Mittwoch, 3. Juli 2013

Automobile Warfare Pt. 1

SPOILERWARNUNG FÜR FAST & FURIOUS 6






Der fünfte Teil der Fast & Furious-Reihe bewirkte, dass die Charaktere aus den Vorgängerfilmen zusammenfanden. Das war notwendig, da sich auf Grund der Besetzungsschwierigkeiten beim zweiten und dritten Film ein Flickenteppich aus Handlungssträngen anbahnte, der den Hauptfiguren ein immer größeres Netz an Kontakten gab. Entsprechend final war die Stimmung, und so wirkte es auch, als der Abspann lief und von allen Charakteren die entsprechenden Handlungsschnipsel aus den Vorgängerfilmen abgespielt wurden. Wäre da nicht diese Szene gewesen ... Hobbs bekommt ein Fahndungsfoto, auf welchem Letty abgebildet ist, die als tot gilt. Dieser Cliffhanger bildet die Rechtfertigung, einen weiteren Film zu drehen, da das Universum eben doch nicht abgeschlossen ist. Um genau diesen Fakt, das Wiederauftauchen von Letty, ist der sechste Film konstruiert.

Wie soll man das bewerten? Ich als eingefleischter F&F-Jünger habe zum Einen die Erwartung, dass diese Entwicklung nicht so lahmarschig erklärt wird, wie man vermuten könnte. (Bei Crank 2 wurde beispielsweise ein Schauspieler wieder ins Boot geholt, dessen Rolle im ersten Film starb. Dieser Schauspieler verkörperte nun dessen Zwillingsbruder, der auf Rache aus ist.) Zum Anderen sind die F&F-Filme nicht für die größte erzählerische Tiefe bekannt. Es bestand also das ernstzunehmende Risiko, dass diese Umsetzung unbefriedigend ausfällt und damit den ganzen Film überschattet.

Ein weiterer Punkt ist, dass die Filme der Reihe mit der Zeit immer abgefahrener wurden. Ging es im ersten Teil noch um gewöhnliche Straßenrennen und ein paar geklaute Videorecorder, kam es im zweiten Teil bereits zum Ausheben eines Kartells. Im dritten legte man sich mit der Yakuza an, beim vierten wurde eine mexikanische Drogenorganisation plattgemacht und im fünften wurden mal eben hundert Millionen Dollar gestohlen. Beim fünften Teil stellte sich der Effekt ein, dass es jetzt aber auch mal gut sei und die Entfernung zur Liebe zu den Karren, die gefahren werden, bereits deutlich gewachsen ist, so dass man den Vorwurf erheben könnte, dass sich die Reihe zu weit vom Ursprung entfernt habe.

Von Sir Donnerbold las ich bei Twitter eine Bemerkung, die ihr hier nachlesen könnt. Zwar ist der Regisseur des sechsten Teils der gleiche wie seit dem dritten, allerdings ist die Aussage angesichts der oben genannten Zweifel berechtigt. Außerdem lässt die Behauptung, die Sir Donnerbold dem Justin Lin unterstellte/nachwies/whatever, vermuten, dass der Film den Weg zurück zu den Wurzeln weisen würde. Eine Vermutung, die ebenso berechtigt wie kühn ist.


Kurzum, der Film hatte viele Erwartungen meinerseits, und die Erfüllbarkeit war eine große Unbekannte. An solchen Sachen ist der fünfte Teil von Stirb langsam massiv krachen gegangen.


Dann hab ich ihn gesehen.

Welche kurze Bewertung kann ich vor dem Haupttext geben? Hat der Film den Erwartungen standgehalten? Im Großen und Ganzen ja. Ich würde sagen, er hat meinen Erwartungen zu 75 Prozent entsprochen. 25 Prozent wären Stirb langsam fünf und hundert Prozent wären das, was ich mir von The Lone Ranger erhoffe.


Der Film knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Ein Dodge Challenger und ein Nissan GT-R fahren durch Serpentinen. An den Lenkrädern Dom und Brian. Zumindest denkt man, dass es nahtlos ist, denn im Vorgänger setzen sie zu einem solchen Rennen an. In Wirklichkeit sind mehrere Monate vergangen, denn sie fahren zur Entbindung von Mia, Doms Schwester. Am Ende des fünften Teils war sie noch nicht in der Klinik, sie war einfach so schwanger. Später, als wir Mia, Brian und ihren Sohn Jack sehen, fällt die Bemerkung, dass sie zwar alles haben, nur eben kein Zuhause. Das ist der Ansatz, der mit "Zurück zu den Wurzeln" gegeben wird: Die Geschehnisse der vergangenen Filme haben dazu geführt, dass die Charaktere nicht mehr in die USA zurückkehren können, ohne ins Gefängnis zu kommen. Dom geht es ähnlich, und er kann nicht nur nicht zurück, sondern er hat darüber hinaus Letty verloren. Da Hobbs nun wieder auftaucht und ein Foto von Letty mitbringt (und ihn demzufolge nicht einbuchten will), muss Klarheit ran.

Die anderen Mitglieder des Teams sind auf der Welt verstreut und genießen den Reichtum, den sie im fünften Teil gewonnen haben. Da Hobbs eine aggressive Verbrechercrew stellen will (und zwar die, zu der Letty zu gehören scheint), will er das komplette Team von Dom und Brian, die ihm dabei helfen sollen. Tego Calderón und Don Omar sind dieses Mal nicht dabei (wahrscheinlich, weil sie keiner findet) und damit fehlt das dynamische Duo, welches sich dauernd gegenseitig piesackt. Könnte man denken. Denn diese Rolle wird nunmehr von Roman Pearce (Tyrese) und Tej (Ludacris) übernommen. Was auch gut funktioniert, schließlich ist Roman immer noch ein Plappermaul und hat, obgleich mehrfacher Millionär, immer noch nicht seinen früheren kriminellen Habitus abgelegt. Will sagen, er nimmt sich beim Essen immer noch stets das erste Stück und packt sich noch eine zweite Getränkedose in die Hose, wenn sie aufs Haus gehen. Sein dahingehender Part wurde im Vergleich zu den Vorgängern ein wenig ausgebaut.

Der Gegenspieler ist dieses Mal ein Exsoldat, der nun Militärkonvois überfällt, um sich eine Gerätschaft zusammenzubauen, mit der man die Kommunikation eines Landes 24 Stunden lang lahmlegen kann. Diese Möglichkeit will er meistbietend verkaufen. Sein charakterliches Profil ... im Ernst jetzt, erwartet ihr so etwas wirklich? Ihr hattet fünf Filme und zwölf Jahre Zeit, euch davon zu überzeugen, dass das eine untergeordnete Rolle spielt. Irgend ein Kerl eben, der irgendein Motto in seinen Einsätzen gebraucht. Und hochspezialisierte Technik. Als er das erste Mal im Film verfolgt wird, kleben drei BMW M5 an ihm dran. Alle werden mit einem Mikro-Kontrollsystem beschossen, welches man mit den ESD-Launchern aus dem zweiten Teil vergleichen könnte. Die technische Versiertheit seiner Crew bemerkt man daran, dass die Gerätschaften, die an den Fahrzeugen hängen und diese lahmlegen, nunmehr deutlich kleiner sind als die ESD-Geschosse. Und wie bei diesen gelingt es Brian, sie vom Fahrzeug wieder zu entfernen, bevor sie aktiviert werden können. (Die anderen beiden Autos mit Tej und Rome an den Steuern schaffen es nicht.)

Am Ende dieser Verfolgungsjagd stehen sich Dom und Letty gegenüber. Und eine Einstellung erscheint, die wir aus den Trailern kennen: Letty feuert ihre Waffe ab. Auf Dom. Damit ist das der Moment der Spannung. Ich hatte vom Trailer die Erwartung, dass dieser Shot eine zentrale Frage aufwirft, und zwar, wie es zu der Entfremdung kam.



(zehn Tage Schreibpause)



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