Dienstag, 28. August 2012

Ars Lingua Perspectiva Wurzel64

Ich habe es doch noch getan: Ich schreibe meine Beiträge zum ALP nun auch direkt in die zugehörige Seite hinein, anstatt sie erst hinterher auf diesem Blog zu posten. Und auch dieses Mal sind die Definitionen verschieden lang, manche gehen über zehn Zeilen, manche sind nur zwei Wörter lang. Nunmehr haben die alten Beiträge auch ihre eigene Rubrik da oben in meiner Linkleiste, damit man sie sich nicht "nach Wochen irgendwo aus dem Archiv kramen muss". Geht los.





A wie Androide
Eine and’re Ida als diese hier gibt es nicht. Sollte es jemand dennoch behaupten, müsste er seine Behauptung mit einem gefälschten Menschen belegen. Wegen der bisher unzureichenden Roboter-Technik würde man den „Beweis“ schnell als Androiden entlarven.

B wie Brandblase
Man sagt „Ich habe Brand“, wenn man zum Ausdruck bringen will, dass man durstig sei. Klar, man löscht einen Brand mit Wasser, und ebenso den Durst. Und die Blase sammelt humanes Abwasser. Die Brandblase drückt also eine gewisse Toleranz gegenüber inhomogenem Trinkverhalten aus. Und entsprechend dieses Toleranz-Ausdrückens drückt die Blase sehr auf die Umgebung.

C wie Chauvinist
Jemand, der von der Überlegenheit der eigenen Gruppe überzeugt ist. Solche Leute sind in der Regel zu faul, an sich selbst zu arbeiten. Im Internet findet man Chauvinisten zu Hauf, wenn sie rumspammen und einen von wegen „Ihr habt doch alle keine Ahnung“ und so weiter erzählen. Abzugrenzen ist der Troll, dessen Ziel es einfach ist, eine Diskussion ad absurdum zu führen, dem also die Überzeugung fehlt.

D wie Dreist
Zigarren gegen Brand versichern, sie dann aufrauchen und den Versicherungsanspruch geltend machen. Man kann sich mit einer Gegenklage wegen Brandstiftung wehren. Blutige Alternative: Totschlag der Eltern und Plädieren auf mildernde Umstände, da man ja Vollwaise sei. Sollte man in die unangenehme Lage geraten, irgendwo als Künstler zum Tode durch Erschießen verurteilt zu werden, kann man um einen Vorschuss bitten LOL.

E wie Ego
Ein Problem von Egon Krenz und Egon Olsen ist dasjenige, dass sie ihr Ego stark kompensieren müssen. So stark, dass es gar ein Namensbestandteil ist. Oft genug bringt dieser in Langform  Ichbezogenheit genannte Effekt den Protagonisten ziemlich fette Schwierigkeiten. Das würden sie wegen ihres Egos niemals zugeben.

F wie Fratze
Ist ein Gesicht, welches zur Flucht animiert. Als schön wird es also nicht angesehen. Man sollte es nicht als Aufforderung zum Vereinbaren eines Kosmetikertermins verwenden, da das beleidigend ist und nicht als Aufmerksamkeit verstanden wird.

G wie Gravitation
SaniSven hat bei einem Live-Vlog einen schönen Satz gesagt. Der ging so: „Und weil Tom Flugangst hat, kommt er wahrscheinlich nicht so abgehoben daher.“ Die Gravitation ist eine Naturkraft, die der Materie eigen ist, aber da sie eine Kraft ist, lässt sie sich durch Gegenkräfte überwinden. Zu beachten isst dabei höchstens, dass die Gravitation des gravitationsüberwindenden Gerätes nicht zu groß wird.

H wie Humus
Eine sehr erdnahe Familie, die in der Biotanik eine gewisse Rolle spielt. Aus dem Humus rusticalus wurde durch evolutionäre Entwicklung ein gebrächlicher (kein gebrächlicher, sondern ein gebräuchlicher, du Idiot; Anm. d. L.), also ein gebräuchlicher Humus sapiens entwickelt, aber es gibt für jede regionale Besonderheit einen Humus, der auf die gewünschte Kulturpflanze abgestimmt wird. Hm, hm, hm, so’n Blödsinn.

I wie Irritation
Auch auf das Riskio hin, dass das schon gefragt wurde: Hä?

J wie Jolle
Die Jolle ist ein kleines Segelboot und das viertkleinste Seefahrzeug. Kleiner ist das kleine Ruderboot (aus dem sich die Jolle ergibt, wenn man ein Segel hinzufügt). Dieses hat viele Ausprägungen, wie etwa das Kajak. Noch kleiner ist das Rettungsfloß mit Paddeln bzw. überhaupt Kleinst-Gefährte aus Gummi oder anderen flexiblen synthetischen Materialien. Am kleinsten ist der Rettungsring, der den Fahrer nur an der frischen Luft halten soll. Er hat keine Steuervorrichtung, er soll den Benutzer auch nicht schützen vor dem Wasser, vor Unterkühlung oder vor Süßwasserpolypen. Einzig das Aufrechterhalten der Aspiration ist seine Aufgabe. Die Jolle ist damit das kleinste Segelgefährt, es ist der Einstieg in die windgetriebenen Wasserfahrzeuge, der VW Fox der Segelboote.

K wie Kosmonaut
Ein Cosmopolitan ist in allen Städten der Welt zu Hause. Daraus zu schließen, ein Kosmonaut würde von allen Weltraumbahnhöfen der Welt starten, ist Unsinn. Das ist ein Astrokosmonaut, und so einen gab es in Deutschland nur einmal. Das war Ulf Merbold, der aus Greiz kam. Mittlerweile müsste eine Erweiterung in Bezug auf den Begriff des Taikonauten erfolgen (also die chinesischen Raumfahrer), aber … nein.

L wie Lulatsch
So nennen Mütter bis Großmütter Jungs, die subjektiv für ihr Alter groß sind. Da dieser subjektive Eindruck dadurch verfälscht wird, dass diese Vetrusmatres den Jungen immer als kleines Kind im Gedächtnis hatten (selbst dann, wenn er sie schon um zwei Köpfe überragt), wird prinzipiell jeder damit konfrontiert. Unschön (im wahrsten Sinne des Wortes) wird die Sache, wenn die Familie zusammenfindet und die Tanten und Omas zu den Töchtern sagen: „Mensch, bist du schön geworden“, und der Sohn dann komplimentiert wird mit: „Mensch, bist du groß geworden.“ Und dann wundern sich die Leute, warum man ein Absoluter Beginner ist.

M wie Monokel
Der Monokiel ist ein Begriff aus dem Rennsport. In der Formel 1 ist das eine technische Lösung an der Vorderradaufhängung, bei der die unteren Querlenker am gleichen Teil angebracht sind, wohingegen beim Doppelkiel jede Seite ihr eigenes Anlenkungsteil hat. Im Segelsport ist die Bezeichnung prinzipiell auch da, nur nicht so populär, da ohnehin die meisten Boote nur einen Kiel haben und wenn nicht, werden sie explizit als Katamaran oder Trimaran benannt.

N wie Narkose
Das ist die künstliche und im Idealfall vorübergehende Ausschaltung des Bewusstseins und der Schmerzen. Hauptanwendung ist die Durchführung von Sachen, bei denen beides unerwünscht ist, also schmerzhafte Sachen, die man sich nicht mit ansehen will. Wir sprechen von Operationen innerhalb des menschlichen Körpers. Nur: Warum wird auch das Bewusstsein ausgeschaltet? Naja, viele haben einen schwachen Magen, und wenn sie sehen, was da an ihnen gemacht wird, ist eine Wundinfektion durch Reihern des Patienten das Letzte, was die Verwandtschaft der Versicherung erklären will.

O wie Ohm
Benannt nach Hans-Werner Ohm, ist es die Einheit des Widerstandes. Bei Oppositionsbildung wird der anschaulich oft mit Ohmeingott eingeleitet. „Ohmeingott, was habt ihr hier für einen Scheiss gemacht, dagegen müssen wir angehen und Widerstand leisten.“ So entsteht zwischen den Konfliktparteien eine Spannung.

P wie Pusten
Pffffffffffffustekuchen.

Q wie Queen
Is this the real life
Is this just fantasy
Caught in a landslide
No escape from reality
Open your eyes
Look up to the skies and see
I'm just a poor boy, I need no sympathy
Because I'm easy come, easy go,
A little high, little low,
Anyway the wind blows, doesn't really matter to me,
To me

R wie Reigen
Wenn Regen auf Rügen regnet, regen wir die gerügten Räder und reorganisieren einen Reigen. Dann wird im Kreis getanzt, bis man nicht mehr geradeaus sehen kann.  So darf dann der Reigen nicht auf feigen Geigen bleiben.

S wie Strohmann
siehe Vogelscheuche

T wie Trampelpfad
Ein solcher Weg ist in einem rustikalen Zustand. Man sollte nicht mit Sandalen oder Bugatti-Schuhen darüber laufen, aber es macht ihm nichts aus, wenn auf ihm herum getrampelt wird. Bei Brückenkonstruktionen geht das zum Beispiel nicht, sie sind zwar fein austarierte und hochgradige Wege, aber man kann wegen der entstehenden Einsturzgefahr durch Resonanzschwingung nicht auf ihnen trampeln, und so mangelt es ihnen an der dafür nötigen Rustikalität.

U wie UV
Die UV-Strahlung befindet sich hinter einem Ende des sichtbaren Spektrums elektromagnetischer Wellen. Da UV für Ultraviolett steht, sollte klar sein, welches gemeint ist, insbesondere, da das andere Ende von Infrarot-Strahlung markiert ist. UV-Strahlung hat also einen Wellenlängenbereich unterhalb von 380 Nanometern. Da sie so energiereich ist, ist sie ein potenzielles Mutagen. Warum ist sie so energiereich? Wenn ihr das nächste Mal Fahrrad fahrt, dann fahrt mal Schlangenlinien. Einmal mit langen Wellenlängen, also gaaaanz langsam hin und her ziehen, und ein anderes Mal mit kurzen Wellenlängen, bei denen der Lenker wie nichts nach links und rechts gerissen wird. Dann wisst ihr, warum Letzteres energiereicher ist.

V wie Vakuole
Die Vakuole ist im Gegensatz zum Vakuum bei weitem nicht leer, sondern stets an- und abgefüllt. In Pflanzenzellen nimmt sie oft fast den kompletten Zellraum ein, so dass sie dort quasi allumfassend ist (im Gegensatz zum nichtsumfassenden Vakuum). Man könnte es nun wiederum so herumdrehen, dass man einen Raum hat, dort nichts drin ist und man ihm dann mit einer Flüssigkeit anfüllt, in der alles Mögliche drin ist, also Proteine, Salze und alles, was es dickflüssig macht, eben ein Oleum. So etwas würde man ein Vacuoleum nennen. Oder der Entdecker kam aus Ungarn und hieß Ole. Er hatte dauernd Geistesblitze (ung. vaku) und nannte sich Vaku-Ole.

W wie Wackersteine
Schloss Wackerbarth in Sachsen ist ein angesehenes Weingut, welches ich vor ca. fünf Jahren kennenlernte. Die Anlage selbst ist aus Steinen gebaut, die aus dem Namen des Schlosses ihren Namen erhielten.

X wie X-Beine
Überkreuzt man die Beine beim Sitzen (z.B. beim Schneidersitz), entsteht ein stilisiertes X, eben die X-Beine. Gelegenheit, die Beine zu überkreuzen, gibt es bei vielen Sitzarten; von beengtesten Verhältnissen abgesehen geht es immer. Bei den Krummbeinen, die hin und wieder als X-Beine betitelt werden, liegt dagegen keine charakteristische Überkreuzung vor, man kann sie bestenfalls Wäscheklammerbeine nennen.

Y wie YMCA
Die überwältigende Mehrheit der Leute verbindet damit lediglich den Refrain eines äußerst bekannten Liedes von den Village People. Nur wenige der hierzulande Vertretenen scheinen zu wissen, wofür YMCA die Abkürzung ist, und das ist nicht etwa irgendein obskurer südamerikanisch-kommunistischer Geheimdienst oder so’n Schrott, sondern die Young Men‘s Christian Association. (Es gibt natürlich noch das Pendant, die YWCA.)

Z wie Zunder
Landverwandter des Zanders. Wurde erfunden, weil der Zander als Wasserbewohner nicht so gut brennt. Zumindest so lange, bis er unter den entsprechend lange einwirkenden Drücken zu fossilem Brennstoff mutiert wurde. Das dauert ein paar Millionen Jahre, und so viel Zeit hat doch keiner.

Dienstag, 21. August 2012

Formfeder nach der gamescom


FÜLLMATERIAL!
Ich bin gerade von der gamescom zurückgekehrt, und es war hammergeil. Ich hatte geplant, einen Kurzbericht darüber zu verfassen, aber die Aufgaben stapeln sich hier schon direkt neben dem Mülleimer, ja sie überragen ihn bereits, und da kann ich es mir nicht leisten, den Stapel künstlich zu erhöhen. Zwecks Überbrückung (und da die Viewzahlen am Wochenende tierisch in den Keller gingen) noch eine Formspring-Runde. Ich hab noch einen ganzen Haufen davon bei mir rumliegen, nur so als Warnung. Eins, zwei, GO!


Gibt es eine Filmszene, die dich immer wieder zum Lachen bringt? Welche? Gibt es eine Filmszene, die dich immer wieder zum Weinen bringt? Welche? (youtube-Links zu euren Antworten wären schön, ihr faulen Stücke) (KatiKuersch)
Bei der Dinner-Szene aus American Beauty könnte ich mich jedes Mal kringeln vor Lachen. Zu
sehen hier. Zum Heulen finde ich die Szene aus Mathilde - Eine große Liebe, in der Tina Lombardi die Spieluhr bekommt, bemerkt, dass sie an einer Stelle stehenbleibt und eine Nachricht vorfindet. Diese Szene ist zu traurig, als dass ich fähig wäre, sie im Internet zu suchen.
Mir ist gerade noch eine Brüller-Szene eingefallen, aus dem Film Schnappt Shorty. Gegen Ende geht Dennis Farina mit dem Schließfachschlüssel aus dem Haus und stellt sich zwei Meter neben ein Taxi, so dass er den Fahrer zu sich heranwinkt und dieser dann extra diese zwei Meter fährt. Ich könnte so was von brüllen.
Ach ja, definitiv nicht zu vergessen die Lowrider-Szene aus Sehr Verdächtig.


„Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir.“ - Was hat deine Schullaufbahn dich für dein weiteres Leben gelehrt? (Kruemelpotter an SirDonnerbold)
Ich möchte sagen, was sie mich eben nicht gelehrt hat. Nämlich, dass es in der Schule gar nicht um die Schule an sich, sondern um das Sozialwesen geht. Hätten die das nicht einfach sagen können? Oder war meine Klassenlehrerin von der siebten bis zur zehnten Klasse tatsächlich so eine Nulpe, dass sie das nicht gemerkt hat? So, wie ich über sie in dieser einen Geschichte herzog, kann ich die Frage bequem mit Ja beantworten.

Wie könnte ich dich verführen? (KatiKuersch)
Das ist eine echt schwierige Frage, da ich nicht erfahren habe, was funktioniert. Das kulinarische Feld wäre, entgegen jeder spontanen Annahme, gefährlich, denn so wie ich dich einschätze, hast du kochtechnisch garantiert einiges drauf, unabhängig von deiner eigenen Einschätzung. Und wenn ich deine Künste sehe, erinnert mich das an meine eigene Bedeutungslosigkeit beim Kochen. Ich kann Rezepte lesen, ja, und dabei kommt in der Regel was sehr Gutes heraus, aber im Improvisieren und kreativ Rezepte erstellen bin ich eine Null. Was nicht heißen muss, dass der ganze Vorgang auf nüchternem Magen erfolgen muss.
Rechne mit einer längeren Zeitspanne. Egal in welcher Verfassung man mich antrifft, ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas binnen kürzester Zeit geschieht. Was daran liegt, dass ich von all dem keine Ahnung habe, aber das wisst ihr ja schon wegen der vielen Erwähnungen längst.

Wie nennst du einen Shot? Bei mir heißt das Stamperl, aber in Franken werde ich deswegen schief angeschaut. (KatiKuersch)
Ich nenne das einen ohrenbetäubenden Knall, bei dem rauchschwaches Pulver vollständig verbrannt wird, wodurch ein Projektil kinetische Energie erhält und durch die Luft donnert, um sein Ziel mit größtmöglicher Wucht zu treffen.

Was verwechselst du immer? (mirameter)
AmrasLP und Hijuga.

Schreibe den Satz auf, der dir in deiner Umgebung als Erstes ins Auge springt. Außer von Pc/Laptop/etc. natürlich.
Ein höllischer Trip auf dem dreckigen Pfad der Vergeltung. (Inglourious Basterds-Plakat)

Welche Filme, Bücher, Bilder oder Serien haben dich als Kind verstört? (Shrimpsss)
Terminator 2 und Mars Attacks. Letzteren habe ich seitdem nicht wieder gesehen, und ersteren finde ich deswegen wohl auch nicht so toll.

„Nichts schmeckt so gut, wie sich dünn sein anfühlt.“ Was hälst du von diesem Zitat von Kate Moss? Wie würdest du deine Einstellung zum Essen beschreiben? (juliahoberl)
Ich bin fast versucht, sie dafür aus dem GUI Pack herauszunehmen. Worüber sie gar nicht mal so unglücklich sein wird.

Es ist gerade 03:00 Uhr nachts, es klingelt an der Tür und jemand ruft: „Aufmachen, Bettkontrolle!“ … Wie reagierst du? (AsgarSerran)
NEIN NIE WIEDER NIEMALS NIE MEHR!!! Vertreibung mit einer .380 ACP-Pistole. Und Rock River-Ausrüstung, wenn es hart auf hart kommt.

Pi ist genau drei! (anonym an KatiKuersch)
http://z0r.de/3879

Formaldehyd, Zyankali oder Axt? (Pappklappe)
.380 ACP und das Problem ist löchrig.

Stell dir vor, wir würden uns zu einem DVD-Abend treffen. Welche drei Filme würdest du mit mir zusammen gucken? (FraeuleinGrau)
Bevor irgendetwas läuft, vergewissere ich mich felsenfest, was für eine Sorte DVD-Abend denn überhaupt gemeint ist. Ist es ein DVD-Abend oder ein DVD-Abend? In letzterem Fall wohl drei Filme, von denen ich die Handlung halbwegs kenne und keine hohen Newtonwerte eine Rolle spielen wie zum Beispiel Wag the Dog, Männer die auf Ziegen starren und MUSKATNUSS HERR MÜLLER! Wenn es der andere DVD-Abend ist, dann wohl eher so etwas wie Schnappt Shorty, Into the Wild und … Verdammich noch eins, drei Filme an einem Abend? Weißt du, wie spät das wird? Im günstigsten Fall sind das viereinhalb Stunden, wahrscheinlich sind eher so sechs. Derart lange Filmnächte mache ich eigentlich nicht mit Personen, die ich gerade erst kennengelernt habe.

Worin bist du Profi? (Qafka)
Seat Léon. Für diese Antwort möchte ich meinem Tisch am liebsten zeigen, wie Akustik-Breakcore auf einem Cajón aussieht.

Wenn nicht jetzt, wann dann? (FraeuleinGrau)
Morgen.

Angenommen, du müsstest so schnell wie möglich das Land verlassen - wen oder was würdest du mitnehmen und wohin würdest du fliehen? (FraeuleinGrau)
Als Fluchtfahrzeug einen Chevrolet El Camino oder eine Mercedes E-Klasse T-Modell. Ohne Rechner, Skizzenbuch, Schreibbuch und Stiftesammlung tauch ich nirgendwo unter. Und den Krümeltee und ein Fleece-Shirt nehm ich noch mit. Der Hut muss hierbleiben, da man mich sonst zu leicht erkennen würde. Wenn es nur darum geht, möglichst schnell abzuhauen, würde ich nach Sassnitz fahren und ab nach Schweden. Vielleicht von dort aus mit der Fähre nach Frankreich. Frankreich ist toll. Da kriege ich dann auch die Frankreich-Flagge, mit der ich bei der nächsten FU-Ball-WM provozieren kann.

Donnerstag, 16. August 2012

Fuck the female chicken



Platz 3 von 6: Inglourious Basterds

--! ACHTUNG SPOILERWARNUNG!--
Und: Das könnte ein wenig länger dauern.


Ich versprach es bereits im anderen Artikel, dass der erste Film, bei dem ich auf seinen Platz in meinem Ranking eingehen werde, Inglourious Basterds ist. Quentin Tarantinos neuester Film (zumindest bis Ende Januar 2013) ist zugleich sein kommerziell erfolgreichster und wird von vielen Leuten als sein bislang bester angesehen. Dazu passt die letzte Kameraeinstellung des Films, in welcher durch den Mund von Lt. Aldo Raine ausgesprochen wird: „This could be my masterpiece.“ Viele stimmen damit überein, ich nicht. Müsste ich in einem Satz zusammenfassen, weshalb Inglourious Basterds bei mir keine höhere Platzierung genießt, so könnte ich die ausstehende Antwort so ausdrücken: Dafür war er mir zu kurz. (dramatische Pause) In der Tat ist das ein akzeptabler Satz, auch angesichts der Laufzeit von satten zwei Stunden zwanzig. Aber der Reihe nach.

Inglourious Basterds hatte einen sehr langen Schreibprozess. Die Gestalt dieses Prozesses merkt man ihm deutlich an. Auch wenn man es nach der ersten Sichtung nicht notwendigerweise im Kopf behält, so ist dieser Film doch angefüllt mit vielen Momenten, die sich zu einer Struktur verdichten. Diese bilden dabei eine emotional sehr ausdiversifizierte Achterbahn; ganz vorne zu nennen Col. Hans Landa. (Ich konnte mich gerade noch davon abhalten, Obst. Hans Landa zu schreiben, denn Obst. war bis ’45 die gängige Abkürzung für Oberst. Aber historischer Realismus ist ohnehin das, was der Film mit als erstes über den Haufen schießt.) Er hat einen gnadenlos guten Job hingelegt, und jedes Mal, als ich die Visage von Christoph Waltz hinterher gesehen habe, dachte ich nur: Oh, was für ein mieses Dreckschwein. Und wenn allein sein Anblick bei mir Unsicherheit hervorruft und das lediglich auf Grund einer Rolle, die er gespielt hat, dann hat er einen zu Recht außerordentlich zu nennenden Job gemacht. Der Oscar war mehr als nur gerechtfertigt, er war notwendig.

Und mit diesem hohen Grad an schauspielerischer Kunst war er stark verantwortlich für den Verlauf der genannten emotionalen Achterbahn. In dem Moment, in dem er seine Leute im Haus der Familie LaPadite die Familie Dreyfus unter den Dielen hinrichten lässt, fängt der erste extreme Ausschlag an. Shosanna tut das einzig Richtige, nämlich rennen als wäre der Luzifer höchstpersönlich hinter ihr her (was gar nicht mal irgendwo hergeholt ist) und Landa zielt mit seiner P38 auf sie und hat dabei einen Gesichtsausdruck drauf, als würde ihm die Erschießung der fliehenden Shosanna nicht wie ein Bestandteil seines Auftrages vorkommen, sondern vielmehr als eine (ihm) willkommene Herausforderung, die er von oben herablassend dann doch nicht annimmt, als wäre sie die läppische 9 mm-Kugel gar nicht wert. Und ich dachte: Was für ein Dreckarsch. Ich wünschte ihm die Welt des Schmerzes.

Direkt anschließend die hämische Reaktion: Die Basterds sind unterwegs und holen zum Gegenschlag aus. Und sie sind darin mittlerweile richtig gut. Die Aufregung Hitlers wirkt dagegen wie ein Kleinkind, dem die Plastikschaufel, die ohnehin dem Kindergarten gehört, schon seit gestern nicht zur Verfügung steht. Er taugt noch nicht einmal zu einem wahren Bösewicht in dieser Darstellung, er ist vielmehr jemand, dem man keinen heroischen Tod, sondern das Schicksal des Kollateralschadens wünscht. Aber seine Rolle im Krieg wird es nicht erlauben. Was soll’s, so weit sind wir noch nicht. Wir waren noch bei den Basterds und ihrer Dezimierungsaktion zu White Lightning von Charles Bernstein. Und obgleich Werner, der erste zur Lage befragte Wehrmachtssoldat (und damit nicht notwendigerweise Nazi), von Donny mit dem Baseballschläger kaputtgeknüppelt wird, was manche Leute, die ich kenne, schon ziemlich heftig fanden, fehlt mir irgendwie das Mitleid mit ihm, weil der Rundumschlag, den die Basterds verteilen, gegenüber dem, was wir zuvor bei Landa sahen, eine zu große Genugtuung ist. Und das, obwohl er (Werner) damit zu jemandem wird, der lieber in den Tod geht als seine Prinzipien zu verraten. Das ist eine Prinzipientreue, die eigentlich Ergriffenheit oder zumindest ein gewisses Maß an Mitgefühl verlangt. Aber die Prinzipien an sich sind hinterfragbar, und das nicht zu knapp, weshalb das Gefühl der Genugtuung überwiegt. Er wird damit zu einer Art Stellvertreter für alle Verbrecher. Der darauffolgend befragte Soldat taugt auf Grund seiner Charaktereigenschaften nicht für diese Rolle, darum muss er es sein, der laufen gelassen wird.


Und so wechselt Inglourious Basterds, je nach gerade beleuchtetem Charakter, zwischen verschiedenen Stimmungen hin und her, von großer Betroffenheit (der Moment, in dem Zoller und Shosanna am Boden liegen) und Abscheu (Hammersmark wird erwürgt) über heikle „Oh-hoffentlich-schaffen-sie-es“-Momente (Gespräch mit Hellström in der Taverne im Keller und Gespräch zwischen Shosanna und Landa) bis hin zur inneren Erlösung (die Logen-Beleger im Kino werden kaputtgeschossen) und ehrlichem Lachen wie bei 

HUGO STIGLITZ

(hier Gitarrenriff aus Slaughter von Billy Preston einfügen)

Aber diese große Stärke von Inglourious Basterds, die Verschiedenartigkeit seiner großen Momente, ist zugleich eine seiner größten Schwächen. Denn: Die großen Momente definieren den Handlungsverlauf. Sie sind diejenigen, die im Gedächtnis bleiben. Nur bleibt damit kaum Raum für die in noch größerer Zahl vorhandenen kleinen Momente. Beispiel: Habt ihr Hellström, der in der Taverne im Keller die Tarnung der Basterds auffliegen lässt, bereits vorher im Film bemerkt? Ich erst bei der letzten Sichtung vor vier Tagen, und das war mittlerweile so ungefähr die vierte Sichtung. Man sieht ihn zunächst, als Shosanna vom Kino abgeholt wird, um den Kinowechsel zu besprechen, und dann noch während des Gespräches. Erst später erblicken wir ihn in der Taverne in einem Keller.


Goebbels: „Ich habe einem Wechsel des Veranstaltungsortes nicht zugestimmt!“ Hellström (lakonisch): „Ist notiert.“



“Verzeihung, habe ich eventuell meine Stiefel unter ihrem Bett vergessen?“

Und noch in derselben Szene zwei Sachen, die ich erst jetzt gesehen habe: Lt. Archie Hicox muss seinen Aufenthaltsgrund angeben. Dabei gibt es diese Einstellung:



„Jemand muss doch ihr Feuerzeug tragen.“

Nun gut, ich erinnerte mich daran, dass sein Gesichtsausdruck gelegentlich von Ewan McGregor stammt. Das aber wahrscheinlich, weil es mehrmals vorkam.



Your clones are very impressive. You must be very proud.

Und eine Sache, die mir auffiel, weil ich eine sehr ähnliche Situation inzwischen erlebt habe, als ich eine sehr ähnliche Formulierung verwendet habe, war bei diesem Frame zu hören:



„Das dachte ich mir, dass sie mich nicht als Störenfried ansehen. Mir scheint, der [Hicox] scheint einfach immun zu sein gegen meinen Charme.“

Erwähnte ich schon die Deckenventilatoren im Kino? Ihr Geräusch erinnert an den Flügelschlag von dem Viech, auf dem einer der neun Nazgul in Herr der Ringe Teil 2 über den Sumpf flog, um den Ring aufzuspüren. Man hört die Ventilatoren also nur, wenn einer der Flügel gerade herumrauscht. Ich finde, dass das ein erwähnenswertes Detail ist, welches sich vormals auch meiner Aufmerksamkeit entzog.


Und so geht das durch den ganzen Film hindurch. Gleichwohl muss man dankbar sein für das pure Vorhandensein dieser kleinen Momente, denn sie tragen wesentlich zum Aufbau der Atmosphären im Film bei. Sie tragen größtenteils die komischen Zeitpunkte, aber da sie so kurz sind und damit von den langen Momenten überschattet werden, bleiben sie nicht hängen. Hätte man ihnen mehr Zeit eingeräumt, indem man mehr Szenen und Einstellungen eingebaut hätte, in die man sie verlagert hätte, um sich dort zu entfalten, wären sie möglicherweise haften geblieben. Mich stört dabei nicht unbedingt, dass nicht alle Momente haften bleiben. Das sieht man bei vielen anderen Filmen auch, wie zum Beispiel Hot Fuzz oder Shaun of the Dead. Was mich stört, ist, dass diese kleinen Momente so unauffällig untergebracht sind und es daher so viele Sichtungen benötigt, bis sie doch steckenbleiben. Es wäre mir daher durchaus lieber gewesen, wenn Tarantino das Skript nicht so radikal gekürzt hätte (es waren angeblich um die 220 Seiten; das Taschenbuch auf amazon hat 176, aber das ist im A5-Format). Laut eigener Aussage hätte es für drei Filme gereicht. Nun gut, ein Dreiteiler wäre in der Tat eine zu große Nummer, aber einen Zweiteiler hätte ich mir gut vorstellen können. Nun könnte man einwerfen, dass das eine Kopie der Idee von Kill Bill war. Dem möchte ich entgegnen, dass ich mich auch so schon deutlich an Kill Bill erinnert fühlte. Da wird das Aufteilen in zwei Teile nun auch keine solche Rolle spielen. Diese Erinnerung war besonders deutlich an den Stellen, an denen Personen vorgestellt wurden, die schriftliche Fixierung war im Grunde genommen dieselbe. Dann folgte eine kurze Szene, bei der die (abfälligen) Eigenschaften der Person zu Tage kommen, ohne dass darüber jemand sprechen möchte (einschließlich des Erzählers). Andererseits war das in Kill Bill eine gut funktionierende Sache, und wenn man Merkmale aus einem eigenen Werk übernimmt, weil sie funktioniert haben, dann ist das eine Sache, die ich gutheißen kann, und wenn mich daran etwas stört und ich es nicht mehr so gut finde, dann lässt es ich verschmerzen. Das ist also eher eine subjektive Angelegenheit, weil mir aus Tarantinos Werk kein ähnliches Beispiel einfällt.
Aber wir waren noch bei den kleinen Momenten. Und dass diese zu schnell in Vergessenheit geraten, liegt, wie besprochen, an der Dominanz der großen Momente, die die Handlung festlegen, darüber hinaus an der schieren Masse, und daran, dass sie die Stimmung zu schnell ändern, so dass sie kaum über einen längeren Zeitraum eine stabile Entwicklung durchläuft. Diese stabile Entwicklung möchte ich mal beispielhaft an Hugo Stiglitz durchexerzieren, und zwar deshalb, weil das in zu kurzer Form meine unbefriedigende Antwort auf die damalige Frage von Wiebque war (wie ich den Film fand, nur so zur Erinnerung).
Hugo Stiglitz wird uns in der wohl epischsten Art vorgestellt, wie es bis dato in einem Tarantino zu sehen war. Es grenzt an einen Big Lipped Alligator Moment, wie That Guy with the Glasses es nennen würde. Pikant daran ist, dass später im Film tatsächlich so ein Moment auftaucht, nämlich der Satz DASISEINBINGOOOOUUUUUU!!!! Zur Entfaltung der in solche Falten gelegten Stirnen, die sich mir offenbaren, wonach keiner der Anwesenden weiß, was ein Big Lipped Allogator Moment ist: Das ist ein Moment in einer Filmhandlung, den die Figuren bewusst als solchen erleben. Er kommt mitten aus dem Nirgendwo, ist komplett bescheuert, trägt nichts zur Handlung bei und wird auch nie wieder erwähnt. Das trifft auf das Bingo zu. Der Name dieser Momentenklasse kommt aus irgendeinem Animationsfilm, an dem ein Alligator auf einmal aufkreuzt und ein Liedchen singt. So ähnlich kam es auch in dem Film Ferngully vor, als ein in den Farben des Gulf Racing Teams lackiertes … Vieh auf einmal auftauchte und so sexy wie möglich darüber singt, wie es den Hauptcharakter zu verspeisen gedenkt. Ich schweife ab. Hugo Stiglitz wird uns sehr erinnerungswürdig vorgestellt (großer Moment, ihr wisst schon) und dann sehen wir ihn in der Taverne in der Ecke sitzen. Dann feuert er zwei coole Sprüche und sechs Kugeln aus seiner Walther PPK ab und dann ist er tot. Das war es. Das war der Hugo-Stiglitz-Subplot. Er starb verdammt nochmal zu früh. Das war möglicherweise ein bewusstes Brechen seitens Tarantino mit der Erwartungshaltung, indem er jemanden exposiert und nach zehn Minuten wieder abtreten lässt nach dem Motto: „ÄTSCH ich hab euch veräppelt.“ Aber ich mag so etwas nicht. In einem gestreckten Film wäre für ihn mehr Platz gewesen. Aber woher kommt eigentlich die Erwartungshaltung? Möglicherweise von der total tollen Eröffnung des Charakters, möglicherweise von der Bekanntheit von Til Schweiger. Frage jemanden, ob er Til Schweiger kenne, und jeder wird ausnahmslos sagen: „Ja, das ist doch der aus und so weiter und so fort.“ Zum Vergleich: Christoph Waltz kannte vor diesem Film keiner. Und das ist aufgerundet. Er ist aber einer der wichtigsten Charaktere. Aber vielleicht war der Charakter von Stiglitz auch nicht für mehr Auftritte geeignet.

Und noch eine ganz andere Sache geht unter: Die Basterds planen, die Nazi-Elite samt und sonders auszuräuchern. Shosanna plant im Grunde genommen genau das Gleiche. Nur die zwei im Kino anwesenden Basterds sind überhaupt in der Lage, davon Kenntnis zu erhalten. Shosanna erfährt nichts vom parallel ablaufenden Attentat, weil sie zwischendrin stirbt. Die Tragik, die dahinter steckt, ist kaum zu spüren, obgleich die Dopplung in Werbetexten gelegentlich explizit erwähnt wird. Vielleicht soll aber gerade dadurch, dass sie sich so zurücknimmt, diese Tragik aufrechterhalten werden, wenn doch mal einer darüber stolpert. Wenn ich mir das gerade so vorstelle, würde das unpassend wirken, wenn man diese Konstruktion gesondert herausstellen würde. Das gezielte Weglassen einer Betonung gibt ihr eben genau die Betonung, die sie in Anspruch nehmen sollte. Es war also in diesem Fall vielleicht eine gezielte Vergesslichkeit.


Gleichwohl versteht es der Film, lustig zu sein, in den unmöglichsten Momenten. Während „Stolz der Nation“ im Kino läuft, meint Hitler zu Goebbels, dass dies sein bis dato bester Film ist. Die bis auf das äußerste gerührte Reaktion von Goebbels ist einfach ein Brüller, wie er fast in Tränen ausbricht ob dieses von höchster Stelle kommenden Kompliments. Und das Gespräch der gefälschten Italiener mit Landa hat nicht ohne Grund eigene Videos bei Youtube gefunden. Landa, der perfektes Italienisch spricht, quasselt die Amidialekte an die Wand. Und kurz zuvor machen Antonio Marghereti und Dominic Decocco die dazu passenden Handbewegungen. Hi’arious würde es Aldo Raine nennen, wäre er nicht in dieser Situation. Und noch eine Sache, die auch ein bisschen untergegangen ist (es sei denn, man hat den Soundtrack): Die Montage mit den Vorbereitungen von Shosanna für den Anschlag und die dazu unterlegte, eigentlich komplett unpassende Mucke.



It’s the Jungle. Welcome to the Jungle. It gets worse here every day.


All das trägt zu einer grandiosen Atmosphäre bei. Ich würde sagen, dass diese im Mittelteil am stärksten ist. Am Anfang überwiegt der Schockeffekt und das Ende gleicht einem Blutrausch. Ich mag den Mittelteil, also Kapitel zwei, besonders drei und die vier. Auch wenn man es zu schnell vergisst und Hugo Stiglitz zu schnell von der Bühne tritt. Wie sehr es der Film vermag, eine Atmosphäre aufzubauen, will ich an einem Beispiel demonstrieren: Am Tag, nachdem wir Inglourious Basterds im Kino sahen, suchte ich bei Youtube nach Stücken aus dem Soundtrack, wahrscheinlich Green Leaves of Summer, das Eröffnungsstück. Bei meiner Suche traf ich auf ein Inglourious Basterds-Lied von Vitaliy Zavadskyy, welches mir sehr gut gefiel. So versuchte ich, herauszufinden, an welcher Stelle im Film es lief. Ich fand es nicht heraus. Weil es überhaupt nicht im Film vorkam. Es stellte sich heraus, dass Vitaliy Zavadskyy ein junger Songschreiber ist, der zu einem Film ein atmosphärisch passendes Stück schreibt und einspielt und das auf seinem Kanal Vitaliiii (hinten mit vier i, das sieht man so schlecht) online stellt. So hatte er auch extra für Inglourious Basterds ein Stück geschrieben. Über dieses stolperte ich also, und ich nahm, basierend auf dem Klang und der eingängigen Melodie wie selbstverständlich an, dass es ein Teil des Soundtracks war. Das Stück lässt sich hier hören. Eine solche Identifizierung mit einem anderen Werk funktioniert nur, wenn wohldefinierte Eindrücke vorliegen, und das hat Inglourious Basterds mit seiner Atmosphäre sehr gut hinbekommen.



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Kommen wir zu einem Fazit: Inglourious Basterds ist zweifellos ein guter Film. Er versteht es, einen gewissen Grundton überzeugend aufzubauen, übernimmt sich dabei allerdings mit vielen einzelnen Eindrücken, die mehr Raum vertragen würden. Strukturell spielt er mit dem Zuschauer und bleibt stets unberechenbar. Seine Fülle macht ihn (meiner Meinung nach) nicht unbedingt zum besten Film von Quentin Tarantino, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zu demjenigen, über den man am meisten erzählen will.









AUF DIE VERGANGENEN ZEHN JAHRE MIT WIEBQUE! MÖGEN SIE NOCH LANGE SO WEITERGEHEN!

Mittwoch, 15. August 2012

Nehmen sie ihre Plätze ein



Ursprünglich … ursprünglich …


Ursprünglich wollte ich an diesem Tag die Skizzenfestival Diaries komplett hochladen. Alle Tage in niedergeschriebener Form, sowohl aus dem Buch digitalisiert als auch diejenigen Parts, die ich nicht mehr in klassischer Stiftform schaffte. Aber das habe ich nicht ganz hinbekommen. Der Umfang wird geschätzte dreißig bis fünfzig A4-Seiten umfassen. So ist zum einen der Zeitrahmen zum Schreiben eher unrealistisch (zwei Wochen), zum anderen ist das ein bisschen viel Lesematerial auf einmal, womit der eine oder andere wahrscheinlich sehr überrollt werden würde.
Stattdessen ist mir ein anderes Thema zur Überbrückung eingefallen. Wir alle lieben die Filme von Quentin Tarantino. Und wir alle haben unseren Lieblings-Tarantino-Streifen. Manche von uns haben seine Filme in einem Ranking sortiert, und so tat ich das ebenfalls. Da ich noch nicht erzählte, wieso mein Ranking so aussieht, wie es aussieht, und weil ich das Ranking selbst noch nicht explizit formulierte, gibt es hier ein mal mehr, mal weniger umfängliches Thema. Und damit willkommen zu meiner Tarantino-Rangliste. Diese bezieht sich auf seine eigenen Filme, also diejenigen, bei denen Tarantino und NUR Tarantino sowohl Drehbuch als auch Regie übernommen hat. Zeitlich aufsteigend sind das Reservoir Dogs, Pulp Fiction, Jackie Brown, Kill Bill, Death Proof und Inglourious Basterds. My Best Friend’s Birthday habe ich nicht mit hineingenommen, da er nie offiziell veröffentlicht wurde und es eher … ein Kurzfilm ist (wenn man den Regeln der Academy Glauben schenkt, dann fängt ein Spielfilm ab einer Länge von vierzig Minuten an, und My Best Friend’s Birthday liegt knapp darunter). Darüber hinaus habe ich den Film noch nicht gesehen.

Oder was davon übrig ist.

Weshalb gerade dieser Tag? Nun, es sollte an die aufmerksamste Leserin gehen, die Wiebque. Heute ist unser zehnjähriges Kennenlern-Jubiläum, und das wollte ich nicht mit Nichtstuerei verstreichen lassen, indem ich den Termin für die Diaries verschiebe. Stattdessen werde ich unter Anderem auf eine Frage eingehen, die sie vor ca. drei Jahren stellte und auf die ich bisher keine zufriedenstellende Antwort gab. Und zwar ist das die direkt nach der zugehörigen Premiere gestellte Frage, wie ich Inglourious Basterds fand. Aus diesem Grund kommt diese Review mit zuerst.
Zur Reihenfolge der Postings noch ein Wort: Sie werden durcheinander sein. Nicht nach Rang auf meiner Liste sortiert (und auch nicht nach Veröffentlichungsdatum der Filme), denn ein Abwärtszählen hätte in einem unepischen Ende gemündet (der letzte Platz ist nicht ohne Grund der letzte Platz), und Aufwärtszählen mag ich auch nicht so gerne. Ich will eine Spannung bis kurz vor Schluss aufrecht erhalten. Da ich zum letzten Platz eh nicht so viel zu sagen habe, kommt der gleich jetzt.



Platz 6 von 6: Jackie Brown

War leicht zu erraten, oder? Jackie Brown ist unter Tarantinos Filmen bei der allgemeinen Rezeption irgendwie auf der Strecke geblieben. Bei Kill Bill denkt jeder an die Braut mit dem Schwert, bei Death Proof denkt jeder an die Muscle Cars (respektive die Jukebox) und an Stuntman Mike, bei Inglourious Basterds denkt jeder an in Strömen fließendes Naziblut, bei Pulp Fiction denkt jeder an Jules und Vincent und bei Reservoir Dogs denkt jeder an die schneidigen Typen im Anzug und die Lagerhalle. Bei Jackie Brown … ja, woran denkt man da eigentlich? In Erinnerung bleibt in erster Linie Samuel L. Jackson und seine unorthodoxe Art, Zeugen verschwinden zu lassen und dabei immer wieder dieselbe Kaution verwenden zu wollen. (Das hat einen Hauch von Chuzpe, findet ihr nicht auch?) Für die eigentliche Heist-Handlung habe ich kaum eine Erinnerung gefunden, und auch Robert DeNiro bleibt am ehesten im Gedächtnis haften, weil er … da ist. Was ich von ihm im Kopf habe, ist, dass er die meiste Zeit bei Jacksons Strandbude in der Sofaecke sitzt und konsequentes Underacting betreibt. Was ja auch gut ist, aber dafür hätte es keinen Robert DeNiro gebraucht, das hätte Harvey Keitel meiner Meinung nach ebenso gut hinbekommen.
Man muss natürlich erwähnen, dass Jackie Brown bereits vorbelastet war. So standen seine zwei Vorgänger, Reservoir Dogs und Pulp Fiction, schon unter der gleichen Thematik: Gangster in Los Angeles, die Gangster-Sachen tun. Das Thema ist irgendwann eben verbraucht. Hinzu kam, dass Jackie Brown auf einem bereits existierenden Buch basiert, so dass Tarantino keine Freiheit in Bezug auf die Handlungskonstruktion hatte. Und dann noch die Optik. Dass der Film nach genau dem Jahrzehnt aussieht, in dem er gedreht wurde (90er; dazu später mehr), widerstrebt der Filmoptik, die ich bevorzuge. Dafür kann jetzt das Drehbuch nichts, das ist eine Terminfrage, aber es ist eben Bestandteil des Films.
Im Prinzip ist das schon alles, was ich zu Jackie Brown zu sagen habe. Nimmt man also den Inhalt dieser Review als Grundlage und auch noch den Umstand, dass sie notwendigerweise so kurz ausfällt, so sollte es nicht weiter verwundern, weshalb Jackie Brown den letzten Platz in meiner Tarantino-Liste einnimmt.

Montag, 6. August 2012

Formspring mit Applewar-Outro


Mir scheint, diese Seite könnte ein wenig einschlafen, da ich gerade unheimlich viel Text einklappere, der geschlossen hochgeladen werden soll. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, wird hier etwas von dem Material erscheinen, welches ich bereits auf Halde produzierte. Und das sind weitere beantwortete Formspring-Fragen.

Du und ich, wir planen gemeinsam einen Buchclub. Jeden Monat lesen wir ein Buch, brauchen also für ein Jahr 12 Bücher. Welche schlägst du vor und wieso ausgerechnet diese? (KatiKuersch)
Zunächst einmal Ein Buch namens Zimbo und Für Nächte am offenen Fenster, beide von Max Goldt. Weil jeder wissen muss, was für ein toller Texteschreiber das ist. Dann noch Eine Billion Dollar von Andreas Eschbach, weil ich das echt mal wieder lesen sollte. Ist sieben Jahre her. Und ich habe keinerlei Zweifel daran, dass ein Monat reicht. Im Prinzip reicht auch eine Woche. Und Der Tag X von Philip Kerr. Weil ich echt mal wissen möchte, wo zum Teufel das Buch abgeblieben ist. Den Rest füllen wir mit Axel Hacke auf.

Ich schenke dir eine Woche Urlaub. Alles ist organisiert, du musst bloß noch sagen, wohin es geht. Also? Wohin geht es? Und wieso? (eisbaerenwahn an KatiKuersch)
Radebeul. Dieser im Großraum Dresden gelegene Ort ist so unfassbar toll, dass ich da am liebsten hinziehen würde, wenn der Alltag nicht hinterher käme.

Welche DVD hast du dir zuletzt gekauft? (Shrimpsss an KatiKuersch)
Achteinhalb. Steht mittlerweile auch oben rechts auf meinem Hintergrund. Das stimmt nicht mehr, nach Achteinhalb ist Sideways während des Skizzenfestivals in meinen Briefkasten geflattert. Nicht mal für den Blogger-Hintergrund bleibt Zeit.

Welcher Film war der verstörendste/merkwürdigste den Sie je gesehen haben? (Devox)
Zunächst einmal ist der hier hin und wieder bemerkte Planet Terror nicht derart erwähnenswert, wenigstens bei dieser Frage. Er war, um das für alle festzuhalten, die das immer noch nicht verstanden haben, Teil eines Double Features, welches von Robert Rodriguez und Quentin Tarantino erstellt wurde, um das Schundkino der 60er, 70er, 80er und von heute *Ostseewelle, Sputnik, auch ich höre zu selten Radio, das sollte eigentlich „ach“ statt „auch“ heißen, aber so wirkt das ebenso nice*zu zelebrieren. Daher haben sie bewusst Trash produziert, den aber gut gemacht. Und um die Frage zu beantworten: Mulholland Drive und Lost Highway und wahrscheinlich Donnie Darko. Im Sinne von merkwürdig.

Du darfst dir exakt einen (EINEN!!!!) Künstler aussuchen, der zu einem gemütlichen Wohnzimmerkonzert bei dir vorbeischaut. Für wen entscheidest du dich? (KatiKuersch)
Aequitas.

Bei welchem vermeintlichen Fantasiegeschöpf ist deine Angst am größten, dass es eventuell doch existiert? (Qafka)
Das Bläh. @applewarpictures

Weißt du noch was deine erste selbstgekaufte CD/Platte war? (mirameter an KatiKuersch)
Entweder Man vs. Machine von Xzibit oder Hybrid Theory von Linkin Park.

Wie magst du deinen Kaffe? Wenn du keinen Kaffe magst, dann verrate mir, welches warme Getränk du gerne trinkst. (Dantalimette an KatiKuersch)
Schwarz mit zwei Stück Dukannstmichmal. Ich nehme Tee, den aber nur selten. Getränke kommen bei mir meistens in höchstens zimmertemperiertem Zustand auf den Tisch.

hast du den film ‘sakrileg - the da vinci code‘ oder das buch gelesen?:) wenn ja wie fandest du es? (anonym an KatiKuersch)
Den Film habe ich gesehen und für mich ist er eine Art Heiligtum und befindet sich daher auch in meiner Top Ten. Auf diesem Blog habe ich bereits ein Plädoyer dafür gehalten, ich weiß aber gerade nicht mehr, ob der Artikel noch so gut ist. Auch wenn ich es kaum nachvollziehen kann, so muss ich dennoch akzeptieren, dass der Film auf beiden Sorten von Listen von Filmen zu finden ist, bei denen man eine abweichende Meinung hat - Filme, die jeder liebt, bis auf die eigene Wenigkeit, und Filme, die man mag, die aber jeder andere hasst. Das kann darin begründet sein, dass „das Buch ja immer automatisch vielfach besser ist als der Film, der daraus gemacht wird“ und so weiter. Deshalb lasse ich von dem Buch auch meine Finger.

10 Songs der Achziger, die du gut findest bitte!? (anonym an SirDonnerbold)
Da ich die Achtziger nicht so mag, ist die Auswahl übersichtlich.
Hier eine Liste:
Flash Dance - She’s a Maniac
Berlin - Take my breath away
Talk Talk - Such a Shame
Kate Bush - Running up that Hill
Queen - Another one bites the Dust
Chris Isaak - Wicked Game
N.W.A. - Express yourself
Guns N’Roses - Welcome to the Jungle
The Specials - Ghost Town
The Stranglers - Golden Brown
Es hat mehrere Stunden gedauert, bis die Liste fertig war.

Wenn Aliens kommen, ausgerechnet mitm Ufo direkt neben dir landen und du somit der Repräsentant der gesamten Menschheit wärst - was würdest du zu ihnen sagen? (dieColleOlle)
ÜBERTRETEN!

*Acht-Bit-Mucke*
Und das waren wieder anderthalb Seiten mit diversem Unfug.
Hier oben links kommt ihr zum neuen Video von mirrorzFX, hier oben rechts seht ihr das neue Meerschweinchen-Video.
Wenn euch das Video gefallen hat, gebt einen „Daumen hoch“, wir sehen uns nächste Woche beim neuen Applewar. (Hab ich mit solchen Imitier-Outros nicht schon vor langer Zeit aufgehört?)