Zweiter Tag. Beginnt. Zu. Früh. Um acht klingelt der Wecker,
weil es so sein muss. Der Morgen passt mir nicht so sehr, sehe daher zu, dass
ich wegkomme. Bin ein paar Minuten nach zehn da, aber der Pulk ist noch nicht
angekommen. Setze mich quer auf eine der Bänke und schreib. Der heutige
Workshop wird von Annette und Maki veranstaltet. Es geht darum, das Unmögliche
zu zeichnen, also Wasser und Wolken, weil die so unbeständig sind. Zunächst
werden Aufwärmübungen gestartet, mit denen ungewohnte Techniken und Strukturen
ausprobiert werden. Da das Wasser zuerst dran ist, probiere ich mich am Füller.
Drehe ihn dabei, um dünnere Striche zu kriegen. Den Trick hab ich mir in der
Grundschule beim Hausaufgabenmachen überlegt. Die anderen Stifte kommen nicht
zu kurz, und in der Tat eignet sich der dicke schwarze ganz gut. Den dünnen
dann für den Hintergrund. Die extra geschärften Ikea-Bleistifte kommen ebenso
zum Einsatz und sind nich so gut. Dann was Anderes als Strichwerk (oder so was
Anderes, kann ich nicht lesen). Was folgte, erinnerte eher an Gewebe. Der Tag
begann übrigens mit Auf Wiedersehen Monty. Ja ja, der liebe Gronkh. (Im Verlauf
sollte der Akku leer sein.) || Zwischennotiz zum ersten Abend: Wiebque und ich
vergleichen noch unsere Haarlängen, da wir irgendwie auf ihre Frisur zu
sprechen kamen. Ihr Perso wurde rumgereicht, und sie sagte, das Bild wäre
anderthalb Jahre als. Sie war mit normalen langen Haaren zu sehen. Daher konnte
das Bild auf keinen Fall anderthalb Jahre alt sein. Denn das wäre zwischen dem
dritten und vierten Festival gewesen, und da war Dreadlock-/Kurzhaarzeit. Ich
erinnere mich, dass ich sie beim Glühweinverkauf aus der Ferne nicht an der
Frisur, wohl aber am Pullover erkannte. Nur sie hat so einen. Das Bild auf dem
Perso musste also mindestens zwei Jahre alt sein. Und sie meinte, dass so eine
Frisur schnell gemacht sei, um die Anderen ruhigzustellen. Bei mir ginge das
nicht, da meine Haare kürzer sind. Darauf folgte der Vergleich durch Erfühlen.
An den Seiten waren ihre kürzer, da die Frisur neuer war (sie war müde, als sie
die Schneidemaschine ansetzte), oben waren meine kürzer.||
Der erste Teil des Workshops war das Zeichnen von Wasser.
Ich dachte an meine Wasserflasche (mir fällt gerade ein, dass ich am dritten
Tag im Gegensatz zu den anderen beiden weder Wasser noch Capri Sonne
einpackte). Die Hauptmöglichkeiten waren der See und der Hafen. Mit mehreren
Leuten ging ich zum Hafen. Es zweigten sich im Verlauf der Wanderung einige ab.
Manche wollten zu McPaper, andere hatten ein anderes Gehtempo, Ida war noch
dabei. Und überall Medieval-Cosplayer. Es splittete sich in zwei Gruppen, die
Damen gingen voraus. Als wir am Hafen anlandeten, trennten sich die Gruppen
endgültig. Ich vergaß, an der Gorch Fock nach dem Regenschirm zu sehen, den ich
für Owyanna nochmal knipsen wollte (sie erinnert mich so an Ida). Hab das etwas
später nachgeholt.
Nun saßen wir drei Jungs, Marius, ich und ich glaub Xaver,
hinter dem Anker, und ich hatte Mucke im Ohr, damit ich mir die Schlager vom
Break Dancer nicht anhören musste. Um die Aufgabe kümmerte ich mich zunächst
nicht, denn ich wollte das Skizzenbuch vollkriegen. Inzwischen waren nur noch
drei Seiten übrig, und es wäre eigentlich unsinnig, den Workshop aufzuteilen.
Überblättere dabei versehentlich die zweite, also vorletzte Seite und mache aus
Verlegenheit noch eine Struktur drauf. Chris ruft an, er ist beim Fisherman’s.
Ich kann ihm auch keine windgeschützte Stelle empfehlen. Nachdem das hier
fertig war und die Stelle nicht so gut für das Wasser geeignet war, machte ich
mich auf den Weg, nur um kurz danach den erwähnten Regenschirm zu suchen.
Natürlich war er weg.
Sylvain und Konsorten saßen beim Haus des
Hafenkapitäns/Lotsen/whatever, an der Stelle, an der mal ein U-Boot lag, in das
ich als kleiner Schisser nicht reinwollte, weil Angst und so … Da fällt mir
noch ein Gedanke vom Hinweg ein. Die Gorch Fock ist groß, aber mir kam das
Hotelschiff, welches an der Nordflanke Mitte der 90er lag, noch imposanter vor.
Ich war noch klein, aber ich glaube, das war noch größer. Ich hatte mir eine
Stelle rausgesucht, bei der Klappbrücke, da, wo ich gestern glaubte, einen
Weihnachtsbaum erspäht zu haben. Es war ein Blumenstrauch im Topf. Die Bänke
waren zwar gut besetzt, aber ich kriegte noch eine freie solche. Die Arbeit
konnte nach der Mittagspause beginnen. Um es klarzumachen: Ich hab mehr oder
weniger gefailt. Das Zeug aus der Aufwärmübung sah besser aus. Zunächst
versuchte ich, eine leicht wellenbefreite Stelle in der Nähe der Tankstelle zu
machen. Die geprobte Technik sah gut aus, aber das was dabei herauskam, nicht.
Das war in erster Linie dem verkackten Anfang geschuldet, da ich den Winkel der
Ankerreihe falsch setzte und das Boot im Nachhinein halbherzig einfügte. So
lenkt das zu stark vom Wasser ab. Mist, jetzt lässt der Füller in puncto
Schreibleistung nach. *Patrone nachfüllt* So, jetzt geht’s wieder. Dann wollte
ich das Wasser mit Blick auf die Brücke haben, mit den Füller-Techniken, auch
das war wegen der Wasserbegrenzung ein Fail. Dann drehte ich mich nach dem
kälte- und windbedingten Jackenanlegen um und sah noch eine unserer
Zeichnerinnen. Sie belegte die Bank zu meiner Rückseite. Mit Blick an den
Booten vorbei probierte ich die Dickstift-Technik aus. Das war ganz brauchbar.
Beruhigend, dass viele Andere auch ein wenig gefailt haben. Aber so ist das,
wenn man was Neues macht. Mein Job war erledigt, bis um drei ist noch viel
Zeit, also ab zum Speicher. Noch keiner da, also ins Café. Da haben die Stühle
Lehnen und es ist wärmer und ich kann die Jacke ausziehen. Dass Wiebque dort
Chef war, schrieb ich in den Live-Commentaries irgendwo.
Nachdem das Frühstück/Brainstorming beendet war, blieb ich
noch eine Weile oben. Es war noch ausreichend Zeit und ich hatte die Uhr stets
im Blick. Als sie vorüber war, ging ich zum Hof und es dauerte ein bisschen, eh
es weiterging. Jetzt kamen die Wolken dran. Kleiner Vorgriff: Sie sind
allgemein besser gelungen, was am Abwechslungsprofil und einer gewissen
Beständigkeit liegen kann. Wir sind erneut mit mehreren Leuten losgegangen,
wenngleich nicht so viele. Am Ende des Apollonienmarktes waren wir noch zu dritt,
Maki, ihr Bekannter, und ich. Auf dem Weg durch die Straße sprechen wir über
den Workshop 2009 von Damien und Christina, der mein erster war. Meinen Blog
erwähnte sie zuvor bereits mehrfach. Am Hafen selbst fällt uns ein
Gebäudekomplex auf, den wir noch nicht kennen, ich auch nicht. In dem Bereich
war vor Ewigkeiten mal ein Jeanslade, jetzt steht da eine modern gestylte Dachterrasse.
Über der Brücke kommt der Entschluss, Fischbrötchen zu holen.
Das Boot liegt bei einem aufgebauten Planschbecken, welches ich nach dem
Wassermalen bereits im Blick hatte. Ich habe immer noch keine Geld, daher
bezahlt Maki kurzerhand für mich. Die drei Euro gebe ich am Tag darauf zurück.
Ich nehme eine Fischbulette, sie hatte, wie ich glaube, ich weiß es nicht mehr.
Wir drei platzierten uns in der Nähe, an einem Ort, an dem ich bereits einmal
saß, wovon es ein Foto gibt, welches Grundlage eines Selbstporträts war.
Auf der anderen Seite der Brücke liegt ebenfalls ein
Fischbrötchenkutter, der meine Aufmerksamkeit bereits an dem Tag mit dem Selbstporträt
(inzwischen ein, zwei Jahre her) auf sich zog. Er beherbergt tatsächlich einen
Marktschreier mit roten Haaren, der regelmäßig über den Platz brüllt: „Wir
haben hier FISCH und den haben wir FRISCH! Lecker, lecker, lecker, lecker,
lecker!“ Den Marktschreier hat er immer noch. Am vierten Tag wollte Erik
(derjenige solche, der während der Anti-ACTA-Demo im Februar zu uns stieß) das
Rezept zur Präsentation der Tagesergebnisse wiederholen, es funktionierte
nicht.
Wir setzen uns auf Stühle und beginnen mit dem Verzehr bzw.
der Workshopaufgabe. Im Verlauf stelle ich fest, dass bei unserem Fischkutter
die Platte der zweiten Band des gestrigen Abends lief. (Eine Beobachtung, die
sich während der Septemberwochen in der Innenstadt bei Kelm wiederholen
sollte.) Kann man diese Welt ernstnehmen? Nachdem ich mein Brötchen verdrückt
hab, mache ich mich an den Job. Um die Dunkelheitsstufen zu repräsentieren,
nehme ich alle Patronenstifte, die ich habe, also Tintenschreiber, grauer
Filzer, schwarzen Marker und schwarzen, fast leeren Marker. Ich hab gefailt.
Zur Abwechslung mache ich Umrisse/Reliefe von den anwesenden Personen auf ihren
Stühlen mit einem einzigen Strich auf der ganzen Seite. Sieht gut aus. Der
vorletzte Wolkenversuch sieht bereits besser aus. Ich nehme nur den grauen
Filzer und lasse den Großteil der Oberkante der Wolken weg. Um einen
Bezugspunkt zu geben, kommt unten das Haus hin. Mit verstecktem Creepergesicht.
Der letzte Teil wird etwas, was ich eigentlich ablegte, ist aber in der Wirkung
noch am besten. Verschmierter Bleistift. In verschiedenen Kräftigkeiten aufgetragen
und dann der Finger. Passt. Maki hat schwerere Ausrüstung: Breiter Graphit mit
8- oder 9-Härte nach Mohs (war’n Witz), hellblaue Pastellfarbe oder etwas
Ähnliches, Gelstift (der im Verlauf leer wurde) und Tinte. Also Tintenfasstinte
in relativer Verdünnung. Die mit einer stiftartigen Pinselfeder oder gleich mit
dem Finger aufgebracht wird. Ihr Freund verwendet einen Gelstift.
Ich vermisse Judith und Elena. In der Schmiede wurde am
ersten Tag der Grund für ihre Abwesenheit von Maki genannt. Und: Der fünfte Tag
bricht in ein paar Stunden an. Ich hänge noch beim zweiten. Da dieser Rückstand
echt nicht mehr schön ist, werde ich mich wohl beim morgigen Workshop (also
nicht Be my Zeichensklave, sondern Katzenfestival) zurücknehmen, um aufzuholen.
Mir ist auch eine nicht aufschiebbare Begebenheit eingefallen, die ich aber
schon wieder vergaß. Die möglichen Verluste sollten nicht zu groß werden.
Schade. Schade, schade. Schade, weil morgen der Workshop von Ida dran ist. Ich wüsste
gern, was ich dazu beigetragen hätte. Ich geh schlafen.
Auch wenn mir die Wolken besser geglückt sind, entsteht die
beste Skizze im Zwischenzeitraum. Eine Ansicht vom Speicher-Innenhof, die
später als Postkarte zum Einsatz kommt. Worüber genau wir noch reden und wie
genau wir zum Speicher kommen, weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nicht mal
mehr genau an die Auswertung beim Löwenschen Palais erinnern. Wir wollten da
rein, aber es war zu. Den Schlüssel wollten wir noch kriegen. Daher wird das im
Eingangsbereich ausgelegt. Vorher versammeln wir uns an der Straßenecke beim
P&C. Als die Auswertung vorbei ist, kehren wir zum Speicher zurück. Heute
steht das erste Scannen auf dem Plan. Drei Skizzen sollten markiert werden:
eine von heute, eine von gestern und eine vom Eröffnungsworkshop. Da die bei
mir über zwei Bücher verteilt sind, geb ich beide ab. Vorher mit Klarnamen
versehen (davor stand nur deranderenilo). Die Rückgabe soll aber erst später
erfolgen, irgendwo zwischen Hostel und Bioinsel (wo es Abendessen für
dreistellige Participants gibt). Ich warte daher, bis die Leute losgehen. Das heißt
ich wollte. Denn ich ging doch schon vorher, weil es dann halb acht wurde und
ich meine Eltern nicht anrufen konnte, weil der Akku beim Fischbrötchen schlappgemacht
hat. Die Skizzenbücher lagen neben dem Scanner, meine sind schon durch. Gehe
darauf ins Büro, um zu Hause durchzurufen.
Ich glaube, es gab den Fisch zu essen. Ja genau, den Fisch.
Am Tag darauf hab ich Milchreis gegessen. Also, der Fisch war aufgetaut und
dann mit Salz, Pfeffer, Zitronenpfeffer und Mehl in der Pfanne gebraten. Dazu
klein geschnittener Knoblauch und evtl. Gurkensalat, wenn wer möchte.
Nomnomnom.
Viel später am Abend mache ich den Rechner an, weil ich kein
Ladekabel habe, wohl aber ein PC-Verbindungskabel, welches auch die Batterie auflädt.
Dann schalte ich es ein und bekomme prompt zwei SMSen von SaniSven. Das ist der
Gründer und Administrator bei uns im Polysemia-Forum. Da ich während des letztjährigen
Skizzenfestivals gleich zwei Vlogs von Tom und Torben (die zwei, die Polysemia
machen) verpasste, weil ich nicht die Möglichkeit habe, ständig Toms
Twitteraccount im Blick zu behalten, hab ich im Forum gefragt, ob sich jemand
bereit erklärt, mir im Fall der Fälle eine SMS zu schreiben. SaniSven hat
geantwortet. Und obwohl ich also einen Backupplan hatte, der funktioniert
hätte, hab ich den Vlog doch verpasst. Weil der Akku leer war. Das kann doch
echt nicht wahr sein. Und inzwischen ist es um zehn, der Vlog startete um sieben.
Der ist längst vorbei. Erkläre zunächst im Forum die Gründe meiner Abwesenheit.
Lese noch den Krempel von den Webseiten und gehe pennen. Tag 2 zu Ende.
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