Samstag, 13. April 2013

Penner ist tot



Drecksblagen. Allesamt. Aber hin und wieder können sie sich als nützliche Idioten erweisen. Dass sie das sogar in mehrerlei Hinsicht zu vollbringen vermögen, ohne davon auch nur das Geringste zu bemerken, macht es umso bemerkenswerter.

Seit ungefähr einer Woche ist der Schnee auf meiner Laufbahn im Stadion vollständig verschwunden. Seit ungefähr einer halben Woche habe ich meine Benchmark beim Laufen erhöht. Nun sind nicht mehr zehn Abschnitte gefordert, sondern zwölf. Meistens spielt sich die Lauferei in der Dunkelheit ab, und in dieser Nacht war mir nach einem zusätzlichen Lauf, den ich vorschalten wollte, anstatt ihn im Nachhinein erschöpft abzubrechen. Gegen Mitternacht sollte er beginnen.

Nur standen die sogenannten Drecksblagen im Weg. Sie befanden sich an dem Punkt, den ich sonst als Startpunkt zum Laufen wähle, und deren Gesellschaft wollte ich mir nicht antun. Daraus ergab sich eine Planänderung: Dieser Lauf soll nicht im Stadion stattfinden, legt ihn in Richtung Südbahnhof. Sollte auf die gleiche Strecke rauskommen. Das haben wir dann auch gemacht, und so ging der erste Lauf dieser Nacht auf die abgestrichene Liste.

Ein paar Stunden später machte ich mich daran, den eigentlichen Hauptlauf zu absolvieren. Schon aus weiter Entfernung konnte man die Hinterlassenschaften der nächtlichen Kleinwuchsbesucher ausmachen: Überall Flaschen. Größtenteils mit Prozenten. Damit ich nicht auf der ehemaligen Hustensaft-Schmuggelware zum Fallen gebracht werden konnte, schnell alles aus dem Weg gerollert und losgelaufen. Und dann kam mir eine großartige Idee: Wenn die Berufslegastheniker mich durch exzessiven Pfandflaschenverbrauch zum Umdisponieren bringen, dann soll das nicht zu meinem Nachteil geschehen.

Als ich dann also mit der Lauferei fertig war, ging ich nach oben, legte die inzwischen unnötig gewordene zweite Wärmschicht ab, und mit offener Jacke und einer Papiertüte ging ich wieder runter, um das Zeug einzusammeln. Dabei kam ich mir ein weiteres Mal vor, als wäre mir in dem Moment alles und die Welt drecksegal. Ein gewisses Lied von Keimzeit passt da ganz gut. Mit melancholischem Saxophon. Oder Oboe. Diese Abstimmung lief zu dem Zeitpunkt bereits eine Viertelstunde, nicht erst seit dem erneuten Hinuntergehen.

So sind die Drecksblagen nützliche Idioten. Sie liefern mir Geld und ich habe Abwechslung im Trainingsprogramm. Der Großteil der Flaschen ist intakt. Das meiste, was ich mittrage, sind unerwartet Glasflaschen. Allesamt die gleiche Sorte.

Nun ist es also halb sechs und auf meinem Balkon steht eine Tüte mit Pfandgut im Wert von geschätzten Einsfuffzig. Heute Nachmittag werde ich den Krempel reinigen und davon etwas kaufen, wovon mein Mitbewohner schätzungsweise die Hälfte abkriegen wird.

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