Samstag, 27. November 2010

adaptation. (englisch ausgesprochen)

Weshalb mache ich diesen Job? Weil ihn allein keiner machen kann, weil ich nicht nein sagen kann, weil die Chance, das Gespräch führen zu können, wenigstens nicht mehr Null ist … Seit Wochen denke ich an nichts Anderes mehr. Nicht an die Vorlesungen, nicht an die Klausuren, nicht mal an die DVD-Releases, die demnächst anstehen. Was im Übrigen mit Eclipse und Inception in meinen Augen ziemlich große Kaliber sind, nicht zu vergessen Micmacs. Mir geht nur dieses Gespräch durch den Kopf. Und die möglichen Szenarien, in denen ich scheitern könnte. Denn um das Gespräch führen zu können, muss ich sie beim Weihnachtskonzert treffen oder bei uns am Glühweinstand, und um da aufzukreuzen, muss sie auf jeden Fall zum Konzert, weil die Weihnachtsferien so doof bemessen sind. Ich kann also nur mit ihr sprechen, wenn sie rechtzeitig hier ist. Und das ist ein großes WENN. Und dann, wenn sie sich nicht überreden lässt? Ich weiß, dass meine Eltern wesentlich mehr Stress um die Ohren haben als ich. Aber aus meiner Sicht sind meine Sorgen von der Mentalität her schon existenzbedrohend.

Bin ich momentan zufrieden? Eigentlich nicht. Und das hat diesmal wirklich nichts mit der Uni zu tun und auch nicht damit, dass es in der Bude aussieht wie Sau. Es ist auch, dass ich gerade so gar keinen Bock auf Weihnachten habe. Der Rummel hat sich des Marktes bemächtigt, früher fuhren wir darauf ab, heute kann ich es nicht mehr sehen. Es ist wie ein ganz normaler Oktober, nur eben viel kälter und hier und da mit dem einen oder anderen Wasserkrümel. Die Weihnachtsindustrie greift um sich. Ich will keine in roten Pelz gehüllte halbnackt Fotomodels sehen. Auch keinen Weihnachtsrummel. Und erst recht will ich dieses verdammte Baugerüst da nicht mehr sehen. Allgemeine Depression. Auch auf dem Weg zum Bahnhof. Ich wollte mit dem Rad zu Strucki, dann wieder zurück und zu Fuß zum Südbahnhof. Weil der Reifen im Teich war, hab ich umdisponiert: Wieder zurück, Sachen gepackt und zu Fuß zu Strucki und von da zum Hauptbahnhof. Und ich hatte so was von keine Lust, über das Wochenende wegzufahren. Bin am Bahnhof angekommen. Sehe ein paar von meinen Kommilitonen, aber abgesehen von der Studienrichtung und dem Semester haben wir nichts gemeinsam. Wir haben noch nie ein Wort gewechselt. Ich weiß zwar, eine von denen hat heute Geburtstag, aber ich hatte jetzt keinen Bock, rüberzugehen und zu gratulieren. Ich wäre mir lächerlich vorgekommen. Ich hätte wahrscheinlich das gesagt, was Pierce Brosnan in „Remember me“ zu Robert Pattinson gesagt hat. „Du hast heute Geburtstag. - Ja. - Happy Birthday.“ Und es klang wie „Guten Appetit“. Ich bin ein Einzelkämpfer. Wenn wir aus unserem Studiengang ein bisschen älter wären und nicht mehr Studenten, sondern Kollegen, dann gäbe es von den vierzig Leuten vielleicht fünf, mit denen ich inzwischen per du wäre. Und das heißt noch nicht einmal, dass der Kontakt so dermaßen eng wäre. Der Zug kommt. Ich steige lustlos ein. Nehme den Sitzplatz direkt an der Tür. Der Schaffner müsste längst durch sein, ich bin hier also vor dem Zugriff sicher. Mache nur die Jacke auf, verspüre nicht das Bedürfnis, die Mütze oder die Handschuhe abzulegen, obwohl der Zug gut gewärmt ist. Sehe beim Bahnhof und im Waggon ein glückliches Pärchen. Gönne es ihnen mit schwerem Herzen. Während der ganzen beschissenen Fahrt mache ich nicht einmal den Mund auf. Rechne dafür folgende Aufgabe schnell aus: Der Weg ist in vier Teile geteilt durch die drei Bahnhöfe, die zwischen Greifswald und Stralsund liegen, durch zwei davon fahren wir durch. Die Etappe bis zum ersten Bahnhof betrage ein Drittel der Strecke. Wenn der Weg jetzt gleichmäßig auf die anderen drei Abschnitte aufgeteilt wird, welchen Anteil hat dann jeder Abschnitt am Gesamtweg? Falls es wen interessiert: Es sind zwei Neuntel oder anders gesagt ungefähr 22 %.

Erledige das, was ich im Laden machen soll. Merke wieder, was in diesem Laden für ein Pensum steckt. Das Bewältigen dieses Pensums macht mich nicht glücklich. Auch wenn man sagt, dass man sich besser fühlt, wenn man etwas geschafft hat, in diesem Fall ist es nicht so, genauso wenig wie die Zeit Wunden heilt (siehe hierzu besides - Third Session plus Fortsetzung). Ich bin demotiviert, und werde dann auch noch mit der diesmal dringenden Aufforderung zum Nebenjob konfrontiert, weil die fucking Krankenkasse den Beitrag mehr als verdoppelt. Da muntert mich auch die bereits bekannte Nachricht nicht mehr auf, dass der arschlecken-Wehrdienst Mitte nächsten Jahres ausgesetzt werden soll. Ich will in die Kälte, mich hinsetzen und einfach nur heulend weggehen. Und dabei nachdenken. Zähle ich den Krampf mit dazu? Nein, mache ich nicht, weil er nicht NUR von dem Thema induziert wurde, es war nur beteiligt.

Und es hört nicht auf mit den Hiobsbotschaften: Die größte Gruppe in sVZ, namentlich „FAAAHR DOCH DA VORNE DU SPAST!! - Wir fluchen im Auto“, ist endgültig Opfer eines Vandalismusanschlages geworden. Ich bin seit September, Oktober 2008 in der Gruppe unterwegs, schrieb regelmäßig was rein und bin in der Zwischenzeit zu einem der elf Moderatoren geworden. Dann kam das Löschen. Irgendjemand hatte alle Threads gelöscht, die einen Eintrag aus dem Jahr 2010 hatten. Also auch die Topthemen. Es gab ja nur zwölf, die das machen konnten, wir wussten nicht, wer das war, haben versucht, alles wieder aufzubauen, aber vor einer Stunde hab ich mich eingeloggt und musste feststellen, dass nicht ein einziger Thread überlebt hat. Es gab nur einen neugegründeten, und in dem ging es darum, dass die Mods sich darüber beschwerten, dass keiner mehr da war. Wir, unsere kleine Diskussionsrunde, die sich so langsam schon eingeschworen hat, hat eine neue Gruppe gegründet. Wir haben herausgefunden, dass unser Gruppengründer, der diesen Titel irgendwann mal geerbt hat, für das Verschwinden sämtlicher Threads verantwortlich war. Diese Gruppe, die mir so sehr am Herzen lag, ist nun nur noch eine Farce. War eine schöne Zeit. Aber diese ist nun weg. Kurzum, momentan gibt es nur noch eine Sache, die mich irgendwie wieder hochziehen kann. Ich will das Gespräch. Um jeden Preis.

There was never a Man like my Johnny … Peggy Lee - Johnny Guitar. Trifft den heutigen Tag von der Stimmung her ziemlich gut. Und viele davor auch.

Mittwoch, 17. November 2010

StubStubStubStubStubStubStub


Ich will nur das Foto loswerden, das schon seit Wochen hier rumliegt. Für „Wer ist das“ in Sprücheklopperei (Filmzitate) diesmal. Hab inzwischen „Der Ghostwriter“ gekuckt. Absolut sehenswert. Ist, glaub ich, der erste Film, den ich gesehen habe, in dem Pierce Brosnans Rolle … nein, ich spoile hier keinen. Ich hab das nur noch nicht gesehen. In den Bond-Filmen nicht, Der Schneider von Panama, der Robinson Crusoe-Film, Remember me, Die Thomas Crown Affäre … An Mars Attacks erinnere ich mich fast gar nicht mehr, ist viel zu lange her, seit ich ihn gesehen habe, ich war so ungefähr neun Jahre alt, vielleicht auch jünger. Es ist nicht besonders vorteilhaft, wenn man in jungen Jahren einen Blockbuster sieht, weil man den selbst nicht so einschätzt wie das Erwachsene tun. War bei mir auch bei Titanic so. Hab den als Achtjähriger gesehen, fand ihn scheisse, hab ihn viele Jahre später noch einmal gesehen und seitdem belegt der Platz 3 auf meiner Top 50-Liste. Aber das wollte ich gar nicht sagen, sondern seht euch einfach mal „Der Ghostwriter“ an. Erwähnenswert sind auch zwei Dinge: Der Film wurde fast komplett in Deutschland gedreht. Und es kommt nicht eine einzige Szene drin vor, die in Deutschland spielt. Daran sieht man: Es geht auch ohne den großen Security-Rummel.

Mir fällt gerade ein, dass gestern „neues aus der Anstalt“ lief. Na dann, kann ja nur gut sein. Wenn Jochen Malmsheimer, Rainald Grebe und Hagen Rether dabei sind. Fehlt eigentlich nur noch Volker Pispers.

Mir fällt gerade ein, dass gestern „neues aus der Anstalt“ lief. Na dann, kann ja nur gut sein. Wenn Jochen Malmsheimer, Rainald Grebe und Hagen Rether dabei sind. Fehlt eigentlich nur noch Volker Pispers.

Montag, 15. November 2010

My sweet Revenga

Hm. So langsam fange ich an, meine Filmwunschliste abzuarbeiten. Hab mir letztens Auftrag Rache ausgeliehen. War ganz nett, allerdings nicht ganz so das, was ich erwartet hab. Man fühlt sich ein bisschen erinnert an „The Departed“, nur eben ernster und das alles. The Departed war ja streckenweise und nicht nur durch den Soundtrack fast wie eine Komödie aufgezogen. Das war Auftrag Rache nicht. Das war ein richtiger Polizeithriller. Und ich glaub, die beiden Filme teilen sich einen Schauspieler. Nämlich den, der bei The Departed den Assistenten von Jack Nicholson gespielt hat. „Kennst du John Lennon? - Klar, der Präsident vor Lincoln.“ Der Villain ist hier wieder ein bisschen zu undifferenziert. Zu sehr, ich weiß nicht. Der hat wiederum was von dem Abteilungsleiter bei den Cops in The Departed, der ist auch mit einer ähnlichen Charaktertiefe gezeichnet. Aber gesehen hab ich den mal woanders, mal überlegen … also Children of Men kenne ich und Aviator auch, aber bei denen macht es gerade nicht Klick, ist auch egal. Also unterm Strich ist die Bewertung mit 6,7 okay.

Der nächste, er stand nicht direkt auf der Liste, aber aufgefallen ist er mir dennoch, ist „Der Ghostwriter“. Mit Pierce Brosnan und Ewan McGregor. Musik von Alexandre Desplat. Den stelle ich mir ein bisschen wie „Remember me“ vor, weil das der unmittelbar vorhergehende Film mit Pierce Brosnan ist.

Bin gerade noch mal rausgegangen, es war schon spät, nach zwölf. Ich denke fast den ganzen Weg nur über sie nach. Ich befinde mich gerade auf einer Fußgängerallee, da fällt direkt vor mir eine Straßenlaterne aus. Mir passiert das nicht zum ersten Mal und ich ahne, was kommen wird. Ich gehe dran vorbei. Als ich dann vorbei bin und etwa zehn Meter weg, geht die wieder an. Während ich über SIE nachgedacht habe. Ich sagte nur: Halt die Klappe. Ich lasse mir von einer kaputten Straßenlaterne nicht vorschreiben, wie ich mein Leben zu führen habe, also STFU!

Ich glaub, ich gehe morgen nach weit über anderthalb Jahren Pause mal wieder in die Kantine.

Montag, 8. November 2010

Leiden unter Zuhülfenahme einer Walther

Ich musste sofort aus BT raus. Nicht etwa, weil mich die nachfolgende Stunde nicht interessieren oder ich einen Zug erwischen musste, nein. Ich find die BT-Stunden eigentlich immer ziemlich gut. Es war nur so, dass sich in mir gerade wieder dieser Wahnsinn breitgemacht hat, für den eine teilautistische Einstellung notwendig ist. Um denjenigen, die sich glücklich schätzen können, damit nicht konfrontiert werden zu müssen, einen Einblick zu geben, was das heißt: Das heißt zum Beispiel, dass man spontan das Bedürfnis verspürt, sich zu erschießen, aber dafür eine ganz bestimmte Waffe haben will und man es, wenn die gerade nicht verfügbar ist, gleich ganz bleiben lässt. Jetzt mal in Extrem gesagt. Natürlich hat man nicht das Bedürfnis danach. Aber der Gedanke kreist einem im Kopf rum: Was würde ich jetzt für eine Waffe nehmen, wenn ich mich jetzt erschieße? Falls es jemanden interessiert: In meinem Fall war das eine Glock 19 mit Schlitten im Silber-Finish, der Rest der Waffe schwarz, mit Montiermöglichkeit für einen Schalldämpfer, aber ohne dass der Schalldämpfer montiert ist, beiliegen sollte er dennoch. Was auch hinzukam: Erkältung. Scheiss Dreckserkältung. Und ich hatte mein Hemd vergessen. Hab es auf dem Weg zum Markt nicht angezogen, weil es warm genug war, hatte dann aber die Jacke nicht ausgezogen, als ich wieder zu Hause war, so fiel mir mein Fehler erst später auf.

Das Ganze ist Ausdruck dieser verdammten Denkart, die sich jetzt seit einer Weile widerspiegelt (das Wort wird nicht mit „ie“ geschrieben, merkt’s euch) und die mich dazu veranlasst hat, das Vanitas-Thema aufzugreifen. Ihr erinnert euch möglicherweise, dass ich vor ein, zwei Wochen eine Fotostrecke machen und parallel noch „Mathilde - Eine große Liebe“ schauen wollte. Das mit der Fotostrecke hat jetzt geklappt, ich hab die Fotos, die ich machen wollte, gemacht, auch wenn sie etwas anders geworden sind, als ich es mir erhofft hatte, aber so ist es auch gut. In erster Linie inspiriert von den zwei Vexierbildern „Blüthe [sic!] und Verwesung“ und „All ist Vanity“, auf denen eigentlich harmlose Szenen abgebildet sind, die sich aber durch die Anordnung der Objekte im Bild zu einem Totenschädel formieren. Das wollte ich auch machen, dafür hab ich unser Badezimmer umfunktioniert. Letzten Endes hab ich es geschafft, das Arrangement so zu fotografieren, dass ein Schädel erkennbar wird. Er ist zwar nicht so schön wie bei den Vexierbildern, aber erstens sah der Schädel auf dem ersten Bild auch ein bisschen krumm aus, zweitens hatte ich viel weniger Zeit, drittens hatte ich viel weniger Material, und viertens hab ich das nicht gemalt, sondern geknipst. Und zwar als Real-Life-Aufstellung. Da ist nix irgendwie reinmontiert oder so. (Schon wieder diese drei Worte, auf die ich so doof reagiere …) Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn ich mir wirklich überlegen sollte, ob das alles nicht doch zu morbid ist. Es soll ja Artwork für besides sein. Aber dann noch zusammen mit dem Breaking Benjamin-Titel und all dem … Vielleicht sehe ich all das wirklich zu verkrampft und es ist alles gar nicht so schlimm. Aber es fühlt sich so an. Es fühlt sich schlimm an. Was soll ich ihr sagen? Wie soll ich es ihr sagen? Wo krieg ich eine Glock 19 her?

Bei einem blauen Mantel geh ich mit, aber gelbe Westen stehen mir nicht.