Vielleicht sollte ich ausdifferenzieren: Die wahren Schuldigen am Niedergang des Hip Hop sind nicht die Elektrorapper, sondern wohl eher deren Konsumenten. Denn: Irgendwelche … ich will jetzt nicht Abweichler sagen, das ist erstens nicht mein Stil, zweitens falsch und drittens politisch und auch sonst wie komplett unkorrekt, nennen wir sie „sogenannte Andere“. Jedenfalls, solche sogenannten Anderen gibt es immer. Bei allen Dingen. Beim Fußball sind es die Hooligans, beim Islam sind es die
Aber was ich sagen will, ist: Ohne das entsprechende Publikum können solche Leute niemals diesen Stellenwert haben. Bushido ist der erfolgreichste deutsche Rapper. Das hat er seinen Fans zu verdanken. Klingt trivial, ist aber wichtiger als man glaubt. Wenn irgendein gutes System stabil ist, dann liegt das nicht daran, dass keine Gegner vorhanden sind. Die gibt es ab einer bestimmten Personenzahl immer. Liegt einfach daran, dass alle anders sind als die Anderen. Die Stabilität kommt einfach daher, dass die Gegner keine Rolle spielen. Ähnlich wäre es im Hip Hop: Bushido würde auf jeden Fall existieren, aber wenn er nur eine Außenseiterrolle gespielt hätte, jetzt mal von den Verkaufszahlen her, dann hätte es solch einen Umsturz wohl nie gegeben. Beziehungsweise, was wahrscheinlicher ist, mit anderen Leuten. Das Publikum ist schließlich auch da. Und die lassen sich nicht durch ihr Major-Label einschüchtern. Böses Publikum. Die pushen einen kleinen Teil der Szene nach oben, weil sie keinen Bock auf Anspruch haben, sondern einfach nur in der Disse rumzappeln wollen, und unsereiner kuckt in die Röhre, oder was? Was soll das! Das mag für euch Disco-Menschen ja vielleicht neu sein, aber uns interessiert es schon, wer unseren Namen zu Recht benutzen darf und wer nicht. Mit einer ähnlichen Scheisswut dürften viele Moslems unterwegs sein, die Sanktionen zu befürchten haben, nur weil ein paar Weltverschlimmbesserer sich als Moslems bezeichnen, dabei aber gleichzeitig hunderte von Menschen töten und mit dem Islam ungefähr so viel zu tun haben wie die Bild mit investigativem Journalismus, während BP sein Öl kubikkilometerweise in den Golf von Mexiko schüttet!
Es kann nicht nur an den Interpreten liegen. Erinnert ihr euch noch an die Zeit, in der Bushido bekannt wurde? Was waren denn die Titel, die in den Single Charts waren? Nie ein Rapper, Augenblick, Janine, später dann Reich mir nicht deine Hand. Alles tiefgründige, gehaltvolle Sachen, die nicht einfach dumpfer Hau-drauf-Rap sind, sondern analysieren und anklagen. So was wünsche ich mir häufiger von ihm. Aber viele andere eben nicht. Die wollen weiterhin Brot und Spiele. Und weil Bushido nett ist, gibt er ihnen genau das. Und weil die Konsumenten weiterhin Stoff in einem auf Lappalien aufbauenden Konflikt wollen, geben ihnen die Kontrahenten genau den. Und wenn das zu langweilig wird, haben sich auf einmal wieder alle ganz lieb. Überall. Jay-Z gegen Nas, Aggro gegen ersguterjunge, lauter so ein Mist. Die Interpreten verkommen zu Marionetten. Und das breite Volk glaubt, sie hätten was zu sagen, hätten so was wie Macht durch das Wort. Aber da können sie ansetzen: Den Interpreten wird wenigstens Gehör geschenkt, zwar in erster Linie für Scheissdreck, aber bei tiefgründigen Betrachtungen hören ihnen die Fans auch zu, weil sie ja Fans sind. Nur: Wer in aller Welt bricht diesen Kreis?
Am ehesten wird sich die Szene erholen, wenn sie von diesem Scheiss-Mainstream wegkommt. Wenn sie sich outet und dann von den Spastis fallen gelassen wird wie heiße Kartoffeln. Sollen die sich doch zu Jem Finer austoben. Da haben die erst mal genug akustisches Material und sind eine Weile beschäftigt. Und wehe, ihr wagt es, Bossa Nova auch nur anzurühren.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen