Sonntag, 17. Oktober 2010

Wochenende - Thé à la menthe

Vor über zwei Jahren war es. Über zwei Jahre ist es nun her, dass meine Eltern zwei Wochen nicht da waren und ich sozusagen das Haus für mich hatte. In Anbetracht des damaligen nahenden Studienbeginns und der Tatsache, dass ich meine Top Ten ein wenig erweitern wollte, hab ich mir ein paar Filme ausgeliehen, die ich unbedingt sehen wollte, weil diese gute Kandidaten für die Erweiterung waren. Insgesamt zehn Stück. An acht erinnere ich mich noch, die restlichen zwei Titel fallen mir nicht mehr ein. Ich glaube, es waren Ocean’s 12 und Magnolia. Aber ich weiß, dass von den zehn Filmen neun in die Liste einzogen. Und ich weiß, dass es zwei gute Wochen waren. Die Filmguckerei hat sich in erster Linie auf das Wochenende dazwischen konzentriert. Diesen Zustand wollte ich wieder aufleben lassen. Ich wollte das Gefühl einfangen. Und nicht zuletzt habe ich einen meiner beiden Lieblingsfilme zu diesem Zeitpunkt zum letzten Mal gesehen und den anderen zum ersten Mal und seitdem nur ein Mal wieder. Das ist jetzt zwei Jahre her und es wird mal wieder Zeit für ein Revival. Wenigstens einen der beiden sehen. Und weitere drum herum.

Dazu brauche ich aber mehrere Dinge. Ich brauche erst einmal Zeit. Am Ende der Semesterferien habe ich diese nicht, wegen der Klausuren. Es muss also auf ein Wochenende danach ausgewichen werden. Zweitens brauche ich eine gute Media-Anlage. Der Flachbildschirm bei mir im Zimmer reicht dafür übrigens nicht aus. Es muss etwas Größeres her, mit einer weit besseren Anlage, die ich auch benutzen kann, ohne dass mein Zimmernachbar eventuelle Bedenken anmeldet. Und ich brauche Ruhe. Keiner darf mich stören. Keiner darf dabei sein. Zusammengefasst kann man also sagen: Ich brauche einen Zeitraum, an dem meine Eltern nicht da sind. Bei denen sind das Ambiente und die Ausrüstung wesentlich besser und außerdem ist das der Ort, an dem diese zwei Wochen vor zwei Jahren stattfanden.

Nun war es so, dass meine Eltern am ersten Wochenende des Semesters in den Süden fuhren. Sie wollten mich mitnehmen, ich wäre auch mitgefahren, aber sie fuhren Freitag früh los. Da hatte ich noch diverse Vorlesungen in der Uni, also Einführungsvorlesungen mit Bekanntgabe der Logins und all das, und wer mich kennt, weiß, dass ich oft zu schüchtern bin, um nach den Unterlagen zu fragen und diesen Zustand so weit wie möglich umgehe. Daher fuhren sie allein. Ich gab mir Mühe, den Zug zu kriegen, und es war leicht. Ich meine, es war gut. Die letzte Vorlesung fing s.t. an und nicht c.t., was mir sehr entgegenkam, so dass es zu keinerlei Komplikationen kam. Ich hatte das Gepäck für dieses doch recht außergewöhnliche Wochenende bereits die ganze Woche davor gepackt und kam mir dabei vor wie Dr. Gonzo und Raoul Duke beim Zusammensuchen des Gepäcks in den ersten paar Szenen von Fear and Loathing in Las Vegas, unterlegt mit derselben geilen Orgelmusik, die da läuft. Nur eben ohne paradiesapfelrotes Cabrio.

Da der Zeitraum begrenzt war, konnte definitiv nicht die komplette Playlist von damals ausgepackt werden, sonst hätte ich am Freitag drei, am Samstag fünf und am Sonntag nochmal zwei Filme sehen müssen, da ich bis spätestens um vier aus der Stadt raus sein musste, weil jeder Reisende für gewöhnlich vorhat, wieder zurückzukommen. Der Zusatz „für gewöhnlich“ ist in diesem Fall an die Haarspalter gerichtet, die mir irgendwas von einer Selbstmordreise erzählen wollen. Ich wollte meinen Aufenthalt geheim halten. Keine Spuren hinterlassen. Kein festgekettetes Geschirr. Keine eingetrockneten Blätter von verschiedenen Teesorten. Kein unordentliches Bett. Und kein verrücktes und auf dem Balkon zurückgelassenes Spiegelteleskop. Denn ich wollte nicht nur Filme schauen, sondern auch endlich meinem Vorhaben nachgehen, den verfluchten Andromedanebel zu beobachten. Bereits in Sassnitz hatte ich ihn gesucht und nicht gefunden. Jetzt wusste ich einigermaßen, wo er war, aber die Beschreibung „schwacher Lichtfleck“ spottet jeder Beschreibung. Ich weiß immer noch nicht, ob ich ihn, wenn ich mal wieder nachts um vier spontan meine Jacke anziehe und an die frische Luft gehe, wirklich sehe oder ob ich mir das nur einbilde. Und die Plejaden wollte ich sehen. Ein Sternhaufen, relativ leicht zu finden. Wenn man die Gürtel des Orion als halbwegs gerade Linie nach oben rechts verlängert, trifft man auf die Dinger. Das nenne ich einen ordentlichen schwachen Lichtfleck.

In meinem Gepäck fand sich eine Auswahl an Filmen, die ich definitiv nicht alle schaffen könnte, zusätzlich die passenden Soundtracks auf CD und USB-Stick. Weitere Alben, unter anderem von Keimzeit. Aber ich musste noch Besorgungen machen. Das richtige Essen und vor allem noch ein Film, der mit auf der Liste stand. Von den zehn Filmen, die ich vor zwei Jahren gesehen habe, hatte ich die meisten inzwischen bereits auf DVD, abgesehen von einem auf Kauf-DVD. Und dieser eine, den ich noch nicht hatte, und der andere, den ich nur als gebrannte DVD hatte, wollte ich einkaufen. Plus Minzpflanzen, die hatte ich damals auch dabei, oder erst später danach, und grünen Tee. Dies brauchte ich für Ocean’s 12. In der Szene, in der der Nachtfuchs um die Laserlichtschranken tanzt, läuft ein extrem geiles Lied, welches von La Caution stammt und den Titel „Thé à la menthe“ trägt. Das ist ein marokkanisches Getränk, das wie stark gesüßter Pfefferminztee schmeckt, nur besser. Ich hatte von damals noch das Rezept und besorgte mir alle möglichen Zutaten für das Wochenende. Dummerweise war ich zu lange am Rechner, so dass es bereits dunkel war, als ich aus dem Riesen Laden rausspazierte. Bin dann also auf Schleichwegen zurückgefahren, in der Dunkelheit, hab den Rest geschoben und dann fing ich an.

Erster Film: American Gangster (#46)


Die Zahlen in Klammern geben jeweils die Position in meiner Top 50 wieder. Um ranggleiche Filme besser voneinander unterscheiden zu können, hab ich eine weitere Zahl mit Punkt dahinter eingeführt. Diese unterscheidet für gewöhnlich danach, wann der Film in die Liste kam und hat keinerlei gewichtende Bedeutung.

Zweiter Film: Illuminati (#6.2)


Eigentlich wollte ich an dem Tag auch noch den Vorgänger, The Da Vinci Code - Sakrileg, sehen, allerdings habe ich die Angewohnheit, bei einem mir gut gefallenden Film, den ich alleine in hoher Qualität sehe, aus zwei Spielstunden mindestens drei zu machen. Bedingt durch viele Pausen. Daher blieb es dann am Freitag bei diesen beiden.
Erwähnenswert ist überdies, dass Illuminati im Kino in der Mitte pausiert wird, in der Szene, in welcher Langdon im Zentralarchiv des Vatikans sagt, dass der Vatikan unter anderem eine Bank sei. (Anti-Spoiler.) Diese Pause behalte ich bei jedem Ansehen dieses Films bei. Innerhalb dieser Pause mache ich das Chili con Carne, welches auf dem Plan stand, obwohl ich schon längst keinen Hunger mehr habe, aber ich mache das jetzt, damit der Geruch das Wochenende über rausziehen kann.

Dritter Film (Samstag): Französisch für Anfänger (#16)


Ich glaube, dass war das intensivste Ansehen dieses Films, welches ich je gemacht habe. Nicht einmal die zwei Wochen vor zwei Jahren haben das getoppt. Hier zeigte sich die Laufzeitverlängerung besonders drastisch: Der Film dauert knapp eineinhalb Stunden und lief bei mir weit über drei. Nicht nur wegen der zahlreichen Dinge, die ich immer wieder kommentiere, auch weil mich das Thema auch irgendwie betrifft. Jetzt nicht so direkt wie bei einem der späteren Filme, aber irgendwie schon. Ich mag den Film einfach. Er ist so schön. Und vor allem lebe ich damit den Sonntag an dem alten Wochenende nach, denn da hab ich auch am Nachmittag Französisch für Anfänger gesehen und am Abend … dazu komme ich gleich.

Vierter Film: Ocean’s 12 (#15)


Mir fällt erst jetzt auf, dass die exakt nebeneinander liegen. Ocean’s 12 war einer der zentraleren Kandidaten, nicht nur wegen des Thé à la menthe. Wegen meines ausschweifenden Filmpausierens hatte ich … Moment, mir fällt gerade was ein. Ich hab erst bei der Hauptpause von Ocean’s 12 Chili con Carne gemacht. Den Abend vorher hatte ich Fleisch gebraten, und irgendwie glaube ich jetzt nach zwei Jahren, dass ich da beim fleischanbraten definitiv was falsch mache. Ich kann mich anstellen wie ich will, aber innendrin schmeckt das immer nach normalem Fleisch. Egal was ich sonst noch damit mache. Ich hab es vor dem Braten vier, in Worten vier, in Zahlen auch, der Krieg ist vorbei, vier Stunden lang eingelegt in ein zusammengemixtes Zeug bestehend aus Gewürzen und Weintraubensaft (ich trinke grundsätzlich keinerlei Alkohol), nach der Zubereitung hat man davon nichts bemerkt. Ich nehme mal an, das liegt daran, dass ich dem zu viel Vollgas draufhaue. Aber wie dem auch sei, weil ich so lange für einen Film brauche, musste ich mein Vorhaben umstellen. Ich hatte eigentlich vor, dann noch The Da Vinci Code - Sakrileg zu sehen und danach Mathilde - Eine große Liebe. Einer meiner beiden Lieblingsfilme. Den hab ich auch an dem Sonntag-Abend vor zwei Jahren am gleichen Tag wie Französisch für Anfänger gesehen. Die Kombination macht eine bestimmte Szene bei Mathilde - Eine große Liebe besonders reizvoll. (Nur so viel: Es geht um das Schräghalten von Tellern.)

Fünfter Film: The Da Vinci Code - Sakrileg (#6.1)


Im Verlauf dieses Films, genauer gesagt gegen Ende hin, musste dieser zentrale Programmpunkt entfallen. Ich hätte natürlich wie am Abend zuvor bis halb drei weiterschauen können, aber ich war bereits zu diesem Zeitpunkt relativ müde und hätte dann am folgenden Tag garantiert nichts geschafft. Außerdem ist Mathilde - Eine große Liebe einer meiner beiden Lieblingsfilme. Den degradiert man nicht zu einem Konsumartikel oder zu einem Nebenbeifilm. Das ist ein Film, zu dem ich uneingeschränkte Muße mitzubringen habe. Und bei dem auch Pausen angebracht sind. Also musste ich diesen Film schweren Herzens auslassen.
In diesem speziellen Fall habe ich mich übrigens mal nicht an die cineastische Reihenfolge gehalten. Wie wir alle wissen, ist The Da Vinci Code - Sakrileg in der Filmversion der Vorgänger von Illuminati, jedoch ist bei den zugehörigen Büchern zuerst Illuminati und erst dann The Da Vinci Code - Sakrileg herausgekommen. Ich wollte mich an die Buchreihenfolge halten, auch wenn ich die Bücher noch nicht kenne. Es hat nicht ganz so geklappt wie ich mir das erhofft hatte, was möglicherweise daran liegt, dass der Film ab dem London Kapitel ein bisschen hängt, was möglicherweise der Tatsache geschuldet sein könnte, dass er von dort an bei Tag spielt. Was ich von den übrigen negativen Kommentaren zu dem Film halte, sagte ich bereits in einem alten Eintrag vom Sommer.

Sechster Film (Sonntag): Wahnsinnig verliebt (#32.1)


Den hatte ich ausgewählt, weil mir vor kurzem die Founder-Rechte in der dazugehörigen sVZ-Gruppe übertragen wurden und ich daher einen detaillierteren Beschreibungstext haben will. Nun ist es so, dass ich den Film bisher nur ein einziges Mal gesehen habe. Und das ist bereits ewig her. Ich erinnerte mich zwar an den Haupthandlungsstrang, aber nur an wenige Details. Als Admin ist es gewissermaßen meine Pflicht, die Details zu kennen.
Kleine Trivia am Rande: Dieser Film war der erste, bei dem unser DVD-Recorder beim DVD-Brennen Zicken gemacht hat. Der ließ sich einfach nicht auf DVD brennen, weil der bei zwölf Prozent Fortschritt abgebrochen hat. Der ließ sich nicht brennen. Irgendwann hab ich ihn mir über Amazon gekauft und jetzt ausgepackt. Was der Film bewirkt hat, erzähl ich ein andermal.

Das war die Playlist für das Wochenende. Obwohl, nein, so ganz stimmt das nicht, denn es geht jetzt gleich noch weiter, ich bin bereits wieder zu Hause, und gleich kommt noch 21. Der war auch damals dabei und den hab ich mir gekauft.

Also siebter Film: 21 (nicht in Top 50)
Zu dem jetzt kein Text, da ich ihn ja noch sehen muss.

Was wird jetzt mit den beiden Hauptakteuren? In zwei Wochen sind meine Ellis wieder nicht da, wobei ich aber auch hier mit eingeladen bin. Allerdings gibt es danach auf absehbare Zeit keine weiteren ruhigen Momente. Ich muss damit rechnen, danach noch ein weiteres Jahr zu warten, und die darauf folgenden Semesterferien bergen ungeahnte terminliche Konflikte damit. Skizzenfestival, Prüfungen, Klausuren, Praktika, Zeug. Möglicherweise werde ich eine Fortsetzung in zwei Wochen machen.

Mathilde - Eine große Liebe (#1.2)



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen