Sonntag, 26. Dezember 2010

Taktik am Absaufen

Weil ich diesen bekackten Bentley Hunaudières von halb hinten nicht mehr sehen kann (so erinnert der an den Mercedes-Benz C112, der seinerseits wieder wirkt wie ein Vorgänger des Pagani Zonda, was nicht verwundert, da beide einen außergewöhnlichen V12-Motor von Mercedes-Benz tragen), kam ich ins Grübeln, ob ich kurz nach Weihnachten nicht doch noch was schreiben sollte, obwohl das eher so was wie ein öffentlich gehaltener innerer Monolog ist. Stoff bietet sich an. Mal wieder ein Traum. Das hatten wir relativ am Anfang schon mal. Also:

Es war wieder wie in der Schule. (Jemand, der sich auskennen würde, würde jetzt sagen: Alles klar.) Nur dass diesmal woanders unterrichtet wurde. Ich könnte jetzt nicht mehr genau sagen, wo, aber es war ein Ort, den man sich so vorstellen muss: Ein hallengroßer Raum im Stil einer Einkaufspassage, nur viel ruhiger und ohne Geschäfte, aber in dem Stil, ich hab nicht so genau hingekuckt, und mit dem Flair eines im Tageslicht ausgeleuchteten Kleinclub-Boxrings, bisschen mit Elementen wie in der Garage in Need for Speed Most Wanted. Und in der Mitte eine Konstruktion, die so wie ein kleineres geschlossenes Gebäude wirkt und oben offen ist, allerdings mit großer, breiter, an die äußerliche Haut angepasste Umzäunung, also als Teil des Außenkörpers, nicht wie ein Zaun drangedübelt. Jedenfalls bin ich gerade an diesem Punkt, gehe dann runter, betrachte das Ding dann von schräg unten außen und da ist die Stimmung gerade wie nach dem Weihnachtskonzert, ihr ahnt was. Unten steht auch SIE. Wir stehen so nebeneinander, sehen gemeinsam irgendwelchen Leuten zu, und auf einmal denke ich so zu mir: Bist du bekloppt? Verdammt, sie steht direkt neben dir, also gebe das Gespräch ab, das du beim Weihnachtskonzert abgeben wolltest! Hab ich dann auch angefangen. Aus einem für mich nicht so ersichtlichen Grund wechselt das alles dann in die sVZ-Optik, will sagen, sie steht nicht mehr neben mir und wir reden miteinander, sondern ich sitze vorm Rechner und wir plaudern miteinander. Nach ein paar Zeilen geht sie offline. Sieht man daran, dass jetzt nicht mehr zwei Leute on sind, sondern nur noch einer. Ich bleib online, weil ich mir von den verschiedensten Chats gemerkt habe: Oft kommt derjenige wieder online. Der eine, der noch online ist, wechselt dauernd, es bleibt immerzu nur einer. Und ich sage zu mir: Junge, du weißt genau, dass sie nicht wieder online geht. Hat sie dann auch nicht gemacht.

Tja, was soll ich sagen? Der zweite Teil ist auch gescheitert. Er war da, aber sie nicht. Was hab ich auch anderes erwartet? Es wären für sie, selbst bei optimistischer Schätzung, mindestens drei verloren gegangene Tage. Verloren, um Leute zu treffen, mit denen man jeden Tag in Skype spricht, um etwas zu sehen, was man (zumindest teilweise) im Internet findet und was mit anderer Playlist jedes Jahr wiederholt wird, und um auf einen zwielichtigen Hutträger zu treffen, von dem man nichts wissen will. Und wenn dann noch ein Praktikumstag dazwischen kommt, ist die Münze gefallen. (Praktikumstag ist hierbei gleichbedeutend mit einem Tag, an dem man praktische Stunden hat, zu denen man in jedem Fall auftauchen MUSS. Viele aus meinem Umkreis verstehen unter einem Praktikum immer noch ausschließlich ein Betriebspraktikum und keinen Labortag.)

Das alles heißt so viel wie: PN. Die hab ich geschickt. Und die Weihnachtsgrüße vergessen. Die PN ist der dritte Teil. Wenn der nicht klappt … Irgendwie geht es immer weiter, irgendwie gewöhnt man sich doch an die neue Situation. Aber ich glaube, niemand wird es mir verdenken, wenn ich das hinter mir lassen will. Hoffentlich haben die bei einer (unwahrscheinlichen) positiven Antwort noch Tische frei.

Es ist einer von diesen Tagen, an denen man sich in ein kleines Zimmer mit Holzfußboden und IKEA-Bett zurückziehen, die Kopfhörer aufsetzen, Platten sortieren, zeichnen, zocken und so n Zeug machen will und dabei Good Night Moon von Shivaree zu hören. Oder Illute.

Montag, 20. Dezember 2010

Taktik



Auch wenn ich für besides einen Produktionsstopp angeordnet habe, kann ich trotzdem nicht abschalten, immer fällt mir was Neues ein, wenn nur diese Texte immerzu nicht wären und ich einfach nur das Artwork dazu machen könnte … Naja, wisst ihr was? Wenn ich das überhaupt zum Abschluss bringe, dann mach ich das mit den Texten doch sowieso anders als ich das bisher gehandhabt habe. Die kommen extra. Eventuell in so ein Skizzenbuch vom Speicher. Per Hand geschrieben. Und in die CDs nur die Liedtexte. Aber immer noch kreatives Austoben. Wäre aber mal gut, einen besseren Grafikeditor zu haben. Die sind aber so teuer. Und mit dem Wünschen isses auch Essig. Egal, ich hab Zeit für so was. Demnächst entscheidet sich die Marschrichtung sowieso, und dann heb ich den Stopp wieder auf. Wahrscheinlich muss ich mir aber eine neue Teilplaylist für das Intro überlegen. Im Moment sieht die so aus:

1. Mulatu Astatke - Yekermo Sew (aus Broken Flowers)

2. Nuthin Strange - Homework

3. Sneaker Pimps - How do

4. Audioslave - Like a Stone

5. Andrew Bird - Plasticities

Und dann irgendwann, vielleicht bereits der sechste, Modest Mouse - Ocean Breathes Salty.

Wir müssen uns einfach mal ausquatschen. Das ist unbedingt nötig. Und ich will das unverkrampft hinkriegen. So wie das früher war. Der erste Teil ist dabei erwartungsgemäß gescheitert. Beim zweiten Teil bin ich mir nicht sicher, ob der erfolgreich sein wird, aber wie es auch kommt, danach geh ich in die Essbar. Wenn der am 21.12. auch scheitert, dann schick ich eine PN, denn persönlich dort aufkreuzen wäre wirklich überzogen. Anrufen ist auch Quatsch, das kann ich nicht. Außerdem kenne ich ihre Nummer nicht. Und weiß nicht, wann sie da ist. Über PN geht das, da weiß ich, wie ich sie erreiche, und da weiß ich auch, DASS ich sie erreiche. Und mal ehrlich, vielleicht kam nach den CDs nix, aber eine PN war noch nie unbeantwortet. Und wenn die Antwort auf die PN eine Kündigung ist, kann ich immer noch persönlich auftauchen. Dann wäre das kein überzogenes Mittel mehr. Es wäre vielmehr das einzige Mittel. Und ich würde definitiv eine Antwort kriegen.

Das nur mal so als Abriss dessen, was mir in den letzten mindestens fünf Wochen durch den Kopf ging. Die Kurzgeschichte von letztens, Sechs Stunden, war auch eine gedankliche Aufarbeitung dessen, falls jemand danach fragen sollte. Es fragt ja keiner.

Nun heißt der Titel ja „Taktik“. Das war eben die Vorgehensweise, nein, die Optionen, nach denen ich jetzt mal vorgehen werde. Ich hab gestern ein Buch in die Finger gekriegt namens „Alles, was ein Mann wissen muss“. Die meisten Sachen daraus sind wirklich interessant, mich stören nur zwei Dinge (aber da bin ich eh ein Exot, und da habe ich keine Extrawurst zu erwarten): Alle Drinks, zu denen Rezepte drin standen, waren mit Alkohol, bei den Tischsitten wurde auch ungefragt davon ausgegangen, dass man Alkohol trinkt, und im Kapitel „Frauen“ dachte ich mir auch: Habt ihr den Verstand verloren? Es gibt im Lemma "Beziehungen" Dinge, die ich nicht wissen will und sollte. Um fremdzugehen, brauchte es drei, und momentan gibt's da nur einen. Und dann bei zwei die Verführungsalgorithmen anwenden und das noch so, dass zumindest eine von beiden von der anderen nichts weiß ... nee. Das ist mir dann irgendwann auch zu kompliziert. Moralisch sowieso verwerflich, aber da brauchen wir gar nicht erst drüber reden. Es gibt einen Grundsatz: Wenn dir die Frau so gut gefällt, dann mach mit deiner Freundin Schluss, und wenn du das nicht bringen kannst, dann lass gefälligst die Finger von der anderen. Oder versuch, ein Freund zu sein.

Und schmeiß endlich die verdammte Liste weg.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Sechs Stunden

„Er hat die Augen aufgemacht. Doch er ist nicht aufgewacht.“
Till Lindemann

Wenn man das Bewusstsein verliert, sieht alles so aus wie bei einem Senderplatz, auf dem kein Sender ist. Es fiept wie beim Standbild. Und es dauert für einen selbst nur zwei Sekunden, egal wie viel Zeit dazwischen vergehen mag.

Es kamen keine elektrischen Signale zurück. Der Widerstand war klein genug eingestellt, daran lag es nicht. Es lag daran, dass es keine mehr gab. Wach lag sie da, mit weit aufgerissenen Augen, ohne dabei etwas anzusehen oder auf etwas zu reagieren. Sie hatte sich seit einer gefühlten Ewigkeit nicht bewegt. Seit dreißig Minuten zog das Gerät seine schnurgerade Linie. Man konnte es so oft nachprüfen wie man wollte, aber es ließ sich nicht mehr rückgängig machen: Sie war tot.

Nach und nach hatten sich die Lebensgeister aus ihren Hirnarealen zurückgezogen. Erst haben sie die äußeren Stellungen aufgegeben, wanderten immer weiter nach innen, bis sie sich schließlich durch das Mark davonmachten. Mag sein, dass es irgendwo noch Zellen gab, die munter weiter machten, mag sein, dass irgendwo noch ein paar Quäntchen Sauerstoff durch ihr Blut transportiert wurde. Aber das Hirn war tot. Daran konnte auch er nichts mehr drehen. Er sah sie an, sie hatten ihr die Augen zugemacht.

Keine Spende. Lasst sie. So wie sie ist. Mausole-isch. (Bindestrich zwecks Aussprachenanzeige eingefügt.) Auch wenn sie den Ausweis unterschrieb.

Wie es der Zufall so wollte, sollte seine Vertraute als nächstes dran sein: Ein neuer Platz in der Intensiven. Abwägung. Ein Leben, das nicht mehr da war. Ein Leben, das noch da war. Zustimmung.

Als sie fertig waren, ruhte sie sich aus.

Später trafen sie sich bei ihr. Sie überlebte durch ihre Spende. War gesund. Er machte sich das bewusst. Er fragte: „Darf ich?“, legte sein Ohr auf ihre Brust, und hörte es wummern. Sie lebte in ihr weiter. Und er hörte ihrer Seele zu. Wie sie weiterexistieren durfte. Und sie schien zu sagen: Führe fort, was du beenden wolltest.

Sie lebte in ihr weiter. Und er hörte ihrem Herzen zu.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Soundtrackverkostung

Gelegentlich hab ich so Phasen, bei denen ich überlege: „Was wäre ein mögliches Vorgehen, wenn …?“ Beispiel: Was wäre ein mögliches Vorgehen, wenn du per Zeitreise auf der Titanic landen würdest und du genau weißt, was ihr bevorsteht? Mit entsprechender Ausrüstung entsteht so ein Handlungsverlauf, wie man das Ersäufnis umgehen kann. Was weiß ich, Spezialgeschosse, die im Wasser absinken würden, auf einem Eisberg aber Halt finden und dann das große Leuchten anfangen, Ultra-Über-Scheinwerfer, mit denen das Meer abgescannt wird, zu Wasser gelassene Minikapseln, die über Rotoren aus der Fahrtströmung Strom produzieren und den an die elektrische Ausrüstung weitergeben, generelle Evakuierung der vordersten vier Abteile und das Abschließen dieser, falls man mal einen Eisberg frontal rammen muss und sich durch das Verbiegen die Abteile nicht mehr schließen lassen. Nur um am nächsten Morgen zu entdecken, dass man bis zum Horizont von Eisbergen umgeben ist. Sich bei voller Fahrt am Bug abseilen, um ein Gerüst zu bauen, mit dem ein provisorischer Rammsporn angebracht werden kann. Nach der Ankunft in den Staaten das Abklären eventueller Auszahlungsansprüche, weil der Bug wegen zwischenzeitlichen Rammens total demoliert ist. Zeuch.
Was wäre eine passende Playlist für das Wochenende? Am Freitagabend in Greifswald Emigrate - In my Tears. Dann später Chevelle - The Red. Und Die Prinzen - Nichts. Für diejenigen unter euch, die es so mit Soundtracks haben, möchte ich hier noch etwas anfügen, was ich gefunden habe, und zwar ist das ein Lied aus dem Film „Die Stadt der verlorenen Kinder“. Wer den nicht kennt: Die Atmosphäre kann man sich in etwa so vorstellen, wie das beim coldmirror-Gamecheck für „Machinarium“ rüberkommt. Nur eben durch einen Farbfilter gejagt. Da gibt es ein Stück, das nennt sich L’Execution. Zu einer solchen wird es auch gespielt, genauer gesagt wird es auf einer Orgel gespielt, damit ein paar Flöhe mit Violen an den Köpfen wissen, dass sie auf ihr Opfer springen sollen und dem diese Miniaturviole in die Adern impfen sollen. Dabei handelt es sich um ein äußerst bemerkenswertes Gift: Es verwandelt das Opfer in ein zombieartiges Wesen, welches jeden um sich herum erwürgt oder sonstwie mit bloßen Händen über den Jordan schickt. Damit eliminiert man mehrere Personen auf einmal. Auf youtube gibt es dieses Lied zweimal. Die etwas ältere Version von The9Lab hier:
http://www.youtube.com/watch?v=p-9-x_41qoU
Und die jüngere Version von FuckThemPigeons her:
http://www.youtube.com/watch?v=Eh01z1O_aZs
Ich würde mir als Erstes die Version von FuckThemPigeons anhören. Der Unterschied zwischen beiden ist die Klangqualität: Die von FuckThemPigeons hat definitiv die bessere Qualität. Interessant ist aber nun, dass das nicht unbedingt besser ist. Seht euch am besten beide an, dann wisst ihr, wo der Unterschied liegt. Ich würde sagen, dass die Version von The9Lab die kranke Abgefahrenheit noch besser rüberbringt. Maßlos übersteuert, wirkt das schon nicht mehr wie ein Stück aus den 90ern, sondern eher wie aus einer dunkelschwarzen, bitterbösen Version von „Der große Diktator“, bei der Adenoid Hynkel höchstpersönlich den Dirigentenstab schwingt und sich Apocalyptica mit dem Orchester von Dimmu Borgir zusammengetan hat, um ihre Instrumente mal richtig zum Schreien zu bringen. Und das passt wesentlich besser zu diesem Titel, es drückt eine ganz andere Dimension des Wahnsinns aus. In meinen Augen besser als das zwar originale, jedoch zu glatte Arrangement. Btw erinnert mich ein Segment aus dem Ende dieses Titels an ein Segment aus dem Ende von Apocalyptica - Hyperventilation.
Was dahinter gut passt: Immolation vom Soundtrack von Illuminati. Für die, die ihn gesehen haben: Das war der Titel, in dem der Main-Villain dem dritten Element ausgesetzt wird, ihr wisst, was ich meine. Und den am Anfang in einer gut hörbaren Lautstärke reinhauen und dann mit dem Orchester hochdrehen. Kurz nach dem ersten Abfall wieder etwas runterdrehen, dann wieder voll Stoff.
Noch was: Für besides hab ich erst mal einen Produktionsstopp angeordnet, weil momentan die Notwendigkeit in der Schwebe hängt und selbst wenn ich mich dazu entschließe weiterzumachen, ich mir nicht sicher bin, in welche Richtung sich das zu entwickeln hat.
Das Glück ist selten und kommt aus anderen Welten, Liebe auf Distanz ist kein Freudentanz.
Am Anfang der letzten Strophe keimt der Gedanke auf, dass die ganze Aufzählung des Zustandes möglicherweise nur einem Ausspannversuch diente, unterstützt wird diese Vermutung durch den Verweis, dass das lyrische Ich jetzt besser heimginge. Die letzte Zeile kehrt den Dreher der letzten Strophe jedoch möglicherweise noch einmal um: Das lyrische Ich ist bereits vergeben und will das nicht ändern. Es hat das alles nur gesagt, weil es gesagt werden muss. Wenn das stimmt, hinterlässt das Lied einen Eindruck, der mehr als nur nachdenklich werden lässt. Depressiv. Verstört. Disturbed. Decadence.