Aus der kleinen Fortsetzung der Filmplaylist nächstes Wochenende wird nix. Ich fahre mit. Das bedeutet zwar, dass ich in naher und mittlerer Zukunft nicht die Gelegenheit haben werde, meine Lieblingsfilme ihrem Zweck zuzuführen, aber das macht nichts, weil da erst mal sowieso die Luft raus ist. Im tiefsten Winter wäre die nächste Gelegenheit, Mathilde zu kucken, wenn es geschneit hat bzw. geschneit haben sollte. Und außerdem läuft Mitte November ja noch Harry Potter Teil 7 Teil 1 an. Was ich sagen wollte: Ich habe jetzt gerade 21 gekuckt, also ungefähr eine Woche nachdem ich das eigentlich erledigen wollte. Manche wissen, dass ich eine Affinität zu komischen Dingen habe, beispielsweise absurde Filmgenre. Das konnte man in dem Epilog zu den Skizzenfestival Diaries sehen, da hatten wir das Genre der Filme, die die Architektur einfangen und in Südeuropa spielen, also Illuminati, Ocean’s 12, Der talentierte Mr. Ripley und so weiter. Mir ist gerade ein neues eingefallen: Filme, die in Las Vegas spielen. Logisch, dass ich darauf komme, wenn ich direkt mit dem Kucken von 21 fertig bin. Und man kann so eine schöne Zeitlinie der letzten zehn Jahre machen: Am Anfang kam Ocean’s Eleven, dann kam Ocean’s Twelve, der zwar nicht in Las Vegas spielt, aber die Crew genauso vorgeht, dann kam Ocean’s Thirteen, wieder in Las Vegas, dann kam 21, welches auf der Ocean’s-Reihe basiert, besonders auf dem dritten Teil, es geht in beiden darum, das System zum Erkennen von halblegalen Tricksereien wie Kartenzählen zu überlisten. In 21 war es das Überlisten des menschlichen Systems, welches von Computersystemen bedrängt wird, in Ocean’s Thirteen geht es um das Ausschalten dieses Computersystems. Von daher kann 21 wie so ein Spinoff gesehen werden. Nicht nur, weil es einen Titel aus der Ocean‘s-Reihe explizit verwendet, nämlich den Titel, bei dem die im zweiten Teil im Zug den Rucksack mit dem Ei ausgetauscht haben, das war in 21 der Titel am Ende, bei dem die aus dem Casino geflüchtet sind. Und auf 21 wiederum basiert dann Hangover. Als die Blonde Jim Sturgess in ihre Suite raufzerrt, da dachte ich: Ist das die gleiche Suite, wie sie auch in Hangover zum Einsatz kam? Die Antwort kam dann relativ schnell: Nein, das kann sie definitiv nicht sein, denn in Hangover haben die im Cesar’s Palace eingecheckt, und genau das hat man vom Fenster aus gesehen. Und in Hangover kam das Kartenzählen auch wieder sporadisch zum Einsatz, einmal wurde am Anfang darüber geredet und dann am Ende wurde es praktiziert. Allerdings zu gering, als das es ein derart wichtiges Handlungselement gewesen sein könnte wie es das in 21 oder in Ocean’s hätte sein können, es war vielmehr ein dramaturgisches Mittel, um an die achtzig Riesen zu kommen. Was ich bei Hangover besonders gut finde: Bei den meisten Las Vegas-Filmen konzentriert man sich auf die schillernde Darstellung dieser 560.000 Einwohner zählenden Partymeile, der Abenteuerspielplatz für die Reichen und Schönen. In einer Sendung von Tuning TV gab es mal einen Wettstreit während der SEMA, wo sich zwei Teams gegenüberstanden, zwei bekannte Tunerteams, die jeweils einen EVO VIII, 30.000 Dollar und drei Tage Zeit hatten, um den während der SEMA umzubauen und dann wurde nachts der Strip gesperrt und die EVOs traten in zwei Achtelmeileläufen gegeneinander an, die hatten so um die 550 PS zu dem Zeitpunkt. So was geht nur in Vegas. Hangover ging darüber hinaus: Es zeigt einem auch etwas von der weniger schillernden Seite, es zeigt, dass es in Vegas auch ganz anders zugehen kann. Und das zum Teil mitten in dieser schillernden Welt, sprich in dem Hotelzimmer und alles drum herum, in der Innenstadt. Das, finde ich, ist ein gelungener Balanceakt gewesen, die dunkleren Seiten von Vegas mitten in Vegas zu zeigen, ohne zu dunkel zu werden. Sonst wäre das irgend so ein normaler Thriller gewesen, bei dem man sich in der Vorstadt wiederfindet, im Hintergrund sieht man sie Skyline von Vegas, aber man gelangt nie dorthin und ist in irgendwelchen Abgründen gefangen, eben ein normaler Thriller, es wäre zu normal gewesen, dann hätte man das auch in Los Angeles machen können, so was kennen wir zu Hauf. Aber irgendwie sind mir die Darstellungen noch zu bunt, es folgt oft dem ähnlichen Schema, wo sind die wirklich tiefen Abgründe von Vegas, ohne dabei zu sehr ins überall Auffindbare abzurutschen? Der ganz spezifische Vegas-Abgrund. Wer porträtiert den? Obwohl, das würde auch wieder keinen Sinn machen, das hatten wir auch schon mal: Fear and Loathing in Las Vegas. Davon brauchen wir keine Kopie. Und es dürfte schwer sein, eine ähnlich intensive Abgrundstudie von Vegas in der Moderne abzuhalten, ohne dabei wie eine Kopie von Fear and Loathing zu wirken. Auch Lynch würde das nicht packen, bei dem hat man dann am Ende einen viel zu großen Knoten im Kopf, ich will eine verständliche Handlung. Keinen zu lang geratenen experimentellen Kurzfilm.
Was würde als Nächstes kommen? Vielleicht brauchen wir ja einen anderen Fokus? Schließlich ist jetzt ein neuer Teil von Fallout draußen, New Vegas genannt. Keine Ahnung wie der wird, ich werde ihn auch nicht zocken, das ist einfach nicht mein Genre, obwohl der Soundtrack von Fallout 3 schon geil war.
Was ich mir vorstellen könnte wäre ein Revival des alten Las Vegas, so aus den 50er Jahren, im gleichen Atemzug wie die komplette Riviera- Cote-d‘Azur-Nummer aus der Zeit. Das erinnert mich daran, dass 21 auch bei Mr. Ripley Anleihen genommen hat: Ein einfacher Student oder so was, der am Arbeiten ist und dann am Leben der Schönen und Reichen dabei sein darf, nur eben nicht mittendrin. Die Entwicklungen sind in beiden Filmen von da an ein wenig anders, man mag da den eigenen Geschmack entscheiden lassen, ob man Jim Sturgess oder Matt Damon mehr mag.
Ich glaub, morgen kucke ich American Beauty. Kevin Spaceys Kommentare in dem ganzen Film sind einfach zu toll, insbesondere die Szene mit dem Abendessen. Und erst die Intro-Mucke … (mcl part 2 Titel 2).
Seit ich Hangover gekuckt habe, kann ich auf kein Ortsschild sehen, auf dem Hannover steht, ohne dabei an den Film zu denken.
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