Mittwoch, 31. Oktober 2012

The Skizzenfestival Diaries 2012 - Teil 2



Zweiter Tag. Beginnt. Zu. Früh. Um acht klingelt der Wecker, weil es so sein muss. Der Morgen passt mir nicht so sehr, sehe daher zu, dass ich wegkomme. Bin ein paar Minuten nach zehn da, aber der Pulk ist noch nicht angekommen. Setze mich quer auf eine der Bänke und schreib. Der heutige Workshop wird von Annette und Maki veranstaltet. Es geht darum, das Unmögliche zu zeichnen, also Wasser und Wolken, weil die so unbeständig sind. Zunächst werden Aufwärmübungen gestartet, mit denen ungewohnte Techniken und Strukturen ausprobiert werden. Da das Wasser zuerst dran ist, probiere ich mich am Füller. Drehe ihn dabei, um dünnere Striche zu kriegen. Den Trick hab ich mir in der Grundschule beim Hausaufgabenmachen überlegt. Die anderen Stifte kommen nicht zu kurz, und in der Tat eignet sich der dicke schwarze ganz gut. Den dünnen dann für den Hintergrund. Die extra geschärften Ikea-Bleistifte kommen ebenso zum Einsatz und sind nich so gut. Dann was Anderes als Strichwerk (oder so was Anderes, kann ich nicht lesen). Was folgte, erinnerte eher an Gewebe. Der Tag begann übrigens mit Auf Wiedersehen Monty. Ja ja, der liebe Gronkh. (Im Verlauf sollte der Akku leer sein.) || Zwischennotiz zum ersten Abend: Wiebque und ich vergleichen noch unsere Haarlängen, da wir irgendwie auf ihre Frisur zu sprechen kamen. Ihr Perso wurde rumgereicht, und sie sagte, das Bild wäre anderthalb Jahre als. Sie war mit normalen langen Haaren zu sehen. Daher konnte das Bild auf keinen Fall anderthalb Jahre alt sein. Denn das wäre zwischen dem dritten und vierten Festival gewesen, und da war Dreadlock-/Kurzhaarzeit. Ich erinnere mich, dass ich sie beim Glühweinverkauf aus der Ferne nicht an der Frisur, wohl aber am Pullover erkannte. Nur sie hat so einen. Das Bild auf dem Perso musste also mindestens zwei Jahre alt sein. Und sie meinte, dass so eine Frisur schnell gemacht sei, um die Anderen ruhigzustellen. Bei mir ginge das nicht, da meine Haare kürzer sind. Darauf folgte der Vergleich durch Erfühlen. An den Seiten waren ihre kürzer, da die Frisur neuer war (sie war müde, als sie die Schneidemaschine ansetzte), oben waren meine kürzer.||

Der erste Teil des Workshops war das Zeichnen von Wasser. Ich dachte an meine Wasserflasche (mir fällt gerade ein, dass ich am dritten Tag im Gegensatz zu den anderen beiden weder Wasser noch Capri Sonne einpackte). Die Hauptmöglichkeiten waren der See und der Hafen. Mit mehreren Leuten ging ich zum Hafen. Es zweigten sich im Verlauf der Wanderung einige ab. Manche wollten zu McPaper, andere hatten ein anderes Gehtempo, Ida war noch dabei. Und überall Medieval-Cosplayer. Es splittete sich in zwei Gruppen, die Damen gingen voraus. Als wir am Hafen anlandeten, trennten sich die Gruppen endgültig. Ich vergaß, an der Gorch Fock nach dem Regenschirm zu sehen, den ich für Owyanna nochmal knipsen wollte (sie erinnert mich so an Ida). Hab das etwas später nachgeholt.
Nun saßen wir drei Jungs, Marius, ich und ich glaub Xaver, hinter dem Anker, und ich hatte Mucke im Ohr, damit ich mir die Schlager vom Break Dancer nicht anhören musste. Um die Aufgabe kümmerte ich mich zunächst nicht, denn ich wollte das Skizzenbuch vollkriegen. Inzwischen waren nur noch drei Seiten übrig, und es wäre eigentlich unsinnig, den Workshop aufzuteilen. Überblättere dabei versehentlich die zweite, also vorletzte Seite und mache aus Verlegenheit noch eine Struktur drauf. Chris ruft an, er ist beim Fisherman’s. Ich kann ihm auch keine windgeschützte Stelle empfehlen. Nachdem das hier fertig war und die Stelle nicht so gut für das Wasser geeignet war, machte ich mich auf den Weg, nur um kurz danach den erwähnten Regenschirm zu suchen. Natürlich war er weg.

Sylvain und Konsorten saßen beim Haus des Hafenkapitäns/Lotsen/whatever, an der Stelle, an der mal ein U-Boot lag, in das ich als kleiner Schisser nicht reinwollte, weil Angst und so … Da fällt mir noch ein Gedanke vom Hinweg ein. Die Gorch Fock ist groß, aber mir kam das Hotelschiff, welches an der Nordflanke Mitte der 90er lag, noch imposanter vor. Ich war noch klein, aber ich glaube, das war noch größer. Ich hatte mir eine Stelle rausgesucht, bei der Klappbrücke, da, wo ich gestern glaubte, einen Weihnachtsbaum erspäht zu haben. Es war ein Blumenstrauch im Topf. Die Bänke waren zwar gut besetzt, aber ich kriegte noch eine freie solche. Die Arbeit konnte nach der Mittagspause beginnen. Um es klarzumachen: Ich hab mehr oder weniger gefailt. Das Zeug aus der Aufwärmübung sah besser aus. Zunächst versuchte ich, eine leicht wellenbefreite Stelle in der Nähe der Tankstelle zu machen. Die geprobte Technik sah gut aus, aber das was dabei herauskam, nicht. Das war in erster Linie dem verkackten Anfang geschuldet, da ich den Winkel der Ankerreihe falsch setzte und das Boot im Nachhinein halbherzig einfügte. So lenkt das zu stark vom Wasser ab. Mist, jetzt lässt der Füller in puncto Schreibleistung nach. *Patrone nachfüllt* So, jetzt geht’s wieder. Dann wollte ich das Wasser mit Blick auf die Brücke haben, mit den Füller-Techniken, auch das war wegen der Wasserbegrenzung ein Fail. Dann drehte ich mich nach dem kälte- und windbedingten Jackenanlegen um und sah noch eine unserer Zeichnerinnen. Sie belegte die Bank zu meiner Rückseite. Mit Blick an den Booten vorbei probierte ich die Dickstift-Technik aus. Das war ganz brauchbar. Beruhigend, dass viele Andere auch ein wenig gefailt haben. Aber so ist das, wenn man was Neues macht. Mein Job war erledigt, bis um drei ist noch viel Zeit, also ab zum Speicher. Noch keiner da, also ins Café. Da haben die Stühle Lehnen und es ist wärmer und ich kann die Jacke ausziehen. Dass Wiebque dort Chef war, schrieb ich in den Live-Commentaries irgendwo.

Nachdem das Frühstück/Brainstorming beendet war, blieb ich noch eine Weile oben. Es war noch ausreichend Zeit und ich hatte die Uhr stets im Blick. Als sie vorüber war, ging ich zum Hof und es dauerte ein bisschen, eh es weiterging. Jetzt kamen die Wolken dran. Kleiner Vorgriff: Sie sind allgemein besser gelungen, was am Abwechslungsprofil und einer gewissen Beständigkeit liegen kann. Wir sind erneut mit mehreren Leuten losgegangen, wenngleich nicht so viele. Am Ende des Apollonienmarktes waren wir noch zu dritt, Maki, ihr Bekannter, und ich. Auf dem Weg durch die Straße sprechen wir über den Workshop 2009 von Damien und Christina, der mein erster war. Meinen Blog erwähnte sie zuvor bereits mehrfach. Am Hafen selbst fällt uns ein Gebäudekomplex auf, den wir noch nicht kennen, ich auch nicht. In dem Bereich war vor Ewigkeiten mal ein Jeanslade, jetzt steht da eine modern gestylte Dachterrasse.
Über der Brücke kommt der Entschluss, Fischbrötchen zu holen. Das Boot liegt bei einem aufgebauten Planschbecken, welches ich nach dem Wassermalen bereits im Blick hatte. Ich habe immer noch keine Geld, daher bezahlt Maki kurzerhand für mich. Die drei Euro gebe ich am Tag darauf zurück. Ich nehme eine Fischbulette, sie hatte, wie ich glaube, ich weiß es nicht mehr. Wir drei platzierten uns in der Nähe, an einem Ort, an dem ich bereits einmal saß, wovon es ein Foto gibt, welches Grundlage eines Selbstporträts war.
Auf der anderen Seite der Brücke liegt ebenfalls ein Fischbrötchenkutter, der meine Aufmerksamkeit bereits an dem Tag mit dem Selbstporträt (inzwischen ein, zwei Jahre her) auf sich zog. Er beherbergt tatsächlich einen Marktschreier mit roten Haaren, der regelmäßig über den Platz brüllt: „Wir haben hier FISCH und den haben wir FRISCH! Lecker, lecker, lecker, lecker, lecker!“ Den Marktschreier hat er immer noch. Am vierten Tag wollte Erik (derjenige solche, der während der Anti-ACTA-Demo im Februar zu uns stieß) das Rezept zur Präsentation der Tagesergebnisse wiederholen, es funktionierte nicht.
Wir setzen uns auf Stühle und beginnen mit dem Verzehr bzw. der Workshopaufgabe. Im Verlauf stelle ich fest, dass bei unserem Fischkutter die Platte der zweiten Band des gestrigen Abends lief. (Eine Beobachtung, die sich während der Septemberwochen in der Innenstadt bei Kelm wiederholen sollte.) Kann man diese Welt ernstnehmen? Nachdem ich mein Brötchen verdrückt hab, mache ich mich an den Job. Um die Dunkelheitsstufen zu repräsentieren, nehme ich alle Patronenstifte, die ich habe, also Tintenschreiber, grauer Filzer, schwarzen Marker und schwarzen, fast leeren Marker. Ich hab gefailt. Zur Abwechslung mache ich Umrisse/Reliefe von den anwesenden Personen auf ihren Stühlen mit einem einzigen Strich auf der ganzen Seite. Sieht gut aus. Der vorletzte Wolkenversuch sieht bereits besser aus. Ich nehme nur den grauen Filzer und lasse den Großteil der Oberkante der Wolken weg. Um einen Bezugspunkt zu geben, kommt unten das Haus hin. Mit verstecktem Creepergesicht. Der letzte Teil wird etwas, was ich eigentlich ablegte, ist aber in der Wirkung noch am besten. Verschmierter Bleistift. In verschiedenen Kräftigkeiten aufgetragen und dann der Finger. Passt. Maki hat schwerere Ausrüstung: Breiter Graphit mit 8- oder 9-Härte nach Mohs (war’n Witz), hellblaue Pastellfarbe oder etwas Ähnliches, Gelstift (der im Verlauf leer wurde) und Tinte. Also Tintenfasstinte in relativer Verdünnung. Die mit einer stiftartigen Pinselfeder oder gleich mit dem Finger aufgebracht wird. Ihr Freund verwendet einen Gelstift.
Ich vermisse Judith und Elena. In der Schmiede wurde am ersten Tag der Grund für ihre Abwesenheit von Maki genannt. Und: Der fünfte Tag bricht in ein paar Stunden an. Ich hänge noch beim zweiten. Da dieser Rückstand echt nicht mehr schön ist, werde ich mich wohl beim morgigen Workshop (also nicht Be my Zeichensklave, sondern Katzenfestival) zurücknehmen, um aufzuholen. Mir ist auch eine nicht aufschiebbare Begebenheit eingefallen, die ich aber schon wieder vergaß. Die möglichen Verluste sollten nicht zu groß werden. Schade. Schade, schade. Schade, weil morgen der Workshop von Ida dran ist. Ich wüsste gern, was ich dazu beigetragen hätte. Ich geh schlafen.

Auch wenn mir die Wolken besser geglückt sind, entsteht die beste Skizze im Zwischenzeitraum. Eine Ansicht vom Speicher-Innenhof, die später als Postkarte zum Einsatz kommt. Worüber genau wir noch reden und wie genau wir zum Speicher kommen, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nicht mal mehr genau an die Auswertung beim Löwenschen Palais erinnern. Wir wollten da rein, aber es war zu. Den Schlüssel wollten wir noch kriegen. Daher wird das im Eingangsbereich ausgelegt. Vorher versammeln wir uns an der Straßenecke beim P&C. Als die Auswertung vorbei ist, kehren wir zum Speicher zurück. Heute steht das erste Scannen auf dem Plan. Drei Skizzen sollten markiert werden: eine von heute, eine von gestern und eine vom Eröffnungsworkshop. Da die bei mir über zwei Bücher verteilt sind, geb ich beide ab. Vorher mit Klarnamen versehen (davor stand nur deranderenilo). Die Rückgabe soll aber erst später erfolgen, irgendwo zwischen Hostel und Bioinsel (wo es Abendessen für dreistellige Participants gibt). Ich warte daher, bis die Leute losgehen. Das heißt ich wollte. Denn ich ging doch schon vorher, weil es dann halb acht wurde und ich meine Eltern nicht anrufen konnte, weil der Akku beim Fischbrötchen schlappgemacht hat. Die Skizzenbücher lagen neben dem Scanner, meine sind schon durch. Gehe darauf ins Büro, um zu Hause durchzurufen.

Ich glaube, es gab den Fisch zu essen. Ja genau, den Fisch. Am Tag darauf hab ich Milchreis gegessen. Also, der Fisch war aufgetaut und dann mit Salz, Pfeffer, Zitronenpfeffer und Mehl in der Pfanne gebraten. Dazu klein geschnittener Knoblauch und evtl. Gurkensalat, wenn wer möchte. Nomnomnom.
Viel später am Abend mache ich den Rechner an, weil ich kein Ladekabel habe, wohl aber ein PC-Verbindungskabel, welches auch die Batterie auflädt. Dann schalte ich es ein und bekomme prompt zwei SMSen von SaniSven. Das ist der Gründer und Administrator bei uns im Polysemia-Forum. Da ich während des letztjährigen Skizzenfestivals gleich zwei Vlogs von Tom und Torben (die zwei, die Polysemia machen) verpasste, weil ich nicht die Möglichkeit habe, ständig Toms Twitteraccount im Blick zu behalten, hab ich im Forum gefragt, ob sich jemand bereit erklärt, mir im Fall der Fälle eine SMS zu schreiben. SaniSven hat geantwortet. Und obwohl ich also einen Backupplan hatte, der funktioniert hätte, hab ich den Vlog doch verpasst. Weil der Akku leer war. Das kann doch echt nicht wahr sein. Und inzwischen ist es um zehn, der Vlog startete um sieben. Der ist längst vorbei. Erkläre zunächst im Forum die Gründe meiner Abwesenheit. Lese noch den Krempel von den Webseiten und gehe pennen. Tag 2 zu Ende.

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