Drecksblagen. Allesamt. Aber hin und wieder können sie sich
als nützliche Idioten erweisen. Dass sie das sogar in mehrerlei Hinsicht zu
vollbringen vermögen, ohne davon auch nur das Geringste zu bemerken, macht es
umso bemerkenswerter.
Seit ungefähr einer Woche ist der Schnee auf meiner Laufbahn
im Stadion vollständig verschwunden. Seit ungefähr einer halben Woche habe ich
meine Benchmark beim Laufen erhöht. Nun sind nicht mehr zehn Abschnitte
gefordert, sondern zwölf. Meistens spielt sich die Lauferei in der Dunkelheit
ab, und in dieser Nacht war mir nach einem zusätzlichen Lauf, den ich
vorschalten wollte, anstatt ihn im Nachhinein erschöpft abzubrechen. Gegen
Mitternacht sollte er beginnen.
Nur standen die sogenannten Drecksblagen im Weg. Sie
befanden sich an dem Punkt, den ich sonst als Startpunkt zum Laufen wähle, und
deren Gesellschaft wollte ich mir nicht antun. Daraus ergab sich eine
Planänderung: Dieser Lauf soll nicht im Stadion stattfinden, legt ihn in
Richtung Südbahnhof. Sollte auf die gleiche Strecke rauskommen. Das haben wir
dann auch gemacht, und so ging der erste Lauf dieser Nacht auf die
abgestrichene Liste.
Ein paar Stunden später machte ich mich daran, den
eigentlichen Hauptlauf zu absolvieren. Schon aus weiter Entfernung konnte man
die Hinterlassenschaften der nächtlichen Kleinwuchsbesucher ausmachen: Überall
Flaschen. Größtenteils mit Prozenten. Damit ich nicht auf der ehemaligen
Hustensaft-Schmuggelware zum Fallen gebracht werden konnte, schnell alles aus
dem Weg gerollert und losgelaufen. Und dann kam mir eine großartige Idee: Wenn
die Berufslegastheniker mich durch exzessiven Pfandflaschenverbrauch zum
Umdisponieren bringen, dann soll das nicht zu meinem Nachteil geschehen.
Als ich dann also mit der Lauferei fertig war, ging ich nach
oben, legte die inzwischen unnötig gewordene zweite Wärmschicht ab, und mit
offener Jacke und einer Papiertüte ging ich wieder runter, um das Zeug
einzusammeln. Dabei kam ich mir ein weiteres Mal vor, als wäre mir in dem
Moment alles und die Welt drecksegal. Ein gewisses Lied von Keimzeit passt da
ganz gut. Mit melancholischem Saxophon. Oder Oboe. Diese Abstimmung lief zu dem
Zeitpunkt bereits eine Viertelstunde, nicht erst seit dem erneuten Hinuntergehen.
So sind die Drecksblagen nützliche Idioten. Sie liefern mir
Geld und ich habe Abwechslung im Trainingsprogramm. Der Großteil der Flaschen
ist intakt. Das meiste, was ich mittrage, sind unerwartet Glasflaschen.
Allesamt die gleiche Sorte.
Nun ist es also halb sechs und auf meinem Balkon steht eine
Tüte mit Pfandgut im Wert von geschätzten Einsfuffzig. Heute Nachmittag werde
ich den Krempel reinigen und davon etwas kaufen, wovon mein Mitbewohner
schätzungsweise die Hälfte abkriegen wird.
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