Mittwoch, 15. August 2012

Nehmen sie ihre Plätze ein



Ursprünglich … ursprünglich …


Ursprünglich wollte ich an diesem Tag die Skizzenfestival Diaries komplett hochladen. Alle Tage in niedergeschriebener Form, sowohl aus dem Buch digitalisiert als auch diejenigen Parts, die ich nicht mehr in klassischer Stiftform schaffte. Aber das habe ich nicht ganz hinbekommen. Der Umfang wird geschätzte dreißig bis fünfzig A4-Seiten umfassen. So ist zum einen der Zeitrahmen zum Schreiben eher unrealistisch (zwei Wochen), zum anderen ist das ein bisschen viel Lesematerial auf einmal, womit der eine oder andere wahrscheinlich sehr überrollt werden würde.
Stattdessen ist mir ein anderes Thema zur Überbrückung eingefallen. Wir alle lieben die Filme von Quentin Tarantino. Und wir alle haben unseren Lieblings-Tarantino-Streifen. Manche von uns haben seine Filme in einem Ranking sortiert, und so tat ich das ebenfalls. Da ich noch nicht erzählte, wieso mein Ranking so aussieht, wie es aussieht, und weil ich das Ranking selbst noch nicht explizit formulierte, gibt es hier ein mal mehr, mal weniger umfängliches Thema. Und damit willkommen zu meiner Tarantino-Rangliste. Diese bezieht sich auf seine eigenen Filme, also diejenigen, bei denen Tarantino und NUR Tarantino sowohl Drehbuch als auch Regie übernommen hat. Zeitlich aufsteigend sind das Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill, Death Proof und Inglourious Basterds. My Best Friend’s Birthday habe ich nicht mit hineingenommen, da er nie offiziell veröffentlicht wurde und es eher … ein Kurzfilm ist (wenn man den Regeln der Academy Glauben schenkt, dann fängt ein Spielfilm ab einer Länge von vierzig Minuten an, und My Best Friend’s Birthday liegt knapp darunter). Darüber hinaus habe ich den Film noch nicht gesehen.

Oder was davon übrig ist.

Weshalb gerade dieser Tag? Nun, es sollte an die aufmerksamste Leserin gehen, die Wiebque. Heute ist unser zehnjähriges Kennenlern-Jubiläum, und das wollte ich nicht mit Nichtstuerei verstreichen lassen, indem ich den Termin für die Diaries verschiebe. Stattdessen werde ich unter Anderem auf eine Frage eingehen, die sie vor ca. drei Jahren stellte und auf die ich bisher keine zufriedenstellende Antwort gab. Und zwar ist das die direkt nach der zugehörigen Premiere gestellte Frage, wie ich Inglourious Basterds fand. Aus diesem Grund kommt diese Review mit zuerst.
Zur Reihenfolge der Postings noch ein Wort: Sie werden durcheinander sein. Nicht nach Rang auf meiner Liste sortiert (und auch nicht nach Veröffentlichungsdatum der Filme), denn ein Abwärtszählen hätte in einem unepischen Ende gemündet (der letzte Platz ist nicht ohne Grund der letzte Platz), und Aufwärtszählen mag ich auch nicht so gerne. Ich will eine Spannung bis kurz vor Schluss aufrecht erhalten. Da ich zum letzten Platz eh nicht so viel zu sagen habe, kommt der gleich jetzt.



Platz 6 von 6: Jackie Brown

War leicht zu erraten, oder? Jackie Brown ist unter Tarantinos Filmen bei der allgemeinen Rezeption irgendwie auf der Strecke geblieben. Bei Kill Bill denkt jeder an die Braut mit dem Schwert, bei Death Proof denkt jeder an die Muscle Cars (respektive die Jukebox) und an Stuntman Mike, bei Inglourious Basterds denkt jeder an in Strömen fließendes Naziblut, bei Pulp Fiction denkt jeder an Jules und Vincent und bei Reservoir Dogs denkt jeder an die schneidigen Typen im Anzug und die Lagerhalle. Bei Jackie Brown … ja, woran denkt man da eigentlich? In Erinnerung bleibt in erster Linie Samuel L. Jackson und seine unorthodoxe Art, Zeugen verschwinden zu lassen und dabei immer wieder dieselbe Kaution verwenden zu wollen. (Das hat einen Hauch von Chuzpe, findet ihr nicht auch?) Für die eigentliche Heist-Handlung habe ich kaum eine Erinnerung gefunden, und auch Robert DeNiro bleibt am ehesten im Gedächtnis haften, weil er … da ist. Was ich von ihm im Kopf habe, ist, dass er die meiste Zeit bei Jacksons Strandbude in der Sofaecke sitzt und konsequentes Underacting betreibt. Was ja auch gut ist, aber dafür hätte es keinen Robert DeNiro gebraucht, das hätte Harvey Keitel meiner Meinung nach ebenso gut hinbekommen.
Man muss natürlich erwähnen, dass Jackie Brown bereits vorbelastet war. So standen seine zwei Vorgänger, Reservoir Dogs und Pulp Fiction, schon unter der gleichen Thematik: Gangster in Los Angeles, die Gangster-Sachen tun. Das Thema ist irgendwann eben verbraucht. Hinzu kam, dass Jackie Brown auf einem bereits existierenden Buch basiert, so dass Tarantino keine Freiheit in Bezug auf die Handlungskonstruktion hatte. Und dann noch die Optik. Dass der Film nach genau dem Jahrzehnt aussieht, in dem er gedreht wurde (90er; dazu später mehr), widerstrebt der Filmoptik, die ich bevorzuge. Dafür kann jetzt das Drehbuch nichts, das ist eine Terminfrage, aber es ist eben Bestandteil des Films.
Im Prinzip ist das schon alles, was ich zu Jackie Brown zu sagen habe. Nimmt man also den Inhalt dieser Review als Grundlage und auch noch den Umstand, dass sie notwendigerweise so kurz ausfällt, so sollte es nicht weiter verwundern, weshalb Jackie Brown den letzten Platz in meiner Tarantino-Liste einnimmt.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen