich IMMER, ohne Ausnahme, mindestens bis zu einem gewissen Grad von ihrer Sexualität eingenommen. Auch eure guten Freunde, lasst euch nichts erzählen. Auch die haben bisweilen die kreativsten Vorstellungen und Ideen für eine Nacht. Die meisten haben das unter Kontrolle, aber in Extremsituationen kann einen das Thema durchaus überrumpeln. Und in dem Lied (Warum nich‘) tritt so eine Situation ein. Und so, wie sich die Frau da verhalten hat: Das ist so ziemlich das Falscheste, was sie da machen konnte. Er übernachtet bei ihr, mangels Alternativen bei ihr im Bett, und sie sagt im entscheidenden Moment, sie fände ihn total … nett. Wer hier öfter liest, weiß, dass ich eine gewisse Affinität zum Zitieren von studiVZ-Gruppen habe, und von daher könnt ihr es euch schon denken, was ich jetzt sagen will: Nett ist der kleine Bruder von Scheisse. Sie hat wirklich geglaubt, der Mann hätte keinen Sexualtrieb. OK, werdet ihr sagen, er hat sich wie ein guter Freund benommen. Wird bestimmt auch so sein, dass er ein guter Freund sein wollte. Und wenn er sie wirklich nur abschleppen wollte, dann hat er sich aber im Gegensatz zu den Anderen wirklich viel Mühe gegeben, und das ist, seien wir ehrlich, immerhin eine kleine Anerkennung wert. Das soll jetzt nicht unbedingt heißen, dass es gut wäre, eine Frau zu belügen, nur um sie in die Kiste zu kriegen, aber hey, direkt belogen hat er sie nicht und er hat wenigstens umgesetzt, dass man, wenn man was haben will, auch was zurückgeben muss. Und das hat er auf das Massivste getan. Das können nicht allzu viele von sich behaupten.
Jedenfalls, sie sieht in ihm einen guten Freund. Das soll sie ihm auch sagen, aber in einer entschärften Situation. Die höchste Wirksamkeit mit einer ziemlich geringen Wahrscheinlichkeit an klinisch relevanten Nebenwirkungen hätte sie erzielen können, direkt nachdem sie ihm gesagt hätte, dass er mit zu ihr ins Bett kann. Genau da hätte sie spätestens sagen sollen, dass das keine Einladung für sonstwas ist. Da kann er sich drauf einstellen, da weiß er, was Phase ist. Sagt euren Freunden genau, was los ist. Nichts ist schlimmer, als nicht zu wissen, was los ist, wo man gerade steht. Wir brauchen Feedback. Auch wenn sie das dann später nicht mitgekriegt hat: In dem Moment, in dem er neben ihr liegt, ist sein Hormonspiegel jenseits jeder Beschreibung. Und seine Pumpen laufen auf Hochtouren. (Unter anderem sein Blutdruck.) Und wenn mir jetzt jemand sagen will, dass er sich als guter Freund doch mal benehmen sollte: Betrachten wir das doch mal. Er ist ein guter Freund. Gute Freunde angelt sich frau nicht unbedingt aus der offensiven Ecke. Es sind vielmehr die etwas ruhigeren Zeitgenossen, die Schüchternen (halbwegs), sprich diejenigen, die beim Freundinnenhaben nicht wirklich in erster Reihe stehen. Und wenn die möglicherweise noch nie eine hatten (wieder mal mehrere Bedeutungen in einem Wort, ich liebe Doppeldeutigkeiten), und dann liegen die neben einer guten Freundin, und sie sieht gut aus, und ihr seid allein und der Vollmond scheint hinein … da könnt ihr verdammt froh sein, dass die Typen schüchtern sind und euch deswegen nicht ungefragt die Unterhose ausziehen und ihr so sporadisch fragt, was das denn jetzt werden würde. Worin das gipfeln kann, brauche ich wohl keinem mehr zu erzählen. Kleiner Tipp: Es gipfelt jedenfalls nicht in einem Höhepunkt. Also, liebe Damen: Wenn ihr einen guten Freund habt, dann macht ihm zu passender Gelegenheit klar, dass das auch so bleiben soll, dass es diese Art von Freundschaft bleiben soll, und was ihr euch genau vorstellt, was ihr nicht mitmachen würdet und was ihr machen wollt. Dann weiß euer Freund genau, was er machen muss und was er getrost vergessen kann. Rechnet aber in Ausnahmefällen damit, dass er, wenn ihr ihm zu viele Einschränkungen auferlegt, dass er mehr will. Da sollte frau zumindest die Möglichkeit ins Auge fassen, die Zügel ein wenig zu lockern, später könnt ihr ihm immer noch eine Backpfeife geben, wenn er zu weit geht. Oder ihr gebt ihm Zeit, sich darauf einzustellen. (Seitennotiz in eigener Sache: Wenn er euch bereits anbietet, ein guter Freund zu sein und nicht mehr, sollte frau annehmen, denn dann hat er sich gewissermaßen dazu verpflichtet, artig zu sein. Möglicherweise benimmt er sich dann manchmal so, als wärt ihr wirklich zusammen, aber das beschränkt sich in erster Linie auf die Abschiedsumarmung oder diverse andere Umarmungen. Falls ihr mit ihm dann doch mal euer Nachtlager teilt, dann wird er dann nicht unternehmen, es sei denn, ihr wollt es so.)

Solltet ihr dennoch in eine derartige Situation geraten, wo es gut wäre, schon im Vorfeld zu klären, was Sache ist, müsst ihr sehen, wo ihr bleibt. Ihr müsst auf jeden Fall eindeutig sprechen. So dass man schon an der Art und Weise, wie ihr es sagt, erkennt, was ihr sagt. Also so als ob ihr mit jemandem sprecht, der eure Sprache nicht spricht, er aber trotzdem an eurer Sprechweise sehr genau erkennt, was ihr sagt.
Ich will ja auch niemanden vorverurteilen. Es gibt ja auch heterosexuelle Typen, die neben ihrer guten Freundin liegen können, ohne wegen ihrer Hintergedanken ernsthaft ins Grübeln zu kommen. (Sozusagen vergleichbar mit Carlisle Cullen, der kann auch die Glassplitter aus Bellas Wunde entfernen, ohne dass er sich Sorgen machen müsste, seinen Appetit ein wenig zu stillen, von der Sepsis ausgehend von seinem Gebiss mal ganz abgesehen.) Wie kann frau das feststellen? Am einfachsten ist es, zu wissen, ob der Typ eine feste Freundin hat und wie stark die Bindung ist. Und wie gut die beiden miteinander versorgt sind. Ist die Versorgung genügend (da gibt es keinen festen Zahlenwert), braucht man keine allzu ernsten Bedenken haben. Was auch analysierbar ist: Wie liegt der Typ neben euch? Wenn er starr wie ein Brett da liegt, befreit ihn von seinem mentalen Druck. Es wäre dazu übrigens nicht die schlechteste Idee, sich hinzusetzen, wie man das bei einem Gespräch nun mal macht. Möglicherweise reicht es auch, wenn nur ihr euch hinsetzt und er bleibt liegen, das hat so einen Psychotherapeuteneffekt. (Seid dann aber gründlich, ihr müsst euch nachher wieder neben ihn hinlegen.) Aufschlussreich ist auch, wie er euch in eurer Umgebung verhält. Erzählt mir nicht, dass ihr darauf nicht achtet, das kriegt man mit, und im Zweifel fragt ihr einfach. Man kann das rauskriegen, was er denkt, an Hand von seiner Art. Wenn er längere Sprechphasen hat, dann ist in aller Regel alles clean. Generell kann man sagen, dass alles ok ist, wenn er sich nicht verklemmt gibt, wenn er sich also so verhält wie eine ganz normale Freundin, nur eben als Typ. Gibt er sich aber ein bisschen verklemmt, dann will er mit irgendwas nicht rausrücken, was eben möglicherweise die Hintergedanken sind, die ihn plagen (können). Kann aber auch was Anderes sein. Und achtet gut auf seine Reaktion, wenn ihr ihm sagt, dass er bei euch im Bett neben euch pennen darf. Wenn er dann erst mal zwei Sekunden kein Lebenszeichen von sich gibt, fügt gleich an: Nur kucken, nicht anfassen. Oder so was in der Art. Das tut euch beiden gut. Wenn er zu locker reagiert, ist das auch kein gutes Zeichen, dann hat er das schon mehr oder weniger fest eingeplant. Der Normalzustand (also der, den ihr euch vorstellt) ist der, dass er erst mal ein bisschen stutzt, weil das eher unnormal ist, dass frau das anbietet, möglicherweise noch ein paar Fragen stellt, dann aber angesichts der Tatsache, dass es keinen anderen Schlafplatz gibt, einwilligt. Macht euch keine Sorgen, wenn er das seinem Ton zu Folge widerwillig macht, dann könnt ihr euch sicher sein, dass er euch nicht befummelt. Achja, in der Situation kann er natürlich auch wie ein Brett liegen, aber dann ist das ein Schutzmechanismus, ein Zeichen dafür, dass das eine neue unbekannte Situation ist, und er versucht nur sich (und euch) zu schützen. Und rechnet auf jeden Fall damit, dass er seine Taschenlampe dabei hat (wer sich an die Szene aus Big Mamas Haus erinnern kann, wird jetzt vermutlich schmunzeln, wer das nicht kann, dem sei gesagt, dass ich hier kein Beleuchtungsutensil meine). Das ist eine ganz normale Reaktion auf das Pennengehen, es hat nicht wirklich was mit einem Bedürfnis zu tun. Das geschieht unbewusst, man muss schon ziemlich gut trainiert sein, um das zu unterdrücken oder auch nur um es rein geistig wieder wegzubekommen. Geht zwar, ist aber schwer.

Falls ihr ihn aber wirklich abschleppen wollt, dann signalisiert ihm das ausreichend. Er ist schüchtern, also kann er das nicht riechen. Ihr müsst ihm das zeigen, und ganz kleine Andeutungen wie etwa ein verlockender Einblick reichen da nicht aus. Mag sein, dass die richtigen Mittel für euch so wirken, als würdet ihr es ihm mit Anlauf ins Gesicht kreischen, aber die männliche Sensorik bei Schüchternen, was nonverbale Konversation angeht, ist doch ziemlich rudimentär. Es ihm direkt zu sagen ist zwar möglich, jedoch solltet ihr das nur dann machen, wenn euch wirklich nichts Anderes einfällt. Spontan würde mir einfallen, ihm direkt, nachdem ihr ihm gesagt hat, dass er bei euch im Bett pennen darf, den verführerischsten Blick zuzuwerfen, den ihr draufhabt und ihm dann zu bedeuten, dass er jetzt herkommen soll, also mit dem Zeigefinger herbeiholen. Übt das besser vorher, vor dem Spiegel, mit eurer Freundin, die das dann beurteilen kann, denn spontan so was rauszuhauen ist ohne Training schwierig und dann rutscht es leicht ins Karikaturhafte über. Es darf nicht maßlos überzogen wirken und auch nicht wie in einem billigen Exploited-Film. Es muss die richtige Nuance treffen. Oder aber ihr zerrt ihn gleich so, wie er ist, ins Schlafzimmer. Das ist auch eindeutig. Da könnt ihr auch langsam machen, so was kommt immer gut.

Was ihr auch macht, alles ist besser, als zu eurem guten Freund, der neben euch übernachtet, in genau dem Moment mit einem Lächeln zu sagen, dass er total nett (also impotent) ist. Falls doch noch jemand kein klares Bild davon hat: Das ist noch schlimmer, als ihm im gleichen Moment zu sagen, dass ihr nicht vorhabt, mit ihm zu schlafen (also in der gebräuchlichen Variante). Das würde im alleräußersten Notfall auch noch gehen. Oder um euch eine noch bessere Vorstellung zu geben: Stellt euch vor, euer fester Freund (also Zusammenseifreund) würde mit euch einen schönen Tag verleben, und direkt bevor ihr euch verabschiedet, sagt er: „Übrigens, das hier *andereFrauausdemVersteckzerrt* ist meine neue Freundin. Ich wünsch dir noch einen guten Nach-Hause-Weg. Wir sehen uns.“ In der Situation wisst ihr auch nicht so genau, ob ihr jetzt einen Tränenausbruch haben sollt, bei dem die Niagarafälle grün anlaufen würden vor Neid, oder ob ihr zur wild wütenden Furie werden sollt. (Tipp: Wenn er außer Hörweite ist, die Niagarafälle, und am Tag darauf die Furie.) OK, ganz so schlimm wird es bei uns nicht sein, aber fast. Es ist gleichbedeutend mit „Sieh her, vor dir liegt das Zwölf-Gänge-Menü deines Lebens, und du darfst nicht einmal daran riechen. Du musst es dir für immer ansehen.“ So kann man sich das vorstellen. Guten Appetit.

Gut finde ich übrigens, dass Bodo Wartke an der Du-darfst-bei-mir-pennen-Stelle die Refrainmelodie von „Ich trau mich nicht“ spielt.

2 Kommentare:

  1. Das klingt ja alles so als hättest du das schon erlebt ...

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  2. nope, zum Glück musste ich das in der Form noch nicht erleben. Wie Zurückweisung aussieht, weiß ich zwar mittlerweile, aber so weit bin ich bisher noch nicht. Das Ganze war auch eher angedacht als eine theoretische Überlegung, welche Situationen dabei auftreten können und wie diese zu meistern sind. Dabei hab ich mich nur auf meinen Instinkt verlassen und überlegt, wie ich selbst im Einzelnen reagieren WÜRDE.

    Liebe Grüße


    der Verfasser

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