Freitag, 5. Juli 2013

Automobile Warfare Pt. 2



(zehn Tage Schreibpause)

Der Shot ist also so im Film integriert worden, wie man es aus dem Trailer erwartet. OK, das ist ein erster Meilenstein, den der Film erfüllt hat. Man kann ja in einem Trailer zusammenschnippeln, was man will, wodurch eine Erwartungshaltung geschürt wird, die der Film dann nicht halten kann. In diesem Fall ist das nicht so.

Wie sieht es mit dem nächsten Meilenstein aus? Was ist mit Letty geschehen? Im vierten Teil wurde verdeutlicht, dass sie von Fenix erschossen wurde. (Mit der gleichen erzählerischen Technik, die uns Paul Smecker in The Boondock Saints gebracht hat. Hübsches Stilmittel.) Und tatsächlich hat Fenix einen Schuss abgegeben, nur dass er sich hier dazu entschieden hat, den Wagen in Brand zu setzen und eine Explosion auszulösen. Durch den physikalischen Schock hat Letty ihr Gedächtnis verloren und landete in einem Krankenhaus. Dort wurde sie von ihrem Auftraggeber, Arturo Braga, der auch den Mord angeordnet hat, aufgefunden. Er stellte fest, dass sie sich an nichts mehr erinnern kann. Damit fällt für ihn der Grund weg, sie umzubringen, da es dabei nur darum ging, keine Zeugen des eigentlichen Verbrechens zu hinterlassen. Da er sich zudem in dem vorherigen Job von ihren Fähigkeiten überzeugen konnte, fällt kurzerhand der Entschluss, sie weiterhin zu verwenden. Dadurch landete sie in der Crew von dem Typen, um den es in diesem Film hier geht.

Wenn nun jemand behauptet, man könne das anders und besser lösen, dann lege ich keinen Einspruch ein. Wenn jemand behauptet, man hätte Letty wiederbelebt, weil die Zuschauer sie wieder sehen wollten, dann lasse ich das auch durchgehen. Bei Han dürfte es schließlich genauso gewesen sein (darum brauchten wir auch drei Filme, um die Lücke zu Tokyo Drift zu schließen). Aber ich wiederum nehme mir das Recht heraus, zu behaupten: Das hätte man auch viel schlechter machen können. Beispiel Fenix: Er hat abgedrückt, weil er den Auftrag hatte, Letty zu töten. Nichts anderes hat er mit dem Schuss beabsichtigt. Man hat es also vermieden, im Nachhinein die Intentionen der Figur zu ändern. Beispiel Braga: Er sagte im vierten Teil (in welchem Letty mutmaßlich umgebracht wurde), dass es ihm nur ums Geschäft ginge. Zwischenmenschliche Dinge wie Wut oder Aggression spielen also keine Rolle, wenn er einen Mordauftrag vergibt. Darum versucht er auch nicht weiter, Letty zu töten, als sie ihr Gedächtnis verloren hat, sondern bewertet die Lage neu und kommt zum Schluss, dass sie ihnen tot weniger nützt als lebendig. Man ändert auch hier nicht im Nachhinein den Charakter. Ordentlich gemacht, insbesondere für das Genre.

Das alles erfahren wir etwas später. Brian muss sich mit besagtem Arturo Braga treffen, um das alles rauszufinden. Dieser sitzt immer noch im Knast, und da Brian selbst gesucht wird, muss er es riskieren, komplett aufzufliegen. So lässt er sich zum Schein in den Staaten von seinen ehemaligen Kollegen verhaften, und dann kommt es zur Braga-Szene. Somit gibt es ein weiteres Cross-Linking zwischen den Filmen. Braga ist nach wie vor der gleiche Charakter, und damit fügt sich die Letty-Erklärung nochmals harmonischer.

Wer die Vorgängerfilme nicht kennt, für den ergibt natürlich all das nicht den geringsten Sinn.

Wer die Vorgängerfilme nicht kennt, sollte sich überhaupt aus der ganzen Fast & Furious-Sache heraushalten. Es gibt Filmreihen, bei denen blickt man auch durch, wenn man bei den Vorgängern erhebliche Lücken hat. Ich hab Harry Potter Teil 6 im Kino gesehen und konnte mich nur an den zweiten Teil wirklich erinnern. Den ersten und dritten hab ich auch bereits gesehen, aber meine Erinnerungen waren bruchstückhaft. Dennoch hatte ich keine Probleme, dem Film zu folgen. In der Fast & Furious-Reihe ist das anders, weil man keinen durchgehend linearen Erzählstrang innerhalb der Reihe hat, und auch die Biografien der einzelnen Figuren sind bei weitem nicht vollständig. So wissen wir zum Beispiel immer noch nicht, wie Dom von Mexiko in die Dominikanische Republik gelangte. Oder wie er Han kennenlernte. Was ich damit sagen will: Wenn man die Vorgängerfilme nicht kennt, verliert man leicht den Überblick. Denn dann weiß man nicht, warum welche Figur wie handelt, und dann macht der Film automatisch weniger Spaß.

Und eine Sache noch: Bevor ihr euch jetzt durch die komplette Reihe kämpft, solltet ihr euch fragen, ob ihr euch für Autos interessiert. Diejenigen, die sich stark für das Thema interessieren, werden das bereits wissen, aber für alle anderen gebe ich mal ein paar Beispielfragen. Zunächst mal an diejenigen, die ein Auto besitzen: Könnt ihr sowohl Hersteller als auch Baureihe auf Anhieb korrekt nennen? Wisst ihr, in welchem Land dieser Hersteller beheimatet ist? (Wenn ihr Japan gesagt habt und sich herausstellt, dass die richtige Antwort Südkorea oder China gewesen wäre, lasse ich das mal gelten, denn so genau muss man es in dem Fall nun auch wieder nicht wissen.) Könnt ihr mit dem Begriff "Viertaktmotor" etwas anfangen? Könnt ihr "normale" Autos in die fünf traditionellen Klassen einordnen? (Diese sind: Kleinwagen, untere Mittelklasse, Mittelklasse, obere Mittelklasse, Oberklasse, daneben gibt es noch die Spezialsegmente Microcar, Geländewagen, Sportwagen, Van bzw. Transporter und luxuriöse Fahrzeuge vom Schlage eines Bentley oder Rolls-Royce, die noch über der Oberklasse anzusiedeln sind, weil die fast ausschließlich in Handarbeit gebaut werden.) Wenn euch diese Begriffe nichts sagen, dann ist das ein erster Hinweis darauf, dass das Thema Automobil euch eher weniger betrifft oder ihr gerade am Anfang eurer Beschäftigung mit dem Thema steht. Wenn euch Autos nicht interessieren, solltet ihr euch und allen Fans der Reihe einen Gefallen tun und das Thema Fast & Furious zu den Akten legen, denn alles Andere wäre für euch Zeitverschwendung. Die Reihe bedient in erster Linie ein Nischenpublikum, zu dem ich mich selbst hinzurechne. Und dieses Publikum ist gewillt, auch über die eine oder andere physikalische Unzulänglichkeit hinwegzusehen. Am häufigsten wird das auf eine der letzten Szenen in Fast & Furious 6 angewendet: Diese Szene spielt in der Nacht auf einem Militärflughafen, und auf der Landebahn findet eine Verfolgungsjagd statt. Daran sind mehrere Fahrzeuge beteiligt, ebenso ein Flugzeug, welches im Begriff ist, zu starten. Während der Szene wird nicht gewendet, die Beteiligten bewegen sich also geradeaus. Nimmt man die Erzählzeit und berücksichtigt man die ungefähre Geschwindigkeit, kommt man auf eine Länge der Startbahn von knapp 30 Meilen (bzw. 45 Kilometer). Wer glaubt, das dem Film ankreiden zu müssen, ist hier definitiv falsch, denn erstens wisst ihr sowieso nicht aus dem Kopf, wie lang eine militärische Landebahn ist, und zweitens ist die Reihe bekannt für gelegentliche Missverhältnisse zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit. Im ersten Teil der Reihe sehen wir beispielsweise ein Dragsterrennen, von dem wir annehmen können, dass es ungefähr zehn Sekunden dauert. Im Film selbst wird daraus eine Minute. Das dürfte dem Dramatikbogen geschuldet sein, denn eine Actionszene, die nach zehn Sekunden vorbei ist, ist nicht spannend. Und hier gilt das Gleiche: Würde man dem Film für alles, was in der Szene passiert, tatsächlich nur die Zeit geben, die ein Großraumflugzeug zum Abheben braucht, wäre das ein Overkill und würde überhaupt nicht zum Film passen, denn dann wäre es nach spätestens einer Minute zu Ende. Ihr könnt euch ja mal ein Let's Play zum letzten Kapitel von Kane & Lynch: Dead Men ansehen. (FSK 18, PEGI 18) Wisst ihr was, da ihr eh zu faul dazu seid, suche ich für euch eins raus. Schaut euch dieses Video ab 7:20 an und seht, was man alles in so eine Phase hineinbringen kann.



Nicht viel.

Bei Star Wars hat man sich schließlich auch nicht darüber zu beschweren, dass es im Vakuum keine Geräusche gibt oder dass so ein Laserschwert physikalisch gesehen so gar keinen Sinn ergibt. Hier hat man eben nicht zu mosern, wenn ein Flugzeug es in einer Viertelstunde nicht gebacken kriegt, abzuheben.

Eigentlich wollte ich noch auf eine weitere Sache zu sprechen kommen, und zwar den Bereich Familie und Heimat, den man insbesondere bei den Torettos findet. Aber das ist genug Stoff für einen separaten Artikel.

Wenn ihr also den ewigen Kampf Dodge vs. Nissan so gerne seht wie ich und mit der im fünften Teil eingeläuteten anderen Gangart von Fast & Furious klarkommt und vor allem sehen wollt, wie die Lücke zum dritten Teil der Serie geschlossen wird, dann schaltet ein. Wenn nicht, dann lasst uns unseren Spaß.



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