Ursprünglich … ursprünglich …
Ursprünglich wollte ich an diesem Tag die Skizzenfestival
Diaries komplett hochladen. Alle Tage in niedergeschriebener Form, sowohl aus
dem Buch digitalisiert als auch diejenigen Parts, die ich nicht mehr in
klassischer Stiftform schaffte. Aber das habe ich nicht ganz hinbekommen. Der
Umfang wird geschätzte dreißig bis fünfzig A4-Seiten umfassen. So ist zum einen
der Zeitrahmen zum Schreiben eher unrealistisch (zwei Wochen), zum anderen ist
das ein bisschen viel Lesematerial auf einmal, womit der eine oder andere
wahrscheinlich sehr überrollt werden würde.
Stattdessen ist mir ein anderes Thema zur Überbrückung
eingefallen. Wir alle lieben die Filme von Quentin Tarantino. Und wir alle
haben unseren Lieblings-Tarantino-Streifen. Manche von uns haben seine Filme in
einem Ranking sortiert, und so tat ich das ebenfalls. Da ich noch nicht
erzählte, wieso mein Ranking so aussieht, wie es aussieht, und weil ich das
Ranking selbst noch nicht explizit formulierte, gibt es hier ein mal mehr, mal
weniger umfängliches Thema. Und damit willkommen zu meiner Tarantino-Rangliste.
Diese bezieht sich auf seine eigenen Filme, also diejenigen, bei denen
Tarantino und NUR Tarantino sowohl Drehbuch als auch Regie übernommen hat.
Zeitlich aufsteigend sind das Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill
Bill, Death Proof und Inglourious Basterds. My Best Friend’s Birthday habe ich
nicht mit hineingenommen, da er nie offiziell veröffentlicht wurde und es eher
… ein Kurzfilm ist (wenn man den Regeln der Academy Glauben schenkt, dann fängt
ein Spielfilm ab einer Länge von vierzig Minuten an, und My Best Friend’s
Birthday liegt knapp darunter). Darüber hinaus habe ich den Film noch nicht
gesehen.
Oder was davon übrig ist.
Weshalb gerade dieser Tag? Nun, es sollte an die aufmerksamste
Leserin gehen, die Wiebque. Heute ist unser zehnjähriges Kennenlern-Jubiläum,
und das wollte ich nicht mit Nichtstuerei verstreichen lassen, indem ich den
Termin für die Diaries verschiebe. Stattdessen werde ich unter Anderem auf eine
Frage eingehen, die sie vor ca. drei Jahren stellte und auf die ich bisher
keine zufriedenstellende Antwort gab. Und zwar ist das die direkt nach der
zugehörigen Premiere gestellte Frage, wie ich Inglourious Basterds fand. Aus
diesem Grund kommt diese Review mit zuerst.
Zur Reihenfolge der Postings noch ein Wort: Sie werden
durcheinander sein. Nicht nach Rang auf meiner Liste sortiert (und auch nicht
nach Veröffentlichungsdatum der Filme), denn ein Abwärtszählen hätte in einem
unepischen Ende gemündet (der letzte Platz ist nicht ohne Grund der letzte
Platz), und Aufwärtszählen mag ich auch nicht so gerne. Ich will eine Spannung
bis kurz vor Schluss aufrecht erhalten. Da ich zum letzten Platz eh nicht so
viel zu sagen habe, kommt der gleich jetzt.
Platz 6 von 6: Jackie Brown
War leicht zu erraten, oder? Jackie Brown ist unter
Tarantinos Filmen bei der allgemeinen Rezeption irgendwie auf der Strecke
geblieben. Bei Kill Bill denkt jeder an die Braut mit dem Schwert, bei Death
Proof denkt jeder an die Muscle Cars (respektive die Jukebox) und an Stuntman
Mike, bei Inglourious Basterds denkt jeder an in Strömen fließendes Naziblut,
bei Pulp Fiction denkt jeder an Jules und Vincent und bei Reservoir Dogs denkt
jeder an die schneidigen Typen im Anzug und die Lagerhalle. Bei Jackie Brown …
ja, woran denkt man da eigentlich? In Erinnerung bleibt in erster Linie Samuel
L. Jackson und seine unorthodoxe Art, Zeugen verschwinden zu lassen und dabei
immer wieder dieselbe Kaution verwenden zu wollen. (Das hat einen Hauch von
Chuzpe, findet ihr nicht auch?) Für die eigentliche Heist-Handlung habe ich
kaum eine Erinnerung gefunden, und auch Robert DeNiro bleibt am ehesten im
Gedächtnis haften, weil er … da ist. Was ich von ihm im Kopf habe, ist, dass er
die meiste Zeit bei Jacksons Strandbude in der Sofaecke sitzt und konsequentes
Underacting betreibt. Was ja auch gut ist, aber dafür hätte es keinen Robert
DeNiro gebraucht, das hätte Harvey Keitel meiner Meinung nach ebenso gut
hinbekommen.
Man muss natürlich erwähnen, dass Jackie Brown bereits
vorbelastet war. So standen seine zwei Vorgänger, Reservoir Dogs und Pulp
Fiction, schon unter der gleichen Thematik: Gangster in Los Angeles, die
Gangster-Sachen tun. Das Thema ist irgendwann eben verbraucht. Hinzu kam, dass
Jackie Brown auf einem bereits existierenden Buch basiert, so dass Tarantino
keine Freiheit in Bezug auf die Handlungskonstruktion hatte. Und dann noch die
Optik. Dass der Film nach genau dem Jahrzehnt aussieht, in dem er gedreht wurde
(90er; dazu später mehr), widerstrebt der Filmoptik, die ich bevorzuge. Dafür
kann jetzt das Drehbuch nichts, das ist eine Terminfrage, aber es ist eben
Bestandteil des Films.
Im Prinzip ist das schon alles, was ich zu Jackie Brown zu
sagen habe. Nimmt man also den Inhalt dieser Review als Grundlage und auch noch
den Umstand, dass sie notwendigerweise so kurz ausfällt, so sollte es nicht
weiter verwundern, weshalb Jackie Brown den letzten Platz in meiner
Tarantino-Liste einnimmt.


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