Sonntag, 30. Mai 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 5

... in den USA wie auch in Deutschland

Was hat ein Plattenboss von einem toten Künstler? Die Verkäufe gehen danach schlagartig in die Höhe, wie wir bei Michael Jackson gesehen haben. Aber nicht allzu lange darauf schwindet das Interesse, und übrig bleiben nur Restpostenverkäufe, weil nichts Neues herauskommt. Nie wieder hat sich Hip Hop davon erholt. Aber wem erzähle ich das, jeder, der sich mit diesem Thema beschäftigt hat, weiß das alles schon längst. Das hier war nur eine kleine, dramatisch zugespitzte Zusammenfassung dessen, was man auch Hip Hop SuperGAU nennt.

Mit der Zeit verblasst der angebliche Glanz eines Streites. Dabei ist es egal, wie das geschieht. Ob nun die Protagonisten sterben, ob einer von ihnen das Mic wegwirft, ob andere Sachen wichtiger werden, andere Genres auftauchen oder der Konflikt einfach nur zu lange dauert, ist alles egal. Und das war dann auch das Problem in der weiteren Entwicklung um den Shootingstar von Aftermath Records, welcher gewissermaßen als Nachfolger von Death Row gelten kann. Nachdem Dr. Dre auf eigene Faust weitergemacht hat, hat er versucht, dem Genre wieder alten Glanz zu geben. Um ihn scharten sich neue Künstler, davon zwei besonders bekannte, nämlich Marshall Mathers und Curtis James Jackson III. Siehe dazu das Stichwort G-Unit. Wie ihr euch erinnern könnt, wurde daraus über Jahre hinweg eine dominante Stellung. Und mit The Game war irgendwann auch ein neuer Konfliktpartner gefunden. Ein weiteres Beispiel, wie aus Freunden Feinde werden. Diesmal ohne Todesopfer. Auch wenn wieder massives Dazwischenrangeln vorfindbar war, so nützte das am Ende doch nix; irgendwann wurde der Konflikt einfach uninteressant. Ich weiß nicht mehr genau, wann das war, aber der Veröffentlichungstermin von Jacksons drittem Album namens "Curtis", der auf dem 11. September 2007 lag, spricht doch irgendwie Bände. Das belegen auch die Verkaufszahlen: Sie gingen deutlich zurück. Könnte an der nicht so tollen Qualität der Beats liegen, die auf dem Vorgänger noch recht okay war. Vielleicht lag es auch nur daran, dass es die dritte Veröffentlichung war, man sagt in Samplerzusammenstellerkreisen, dass man mit dem dritten Titel ein bisschen Intensität rausnehmen sollte, und ich denke, das Prinzip, was diesem zu Grunde liegt, kann auch bei "Curtis" Einfluss gehabt haben. Wichtiger aber, wie gesagt: Die Leute haben einfach keinen Bock mehr auf die Scheisse. Sie haben gemerkt, dass man mit seiner Freundin nicht besonders gut zum Klang von MPs tanzen kann. Der Konflikt ist einfach abgeflaut. Jackson (alias 50 Cent) wurde uninteressant, nicht nur wegen der eben genannten Gründe, sondern auch, weil er zu viele Leute aus seiner Crew herausgeschmissen hat. Jetzt steht er allein da, mit einer abgefackelten Millionen-Bude. Er hat sich einfach übernommen. Und wisst ihr was? Wenn man ein paar Namen und Zahlen ändert, lässt sich der zweite Konflikt beinahe eins zu eins auf Deutschland übertragen. Traurig, das.

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 4

Osten trifft Westen ...

1984. Die drei Supermächte bekriegen sich, wenn auch nur zum Schein, um weiterexistieren zu können. Dies ist zwar nicht deren einziges Kontrollelement, um ihre Leute unter der Fuchtel zu halten, aber ein nicht von der Hand zu weisendes. Seit wann werden Kriege geführt, um irgend etwas zu verteidigen? Keiner der beiden Weltkriege wurde zu Verteidigungszwecken geführt, sondern wegen Geld. Und Einfluss. Das Grundprinzip lässt sich beliebig erweitern, auf die verschiedensten Ebenen herunterbrechen, in den verschiedensten Bereichen einsetzen. Auch in Bereichen der Musik.
Der G-Rap, der Hip Hop letzten Endes so bekannt gemacht hat, war es dann auch, der maßgeblich für seinen Niedergang verantwortlich war. Als N.W.A. den Aufruf "Fuck tha Police" startete, bescherte ihnen das, trotz Radiospieleinschränkungen, eine massive Umsatzsteigerung. Und als nicht allzu lange danach Death Row Records gegründet wurde, hatte die Dominanz dieses Subgenres faktisch bereits eingesetzt. Was wäre richtig gewesen? An dieser Stelle hätte man auch andere Künstler unter Vertrag nehmen sollen, die aus einfacheren Verhältnissen kommen, die aber nicht das Gangleben in Compton glorifizieren, sondern auf der Conscious-Schiene herumfahren. Oder halt die normalen Alltags-Story-Erzähler, mit denen man sich hätte identifizieren können. Das alles ist nicht geschehen. Es blieb nur G-Rap. Und da der bekanntermaßen von seiner Aggressivität lebt, waren Konflikte vorprogrammiert. Ob es sich dabei um echte Konflikte handelte oder ob die wegen einer Lappalie vom Zaun gebrochen wurden oder ob sich die Konfliktparteien sogar dazu abgesprochen haben, bleibt unbekannt. Jedenfalls fingen bald Leute an, ihr Label zu verlassen oder sich wegen Äußerungen zu streiten. Einige zeigten sich mit den einen solidarisch, die Anderen eben nicht. Und dann haben die Manager irgendwann gemerkt, dass ihre Künstler durch diese Reibereien bekannter wurden und so mehr CDs verkauften. Und da mehr Geld nun mal mehr Geld ist, werden die Manager einen Scheiss dagegen tun. So schraubt es sich höher: Ein Wort ergibt das andere, aus Freunden werden Raufer, aus Raufern werden Feinde, aus Feinden werden erbitterte Feinde. Und die Manager kassieren und lassen ihre Protagonisten auflaufen. Was sie dabei übersehen: Irgendwann kommt der Punkt, an dem es hässlich wird.
7. September, 1996. Las Vegas. Lesane Parish Crooks und Marion Knight Jr. verlassen das MGM Grand Hotel nach einem Boxkampf. Crooks ist einer der Hauptprotagonisten in einem nicht gerade kleinen Streit unter Rappern, nachdem er zwei Jahre zuvor Christopher Wallace und Sean Combs eines Attentates auf ihn beschuldigt hatte. Knight ist sein Plattenboss. Beide steigen in einen schwarzen BMW. Wenig später werden sie angeschossen, und sechs Tage später ist Crooks, auch bekannt als Tupac Shakur alias 2Pac, tot.
9. März, 1997. Los Angeles. Besagter Christopher Wallace besucht die Soul Train Music Awards und steigt danach in seinen Chevrolet Suburban. Wenig später wird er an einer roten Ampel angeschossen und ist noch am selben Tag tot. Bekannt war er unter dem Namen The Notorious B.I.G.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Fussel-Eintrag

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Wieso sind alle gerade auf diesen Artikel so scharf? Lest lieber die aktuelleren, da habt ihr mehr von.
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Hab grad Bank Job gekuckt. Mich düncht, dass mehr oder weniger bekannte englische Kriminalfilme irgendwie ein ähnliches Strickmuster haben: In allen starten die verschiedensten Handlungsstränge (mindestens drei Stück), die irgendwie miteinander verschrobelt sind, was es manchmal schwierig macht, zu folgen, wodurch geschicktermaßen Logikfehler übertüncht werden könnten, was aber nie geschieht; es ist immer beschissenes Wetter, was allerdings mit den spezifischen Gegebenheiten des Drehortes zusammenhängt, und es ist immer mindestens einer dabei, der bei "Snatch" beteiligt war, ein Film, der als aktueller Prototyp für dieses Subgenre gelten kann, obwohl fast der gesamte Stab, darunter Regisseur Guy Ritchie und Hauptdarsteller Jason Statham, bereits zwei Jahre zuvor einen ähnlich gestrickten Film gedreht haben, der allerdings nicht so bekannt ist. Es handelt sich dabei um den Film, mit dem Nick Moran in der ersten Staffel von Bullrun jeden Cop genervt hat, um nicht in den Knast zu müssen: Bube, Dame, König, Gras alias Lock, Stock and two smoking Barrels. Wer folgt dem noch? Logisch: Guy Ritchies RockNRolla folgt dem, auch wenn dieser einen etwas moderneren Anstrich hat und nicht nur im Untergrund beheimatet ist. Ähnliches bei Layer Cake, von Snatch-Produzent Matthew Vaughn, in der Hauptrolle der damals noch weitgehend unbekannte Daniel Craig, ein Film, bei dem man davon ausgehen kann, dass die Zahl, die von dem Titel schon mal gehört haben bzw. ihn gesehen haben, zumindest in Deutschland weitaus geringer ist als die Zahl der Leute, die unbewusst ein Zitat aus diesem Film kennen, nämlich die Sätze: "Du wirst geboren, du frisst Scheisse, gehst hinaus in die weite Welt, frisst noch mehr Scheisse, du kletterst immer höher, du frisst weniger Scheisse, bis du die oberste Stufe erreichst, und vergessen hast, wie Scheisse überhaupt aussieht. Willkommen am Futtertrog, Sohn." Dazu in Teil vier der Hip Hop-Blogreihe dann mehr.
Wieder mehr undergroundig Bank Job, wieder mit Jason Statham. Wobei der zum Teil ziemlich violent ist, jedenfalls mehr als Snatch oder irgendein Film von Guy Ritchie (Revolver kenne ich noch nicht, der ist aber auch wieder mit Jason Statham). Nicht auf die Art und Weise, wie das bei München der Fall ist (mit Daniel Craig), eher wie eine extrem abgemilderte Version von Death Race (wieder mit Jason Statham). Und mit "extrem" meine ich: Auf eine Minute runtergekürzt und dann noch mal durch einen Filter gejagt. Die Szene, in der die britische Spionin, die Michael X ausspionieren soll, in den Garten gerufen wird, ihr wisst, was ich meine.
Ich dachte, dass das der neunte Film mit Jason Statham ist, den ich sehe, aber es war bereits der elfte. In dieser Reihenfolge hab ich die das erste Mal gesehen: Snatch (da war ich so ungefähr 13), Transporter, The Italian Job (hab ich aber bisher nur einmal gesehen und da fiel er mir nicht so auf), Transporter 2, Collateral (Cameo am Anfang, als er mit Tom Cruise die Tasche tauscht), Crank (das war glaub ich der letzte Film mit ihm, den ich gesehen hab, als ich noch in der Schule war) Bube, Dame, König, Gras, Transporter 3, Crank 2, Death Race und zum Schluss Bank Job. Für die Richtigkeit der Reihenfolge wird keinerlei Garantie übernommen, kann sein, dass es hier und da n Dreher gibt.
Ach ja, ich vergaß noch was: Natürlich gibt es auch englische Kriminalfilme, die nicht nach diesem Muster gestrickt sind. Allerdings bilden die einen eigenen Mikrokosmos, weitgehend unabhängig von dem Muster, sondern eher von der Laune der Familie Broccoli. Die einzelnen Werke bauen zwar inhaltlich oft nicht aufeinander auf, widersprechen sich gar, bilden dennoch eine Filmreihe, die mittlerweile zweiundzwanzig Teile umfasst. Plus eins. Aber das wird die Fans in Rage versetzen, denn der eine ist nicht von den United Artists und entspricht auch sonst nicht dem üblichen Schema und wird daher nicht genannt. Und wisst ihr was? Zwei davon sind auch noch mit Daniel Craig, der Schauspieler, der momentan James Bond verkörpert. Ironischerweise hat er den ebenfalls genau zweimal gespielt. Witzig, was?


Hmm, eigentlich sollte das so ein Fusselblog werden, also eine Art Blogcollage. Nun wurde es doch auf ein Thema zurechtgekürzt. Um das zu umgehen, möchte ich am liebsten einen Eintrag loswerden zum Thema: Sollte man sich für jemanden verändern? Da gibt es ein kleines Problem: Den Eintrag hab ich als Kommentar bei wursr gepostet und danach gefragt, ob ich das als Eintrag verwenden darf. Ich glaube zwar kaum, dass chiaki damit ein Problem hätte, auch wenn noch keine Antwort gekommen ist, dennoch werde ich das hier nicht nochmal abschreiben, sondern verweise auf ihren Blogeintrag, dessen Commentaries diesen Eintrag enthalten.

Freitag, 21. Mai 2010

Wann genau hat Hip Hop eigentlich aufgehört, zu existieren? - Teil 3

Die Strippenzieher

Bei der Frage nach der vorherrschenden Stilrichtung im Hip Hop braucht man nicht lange zu suchen: eindeutig der so genannte (und großteils auch wirklich nur so genannte) Gangsta Rap. Der ist so umfassend, dass im Mainstream andere Bereiche praktisch nicht auftauchen, höchstens Party-Rap, aber der ist, wie man sich denken kann, zu Elektro-Scheiss geworden. Was ist mit Conscious Rap, also quasi der Gegenentwurf? Der, der zu Nächstenliebe aufruft anstatt damit rumprahlt, wie viele Mütter man vergewaltigt hat (was im Übrigen nicht nur ekelhaft ist, sondern auch reichlich bescheuert, für so was kriegt man in Deutschland bei einem Einzelfall bis zu 15 Jahre Knast aufgebrummt, was in etwa der Strafe für Mord bei guter Führung entspricht). Oder Geschichtenerzähl-Rap, in etwa so wie Dendemann das macht(e)? Findet man viel zu selten, und wenn, dann in der Juice. Und da wird ihnen ungefähr der Platz eingeräumt, den sie in der öffentlichen Wahrnehmung auch haben. Nicht der sonnigste Platz zwar, aber immerhin nicht ungehört.

Man kann also davon ausgehen, dass der G-Rap die Hauptstromrichtung darstellt und die wichtigsten Richtlinien setzt. Man kann ihm damit auch unterstellen, maßgeblich für den Niedergang von Hip Hop verantwortlich zu sein. Sehen wir uns das mal genauer an:

In nichtenglischsprachigen Ländern wie zum Beispiel Deutschland wird selbstverständlich auch us-amerikanischer G-Rap konsumiert. Interessiert sich dabei irgendeiner für die Texte? Jetzt mal im Ernst: Selbst bei studiVZ gibt es in der Fangruppe von Limp Bizkit einen riesigen Haufen von Mitgliedern, die sich nicht ständig die Lyrics besorgen und die jeden Nachmittag in Kleinstarbeit mit Beibehaltung der jambischen Hebungen und des Reimschemas handschriftlich übersetzen. Und ich kann es ihnen nicht verdenken. Wüsste einer der Leser, was das Wort „Nookie“ bedeutet, welches der Titel eines bekannteren Liedes der Band ist, welches auf dem zweiten Album „significant other“ erschien? Kleiner Tipp: Zartere Naturen sollten es nicht nachschlagen, was, ehrlich gesagt mit dem Google-Übersetzer auch gar nicht funktioniert, und es hat nichts mit „Rookie“ zu tun. OK, Limp Bizkit stammt zwar aus einem anderen Genre, aber die Texte sind auch mit dem berühmten schwarzweißen Aufkleber versehen. Welchen non-native-speaker interessieren die Texte? Für sie ist die Stimme des Sängers nichts weiter als ein Instrument, welches man gekonnt einsetzen muss, sonst wirkt das Ganze falsch. Also, ein Wort an all die „Rapper“ da draußen: Nicht ihr seid diejenigen, die das Beste von einem Titel machen, sondern eure Beat-Produzenten beherrschen die Szene. Und wenn einer der Rapper das nicht weiß und seine Beats selbst produziert, dabei aber nur mit Schimpfwörtern so um sich schmeißt oder, um es mal langsam auf den Punkt zu bringen, sich einer gewissen Assi-Ästhetik bedient, dann kommt nur Blödsinn dabei raus. Weil die anderen in ihm den Federführer sehen und dem nacheifern, was sie sehen, und das ist definitiv nicht der Produzent.

Soviel zu den Leuten, die die Musik eigentlich machen. Aber ich hatte im letzten Eintrag der Reihe noch etwas von „Schafott“ gesagt. Das hebe ich mir für das nächste Mal auf. Das kommt dann aber auch schneller.

Tschüss Kinda!!

Donnerstag, 13. Mai 2010

R.I.P. van Winkle part 2

Yes, meine Passage ist mir wieder eingefallen! Also aufgepasst:
Es beginnt mit einer imaginären Unterhaltung, bei der das Wort "Skizze" fällt und gleich kommt ein Einwand: Nein, das ist eine Zeichnung. Und dann kucke ich wütend und sage: Ihr wisst genau was ich meine! Ein Stück Papier, auf dem mit einem Stift rumgekratzt wurde, mit Strichen, die eine mehr oder weniger geringe Entropie aufweisen! Wobei die in der letzten Zeit eher eine weniger geringe Entropie aufweisen. (Anmerkung: Entropie=Unordnung. Liebe Physiker, ich weiß, dass es ein bisschen komplizierter ist, aber hierfür reicht es.)
Damit kann man auch die Entwicklung der abstrakten/surrealen/was auch immer Kunst beweisen (also alles außer halbwegs Realismus): Man muss nur den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik bemühen, der da lautet: Die Entropie nimmt zu. Also die Unordnung nimmt zu, zeitlich betrachtet. Und je mehr Zeit vergeht, umso größer wird die Unordnung auf den Leinwänden, umso weniger realistisch wird das Kunstgeschehen. Und am Ende weiß man gar nicht, wie rum man die Leinwände aufhängen soll. Aber ich muss noch einen Hinweis zum Impressionismus loswerden.
Der Impressionismus sollte ja gewissermaßen das Gegenstück zum Realismus sein, also gerade NICHT realistisch sein. Und damit hab ich mich nie anfreunden können. Die Kunstwerke des Impressionismus sehen weitaus realistischer aus als das, was manche Wahrheitspächter als einzige realistische Weltbetrachtung ansehen. Gut, vielleicht ein bisschen verschwommen. Aber ich finde, so muss das aussehen. Früher hab ich, nachdem wir mit dem Thema in Kunst durch waren, über diese Stilrichtung geflucht, weil das Bild, das wir dazu malen sollten, in meinen Augen nicht nur mit der Stilrichtung nichts zu tun hatte, sondern auch generell scheisse aussah. Ich habe es daher auch nicht signiert und mich somit davon distanziert. Und etwas muss schon richtig beschissen aussehen, damit es von mir keine Unterschrift kriegt. Ich hab auch gegen die Notenverlesung gestimmt, ich weiß die bis heute nicht und will sie besser auch nicht erfahren. Allerdings liegt das, wie ich heute sagen kann, nicht an der Stilrichtung, sondern an mir: an meiner Technik. Ich neige zu obszessiver Überdetaillierung, ein Hinweis, den ich indirekt nach dem letzten Skizzenfestival von einer Bekannten erhalten habe. Und das ist für Impressionismus und das ganze Spontanzeugs tödlich. Bei mir dauert das immer ziemlich lange, bis was Brauchbares entstanden ist. Also lautet das Ziel: Impressionismus in Pinsel und Bleistift. Vorerst nur Bleistift, dann Pinsel mit schwarzer Farbe und schwarzer Filzstift und überhaupt alle Farbmedien, die irgendwie tiefschwarz sind und nicht wieder weggehen.
Das soll aber nur eine Spielart sein, die ich mir aneignen will. Mein Hauptfeld bleibt nach wie vor das, was ich bisher mache. Und jetzt, nach dieser für einen Eintrag relativ langen Kunstbetrachtung, die Fortsetzung der Rip van Winkle-Story.

Hier sieht man ein paar ergänzte Details; der Kopf wird etwas eingerahmt. Eigentlich wollte ich den ganz zum Schluss machen, aber dann ... naja. Auch hier gilt, erst die Flächen abzugrenzen, auch wenn es weiße Flächen sind.



Der Kopf ist fast vollständig umrahmt. Größere Aufmerksamkeit kam hier dem Haupthaar zu Gute, da hier eine weiße Reflexion auffindbar war, so wie das links von Kopf der Fall war. Das Wichtigste: Die schwarze Fläche erst mal unterdimensionieren, man kann das immer noch kleiner machen. Am besten die einzelnen Strähnen zuerst reinsetzen, dann mit einem Strich quer durch verbinden und danach die schwarzen Flächen machen.



Im direkten Vergleich sieht man die verkleinerte Reflexionszone. Beim Gesicht empfiehlt es sich, oben anzufangen, da kann man sich besser orientieren. Man kennt das: Wenn man von jemandem nur eine Gesichtshälfte sieht, erkennt man den Gegenüber eher, wenn man die obere Hälfte sieht. In diesem Fall war erst der Nasenrücken dran und dann die Strähnen.



Wenn das Gesicht fertig ist, sieht man ziemlich gut, ob man es gut hingekriegt oder verkackt hat. Man sollte es aber nicht überbewerten, es fehlen noch ein paar Details. Aber die Visitenkarte ist damit schon mal fertig.



Dann geht es an die nächste größere schwarze Fläche. Hier sind die Kanten abgesetzt. Auch für die Details an der Waffe, die gar nicht mal so kompliziert sind, wie man anfangs denkt. Auf eventuelle Einschlüsse achten! (Knöpfe)



Dann kann man wieder wie besessen mit dem Filzer rumfuchteln. Nach der großen Fläche war der Teil um die Krawatte herum an der Reihe. Die Kette (die weiße Linie ist keine Abtrennung zwischen Sakko und darunter liegenden Kleidungsstücken) ist dabei etwas dicker, an der kann man später mit dem Stift ganz eng entlangfahren, so dass einige Flächenüberschneidungen entstehen, und dadurch erhält man eine unglaublich dünne Linie. An den Händen wurden ein paar Details ergänzt, der Weg für die Waffe ist frei.



Hier wurden zum ersten Mal störende Teile der Vorzeichnung entfernt. Dabei ging es um Details an den Handschuhen und um die Faltenwerfung des weißen Hemdes. Die Waffe hat eine Maserung erhalten, die Details um den Abzug herum sind auch gemacht, die Gegend ist nur ein bisschen zu hell. Das kommt später. Die obere Hälfte ist damit weitgehend fertig.



Der Rest ist ein Spaziergang: Zunächst mal wird wieder die große schwarze Fläche umrandet. In diesem Teil ist nur auf die Knöpfe und die vielen heraussprießenden Haare Acht zu geben; um sich in Ruhe um Letztere kümmern zu können, wird die Schwarzfärberei erst mal nur bis zum Haaransatz gemacht.



Links "Work in Progress", also zuerst direkt um die Knöpfe herum, damit die nicht aus Versehen untergebuttert werden, rechts dann das Ergebnis. Danach noch die Haare ergänzt (dabei macht es sich gut, zunächst die Hauptsträhnen zu machen und dann die einzelnen Haare zu adaptieren, aber wem erzähle ich das; das muss auch nicht hundertprozentig stimmen, nur ein Erbsenspalter wird die nachzählen), ein paar fehlende Details nachgemacht, und denn ist gut.



Das Ergebnis hab ich mal nicht fotografiert, sondern eingescannt und im 16-Farb-Modus gespeichert. Auf diese Art und Weise kriegt man zwar immer noch die Einzelheiten wie herausstechende Bleistiftstriche mit, aber ein wichtiger, unerwünschter Effekt bleibt aus: Wenn man sich die Zeichnung beim richtigen Licht ansieht, sieht man genau, wie man die schwarzen Flächen ausgemalt hat. Und da treten dann die Überschneidungsregionen hervor, die sozusagen doppelt bemalt wurden, so dass das Bild fleckig wirkt. Bei dem Scan hat man ein schönes einheitliches Schwarz.

R.I.P. van Winkle part 1

Da das Skizzenfestival nicht unmittelbar vor der Tür steht, aber so langsam in Sichtweite kommt, lohnt es sich, schon mal dafür zu trainieren. Auch wenn ich das mit dem nachfolgenden Bericht wahrscheinlich eher weniger tun werde, da es dort vor allem auf Spontaneität und Abstrahierungsvermögen ankommt, aber Proportionenlehre bildet nun mal die absolute Grundlage. Und außerdem hatet ich gerade Bock, so was zu machen. Auch wenn ich mit diesem Eintrag eigentlich, wie bei wursr angekündigt, über Internet-Trends herziehen wollte, aber das kommt später. Und eigentlich hatte ich mir für den Text hier auch eine schöne Passage zurechtgelegt, die ich aber vergessen habe, weshalb die auch später kommt (sofern sie mir noch einfällt).

Jetzt erstmal der Bericht von der Rip van Winkle-Zeichnung (da in diesem Blog bereits zweimal irgendwas mit Hellsing zur Sprache kam, bot sich das an).

Erstmal die Vorzeichnung. Ich bin noch nicht so lange mit Tintenschreiber und schwarzem Filzstift unterwegs (was heißt noch nicht so lange; eher noch nicht so erfahren, aber das bezieht sich darauf, nicht gleich sofort in der Lage zu sein, die Proportionen hundertprozentig hinzukriegen). Man kann es aber bereits ungefähr einschätzen. Und die charakteristische Locke ist bereits mit an Bord.



Auch bei einer Vorzeichnung, besonders wenn man danach mit Tinte o.ä. zeichnet, sollte man Details vorzeichnen. In diesem Fall besonders das Gesicht; die Handpartie ist zwar auch detailreich, noch detailreicher als das Gesicht, aber dort kann man notfalls ein wenig improvisieren.



Die obere Hälfte ist mehr oder weniger grob vorgezeichnet. Darauf konzentriert sich die Hauptarbeit. Die untere Hälfte wird dagegen ein Spaziergang. Und jetzt geht's in eine Pause.



Man kann an der Zeit sehen, dass es etwas länger gedauert hat, bis ich wieder angefangen habe. Im direkten Vergleich mit dem Original (und, ich gebe es zu, unter Zuhilfenahme eines Lineals) fällt auf, dass mit dem Gesicht irgendwas nicht stimmt und die linke Seite sowieso zu breit ist. Das hab ich hier korrigiert.



Nachdem die betroffene Seite etwas höher gelegt wurde, kann mit dem Schwarzfärben begonnen werden. Es macht sich gut, erst mal eine größere schwarze Fläche zu färben, bevor man an den anschließenden Details rummunkelt. Dabei muss man sorgfältig die Grenzen ziehen, nciht dass später irgendwas schwarz ist, was weiß sein müsste. In diesem Fall nur die Knöpfe am Ärmel und die charakteristische Locke.



Die Fläche ist komplett eingefärbt. Den Rest gibt es im nächsten Eintrag.

Freitag, 7. Mai 2010

Do you hear the Sounds of the Machines?

MaschinenJAZZ, 30.4.2010, Druckfest im Speicher Katharinenberg


Ich will definitiv noch meinen Bericht fertigkriegen und die Samples aufnehmen, bevor ich sie wieder vergesse. So eine genial improvisierte Melodie darf nicht vergessen werden. Ich lad nebenbei noch mein Handy auf, damit ich das wenigstens summen kann, so dass ich das auch morgen noch im Kopf habe, weil jetzt reicht die Zeit einfach nicht mehr aus, um die Noten herauszufinden (durch Probieren). Den Rest kann ich gleich jetzt erledigen. Also:
Im Zuge des Druckfestes anlässlich des Tages der Arbeit findet fand am 30.4.2010 ein Impro-Jazzkonzert statt, bei welchem die Inspiration durch den Klang der Maschinen stattfindet. Ich war mir nicht sicher, ob ich hingehen sollte, aber die Tatsache, dass die Kopien durch das Druckfest erst später fertiggestellt werden konnten, ließen mich dazu übergehen, doch hinzugehen, denn wenn ich dadurch eine Verspätung hinnehmen muss, dann will ich auch was davon haben. Was komisch war: Vorher hab ich mir immer nur ausgemalt, wie das danach wohl sein würde, wenn wieder das Gleiche passiert, was nach der „Inglourious Basterds“-Premiere passierte, nämlich in die Kulturschmiede abdampfen, dort auf Strange_Core treffen und die Frage gestellt bekommen: Wie fandest du es? Meine Antwort fiel dabei kurz und nicht zufriedenstellend aus, daher wurde sie noch einmal gestellt, wobei ich mich an meine zweite Antwort nicht mehr erinnern kann. Ich hatte mir also ausgemalt, was ich sagen würde, wenn das jetzt noch mal passieren würde, und relativ schnell kam ich zu dieser Antwort: Bei Impro-Mucke kann man nicht wirklich sagen, gefällt mir oder gefällt mir nicht. Man muss von vornherein das Genre mögen, kann anmerken, welche Details einem besonders aufgefallen sind und die man gut fand, aber letzten Endes ist das eine Kunstform, die Gefühle zum Ausdruck bringt, und genau darüber sollte man dabei auch reden, nämlich über Gefühle. Dann hätte ich dieselben geschildert und das wäre meine Antwort gewesen. So ungefähr, abzüglich von etwaigen Nebeninformationen. (Falls es nicht aufgefallen sein sollte: Genau das mache ich jetzt gerade, ich werde auch einstreuen, wie weit fortgeschritten das Konzert jeweils war, momentan hat es noch nicht angefangen, aber ich bin schon drin.) Dabei dachte ich daran, wie das wohl cineastisch passen würde, also zu welchem bewegten Bild man das unterlegen könnte. Zu Anfang hin dachte ich an einen Film von Robert Rodriguez, der an der mexikanischen Küste spielt oder auf Kuba in einer Umgebung, die auch in Mexiko nicht fehl am Platze wäre, und dabei eine unheimliche Stimmung aufkommen würde, so als hätte er bei David Lynch angerufen und sich ein paar Tipps in Sachen Dramatik und „scare-the-crap-out-of-somebody“ geben lassen, und gleichzeitig bei Portishead angerufen, denen den Film zugeschickt, nach einer akustischen Basis gefragt und das Ganze dann selbst weiterkonstruiert. Der Anfang erinnerte nämlich stark an den Anfang von Portishead’s drittem Album „Third“. Nur eben noch abstrakter. Mit aufgelöstem Rhythmus und so. An der Seite waren Bänke, doch ich saß ganz hinten, und die Musiker waren um die Ecke, so dass ich zwar was hören, aber nix sehen konnte. Und allzu bequem war es auch nicht. Glücklicherweise standen hinter der Scheibe noch Stühle herum, die reichten wir herum, und ich bekam auch noch einen, mit Armlehnen waren die, richtig toll. Dadurch, dass die Druckmaschine (oder was auch immer das war) für das Klangexperiment in Betrieb war, konnte man aber die Stimme der Sprecherin nicht richtig verstehen und bekam von den Wortcollagen nur einzelne Fetzen mit. Und ich dachte ursprünglich auch an eine andere Durchführungsform, also im Prinzip wie klassischer Jazz, mit Instrumenten. Am Anfang war es wie bei dem Gastauftritt der Monaco Baggage beim 3sat-Zeltfestival 2005, als Begleitung von Urban Priol, in der Phase, als der Drummer sein Solo hatte und dabei sein Schlagzeug verließ. Man kann es mit dem Tag „disturbing“ beschreiben. Aber hört: Das war nur ein Intro. Und was für eines! Nicht nur, dass es so lang war. Dabei hat mich das gar nicht mal groß gestört, im Gegenteil, ich fand es so sogar wieder ganz gut, es diente höchstwahrscheinlich als letzte Inspirationssuche vor dem eigentlichen Auftritt. Sozusagen nicht nur ein Stimmen der Instrumente, sondern auch ein Stimmen der Mentalität. Dabei gingen wir auch gleich eine Etage höher. Der ganze Vorgang wurde durch ein richtig gutes Skit untermalt, das gut und gerne von DJ Krush sein könnte, so gut war der Beat. Abstrakter Hip Hop trifft Jazz-Instrumentierung. Währenddessen wurde die Bühne ein wenig weiter präpariert, der Drummer traf auch oben ein und sammelte sein Schlagzeug. Das war nötig, weil er unten, im Intro also, an verschiedenen Stellen verschiedene Teile seines Schlagzeuges hingestellt hatte, weil er ja im ganzen Raum spielte, so wie bei eben erwähntem Auftritt der Monaco Baggage. Als er damit fertig war, fing er auch gleich ein improvisiertes Solo an, recht kräftig, ich dachte mir: Mann, ist das laut. Nebenbei baute der Gitarrist einiges an Zubehör auf, dabei ging der Drummer dazu über, sein Solo zu beenden und mit einem Geigenbogen auf einer Glocke zu spielen. Das hatte er auch schon im Intro gemacht, allerdings nicht mit einer Glocke, sondern mit einem normalen Crash-Becken. Dieses Geigen auf der Glocke jedenfalls, das fühlte sich so an, als ob man mit einem Messer gestreichelt würde, wobei die scharfe Seite hinterhergezogen würde, allerdings auch den einzigen Kontaktpunkt darstellt, wie beim Rasieren mit einer Klinge. So kann man sich das vorstellen, es schmerzt nicht im Geringsten, im Gegenteil, es kribbelt, es ist richtig angenehm, aber eben mit einem Messer, ein falscher Ruck, und die Streicheleinheit ist gegessen, daher ist bei solchen Aktionen ein großes gegenseitiges Vertrauen notwendig. Dann begann der eigentliche Auftritt, mehr oder weniger nahtlos anknüpfend, im Hintergrund waren Aufnahmen von Maschinen in schwarzweiß zu sehen. Mittlerweile haben die beiden den Mexiko-Rodriguez-Pfad verlassen, vielmehr suggerieren sie nun das, was man sich bereits am Anfang vorgestellt hat, nämlich ungefähr die Darstellung von Arbeit, die auch im Zeitalter der Industrialisierung gang und gäbe gewesen sein muss, die im Realismus einen Zeugen fand, ich erinnere da an dieses Bild, auf welchem eine Eisengießerei zu sehen ist, im Hintergrund mehrere Männer an einem Ruck beteiligt, im Vordergrund vereinzelt solche, die schon richtig angepackt haben und sich jetzt die Füße waschen oder so was in der Art. Unweigerlich denkt man an „Moderne Zeiten“, nur ohne den humoristischen Teil. Und eines ist mir beim Konzert immer wieder aufgefallen: Wer zur Hölle ist der Typ eine Reihe vor mir, nur ganz rechts statt ganz links, da wo ich sitze? Immerzu singt der den Beat mit. Wird wohl ein Beteiligter sein, zumal von der Bühne keinerlei Reaktion kommt. Das sind halt Profis, die bringt so schnell nichts aus dem Konzept. Ich war immer noch auf der Filmschiene, als mir ein eigenes ungefähres Filmprojekt in den Sinn kam, zu welchem die Musik in der Tat unbeschreiblich gut passte. Das war ungefähr an der Stelle, an der der Grundrhythmus angeschlagen wurde, der für ein paar Minuten gehalten wurde und den ich mir deshalb auch gemerkt habe und den ich unbedingt festhalten will. Der passt super zum zweiten Teil. Kurz darauf wurde die Pause bekanntgegeben.

Soooooo, erstmal aufstehen, egal wohin du gehst, Hauptsache aufstehen. Der Rücken tut nämlich tierisch weh, die Stühle hier oben sind nicht so optimal. Nach etwas Umhergerenne erfahre ich, dass Strange_Core tatsächlich nicht da ist, komisch, wollte sie nicht da sein? Gute Besserung. Mal kurz rausgehen auf den Flur, hmm, was sind das für Klänge von da oben? Schnell raufgeschlichen, steht da ein Lautsprecher, aus dem Musik herauskommt. Fangen die schon wieder an? War ja eine kurze Pause. Runter, nachgesehen, nee, die spielen noch nicht. Was gibt es da oben noch so alles? Weiter hoch, in den vierten Stock, ich wusste gar nicht, dass das Haus so hoch ist, auch ein fünfter Stock findet sich da. Aber da bin ich nicht hoch, die knarzende Treppe kann verräterisch sein. Also wieder runter, was zu trinken bestellen. Das heißt nein, eigentlich wollte ich nicht, aber als ich so in der Nähe stand, kommt der Beatmitsummer an und bietet mir an, mir einen auszugeben. Nach innerer Frage an mich selbst, ob der mich verarschen will, und einem kurzen Zwist kriege ich tatsächlich eine halbe Spezi ausgegeben, wenn das nichts ist. Ich trinke aus und werde mit jemandem verwechselt und denke mir: Geh lieber noch mal austreten. Und just in dem Moment, genau, ist die Pause zu Ende und es geht weiter. Na sauber, aber macht nix, ich gehe halt einfach dann etwas später rein. Das Problem ist: Die Tür quietscht. Und zwar mächtig. Das ist blöde, wenn die schon spielen und dann quietscht die Tür. Zum Glück quietscht sie mit Schnellöffnen fast nicht mehr. Ich nehme ab jetzt einen Stehplatz ein, weil das ist Rock’n’Roll. Einfach so rumsitzen und nachher Rückenschmerzen haben ist nicht das, was man sich von einem Konzert verspricht. Es ist mittlerweile ¾-10. Der Rhythmus, den ich mir unbedingt merken wollte, ist mir wieder entfallen, weil ich mir einen anderen merken muss. Aber sie spielen ihn leicht verändert noch mal. Bingo, ich kann mir also beide merken. Der Krachmacher lässt wieder von sich hören, als die Damenstimmen erneut in Erscheinung treten. Die waren bereits, wie erwähnt, am Anfang im Intro zu hören, dann aber in den Hintergrund getreten. Textfragmente, die meine Vermutung mit der Arbeiterbeschreibung um 1880-1900 bestätigten, und der Krachmacher sprach ständig den Satz „Do you hear the Sounds of the Machines“ aus, den eine der beiden Sprecherinnen am Anfang des jetzigen Vortrages mehrfach hintereinander verwendete. Merkwürdigerweise war das Konzert dann relativ schnell zu Ende, es reihten sich aber vorher noch ein paar schnelle, rhythmische Impros ein. Und eine weitere anfängliche Vermutung wurde bestätigt: Ja, der Krachmacher gehörte zum Team.

Was kommt danach? Ich habe die Melodie dennoch schon wieder vergessen. Ich weiß nur, dass ich dabei an Butterfly von Nuthin‘ Strange und an die Strandmusik von Schiller gedacht habe. Bei Letzterem dachte ich, um das zu reproduzieren, kann man den ersten Griff nehmen, muss den aber abwandeln. Und Butterfly hat beim ersten Durchgang wie eine Erinnerungsblockade gewirkt. Ich habe das Bild, welches ich mir dazu vorgestellt habe, immer noch genauestens vor Augen, aber die Melodie will mir partout nicht einfallen, scheisse! Naja, vielleicht wird das bei der Nachbearbeitung am Piano noch funktionieren, ansonsten weiß ich nämlich nicht, wo ich eventuelle Mitschnitte herbekomme, es sei denn, das Konzert wurde auch so aufgenommen, dann ist es ja leicht.

So, das war der Text von gestern Abend. Hier die Ergänzungen vom nächsten Tag. Hab inzwischen vier Folgen von Bullrun II gekuckt. Das hat einen Motivationsanstoß gegeben. Und nicht nur das. Denn beim Aufwachen düdelt doch tatsächlich die Melodie, die ich vergessen habe, in meinem Kopf rum. Ich gleich das Grinsen angefangen wie Julia Roberts in „The Mexican“, als sie aufwacht. Sofort ein Sprachmemo gemacht und die Melodie so vor mich hin gesummt. Jetzt kann ich sie nicht mehr vergessen, auch wenn das Memo nicht gerade so gute Qualität hat, auch gesangstechnisch. Ich dachte mir, dass ich das erst später auf Piano nachspiele und so die Noten herausfinde, denn zuerst werd‘ ich mir mit Audacity die ganzen anderen Songs vom Gitarristen vornehmen und die richtigen Noten heraussuchen um dann daraus eine Audiofile zu konstruieren. Dann schreib ich darunter: Interpret Lucas Acuña, Produzent deranderenilo. Das muss aber erst noch warten, denn beim Aufstehen hab ich auf die Uhr geschaut und der Moment hätte mit einem ausgerutschten Trompetensound unterlegt werden müssen, den man in Filmen immer dann hört, wenn eine peinliche Situation auftritt, denn ich stellte fest, dass es erst um acht ist. Wieso ist das erst um acht? Wieso ist noch keiner wach? Wieso bin ich nicht so müde?
Das muss zurückgesteckt werden, denn ich hatte bei der Schilderung noch was vergessen. Nämlich, woran mich das Konzert noch erinnerte. Und zwar an die Lasershow zur Eröffnung des Ozeaneums. Da waren im Kanal lauter solche Leuchtstäbe aufgestellt, wie man sie am Ende von „Das fünfte Element“ in der ägyptischen Grabanlage gesehen hat, und dazu lief so sphärische Musik, so chillout-mäßig, nur ohne Takt, aber mit ähnlichen Stilmitteln. Das war abends, und wir hatten uns auf diese Art Steg gesetzt, die da unten an den richtigen Stegen dranliegt, haben uns zurückgelehnt und es war einfach nur toll. Bei diesem Event wiederum denke ich an zwei Sachen. Nämlich dass ich dazu wieder ein ganz bestimmtes Lied im Kopf habe, und zwar „The Sky is high“ von And.Ypsilon, und dass ich bei so einem Event mit so einer Musik (evtl. auch die von And.Y) gerne jemand dabei gehabt hätte, schon damals, als das stattfand.

Und stellenweise fühlte ich mich an Longplayer erinnert, ihr wisst schon, dieses 1000 Jahre lange Musikstück von Jem Finer, was man zum ersten Mal kennenlernt bei 168 Useless Music Facts auf MTV. Die Erinnerung hielt sich zurück.