Montag, 8. November 2010

Leiden unter Zuhülfenahme einer Walther

Ich musste sofort aus BT raus. Nicht etwa, weil mich die nachfolgende Stunde nicht interessieren oder ich einen Zug erwischen musste, nein. Ich find die BT-Stunden eigentlich immer ziemlich gut. Es war nur so, dass sich in mir gerade wieder dieser Wahnsinn breitgemacht hat, für den eine teilautistische Einstellung notwendig ist. Um denjenigen, die sich glücklich schätzen können, damit nicht konfrontiert werden zu müssen, einen Einblick zu geben, was das heißt: Das heißt zum Beispiel, dass man spontan das Bedürfnis verspürt, sich zu erschießen, aber dafür eine ganz bestimmte Waffe haben will und man es, wenn die gerade nicht verfügbar ist, gleich ganz bleiben lässt. Jetzt mal in Extrem gesagt. Natürlich hat man nicht das Bedürfnis danach. Aber der Gedanke kreist einem im Kopf rum: Was würde ich jetzt für eine Waffe nehmen, wenn ich mich jetzt erschieße? Falls es jemanden interessiert: In meinem Fall war das eine Glock 19 mit Schlitten im Silber-Finish, der Rest der Waffe schwarz, mit Montiermöglichkeit für einen Schalldämpfer, aber ohne dass der Schalldämpfer montiert ist, beiliegen sollte er dennoch. Was auch hinzukam: Erkältung. Scheiss Dreckserkältung. Und ich hatte mein Hemd vergessen. Hab es auf dem Weg zum Markt nicht angezogen, weil es warm genug war, hatte dann aber die Jacke nicht ausgezogen, als ich wieder zu Hause war, so fiel mir mein Fehler erst später auf.

Das Ganze ist Ausdruck dieser verdammten Denkart, die sich jetzt seit einer Weile widerspiegelt (das Wort wird nicht mit „ie“ geschrieben, merkt’s euch) und die mich dazu veranlasst hat, das Vanitas-Thema aufzugreifen. Ihr erinnert euch möglicherweise, dass ich vor ein, zwei Wochen eine Fotostrecke machen und parallel noch „Mathilde - Eine große Liebe“ schauen wollte. Das mit der Fotostrecke hat jetzt geklappt, ich hab die Fotos, die ich machen wollte, gemacht, auch wenn sie etwas anders geworden sind, als ich es mir erhofft hatte, aber so ist es auch gut. In erster Linie inspiriert von den zwei Vexierbildern „Blüthe [sic!] und Verwesung“ und „All ist Vanity“, auf denen eigentlich harmlose Szenen abgebildet sind, die sich aber durch die Anordnung der Objekte im Bild zu einem Totenschädel formieren. Das wollte ich auch machen, dafür hab ich unser Badezimmer umfunktioniert. Letzten Endes hab ich es geschafft, das Arrangement so zu fotografieren, dass ein Schädel erkennbar wird. Er ist zwar nicht so schön wie bei den Vexierbildern, aber erstens sah der Schädel auf dem ersten Bild auch ein bisschen krumm aus, zweitens hatte ich viel weniger Zeit, drittens hatte ich viel weniger Material, und viertens hab ich das nicht gemalt, sondern geknipst. Und zwar als Real-Life-Aufstellung. Da ist nix irgendwie reinmontiert oder so. (Schon wieder diese drei Worte, auf die ich so doof reagiere …) Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden, auch wenn ich mir wirklich überlegen sollte, ob das alles nicht doch zu morbid ist. Es soll ja Artwork für besides sein. Aber dann noch zusammen mit dem Breaking Benjamin-Titel und all dem … Vielleicht sehe ich all das wirklich zu verkrampft und es ist alles gar nicht so schlimm. Aber es fühlt sich so an. Es fühlt sich schlimm an. Was soll ich ihr sagen? Wie soll ich es ihr sagen? Wo krieg ich eine Glock 19 her?

Bei einem blauen Mantel geh ich mit, aber gelbe Westen stehen mir nicht.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen